Tatsächlich kann sich kaum ein Radsportler der Faszination entziehen, die von einem extrem leichten Rennrad ausgeht. Das betörende Gefühl, mit einem federleichten Untersatz die Berge zu erklimmen, als hätte man plötzlich Flügel bekommen, ist viel zu verlockend, als dass man darauf einfach so verzichten könnte. Jedes Gramm Gewichtseinsparung macht ein Rad explosiver im Antritt und spielerischer im Handling - Leichtbau birgt Suchtpotenzial, vor allem für Radlerinnen und Radler, deren Leidenschaft die Berge sind.
Das Streben nach Leichtigkeit
Dass das Streben nach leichterem Material schon immer eine maßgebliche Triebfeder für die Rennradentwicklung ist, zeigt ein Blick in die Historie. Seit es Rennräder gibt, versuchen die Hersteller, ihren Konstruktionen mit teils aberwitzig anmutendem Aufwand Gramm für Gramm abzutrotzen. Einen vorläufigen Höhepunkt erreichte die Leichtbau-Ära vor etwa zehn Jahren, als die leichte Felgenbremse noch Standard und die Carbonverarbeitung bereits weit fortgeschritten war.
Profitieren konnten davon lediglich wenige solvente Hobbysportler, die bereit waren, teils absurd hohe Beträge für die superleichten Räder hinzublättern. An der Preisgestaltung der Leichtbaukönige hat sich seitdem leider nichts geändert. Verstärkte Rahmen und Gabeln und schwerere Komponenten katapultierten die Gewichte nach oben, hinzu kommen die Trends zu integrierten Leitungen, breiteren Reifen und aerodynamischeren Rahmenformen.
Die Herausforderung der Scheibenbremsen
Mit der heute obligatorischen Scheibenbremse rücken Gewichte von weniger als sechs Kilogramm allerdings in weite Ferne. Die 6,8-Kilo-Marke wurde eine theoretische Grenze, denn unterbieten lässt sie sich mit aktueller Technik kaum. Die Hersteller versuchen, dieser Entwicklung mit exzessivem Einsatz von Carbon zu begegnen. Dessen Verwendung reicht, wie bei den Laufrädern von Giant und Factor, bis hin zu den Speichen.
Dennoch: Keiner unserer aktuellen Testkandidaten kann die 6,5-Kilo-Marke knacken, leichter geht’s mit heutigen Ansprüchen an die Technik ganz offensichtlich nicht. Erfreulich ist, dass sich das geringe Gewicht bei keinem Teilnehmer nachteilig auf Funktion und Fahreigenschaften auswirkt. In Abfahrten mit hohem Tempo liegen aber die sehr steifen Räder von Canyon und Giant spürbar besser auf der Straße.
Vollwertige Räder trotz geringem Gewicht
Auch beim Federkomfort am Sattel bietet kein Rad Anlass zur Klage, die Räder schlucken Unebenheiten ausgesprochen gut. Über die rund 100 Gramm Aufschlag gegenüber der Konkurrenz sollte man sich aber nicht den Kopf zerbrechen, zumal das Rad den Gewichtsnachteil an anderen Stellen wettmachen kann. Außerdem kann das ungewöhnliche Design im Windkanal punkten: Schon mit den relativ flachen Serien-Laufrädern gehört es gemeinsam mit Canyon und Storck zur schnelleren Gruppe im Vergleich, die bei der TOUR-Messung im GST-Windkanal rund 220 Watt Tretleistung bei 45 km/h benötigt, um den Luftwiderstand zu überwinden.
Angesichts der Datenlage und immer leichter werdenden Aero-Modellen werden die Argumente für eine spezielle Leichtbau-Kategorie schwach. Für solvente Enthusiasten müssten sie noch leichter werden. Verboten leicht eben.
Leichte Fahrräder im Überblick
Trotz leichterer Rahmen und Komponenten gelingt es den Herstellern noch nicht, das Gewicht von Rennrädern mit Scheibenbremsen deutlich unter das UCI-Limit zu drücken. Die Vermutung liegt nahe, dass das „nur“ leichte Rennrad irgendwann -ausstirbt, zumindest für die Nutzung durch die breite Masse der Radsportler; die meisten Rennradler erwarten heute ein leichtes und windschnittiges Rad, so wie es im Profisport gefahren und von den meisten Herstellern auch kontinuierlich weiterentwickelt wird.
Hier ist eine Übersicht einiger leichter Rennräder:
- Cube Litening Air SLX: Ein Rahmen, der locker die 900-Gramm-Marke knackt und ein Komplettradgewicht von nur 6,6 Kilogramm für die Top-Version SLT mit Dura-Ace-Gruppe.
- Orbea Orca: Unter 750 Gramm soll der Rahmen der hochwertigen OMX-Reihe wiegen, aufgebaut soll ein Komplettgewicht von 6,7 Kilogramm möglich sein.
- Scott Addict RC Ultimate: Mit SRAM Red und Zipp 353 NSW sind serienmäßig 6,7 Kilo drin.
