Liegeräder sind mehr als nur Fahrräder mit einer besonderen Sitzposition. In diesem Liegerad-Vergleich zeige ich dir, welche Typen es gibt, welche technischen Besonderheiten sie ausmachen und worauf du beim Kauf achten solltest. Ob du bereits ein Liegerad besitzt oder dich mit dem Gedanken trägst.
Der Liegerad-Vergleich bringt Struktur in die Vielfalt: Zwei- oder Dreirad, Kurz- oder Langlieger, Oben- oder Untenlenker - es gibt viele Optionen. Jede hat ihre Stärken, aber gleichfalls auch Schwächen.
Typen von Liegerädern
Beim zweirädrigen Liegerad gibt es zwei grundsätzliche Typen, die sich in Sitzposition und Radstand unterscheiden: den Kurzlieger und den Langlieger. Beide Varianten haben jeweils eigene Stärken und Schwächen.
- Kurzlieger: Das Tretlager ist vor dem Vorderrad angebracht, wodurch sie relativ wendig und kompakt sind.
- Langlieger: Das Tretlager ist hinter dem Vorderrad montiert, was zu einer hohen Laufruhe bei Geradeausfahrten führt.
Tieflieger
Sportliche Fahrer ziehen Tieflieger, eine Variation der Kurzlieger, vor. Kennzeichen sind eine niedrige Sitzhöhe und eine größere Tretlagererhöhung. Bei den extremsten Tiefliegern sitzt der Fahrer bei perfekter Windschlüpfrigkeit nur 15 bis 20 Zentimeter über dem Boden, das Tretlager wiederum deutlich über Sitzhöhe, was die Balance des Rades erschwert - eine Hürde für Anfänger. Das hat zur Folge, dass die oft auch in der Ausstattung, etwa bei der Federung, abgespeckten Liegeräder sehr wendig und vor allem sehr schnell sind - nicht selten flotter als ein Rennrad.
Tieflieger gibt es in drei Formen, die je nach Sitzhöhe bezeichnet werden:
- Lowracer (bis 20 Zentimeter)
- Semitieflieger (bis etwa 45 Zentimeter)
- Highracer (ab 50 Zentimeter, große 24- oder 26-Zoll-Reifen)
E-Liegeräder
Fast jedes zweite neue Liegerad fährt inzwischen mit Elektromotor. Dieser Trend zur elektrischen Unterstützung ist im aktuellen Liegerad-Vergleich nicht mehr zu übersehen - ganz gleich, ob du ein Dreirad für den Alltag suchst oder einen aerodynamischen Zweisitzer fürs Pendeln bevorzugst. Dennoch bedeutet elektrisch nicht gleich elektrisch. Je nach Modell und Einsatzbereich gibt es große Unterschiede bei Antrieb, Akku und Leistung.
E-Liegeräder gibt es in drei gängigen Antriebsarten: Front-, Mittel- und Hinterradantrieb.
Fahrgefühl und Vorteile
Liegeradfahren ist mehr als bloße Fortbewegung - es ist ein ganz eigenes Fahrgefühl. Durch die besondere Sitzhaltung und die andere Fahrdynamik erlebst du die Umgebung intensiver und bewusster. Deshalb macht jede Tour auf einem Liegerad einzigartig. In diesem Kapitel erkläre ich dir, warum Liegeradfahren nicht nur entspannter, sondern gleichzeitig auch effizienter ist.
Schneller als mit dem Fahrrad? Ja, denn auf dem Liegerad ist der Gegenwind deutlich reduzierter. Bevor dieser Vorteil eintritt solltest du aber etwas Geduld haben. Die Fahrt auf dem Liegerad beansprucht andere Muskeln als auf dem Fahrrad. Diese müssen sich erst an die neue Belastung gewöhnen.
Selbstverständlich. Viele Liegeradler und auch ich, sind sogar der Meinung, dass du steilere Berge schaffst als mit dem normalen Rad. Du sitzt ja in einem richtigen Sitz und hast die Rückenlehne als Widerstand. Vergleichbar ist das mit einem Schrank an der Wand. Sobald du dich zwischen Schrank und Wand stellen kannst und die Wand im Rücken als Druckfläche nutzen kannst, schiebt sich der Schrank plötzlich sehr einfach von der Wand weg. Für uns ist es die Kombination aus sportlichem Fahrverhalten und sehr hohem Komfort.
Außerdem finden wir Faktoren toll wie: Am Berg gibt es keine Mindestgeschwindigkeit, denn man kann nicht umkippen. An roten Ampeln muss man nicht absteigen sondern lehnt sich entspannt zurück und wartet auf Grün. Gegenwind hat keine Angriffsfläche und noch weniger Windwiderstand bieten nur Velomobile.
