Lenkerband Test Rennrad: Komfort, Grip und Stil für dein Bike

Das richtige Lenkerband ist entscheidend für den Komfort beim Fahrradfahren - schließlich ist der Lenker neben Sattel und Pedalen einer der nur drei Kontaktpunkte zwischen Mensch und Rad. Neben Komfort und Grip spielt das Lenkerband aber auch bei der Optik des Fahrrads eine große Rolle.

Ein Lenkerband muss also verschiedene Aufgaben erfüllen: Komfort, Fahrgefühl, Stil, Aufmerksamkeit, Griffigkeit (nass und trocken), Haltbarkeit und etliches mehr. Ein gutes Lenkerband sollte komfortabel sein und guten Grip haben. Ein weiteres wichtiges Kriterium: Das Band sollte sich gut wickeln lassen, denn die meisten Käufer übernehmen das selbst.

Die Bedeutung des Lenkerbands

Ein Lenkerband sorgt durch seine Dämpfung für mehr Komfort, vor allem bei langen Ausfahrten und auf schlechten Untergründen. Kaum weniger wichtig, vor allem für Styler: Mit einem schicken Lenkerband kann man das Aussehen des Rads in einem sehr sichtbaren Bereich ohne großen Aufwand und mit geringen Kosten deutlich aufwerten.

Wer statt des üblichen Schwarz ein farbiges oder gar bunt gestaltetes Band um seinen Lenker wickelt, der wird unterwegs oder auch am Eiscafé und im Biergarten viele Blicke auf sein Bike ziehen.

Lenkerbänder kommen ausschließlich an Rennlenkern (englisch dropbar) und den flachen, sogenannten Trainingsbügeln zum Einsatz. Touren- und Stadträder sowie Mountainbikes werden mit Griffen ausgerüstet. Die ersten Rennräder Ende des 19. Jahrhunderts hatten Lenker, die wie die damals modischen imposanten Schnurrbärte aussahen, mit Griffen an den Enden. Doch schon Anfang des 20. Jahrhunderts hat man erkannt, dass Aerodynamik eine wichtige Rolle im Rennen spielt, und die Lenker wurden immer tiefer, den heutigen Rennlenkern zunehmend ähnlicher.

Wichtige Kriterien bei der Auswahl

Zentral ist jedoch, dass die Bänder für gute Dämpfung und damit Komfort ausreichend dick sind; zwei mm sind das Minimum, besser sind 2,5 mm. Die Oberfläche muss griffig sein, um den Lenker unter allen Bedingungen und bei jedem Wetter sicher halten zu können. Da viele Gravelbikes breitere Lenker haben, ist es wichtig, dass die Bänder lang genug sind, um auch den Oberlenker ausreichend weit umwickeln zu können. Die Standard-Länge 200 cm kann bei Gravel-Lenkern je nach Breite und gewünschter Dämpfung nicht ausreichend sein. Besser sind 220 oder 230 cm, manche Hersteller bieten sogar 250 cm lange Bänder an.

Ein gern übersehener, aber wichtiger Punkt ist der Sitz der Lenker-Endstopfen: Bei den günstigeren Lenkerbändern kommen in der Regel einfache Klemmstopfen aus Plastik zum Einsatz, die im ruppigen Gelände oder beim Transport gern mal verloren gehen (und nicht selten auch gestohlen werden). Hochwertigere Bänder haben meist Stopfen, die per Schraubklemmung in den Lenkerenden fixiert werden.

Wer gerne Vollgas gibt und auch enge Kurven schnell fährt, wird ein dünneres, griffiges Band bevorzugen, das (subjektiv) mehr Fahrgefühl bietet. Wer das ganze Jahr über fährt, sollte ein einfacheres, langlebiges Lenkerband wählen, das zudem widerstandsfähig und witterungsbeständig ist. Außerdem sollte man dann Bänder mit dem Zusatz »sticky« oder »tacky« wählen. Sie bestehen meist aus Polyurethan (PU) und sind mit einer klebrigen Oberfläche versehen.

Materialien von Lenkerbändern

Lenkerbänder bestehen heute meist aus synthetischen Kunststoffen wie Ethylen-Vinyl-Acetat (EVA), Polyurethan (PU) oder Mikrofaser, ergänzt mit Silikon und/oder Gel. Die Oberfläche besteht bei den meisten Modellen aus einem griffigen, gut haltbaren Kunststoff, ein Elastomer (rückformbarer Schaumstoff) darunter sorgt für die Dämpfung.

