Gravel Bike Lenkeraufsatz Test: Der ultimative Guide für Komfort und Kontrolle

Gravel-Lenker sind eine Weiterentwicklung der klassischen Rennradlenker und bieten Fahrern mehr Komfort und Kontrolle auf unbefestigten Straßen und im Gelände. In diesem Artikel erklären wir Dir, was es mit Flare, Drop, Reach & Backsweep auf sich hat und wie Du den richtigen Gravel-Lenker für Deine Bedürfnisse findest. Außerdem gehen wir auf Lenkeraufsätze ein, die besonders bei Bikepacking-Touren und Langstreckenfahrten von Vorteil sein können.

Der Unterschied zwischen Rennlenker und Gravel-Lenker

Beim klassischen Rennradfahren steht das Tempo im Vordergrund. Aerodynamik ist entscheidend, und der Rennlenker soll den Fahrer in eine möglichst windschnittige Position bringen. Alle Maße, die den Lenker komfortabler machen, sind diesem "Aero-Diktat" untergeordnet. Deshalb sind Rennlenker schmal, ragen weit nach vorn, und der Unterlenker ist tief abgesenkt.

Mit dem Gravelbike verlässt Du die asphaltierte Straße und das hohe Tempo eines Pelotons. Hier sind Komfort, Kontrolle und Übersicht wichtiger. Dem trägt die Form des Gravel-Lenkers Rechnung.

Wie finde ich den richtigen Gravel-Lenker?

Um den perfekten Lenker auszuwählen, solltest Du die Maße Deines aktuellen Lenkers und Vorbaus kennen. Da die Mischung aus Aerodynamik, Kontrolle, Komfort und Übersicht sehr unterschiedliche Ergebnisse hervorbringen kann, sind die Lenker unter dem Schlagwort „Gravel“ so verschieden. Deine Lenkerwahl beginnt mit Deiner Ergonomie: Welche Größe und Statur hast Du? Je größer, breiter und schwerer Du bist, desto breiter wird auch Dein Lenker ausfallen.

Als Faustformel beim klassischen Rennlenker gilt, dass er Schulter-, Ellenbogen- und Handgelenk in eine Linie bringen sollte. Ob Du dabei an den Bremsschaltgriffen oder im Unterlenker greifst, ist unerheblich, denn diese liegen beim klassischen Rennlenker in einer Achse. Nicht so bei den meisten Gravel-Lenkern.

Flare: Macht den Rennlenker zum Gravel-Lenker

Die meisten Gravel-Lenker sind in den Drops ausgestellt, sie werden also unten breiter. Dieses Maß wird „Drop Flare“ oder kürzer „Flare“ genannt und in Winkelgrad angegeben. Das Spektrum reicht von wenigen bis zu über 20 Grad. Drei Ideen stehen hinter dem Drop Flare:

  • Mehr Breite bedeutet mehr Hebelarm und damit mehr Kontrolle.
  • Ausgeprägter Drop Flare verhindert Kollisionen mit dem Oberlenker.
  • Mehr Flare sorgt für mehr Abstand zwischen Unterlenker, Händen sowie Knien.

Unser Tipp: Der Lenker sollte an Deiner bevorzugten Griffposition der Faustformel „Schulterbreite“ entsprechen und je nach Einsatzbereich unten mehr oder weniger stark ausgestellt sein. Bist Du im Wesentlichen mit hohem Tempo auf schlechten Straßen oder Schotterpisten unterwegs, hältst Du Dich beim Drop Flare zurück. Bewegst Du Dein Gravelbike eher im Gelände und auf Singletrails, hilft Dir ein größerer Flare.

Reach: Zwischen gestreckt und gedrungen

Der Reach misst, wie weit das Lenkerhorn vom Oberlenker nach vorn ragt und bestimmt damit die Position des Bremsschalthebels. Je größer der Reach des Lenkers, desto gestreckter die Haltung auf dem Rad. Ein großer Reach lässt sich ergonomisch mit einem kürzeren Vorbau ausgleichen; das funktioniert natürlich auch umgekehrt. Gravel-Lenker haben in der Regel einen kürzeren Reach als tempo-orientierte Rennlenker.

