E-Bike-Beleuchtung im Test: Sicher durch die dunkle Jahreszeit

Wer bei Dunkelheit mit dem E-Bike unterwegs ist, weiß: Eine gute Beleuchtung ist kein Luxus, sondern ein Muss. Eine Lampe, die den Vorschriften der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) entspricht, ist da nicht nur vorgeschrieben, sondern auch sinnvoll: Die Prüfung garantiert eine Mindestausleuchtung und ein Leuchtfeld, das bei entsprechender Montage auch den Gegenverkehr nicht in den Blindflug schickt.

Was macht eine gute E-Bike-Beleuchtung aus?

Nicht die reine Lichtmenge, sondern die sinnvolle Ausleuchtung definiert die wahre Qualität einer Lampe. Laut StVZO muss das Vorderlicht so angebracht sein, dass es entgegenkommende Verkehrsteilnehmer nicht blendet.

Seit 2017 sind auch Lampen mit Fernlichtfunktion erlaubt - unter einer Bedingung: Das An- und Abschalten des Fernlichts erfolgt bei Gegenverkehr entweder automatisch oder lässt sich über einen Schalter am Lenker kontrollieren.

Die verkehrssichere Beleuchtung ist erst dann komplett, wenn auch ein Rücklicht am Bike brennt. Beide Leuchtvorrichtungen dürfen nicht blinken und müssen zwischen einer Höhe von 40 und 120 Zentimetern über dem Boden angebracht sein. Seitliche Reflektoren sind weiterhin Pflicht.

Die Qual der Wahl: Verschiedene E-Bike-Scheinwerfer im Vergleich

Sechs E-Bike-Lenkerlampen mit dem entsprechenden Prüfzeichen haben wir in Labor und Praxis getestet. Alle werden direkt am Lichtausgang des Motors angeschlossen und ziehen damit die nötige Energie aus dem Haupt-Akku. Die Montage ist deshalb zwar aufwändig, aber dafür sind die Strahler immer dabei und maximal zuverlässig.

Schon bei der Helligkeit ist die Streuung groß: Im Abblend-Modus bewegt sie sich zwischen 270 (Cube) und 416 Lumen (Supernova), die Lupine SLX markiert mit 691 Lumen einen einsamen Spitzenwert.

E-Bike Scheinwerfer mit Fernlicht im Test

Die Busch & Müller bildet im Abblend-Modus einen langen, breiten Lichtkegel mit Spot-Beleuchtung in der Ferne. Hier hat die Lampe die stärkste Strahlkraft. Die Meter vor dem Vorderrad und links und rechts des Weges bekommen nur gedimmt Licht ab. Mit dem Zuschalten des Fernlichts blickt der Fahrer deutlich weiter in die Ferne. Die seitliche Ausleuchtung leidet darunter. Enge Kurven leuchtet die IQ-XM zuverlässig aus - wenn auch nicht mit überragender Helligkeit. Gemessen am Preis ist die Verarbeitung eher bescheiden.

Busch & Müller IQ-XM
  • Preis: 199 Euro
  • Fernlicht: Lumen gemessen: 770
  • Abblendlicht: Lumen gemessen: 308
  • Bewertung:
  • Effizienz* 6 von 10
  • Fernlicht 7 von 10
  • Abblendlicht 7 von 10
  • Handhabung 6 von 10

Die dicke Lezyne wirkt am E-MTB-Lenker wie die Lichtleiste auf dem Dach eines Rallye-Trucks. Sie leuchtet hell und weit. Fern- und Abblendlicht unterscheiden sich in ihrer Leuchtkraft kaum. Die Lichtbilder beider Helligkeitsstufen bestehen aus zwei Feldern, die ein klarer Dunkelstreifen trennt. Der schmale Lichtkegel bündelt fast die gesamte Lichtleistung auf einen schmalen, sehr hellen Streifen. Die Breiten abseits des Streifen saufen ab. Hier wird die Kurvenfahrt wortwörtlich zum Blindflug. Ansonsten überzeugt die solide Verarbeitung.

Lezyne ebike power hb StVZO
  • Preis: 150 Euro
  • Fernlicht: Lumen gemessen: 691
  • Abblendlicht: Lumen gemessen: 336
  • Bewertung:
  • Effizienz* 7 von 10
  • Fernlicht 6 von 10
  • Abblendlicht 7 von 10
  • Handhabung 6 von 10

Mit 275 Lumen Vorsprung überstrahlt die Lupine SL X im Abblend-Modus den Großteil des Testfelds um Längen. Nur die Supernova kann hier mithalten. Ausgezeichnete Reichweite, gleichmäßige Lichtverteilung, gute Ausleuchtung auch in den Randbereichen direkt vor dem Vorderrad. Wer das Maximum herauskitzeln will, schaltet das Fernlicht zu. So leuchtet die Lupine noch besser in die Ferne, der Öffnungswinkel nach oben fällt aber nur mittelmäßig aus. Enge Kurven hingegen erstrahlen in beiden Beleuchtungsstufen in hellem Glanz. Zusätzlich gibt es ein Tagfahrlicht.