Lenkerbänder mit Gel-Einsätzen haben eine besonders gute Druckverteilung, was den Komfort spürbar erhöht.

Das richtige Wickeln des Lenkerbands

Damit ein Lenkerband seine Eigenschaften voll zur Geltung bringen kann, muss es gut gewickelt sein - übrigens immer schief. Das ist mit ein wenig Übung auch für Einsteiger zu schaffen. Wer noch wenig Erfahrung mit dem Wickeln hat, sollte zu einem Band ohne selbstklebende Rückseite oder mit Silikon als Haftschicht greifen: Das lässt sich bei Wickel-Fehlern besser wieder abziehen und erneut aufbringen.

Üblicherweise lässt man das Band beim Wickeln zu etwa einem Drittel überlappen, meist wird das erreicht, wenn man die Klebeschicht direkt neben die vorige Wicklung platziert. Wer mehr Dämpfung will, kann mehr überlappen; bei 50 Prozent steigt der Komfort spürbar.

Wann sollte man das Lenkerband wechseln?

Lenkerbänder sind Verschleißteile: Der Druck der Hände ermüdet das Material, die Dämpfung lässt nach und die Wicklung verrutscht und bekommt Lücken. Auch Sonne, Schweiß und Stürze setzen dem Band zu. Wenn es sich nicht mehr komfortabel anfühlt oder nicht mehr griffig ist, sollte es getauscht werden. Zudem lassen Schweiß und Schmutz vor allem helle Farben schnell alt aussehen.

Getestete Lenkerbänder im Detail

Lizard Skins DSP V2 2,5 mm

Das Lizard Skins DSP V2 2,5 mm ist ein Klassiker für ambitionierte Rennradler, mittlerweile in der zweiten Generation am Markt. Das DSP V2 besteht aus dem sehr griffigen Dura-Soft-Polymer, daher die Bezeichnung DSP. Bei der neuen Version wurde das Polymer verbessert, was den Komfort erhöhen soll. Und in der Tat ist die Dämpfung beim getesteten 2,5-mm-Tape gefühlt besser als bei allen anderen Bändern der gleichen Stärke in unserem Test. Der Grip ist mit oder ohne Handschuhe bestens.

Wer üblicherweise mit Radhandschuhen unterwegs ist, für den ist die 1,8-mm-Version ausreichend komfortabel. Das Tape dämpft in den dickeren Versionen Vibrationen zunehmend stärker und nimmt härteren Schlägen ein wenig den Schrecken. Das DSP V2 ist in vier Stärken zu haben: 1,8, 2,5, 3,2 und 4,6 mm. Das 2,5 mm starke Lenkerband im Test ist ein guter Kompromiss aus effektiver Dämpfung und direktem Griffgefühl.

Bei helleren Farben schmutzt das Band durch die griffige Oberfläche schneller, es lässt sich aber gut reinigen. Beim Montieren sollte man darauf achten, das Band nicht zu stramm zu wickeln (darauf wird auch auf der Packung hingewiesen). Dann wird es zu stark gedehnt und verliert einen Teil seines Dämpfungseffekts. Wickelt man es aber nicht fest genug, wird es in den Biegungen des Lenkers etwas »bucklig«. Das Band kann dann zudem im Laufe der Zeit verrutschen, vor allem an den Stellen, wo man es am häufigsten greift.

Das englische Rad-Portal Cycling News hat das Lizard Skins DSP V2 ebenfalls getestet. Sie empfehlen es speziell Fahrern, die keine Radhandschuhe tragen wollen. Die Stiftung Warentest hat bisher keine Lenkerbänder getestet.

Seido Tab 3,8 mm

Seido ist die »Off-Road«-Marke des Kölner Rad- und Komponenten-Herstellers Bombtrack. Das Lenkerband Seido Tab 3,8 mm haben die ambitionierten kölschen Jungs speziell für Gravel-Fahrer entwickelt, die nicht nur gute Dämpfung, sondern auch guten Grip wollen. Die Oberfläche besteht daher aus Mikrofaser, die mit griffigem Silikon ergänzt wurde. Das Band ist allerdings wenig elastisch, was Genauigkeit beim Wickeln erfordert, und zu minimalen Kanten führt - die zwar sichtbar, jedoch nicht spürbar sind.