Drop: Komfortabel im Gelände

Der Höhenunterschied zwischen Ober- und Unterlenker wird Drop genannt. Beim klassischen Rennrad geht es hier um Tempo und der Drop fällt groß aus, damit die Racer sich richtig „klein“ machen können. Beim Gravelbike ist das weniger wichtig, deshalb fällt der Drop meist geringer aus. Außerdem wird gerade im Gelände am Unterlenker mit ein bis zwei Fingern am Bremshebel gefahren. Ein zu hoher Drop erschwert Dir also die so wichtige Kontrolle über die Bremse.

Unser Tipp: Je mehr Du im Gelände fährst, desto eher sollte der Griff im Unterlenker als Standard gelten und der Drop lieber kleiner ausfallen. Der Drop steht zudem in einem Verhältnis zu Deiner Oberkörper- und Armlänge: Je größer diese bei Dir ausfallen, desto mehr Drop kannst Du bequem fahren.

Backsweep: Gut für die Handgelenke

Der Backsweep beschreibt die Biegung des Querlenkers nach hinten, also in Richtung Fahrer:in. Diese Rückbiegung empfinden viele beim Griff im Oberlenker als komfortabler im Vergleich zum geraden Oberlenker. Gleichzeitig ist das ein „Kniff“ im gesamten Lenkerdesign, denn der Reach des Lenkers verkürzt sich, ohne dass sich der Hornbogen des Lenkers in Form und Maßen ändert.

Rise: Wenn es aufrechter sein soll

Manche Gravellenker weisen wie beim MTB-Lenker einen Rise auf, sie heben sich neben der Vorbauklemmung an. Betrachte dies als „drittes Geschoss“, das den Obergriff erhöht, ohne die Formgebung des Drops zu beeinflussen. Logisch, auch hier gibt es eine Wechselwirkung zur Vorbauhöhe, denn der Rise addiert sich zur Vorbauhöhe.

Unterlenker-Griff: Die Abkehr vom Runden

Bei Gravellenkern kommt der Formgebung des Unterlenker-Griffs eine besondere Bedeutung zu, da der Lenker eben in diesem Bereich festgehalten wird, sobald es in anspruchsvolleres Gelände geht oder die Fahrt an Tempo aufnimmt. „Formschlüssigkeit“ ist das Schlagwort aus der Ergonomie, das hier zählt: Je mehr Auflagefläche zwischen Hand und Lenker besteht, desto komfortabler greift es sich und desto besser auch die Kontrolle bei wilder Fahrt.

Flare out: Knie-Kontakt unerwünscht

Um den Spagat zwischen ergonomischer Bauform und fahrdynamischer Funktionalität eines Gravellenkers zu vollziehen, werden auch die Enden der Lenkerhörner nach außen gebogen. Dieses Maß nennt sich "Flare out" und wird, wie auch der Flare, in Winkelgrad angegeben. Diese ausgestellten Lenkerenden sorgen dafür, dass Knie und Lenker beim Einlenken nicht frühzeitig kollidieren. Außerdem empfinden viele Fahrer:innen einen Flare out als komfortabel, ähnlich wie Backsweep am Mountainbike-Lenker.

Bikepacker denken auch ans Gepäck

Wenn Du mit Deinem Gravelbike auch auf Bikepacking-Tour startest, dann wird Gepäcktransport bei der Lenkerwahl zum Thema. Ein breiter Lenker nimmt eine breitere Lenkerrolle auf. Drop Flare erhöht ebenfalls den „Stauraum“ zwischen dem Lenker, sofern die Tasche nicht unmittelbar unter dem Oberlenker sitzt. Ein großer Flare out kann aber zu Kollisionen zwischen Bremsschalthebeln bzw. den Händen und der Rolle führen.

