Die Entwicklung im Bereich Fahrradzubehör steht niemals still, und so erfreuen sich auch Trägersysteme wieder größerer Beliebtheit. Einst waren sie Standard im Radreisen. Ich bin jahrelang mit meinem Reiserad und Trägern vorne und hinten durch die Welt gereist. Warum also kompliziert anschnallen und vergurten müssen, wenn man auch einfach dranhängen kann?
Dieser Artikel beleuchtet zwei interessante Lösungen: das Tailfin AeroPack System und den Ortlieb Quick Rack, und vergleicht ihre Vor- und Nachteile.
Tailfin AeroPack: Aerodynamik und Stabilität für Ultra-Fahrer
Ich habe schon lange mit Interesse auf Tailfin geschaut und beobachtet, wie sich das System vor allem bei Ultra-Fahrenden verbreitet. Das erklärt auch die in den letzten Monaten immer stärkere Sichtbarkeit des Tailfin Systems bei Ultra Bikepacking Races. So waren beim Silk Road Mountain Race in 2022 schon 20% der Teilnehmenden mit Tailfin unterwegs.
Bekannt ist Tailfin vor allem für seine Träger. Die Tasche alleine heißt AP20 Trunk Top Bag und wird mit einem Tailfin Rack kombiniert. Ich persönlich finde die erste Kombination aus separatem Träger und Tasche praktischer für meine Art von Bikepacking, da ich in der Tasche dann zum Beispiel meine Schlafsachen habe und diese gerne mit ins Zelt oder die Unterkunft nehmen möchte.
Für den Test hatte ich mir die Tailfin Carbon AeroPack ausgesucht, also die Version, bei der die Tasche oben fest verschraubt ist. Beim Rack und beim AeroPack gibt es die Auswahl zwischen mit oder ohne Pannier Mounts. Ich habe mich für Pannier Mounts entschieden, denn so wird aus dem Tailfin ein modulares System für alle Arten von Touren, mit dem man flexibel auf Gepäckumfänge und -Anforderungen reagieren kann.
Beim Trägermaterial kann man zwischen Alu und Carbon wählen. Letztendlich ist es eine Frage des Gewichts und des Preises. Aber wer sich für die Alu-Variante entscheidet, der bekommt beim Träger noch Ösen rechts und links mit, an die man dann entweder Flaschenhalter oder Anything Cages/Ortlieb Fork Packs anbauen kann.
Modularität und Erweiterungsmöglichkeiten
Noch mal zu den Tailfin Taschen: da haben die Briten in letzter Zeit ihr Angebot deutlich erweitert. Neben der Rack Tasche AeroPack, gibt es die Super Light Pannier, die an klassische Trägertaschen erinnern. Und ich kann jetzt schon sagen: die Befestigung der Mini Panniers und die Verarbeitung ist exzellent. Darüber hinaus bietet Tailfin noch weitere Taschensysteme für die Befestigung an der Gabel und am Unterrohr, die ihr euch auch mal anschauen solltet. Vor allem auch die Lösungen für Federgabeln.
Montage und Befestigung
Ein bisschen muss man schrauben, aber nach ein paar Minuten ist dann alles fertig und der Bügel ist mit der Tasche und unten mit den Klemmen für die Achse verschraubt. Ich habe die Befestigung an der Steckachse gewählt. Da gibt es verschiedene Achstypen, aus denen man die für sein Fahrrad passende wählen kann. Diese Tailfin Steckachse steht an beiden Seiten über. Dort wird dann der Fast Release aufgenommen. Das ist ein ziemlich interessantes System, das einfach um die Achse gelegt und zugeklickt wird. Zum Lösen, zieht man einfach an dem Stift.
Dann wird das AeroPack an der Sattelstütze befestigt. Dabei ist es egal, ob diese aus Carbon oder Alu (oder Titan) ist. Die Befestigung erfolgt über eine Klemmverbindung, die einen Gummi festzurrt und ihn unter Spannung hält. Die Befestigung dieser Sattelklemme kann auch verlängert werden, wenn man etwas mehr Platz hat oder braucht. Dann schiebt es so die Tasche nach hinten etwas weg.
Fertig installiert sollte die Tasche dann halbwegs waagerecht mit leichter Neigung zum Sattel hin montiert sein.