Das Tab ist ausschließlich in Schwarz lieferbar, neben der getesteten Gravel-Version mit einer Dicke von 3,8 mm ist es auch mit 2,5 mm zu haben. Die Länge ist mit 230 cm über den üblichen Maßen. Das ist wichtig bei Gravel-Lenkern, die oft deutlich breiter als »normale« Rennlenker sind. Der Klebestreifen für den Abschluss der Wicklung am Oberlenker könnte etwas länger sein; hier lässt sich aber problemlos (wie früher üblich) mit Elektro-Isolierband Abhilfe schaffen.

Bei einem Gravel-Lenkerband ist Komfort der wichtigste Faktor, und das Tab bietet hier viel: Es ist nicht zu dick, aber sehr effektiv bei der Dämpfung von Vibrationen. Typisch sind die Silikon-Tabs, die ihm wohl den Namen gegeben haben: Sie machen das Band sowohl mit Handschuhen als auch mit bloßen Händen sehr griffig, ob unter nassen oder trockenen Bedingungen.

Supacaz Super Sticky Kush Gravel 3,2 mm

Supacaz ist eine bei Rad-Profis sehr beliebte Lenkerband-Marke. Firmengründer Anthony Sinyard kommt aus Kalifornien, dem Land der Styler, und bietet seine Lenkerbänder daher in nicht weniger als 37 Varianten an, egal ob einfarbig oder bunt mit Blumen-, Totenkopf- oder Cannabis-Mustern und etlichen anderen Motiven. Wir haben das meistverkaufte Band der Marke getestet, das Supacaz Super Sticky Kush in der Stärke 3,2 mm. Dazu ist es auch mit 2,55 mm Dicke erhältlich.

Das Super Sticky Kush Gravel besteht aus einer Kunststoff-Mischung, die laut Hersteller sehr widerstandsfähig gegen UV-Einstrahlung und andere Wetter-Einflüsse ist und eine hohe Lebensdauer hat. Zurück zum Super Sticky Kush Gravel 3,2 mm: Das Band ist nicht sonderlich elastisch, und damit in den Biegungen des Lenkers und an den Bremsgriffen nicht so einfach zu wickeln wie dehnbarere Lenkerbänder. Der Vorteil der geringeren Elastizität ist jedoch die deutlich höhere Lebensdauer, weil das Material beim Wickeln weniger gedehnt wird.

So viele unterschiedliche Designs gibt es bei keinem anderen Lenkerband im Test, der Komfort und Grip stimmen ebenfalls.

BTP Woven 3 mm

Bar Tape Professional, kurz BTP, ist ein taiwanesischer Hersteller, der seit 2017 ausschließlich Lenkerbänder produziert. Mittlerweile sind über 120 Modelle im Programm, die meisten aus verschiedenen Kunststoffen, aber auch aus Leder (echt und synthetisch), Kork und Baumwolle, darunter 23 reflektierende Bänder, genannt »NightGuard«. Ebenfalls typisch für BTP ist die »Woven«-Serie, mit gewebten Bändern aus Baumwolle oder Kunststoff, meist recht bunt und immer schick.

Wir haben das BTP Woven 3 mm mit Candy-Crush-Muster getestet; inspiriert von dem beliebten Computerspiel-Klassiker. Die Oberfläche wird aus Polyester gewebt, darunter folgt 2,5 mm EVA-Schaum für den Komfort. Die Gesamtstärke liegt bei gut drei Millimetern. Die Dämpfung ist jedoch ordentlich, ebenso das Griffgefühl: ohne Handschuhe weich, aber mit nicht allzu viel Grip, solange die Hände trocken sind. Werden die Hände und damit das Tape leicht feucht, ist der Grip deutlich besser.

Trotzdem: Wer damit nicht nur den Boulevard rauf und runter rollt, sondern auch mal ins Gelände will, der sollte besser mit Radhandschuhen fahren, besonders bei »echter« Nässe.

SQLab 712 2,7 mm

Das Lenkerband SQLab 712 2,7 mm besteht aus einer »speziellen Gummimischung« (so der Hersteller, aus nicht weiter spezifizierten Elastomeren) mit einer Dicke von 2,7 mm und einer stark strukturierten Oberfläche. Die Münchner Ergonomie-Spezialisten haben dabei ein recht schlaues System entwickelt, um die Dämpfung zu definieren, orientiert an der Wickeldicke. Die drei Noppenreihen in der Mitte des Bands dienen dabei als Referenz.