Liegedreiräder
Das Liegedreirad erlebt einen Aufschwung und kommt auch bei immer jünger werdenden Menschen zunehmend gut an. Verantwortlich sind dafür u.a. die sportlich ausgerichteten Modelle wie das HP Velotechnik Scorpion, ICE VTX und ICE Sprint X. Tourenradler lieben das ICE Sprint. Ein wirklich komfortables Liegerad mit dem Drang zur sportlichen Fahrweise.
Sportlich liegend und mit 250 Watt unterstützt, geht’s im Testbericht vom Scorpion aus dem Hause HP Velotechnik voran. Ein Genuss für jeden der gerne Liegerad fährt.
Modelle im Überblick
- KMX Cobra X: Ein Liegerad für Einsteiger mit solider Ausstattung und robuster Bauweise.
- ICE FULL Fat: Das Liegerad fürs Grobe, ideal für Offroad-Abenteuer.
- HP Velotechnik Scorpion fs26 Enduro: Temporeich über Feld- und Waldwege, vollgefedert und faltbar.
- ICE VTX: Das Rennrad unter den Liegerädern, besonders leicht und schnell.
- ICE Sprint X: Ein alltagstauglicher Sportwagen, faltbar und mit Federung ausgestattet.
- ICE Adventure: Ein Liegerad für lange Touren mit aufrechter Sitzposition und vielen Innovationen.
- ICE Adventure HD: Ein Liegedreirad im XL Format für größere Personen mit mehr Körpergewicht.
- KMX K-3: Ein Liegedreirad für Kinder ab 1,00 m Körpergröße.
- KMX Kompact R: Für Kinder und Jugendliche mit einer Körpergröße von 1.35 m bis 1,75 m.
Vor- und Nachteile von Liegedreirädern und einspurigen Liegerädern
Bei der Anschaffung fällt die Entscheidung, welche Art von Liegerad es sein soll, nicht immer leicht.
Liegedreirad
Plus- Fahrkomfort - auch ohne Erfahrung kannst du einfach draufsitzen, dich anlehnen und losfahren
- Balance - weder beim Anfahren noch im Schritttempo wackelt das Liegerad, du musst gar nichts tun, um die Balance zu halten
- Fahrgefühl - es macht großen Spaß und erinnert an ein Kettcar oder Go-Kart
- Sicherheit - Schulterblick nach hinten oder das Vorlehnen, um etwas sehen zu können, ist völlig unproblematisch, du kannst nicht stürzen
- Abstellen - mit Parkbremse kannst du dein Gefährt überall abstellen, auch auf unebenem und unbefestigtem Untergrund.
- je nach Konstruktion und Hersteller kann es in den Kurven kippeln
- Tempo - durch die drei Räder bist du langsamer unterwegs
- Platz - du brauchst mehr Platz: sowohl beim Unterstellen als auch beim Passieren engerer Stellen oder beim Transport
- Schieben - bergauf schieben ist sehr unbequem
- Kosten - die Anschaffung ist häufig hochpreisiger als ein vergleichbar ausgestattetes einspuriges Liegerad und du hast 3 Reifen, die von Verschleiß oder Pannen betroffen sein können
Einspuriges Liegerad
Plus- Tempo - je nach Modell kannst du ein hohes Tempo erreichen und sehr sportlich fahren
- Platz - du brauchst kaum mehr Platz als bei einem Aufrechtrad und kannst meistens dein Liegerad auch an öffentlichen Fahrradabstellplätzen anschließen
- Gewicht - ein Liegedreirad wiegt in der Regel mehr
- Schieben - beim Schieben kannst du normalerweise den Lenker gut erreichen und die Richtung leicht bestimmen und durch das geringere Gewicht ist bergauf auch kein Problem
- Sitzposition - meistens sitzt du wesentlich höher als auf dem Liegedreirad
- Balance - im Schritttempo, beim Anfahren und als Anfängerin kommt es beim Halten des Geleichgewichts zu Schlenkern, beim Anhalten muss ein Bein auf den Boden
- Gepäck - hohe Zusatzladung macht sich beim Balance halten bemerkbar
- höhere Hemmschwelle - AnfängerInnen fühlen sich unsicher und müssen “üben”, weil sie fürchten zu stürzen
Worauf Sie beim Kauf achten sollten
Wenn du mit dem Gedanken spielst, ein Liegerad zu kaufen, möchte ich dir ein paar Empfehlungen mit auf den Weg geben.
- Lass dich nicht vorschnell verführen! Es gibt viele verschiedene Modelle und Anbieter auf dem Markt. Bevor du dich für ein Liegerad entscheidest, würde ich dir empfehlen, nicht nur ein Modell, sondern mehrere in Betracht zu ziehen.
- Probefahrt ist ein Muss Nichts ersetzt das Gefühl, selbst auf einem Liegerad zu sitzen und es auszuprobieren. Ich würde dir raten, bei verschiedenen Händlern Probefahrten zu machen.