Die AeroPack Tasche im Detail
Das Material der AeroPack Tasche (die AP20 Trunk Top Bag) besteht aus einem laminierten Stoff, der verschweißt ist und zu 100% wasserdicht. Sie hat eine Länge von 430mm und ist hinten ca. 160mm und vorne zum Sattel hin ca. Sie besitzt einen Rollverschluss, der durch Klick-Verschlüsse vorne und hinten verschlossen wird. Hier mein Hinweis, dass diese Verschlüsse nur in eine Richtung gehen, also nicht beliebig herum ineinander gehen, sondern eben nur in einer Art. Zudem wird die Taschen dann durch zwei seitlich befestigte Riemen zusätzlich verschlossen.
Die Tasche bietet 20l Volumen, was schon eine Menge ist. Übrigens - da die Frage kam: ich stopfe normalerweise meinen Schlafsack in den jeweiligen Packsack. Bei der Tailfin habe ich ihn in seinen Original-Packsack gestopft und dann diesen in das AeroPack gelegt. Im Prinzip wie Tetris mit allen anderen Sachen.
Zum Packen kann man das AeroPack einfach am Rad belassen. Ich habe es allerdings meist abgenommen und auf den Boden gestellt, da es sich so besser komprimieren ließ. Der Rack Bügel kann dafür einfach umgelegt werden.
Beim Packen sollte man laut Tailfin darauf achten, eher schwerere Gegenstände nach vorne hin zur Sattelstütze zu verstauen. Neben dem Hauptfach gibt es seitlich jeweils noch zwei Reißverschlüsse. Der eine ist für eine separate und flache Seitentasche. In dieser kann ein Multitool oder Riegel und Gels untergebracht werden. Auf der anderen Seite öffnet der Reißverschluss das Hauptfach und man kann da direkt in die Tasche zugreifen.
Das Gewicht der Carbon AeroPack mit Pannier Mounts beträgt laut Tailfin 850g, nachgewogen 870g.
Mini Panniers: Zusätzlicher Stauraum
Wählt man ein Rack mit Pannier Montage, kann man unter anderem die Tailfin Mini Pannier anbringen. Das Prinzip funktioniert derart einfach, dass es innerhalb von Sekunden möglich ist, eine Mini Pannier abzunehmen oder anzuklemmen. Und die Tasche hält dann absolut sicher am Träger, zusätzlich durch eine Klemme unten am Träger fixiert.
Die Mini Pannier Taschen haben einen Rollverschluss, der durch einen Klickverschluss gesichert wird. Im Lieferumfang sind auch weitere Riemen enthalten, um eine alternative Verschließmöglichkeiten seitlich rechts und links zu bieten. Und das Beste ist: die Mini Panniers können auch an herkömmliche Gepäckträger montiert werden.
Mit den Mini Pannier wird das Platzangebot des Tailfin Systems erheblich erweitert. Bei meiner Frühlingstour in die Steinzeit habe ich dort dann Klamotten und Essen transportiert. Die 10L Panniers bieten schon sehr viel Platz und sind aus meiner Sicht ein gutes Angebot für alle, die auch lange Touren machen wollen, wo etwas mehr Platzbedarf benötigt wird. Die kleinere 5L Version ist eine prima Ergänzung für ein eher minimalistisches Bikepacking, wo man eventuell im Winter etwas mehr Stauraum benötigt.
Die 5L Mini Pannier sind 380mm hoch und messen oben ca. 170mm und unten 110mm Breite. Das Gewicht der 5L Mini Pannier liegt laut Tailfin bei 310g, nachgewogen 339g (pro Tasche). Die maximale Beladung wird für Off-Road Touren von 4kg angegeben.
Die 10L Variante misst 400mm in der Höhe und sie ist oben 210mm und unten 140mm breit. Das Gewicht liegt laut Tailfin bei 380g, nachgewogen 419g.
Wie auch die AeroPack bestehen die Mini Pannier aus Hypalon/Ripstop Nylon und sie sind 100% wasserdicht. Zudem sind sie auch abriebfest. Ich hatte so einige Passagen und Stellen, an denen die Taschen beansprucht wurden.
Fahrverhalten und Stabilität
Im Fahrverhalten fällt das Trägersystem nicht weiter auf. Im Gegenteil, die gewohnte Agilität und Beweglichkeit bleiben erhalten. Das spricht für die Stabilität des Systems. In der Praxis ist das AeroPack auch widerstandsfähig genug, um mal einen Sturz oder Umfaller zu überstehen.