Lupine SL X
  • Preis: 400 Euro
  • Fernlicht: Lumen gemessen: 1230
  • Abblendlicht: Lumen gemessen: 691
  • Bewertung:
  • Effizienz*9 von 10
  • Fernlicht 9 von 10
  • Abblendlicht 9 von 10
  • Handhabung 7 von 10

In Sachen Fernlicht macht dem Supernova-Scheinwerfer M99 Mini Pro so schnell keiner was vor. Der Öffnungswinkel fällt nach oben fast doppelt so hoch aus wie bei den Mitstreitern - trotz eintauchender Federgabel hat man alles im Blick. Die Leuchtbilder von Abblendlicht und Fernlicht sind sehr ähnlich. Beide verfügen über ein sehr helles, homogenes Zentrum. Bei der Leuchtkraft unterscheiden sich die Modi aber deutlich. Die Randbereiche sind angenehm hell. Bei der Ausleuchtung in Kurven liegen die Freiburger mit Lupine auf einem Niveau. Sehr angenehmes Abblendlicht.

Supernova M99 Mini Pro
  • Preis: 260 Euro
  • Fernlicht: Lumen gemessen: 1244
  • Abblendlicht: Lumen gemessen: 416
  • Bewertung:
  • Effizienz* 10 von 10
  • Fernlicht 10 von 10
  • Abblendlicht 9 von 10
  • Handhabung 7 von 10

E-Bike Scheinwerfer ohne Fernlicht im Test

Die kompakte und leichte Cube geht im direkten Leuchtvergleich mit der teureren Konkurrenz mit Fernlicht naturgemäß etwas unter. Sie liefert das schwächste Abblendlicht im Test. Für den Gebrauch im Straßenverkehr reicht sie jedoch allemal. Hohe Geschwindigkeiten sind bei der mäßigen Ausleuchtung aber nicht drin. Die Lichtverteilung konzentriert sich sehr auf das Zentrum. Am Rand des Lichtkegels fällt die Helligkeit abrupt ab. Bereiche abseits des Weges bekommen nur spärlich Licht ab, was die rasante Kurvenfahrt beeinträchtigt.

Cube Pro-E 110
  • Preis: 99 Euro
  • Fernlicht: Kein Fernlicht
  • Abblendlicht: Lumen gemessen: 270
  • Bewertung:
  • Effizienz* 7 von 10
  • Abblendlicht 6 von 10
  • Handhabung 8 von 10

Als zweite Lampe ohne Fernlicht im Testfeld liefert sich die Litemove ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Cube. Auch wenn sie sich optisch kaum unterscheiden, nach mehrfachen Praxistests haben sich die Laborwerte bestätigt: Schaut man genau hin, ist die Litemove minimal heller. Dabei wirkt sich die höhere Lumen-Zahl besonders im vorderen Teil des Lichtkegels aus. Hier produziert der Mini-Strahler ein sehr helles Licht, das in die Weite konstant dunkler wird. Bei der Ausleuchtung sind die beiden Kontrahenten gleichauf.

Litemove SE-150
  • Preis: 110 Euro
  • Fernlicht: Kein Fernlicht
  • Abblendlicht: Lumen gemessen: 388
  • Bewertung:
  • Effizienz*6 von 10
  • Abblendlicht 7 von 10
  • Handhabung 8 von 10

* Das Urteil gibt den subjektiven Eindruck der Tester und die Ergebnisse der Labortests wieder. Das EMTB-Urteil ist preisunabhängig.

Was ist bei der Montage von E-Bike-Beleuchtung zu beachten?

Vor dem Kauf einer E-Bike-Beleuchtung gibt es zwei grundlegende Dinge zu klären: Wie viel Spannung liegt am Lichtport meines E-Bike-Motors an? Und für welche Spannung ist meine Lampe ausgelegt? Im schlimmsten Fall zerstört die falsche Kombination den Scheinwerfer.

Viele Hersteller bieten deshalb ihre Lampen für 6 oder 12 Volt an. Manche Modelle verfügen auch über eine automatische Leistungsanpassung an die Anschlussspannung des Motors. Das bedeutet, dass die Scheinwerfer an einem 12-Volt-Anschluss genauso funktionieren wie an einem 6-Volt-Anschluss.

Die Kontakte für das Verbindungskabel der E-Bike-Lampe liegen direkt am Motor. Um sie zu erreichen, muss man die Motorabdeckung entfernen.

Lumen, Lux und Co.: Das kleine Lexikon der E-Bike-Beleuchtung

  • Lumen: Der Lichtstrom in Lumen gibt die gesamte Strahlungsleistung einer Lichtquelle pro Zeiteinheit an.
  • Lux: In Lux wird die Beleuchtungsstärke auf einem bestimmten Punkt einer Fläche angegeben.
  • IP- und IK-Schutzklasse: Am E-MTB sind Lampen oft Nässe, Staub und Stößen ausgesetzt. Die IP68 beispielsweise gibt an, dass die Lampe gegen Staub und Wasser (dauerhaftes Abtauchen) geschützt ist.
  • K-Nummer: Wenn eine Lampe der StVZO entspricht, hat sie das deutsche Prüfzeichen mit einer Wellenlinie und dem Großbuchstaben K sowie einer Nummer (K-…) am Gehäuse.

Alternativen zur fest installierten Beleuchtung

Natürlich darfst Du Deinen Stromer auch mit Akku-Beleuchtung zum Anstecken benutzen. Fest installierte Beleuchtung hat jedoch mehrere Vorteile: Du kannst erstens nie vergessen, sie mitzunehmen oder aufzuladen. Es ist zweitens meist ein deutlich helleres und trotzdem StVZO-konformes Frontlicht möglich, zum Teil auch mit Nightride-tauglichem Fernlicht, Tagfahrlicht und Tastschalter am Lenker.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0