Wer mag, kann zuvor mithilfe einer (auf der SQlab-Netzseite herunterzuladenden) Griffweiten-Schablone ermitteln, wie dick sein Lenker idealerweise sein sollte. Bei Größe S wird das Lenkerband so gewickelt, dass alle drei Noppenreihen sichtbar sind. Es überlappt dann kaum, die Dämpfung ist hier am geringsten. Bei Größe M bleiben jeweils zwei Noppenreihen sichtbar: mehr Dicke, mehr Komfort. Größe L soll die stärkste Dämpfung bieten: Das Lenkerband wird dabei so gewickelt, dass nur eine Noppenreihe sichtbar ist.

Allerdings ist die Überlappung dann schon sehr stark, das Band wird ein wenig wellig. Aus unserer Test-Erfahrung ist die Zweier-Wicklung am besten. Dann erreicht man eine gleichmäßige Überlappung mit guter Dämpfung, und das Band reicht bis zum Oberlenker. Insgesamt ist das 712 sehr griffig, das Diamant-Muster haftet gut, unabhängig vom Wetter und Untergrund.

Je nachdem, wie dick (also wie weit überlappend) bzw. komfortabel man das Band gerne hätte, und wie breit der Lenker ist, kann es jedoch vorkommen, dass das 200 cm lange »712« zu kurz ist, um auch am Oberlenker weit genug wickeln zu können.

Brooks Lenkerband Baumwolle-Kork 2 mm

Die Lenkerbänder von Brooks sind ideal für alle, die ihrem Rad einen Retro-Look verpassen wollen, oder die ein Bartape suchen, das zu ihrem Ledersattel passt. Das getestete Natur-Band Brooks Lenkerband Baumwolle-Kork 2 mm hat eine zweischichtige Konstruktion: außen laminierte Baumwolle, dazu ein Kern aus Naturkork. Das Baumwollgewebe sorgt für Griffigkeit und Langlebigkeit, der Naturkork für Vibrationsabsorption und Komfort. Die Zusammensetzung ist 60 % Kork, 26 % Polyester und 14 % Baumwolle.

Die Schicht aus Baumwolle ist sehr widerstandsfähig, lässt sich allerdings kaum dehnen. Das führt - wie bei allen wenig elastischen Bändern - beim Wickeln zu Kanten, die im Griff durchaus spürbar sind. Das Band ist zwei Millimeter dick und mit Radhandschuhen angenehm zu fahren. Wer meist ohne Handschuhe unterwegs ist und daher eine stärkere Polsterung bevorzugt, sollte Gelpads am Oberlenker installieren.

Das Brooks-Band ist sehr strapazierfähig und sollte länger halten als synthetische Tapes. Da es ein nur wenig behandeltes Naturprodukt ist, wird das Lenkerband mit der Zeit eine Patina entwickeln. Bei Nässe saugt sich das Gewebe naturgemäß mit der Zeit voll. Trotzdem bleibt es relativ griffig, ist jedoch mit Handschuhen angenehmer zu fahren. Allerdings benötigt es dann einige Zeit, bis es wieder trocken ist. Die Lenkerendstopfen sind aus echtem Gummi und farblich abgestimmt, selbstklebende Stoffstreifen sorgen für den Abschluß. Auch hier liegen zwei fertige Streifen zur Unterlage an den Bremsgriffen bei.

Repente Corium 2,5 mm

Corium heißt Leder auf Lateinisch - doch das hellbraune Lenkerband Repente Corium 2,5 mm besteht aus synthetischen Materialien. Der italienische Sattel-Spezialist will damit Radfahrer ansprechen, die am Lenker eine klassische, natürliche Anmutung suchen, aber die Nachteile von Naturprodukten aus Leder oder Kork (empfindlich bei Nässe etc.) nicht akzeptieren wollen.

Das Corium ist eine Kombination dreier Materialien mit besonderen Eigenschaften: Polyurethan, hier umweltfreundlich auf Wasserbasis, ist griffig, die Mikrofaser bringt Festigkeit und Ethylen-Vinyl-Acetat (EVA) hohes Dämpfungsvermögen. Die Oberfläche des Bands ist abriebfest und abwaschbar - zwei der Hauptvorteile gegenüber Lederbändern. Das PU-Äußere ist jedoch im Hinblick auf das Griffgefühl nicht mit Leder vergleichbar, vor allem ohne Handschuhe und bei Hitze bzw. Die Dämpfung ist durch die 2,5-mm-EVA-Schicht gut.

Im Hinblick auf Wickeln gehört das Corium zu den am einfachsten zu verarbeitenden Lenkerbän...

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