- Informiere dich über die verschiedenen Anbieter Es gibt viele renommierte Liegerad-Hersteller, die unterschiedliche Modelle anbieten. Ich würde dir empfehlen, dir Zeit zu nehmen und diese Hersteller und ihre Angebote zu recherchieren.
- Bedenke den Einsatzzweck Möchtest du längere Touren machen, im Alltag pendeln oder suchst du nach sportlicher Betätigung?
- Überlege, wo du fahren wirst Liegeräder sind in urbanen Gebieten genauso praktikabel wie auf Landstraßen. Allerdings könnten dir in der Stadt speziellere Modelle, die wendiger sind, besser liegen.
- Preis-Leistungs-Verhältnis Wie bei jedem Kauf ist auch das Preis-Leistungs-Verhältnis entscheidend. Es gibt günstige Einsteigermodelle sowie High-End Liegeräder.
Weitere Kriterien
Alle weiteren Kriterien sind eine Frage des Komforts sowie des Geldbeutels und damit eine Frage der individuellen Konfiguration des Bikes - viele Räder werden nämlich in diversen Ausführungen angeboten.
- Sitz: Wahl zwischen Kunststoff-/Carbon-Schale und einem Netzgewebe.
- Schaltung: Feine Abstufung und nicht zu knapp bemessen.
- Räder: Kleine Räder (20 Zoll) für mehr Wendigkeit, größere Räder für Laufruhe und Spurtreue.
- Federung: Unverzichtbar für Komfort, Vollfederungen oder Vorder-/Hinterradfederungen.
- Zubehör: Teil-/Vollverkleidungen für Fahrten im Regen, Modelle mit Faltmechanismus oder mit Elektroantrieb.
Sichtbarkeit im Straßenverkehr
Wer im Straßenverkehr vorausschauend unterwegs ist, wird auf dem Liegerad ebenso gut gesehen wie auf einem normalen Fahrrad - einem Up, wie man es in der Szene nennt. Durch die besondere Erscheinung nehmen die meisten Autofahrer sogar noch viel mehr Rücksicht auf Liegeräder. Man weiß ja nicht wie schnell die sind und kann sie auch sonst nicht einschätzen.
Gewicht von Liegerädern
Viele Modelle wiegen zwischen 13 bis 16 kg. Wenn es eine reine Rennmaschine sein soll, kommt man auch an die 10 kg heran. Dann ist viel Carbon am Liegedreirad und die Ausstattung kommt ohne Federung etc. aus. Jedoch ist diese Gewichtsklasse nichts für den normalen Einsatz. Mit einem Gewicht ab 13 kg solltest du rechnen. Wenn du beispielsweise einen Elektromotor möchtest, darfst du weitere 6 bis 11 kg Zusatzgewicht rechnen. Beim Fahrrad kommt das auch hin. Vollgefedert? Dann sind die Dämpfer auch weiteres Gewicht. Gepäckträger? Und so weiter.
Reifenverschleiß
Viele Liegeräder und Trikes neigen zu einem hohen Reifenverschleiß. Die Gründe sind verschieden und häufig durch eine bessere Reifenwahl oder einfach die Einstellung des Bikes zu beheben. Während beim normalen Fahrrad die Reifen gerne 10.000 km halten, können beim Liegerad aufgrund marginaler Probleme die Reifen schon nach 1.000 km runter sein. Im Normalfall sind auch hier 5.000 km kein Problem.
Zunächst sollte die Reifenwahl aufmerksam getroffen werden. Typische Asphalt-Fahrer sind mit Marathon Plus, Durano Plus oder ähnlichen Reifen bestens ausgestattet. Wer Wald- und Feldwege fährt, kann mit dem Marathon Plus noch gut bedient sein, sollte aber den Blick auf Reifen mit mehr Profil nicht vergessen.
Mehrspurige Liegeräder (Trikes) sollten eine sauber eingestellte Spur haben. Laufen die beiden vorderen oder hinteren Räder nicht perfekt parallel, reibt sich das Gummi fortlaufend vom Reifen. Der Verschleiß wird auf die Spitze getrieben. Zudem läuft das Trike dann nicht ordentlich geradeaus. Und der Rollwiderstand ist hoch.
Sportliche Fahrweise sorgt beim Trike vorne für einen erhöhten Verschleiß. Die Reifen nutzen sich vor allem durch Untersteuern in Kurven ab. Untersteuert das Trike, rutscht es in Kurven über die Vorderreifen. Das Gegenteil also von einem ausbrechenden Heck (Übersteuern). Dieses Phänomen kennt eigentlich jeder der schon mal zügig auf nasser Fahrbahn um die Kurve ist, oder schnelle Kurven auf losem Untergrund fährt. Zu viel Luftdruck fördert Untersteuern ebenfalls. Prinzipiell ist Untersteuern normal und zur sportlichen Fahrweise gehört es dazu.
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