Allerdings gibt es bereits Systeme (Revelate Spinelock, Ortlieb Seat-Pack QR), die das komplett beheben und eine gut gepackte und montierte Satteltasche hat bei mir noch nie gewackelt, egal ob Apidura, Brooks, Ortlieb, Revelate oder Decathlon. Satteltaschen haben also ihren festen und berichtigten Platz. Für sie sprechen im Vergleich der Preis und das Gewicht.
Mögliche Probleme und Einschränkungen
…bei einigen Rahmen/Fahrrädern kann der Tailfin zu einem Aufschaukeln führen. Das trat bei mir aber nur auf, als ich freihändig gefahren bin. Dann schaukelte sich bei mir das Vorderrad auf. Ich hatte diesen Effekt aber nur, wenn ich die Mini Pannier montiert hatte. Das AeroPack alleine montiert hat bei mir keinerlei Auswirkungen. Dieses Phänomen tritt wohl wie geschrieben nur in einigen wenigen Fällen auf.
Allerdings kenne ich dieses Aufschaukeln auch von meiner Radreise-Zeit her, wo das durch falsches Beladen, Flex des Reiserad-Rahmens und des Gepäckträgers oder Unwuchten in den Reifen entstand - damals allerdings selbst mit beiden Händen am Lenker. Daher kannte ich dieses Phänomen bereits, war nur überrascht, dass es beim Tailfin nur freihändig auftrat und ansonsten nichts im Fahren zu spüren oder zu bemerken war. Es wirkt sich also nicht auf das normale Fahrverhalten aus.
Preis und Alternativen
Allerdings ist der Preis des Tailfin Systems ein Thema, das nicht ausgespart werden kann. Während für das oben genannte Ortlieb System nur 220 Euro anfallen, kostet das Tailfin AeroPack in der Carbon Variante gleich mehr als doppelt so viel (510 Euro).
Ortlieb Quick Rack: Flexibilität für den Alltag
Ortlieb, der Spezialist für wasserdichte Fahrradtaschen, hat auch einen Gepäckträger im Programm. Üblicherweise sind Gepäckträger fest am Fahrrad montiert. Entweder immer dran oder nie. Mit dem Quick Rack geht Ortlieb einen neuen Weg und hat einen Gepäckträger geschaffen, der bis zu 20 Kilo Zuladung verträgt und sich nach erstmaliger Einstellung innerhalb von Sekunden ans Rad an- und wieder abbauen lässt. So wird zum Beispiel das Gravelbike schnell zum Pendelrad und umgekehrt.
Vom Quick Rack gibt es zwei Varianten, mehr dazu weiter unten. Wir haben die Light-Variante ohne Plattform getestet.
Quick Rack Light im Überblick
Der Ortlieb Quick Rack Light wiegt 440 Gramm. An den Seitenstreben mit zehn Millimeter Durchmesser lassen sich Seitentaschen von Ortlieb und anderen Herstellern befestigen. Optisch ist der Quick Rack Light clean und dezent. Er passt für Bikes von 26 bis 28 Zoll; bei 29ern beträgt die maximale Reifenbreite 2,35 Zoll, also 59 Millimeter. Der Hersteller gibt an, dass der Gepäckträger auch an vollgefederten Fahrrädern verwendet werden kann.
Zum Lieferumfang gehört ein Montageset. Für 20 Euro extra lässt sich der Gepäckträger je nach Reifenbreite um eines von drei Schutzblechen erweitern - das haben wir direkt mitgetestet. Auch fest installierte Schutzbleche passen unter den Quick Rack.
So sieht der Ortlieb Quick Rack Light aus:
- Gewicht: 440 Gramm
- Maximale Zuladung: 20 Kilo
- Preis: 85 Euro
Montage des Gepäckträgers
Passendes Schutzblech: Quick Rack Mudguard
Das Quick Rack Mudguard wird mit Plastikstreben und Gummis am Quick Rack oder Quick Rack Light befestigt. Nicht nur in der Theorie schützt es Bike, Taschen und Fahrer vor Nässe und Schmutz, sondern auch in der Praxis.
Größen und Preis:
- 38 Millimeter: für Reifen bis maximal 32 Millimeter / 26 bis 28 Zoll geeignet
- 50 Millimeter: für Reifen bis maximal 45 Millimeter / 26 bis 28 Zoll geeignet
- 72 Millimeter: Für Reifen bis maximal 2,3” / 26 bis 28 Zoll geeignet
- Preis: 20 Euro
Quick Rack Light und Mudguard im Praxistest
Der Quick Rack Light hält den Rücken frei. Nach einem Jahr Langstrecken-Pendeln (26 Kilometer pro Strecke) mit Rucksack auf dem Rücken, bringt der Quick Rack eine echte Erleichterung. Mit dem schnell montierten Ortlieb-Gepäckträger bleibt das Bike flexibel und wird in wenigen Sekunden vom Pendelrad zum Gravel- und Bikepacking-Rad.