Lenkeraufsätze für Gravel Bikes

Lenkeraufsätze, auch Aerobars genannt, sind nicht nur etwas für Triathleten oder Radsport-Profis. Auch beim Bikepacking und auf langen Gravel-Touren können sie Vorteile bieten.

Was bringt ein Lenkeraufsatz?

  • Aerodynamik: Durch die nach vorn gekippte Haltung kommt der Oberkörper weiter nach unten und der Luftwiderstand wird verringert.
  • Komfort: Entlastung der Handgelenke und des Gesäßes.
  • Gepäcktransport: Ermöglicht die Befestigung von Gepäck am Lenker.

Worauf sollte man bei der Montage achten?

  • Der Lenker sollte vor der Montage abgeklebt werden, um Kratzer zu vermeiden.
  • Die Breite der Armauflagen sollte individuell eingestellt werden.
  • Die Länge der Extensions sollte zur Körpergröße passen.

Syntace C3: Ein Beispiel für einen hochwertigen Lenkeraufsatz

Der Syntace C3 ist ein bewährtes Modell, das für Komfort und Speed steht. Seine "Double Helix" Form soll eine optimale Ablage der Handgelenke ermöglichen und mehr Druck aufs Pedal bringen. Im Test zeigte sich, dass der C3 besonders auf langen Strecken und bei Gegenwind seine Vorteile ausspielen kann.

FARR Aero Bolt-On: Eine minimalistische Alternative

Die AERO BOLT-ON Varianten von FARR sind eine kleinere und unauffälligere Alternative zu klassischen Lenkeraufsätzen. Sie bieten eine gute Möglichkeit, die Sitzposition aerodynamischer zu gestalten und die Hände zu entlasten. Die AERO BOLT-ON Auflieger gibt es in Aluminium und Carbon.

Profile Design Sonic Ergo: Vielfältige Einstellmöglichkeiten

Die Sonic Ergo Lenkeraufsätze von Profile Design bieten zahlreiche Einstellmöglichkeiten und ermöglichen eine individuelle Anpassung an die Bedürfnisse des Fahrers. Sie sind in verschiedenen Längen und Höhen erhältlich und können sowohl auf Rennrädern als auch auf Gravel Bikes montiert werden. Die Armauflieger können auf entweder 124mm oder 290mm Breite eingestellt werden. Profile Design spricht von bis zu 80 verschiedenen Positionen, die möglich sind.

Material: Aluminium oder Carbon?

Ob Du einen Gravellenker aus Aluminium oder aus Carbon wählst, ist mehr als eine Frage des Gewichts. Carbonlenker sind leichter und bieten oft eine höhere Seitensteifigkeit bei gleichzeitigem Flex für mehr Komfort. Aluminium ist robuster und eignet sich besser für Abenteuertouren mit viel Gepäck.

Wichtig: Achte auf gutes Werkzeug und halte die Drehmomentangaben des Herstellers ein. Carbon-Montagepaste sollte ebenfalls nicht fehlen.

Ergonomie und Einstellung

Die Ausrichtung des Lenkers und die Positionierung der Bremsschalthebel sind beim Gravellenker besonders wichtig. Die Hoods müssen bequem positioniert sein, und die Bremshebel müssen im Drop gut erreichbar sein. Viele Hersteller haben Markierungen auf dem Lenkerbogen angebracht, um das Verstellen zu vereinfachen.

Tabelle: Vergleich von Lenker-Parametern

Parameter Rennlenker Gravel-Lenker Auswirkung
Flare Gering oder nicht vorhanden Oft vorhanden (bis über 20 Grad) Mehr Kontrolle im Gelände, mehr Platz für Gepäck
Reach Länger Kürzer Aufrechtere Sitzposition
Drop Größer Kleiner Komfortablere Griffposition im Gelände
Backsweep Gering oder nicht vorhanden Kann vorhanden sein Entlastung der Handgelenke
Rise Nicht vorhanden Kann vorhanden sein Erhöhte Griffposition

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