- Specialized S-Works Aethos: Der puristisch designte Rahmen schaffte auf der TOUR-Waage in Größe 56 spektakuläre 618 Gramm, die Gabel wiegt weniger als 300 Gramm. Mit den Roval-Alpinist-Laufrädern und Dura-Ace-Gruppe bleibt die Waage bei sagenhaften 6,2 Kilogramm stehen.
Leichte E-Bikes
Gerade aber liegen super leichte E-Bikes im Trend und die Frage, welches ist das leichteste E-Bike, rückt in den Fokus. 11,8 Kilo wiegt das Roadmachine 01 AMP X ONE von BMC- eine echte Ansage in Sachen Gewicht. Doch wie baut man ein leichtes E-Bike und welche Vorteile bringt das?
Ein E-Bike ist kein Leichtgewicht - damit hatte man sich in den letzten Jahren abgefunden. Ein E-Bike bis 20 Kilo Gewicht wie das Canyon Roadlite:ON 8 war beinahe unvorstellbar, die meisten Modelle waren und sind deutlich schwerer. Zum einen bringen die Komponenten des Antriebs Zusatzgewicht ans Rad. Der Motor, der Akku, Sensoren, Display und Kabel - sie alle tragen ihren Teil zum höheren Gewicht bei.
Das Thema Reichweite wird oft groß geschrieben, als Konsequenz ist die Kapazität der Akkus in den letzten Jahren immer weiter gewachsen und mit ihr das Gewicht der Batterien. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um ein Carbon-E-Bike wie das Rennrad Trek Domane+ SLR 9 oder ein Aluminium-E-Bike handelt.
Wie kann man E-Bikes leichter machen?
Die Größe des Akkus hat enormen Einfluss auf das Gewicht eines E-Bikes, nicht unerheblich sind auch die Art und Größe des Motors und damit seine Leistungsfähigkeit. Sind das Drehmoment und die Leistung des Motors geringer, kann die Kapazität des Akkus weniger groß ausfallen und damit sinkt automatisch dessen Gewicht . Die Kategorie des Bikes hat ebenfalls Einfluss auf dessen Gewicht. So sind an einem schlanken Urban-E-Bike leichtere Komponenten montiert als an einem E-Mountainbike.
Ein geringeres Gewicht spielt jedoch nicht nur bei der Handhabung generell eine Rolle, sondern es nähert das Fahrverhalten des E-Bike dem eines „normalen“ Fahrrads an. Neben den bereits genannten sportlichen und stylischen E-Bikes sollen auch Klappräder möglichst leicht sein. Klar, denn sie sollen gut zu transportieren sein und da ist es hochwillkommen, wenn ein E-Bike Klapprad wie das Woscat C1 unter 20 kg wiegt.
Hier ist eine kleine Tabelle mit einigen leichten E-Bike Modellen:
| Modell | Besonderheiten |
|---|---|
| Minimalistisches Stadtrad | Gewicht unter 20 kg, kompakter Heckmotor, keine Schaltung. |
| Premium-E-Bikes | Leicht, Fazua-Antriebssystem, 430 Wh Akku, RX Connect System. |
| Sportliches Urban E-Bike | Bosch Performance Line SX-Antrieb, Shimano Alfine 11-Gang Nabenschaltung. |
| Schindelhauer Arthur | Mahle Hiinterradnabenmotor (40 Nm), integrierte Lichter, unter 14 kg. |
Das Vello Bike+ Titan Rahmenset
Den österreichischen Hersteller Vello kennen wir bereits gut von unserem Testbericht des faltbaren Vello Alfine. Im Frühjahr 2022 kündigte Vello zudem das "leichteste faltbare E-Bike aus Titan" an. Nur knapp 10 Kilogramm soll das neue E-Faltrad von Vello wiegen. Das Titan-Rad lässt sich mit zahlreichem Zubehör veredeln, etwa mit entsprechenden Taschen für kurze oder längere Ausflüge. Die verbauten Komponenten sind durch die Bank hochwertig. So gibt es einen Zehus-Antrieb, Riemen und hydraulische Scheibenbremsen.
Das Rahmenset besteht aus Voll-Titan, wiegt 1,9 Kilogramm und enthält neben dem Rahmen und der ungefederten Gabel weitere Anbauteile aus Aluminium, wie etwa den Seitenständer. Der Rahmen wiegt nur 1,9 Kilogramm. Zusammen mit der 0,6 Kilogramm schweren Gabel entsteht nach ein wenig Handarbeit laut Vello das leichteste Fahrrad der Welt. Ein edler Bausatz.
Das Rahmenset ist limitiert, laut Vello auf einhundert Stück und wird im Januar 2025 an Kundinnen und Kunden ausgeliefert. Der Preis für das Set liegt bei 3.990 Euro. Eine Alternative zum Vello Bike Titan ist etwa das Firefly Mini, das in einen kleinen Rimowa-Koffer passt und ebenfalls über einen Titan-Rahmen verfügt.
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