Ortlieb verspricht, dass der Gepäckträger innerhalb von 15 Sekunden ans Rad montiert werden kann. Im Video haben wir knapp 19 Sekunden gebraucht und uns bemüht, zügig aber nicht gehetzt zu arbeiten. Es war also noch Luft nach oben.
In der Praxis sind sowohl Gepäckträger als auch Schutzblech stabil, auch wenn wir eine voll beladene Tasche, Ortlieb Vario PS, daran gehängt haben. Sogar extremen Belastungen über wurzelige Singletrails hielt das System problemlos stand.
Was die Belastungen erwartungsgemäß nicht so aushielt, war die Lackierung. An den Stellen, an denen die Tasche am Gepäckträger sitzt, sah man ihm schnell die Spuren an. Letztendlich schränkt es nur die Optik, nicht aber die Nutzbarkeit des Gepäckträgers ein.
Großer Bruder: Ortlieb Quick Rack - ohne light
Der Ortlieb Quick Rack Light hat ein Geschwisterlein. Der Ortlieb Quick Rack*. Dieser Gepäckträger hat gleich zwei Einhängeebenen und eine Plattform. So können Seitentaschen und gleichzeitig ein Korb oder Ähnliches genutzt und befestigt werden.
Weitere Gepäckträger-Optionen
Neben den genannten Systemen gibt es noch weitere interessante Optionen auf dem Markt:
- Topeak TetraRack: Vielseitig einsetzbar, aber mit geringerer maximaler Zuladung.
- Thule Tour Rack: Flexibel und vorne wie hinten montierbar, benötigt aber zusätzliches Zubehör für Seitentaschen.
- XLC RP-R06: Schnell montiert, aber nicht alle Gepäckträgertaschen passen problemlos.
- SKS Infinity Universal: Befestigung mit Bändern, warnt aber vor Einsatz an Carbonrahmen.
- Tubus Racktime Boost-it Tour 2.0: Flexibelster und stärkster Träger im Test, macht aber am meisten Arbeit bei der Montage.
Systemgepäckträger im Vergleich: MIK, AVS und RACKTIME
Es gibt drei bekannte Fahrrad-Gepäckträger-Systeme: MIK, AVS und RACKTIME. Das Besondere an den Systemgepäckträgern ist das integrierte Befestigungssystem, mit dem Fahrradtaschen und Körbe sicher auf dem Gepäckträger befestigt werden können - und das mit nur einem Klick.
Überblick über die Hauptfeatures der verschiedenen Fahrrad-Gepäckträger-Systeme:
| System | Eigenschaften |
|---|---|
| Racktime | Große Auswahl an Systemkörben, Taschen und Gepäckträgern, für Lasten bis 12 kg, einfaches Klicksystem, abschließbare Adapter erhältlich, nur als Systemgepäckträger nachrüstbar, keine Adapterplatte. |
| AVS | Zubehör ist modular aufgebaut und mit Front- und Heckgepäckträgern kompatibel, praktischer Adapter zum Nachrüsten, verschiedene Systemzubehör wie Körbe und Seitentaschen, AVS.Travel-Adapter zu Befestigung zusätzlicher Seitentaschen, nicht abschließbar. |
| MIK | Kompatibel mit unterschiedlichstem Zubehör von der Fahrradkiste über den Hundekorb bis hin zur Fahrradtasche, praktisches und leises Klicksystem, dank MIK-Doppeldecker mehrere Zubehörteile gleichzeitig befestigen, MIK-Trägerplatte zum einfachen Nachrüsten, mit integriertem Schlüssel ausgestattet. |
Die Fahrradgepäckträger-Systeme sind robust und stabil gebaut und können auf verschiedene Arten am Fahrrad montiert werden. Dabei bieten die Systemgepäckträger gleich mehrere Vorteile:
- langlebig und robust
- einfache Handhabung
- sicherer Transport des Gepäcks
- flexibel einsetzbar durch verschiedene Befestigungsmöglichkeiten für Taschen und Körbe, Kindersitze oder Fahrradanhänger
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