Die Wahl des richtigen Motoröls ist entscheidend für die Leistung und Langlebigkeit Ihres Motorrads. Es muss schmieren, Kräfte übertragen, kühlen und abdichten. Nebenbei soll das Öl die bei der Verbrennung anfallenden ölunlöslichen Rückstände bis zum nächsten Ölwechsel in der Schwebe halten. Es muss Säuren neutralisieren, Wasser aufnehmen und vor Korrosion schützen. Dabei darf es nur wenig altern, nicht schäumen und muss bei allen Temperaturen fließfähig bleiben.
Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über verschiedene Motorradöle, Testergebnisse und wichtige Aspekte, die Sie bei der Auswahl berücksichtigen sollten.
Grundlagen des Motoröls
Grob vereinfacht gesagt: tote Tiere. Genauer gesagt: abgestorbene Kleinstlebewesen, deren Exitus bereits in vorgeschichtlicher Zeit erfolgte. Chemiker sehen die Sache noch etwas einfacher. Für sie besteht Erdöl fast ausschließlich aus den Elementen Wasserstoff und Kohlenstoff.
Wo liegt der Unterschied?
Damit aus den Kohlenstoffverbindungen Motorradöl wird, muss das Rohöl in der Raffinerie zerlegt, gereinigt und weiterverarbeitet werden. Womit wir bereits an dem Punkt wären, um mit dem ersten Missverständnis aufzuräumen: Auch das vollsynthetischste aller Vollsynthetiköle hat als Basis ganz schnödes Erdöl. Und damit verhält es sich wie mit Beton: Es kommt darauf an, was man daraus macht. Wird ein mineralisches Grundöl veredelt, entsteht daraus ein sogenanntes Hydrocracköl.
Für die vielfältigen Einsatzzwecke der Öle verlassen sich die Mineralölkonzerne aber nicht nur auf Mutter Natur und deren Kohlenwasserstoffverbindungen, sondern basteln sich auch eigene Verbindungen. Diese in ihrer Molekularstruktur maßgeschneiderten Stoffe heißen Synthetiköle. Die Mischung von synthetisch hergestellten Ölen mit mineralischen Grundölen ergibt ein teilsynthetisches Öl. Wichtig zu wissen: Die ganzen tollen Begriffe rund ums veredelte Öl (synthetisch, vollsynthetisch, teilsynthetisch, polysynthetisch, synthetic-based, HC-Synthese und noch viele andere mehr) sind weder genormt noch normfähig, also reine Marketing-Aussagen. Ein echter Hinweis auf die wirkliche Zusammensetzung eines Öls ist damit nicht gegeben.
Die Aufgaben des Motorenöls
Die Aufgaben eines Motorenöls sind immer dieselben:
- Schmieren
- Kräfte übertragen
- Kühlen
- Abdichten
- Neutralisieren von Säuren
- Aufnehmen von Wasser
- Schutz vor Korrosion
- Geringe Alterung
- Keine Schaumbildung
- Fließfähigkeit bei allen Temperaturen
Das schafft so ein Grundöl nur mithilfe von Additiven. Das sind Wirkstoffe aus der Chemieküche, die bei hoch additiviertem Motorenöl bis zu 25 Prozent ausmachen, aus rund zehn bis 15 verschiedenen Stoffen bestehen und in maßgeschneiderten Additivpaketen zusammengefasst werden.
Die Auswahl der Additivpakete ist maßgeblich für die großen Preisunterschiede verantwortlich. Hat man es mit einer altbekannten Formulierung "von der Stange" zu tun, oder wurde jede Menge Know-how und Zeit in eine Neuentwicklung gesteckt? Das sind für den späteren Verkaufspreis recht entscheidende Fragen.
Worauf kommt es beim Öl an?
Die vom Motorradhersteller vorgeschriebene Viskosität ist immer das erste und alternativlose Auswahlkriterium. Dann sollte man auf die API-Klassifikation achten. API steht für das "American Petroleum Institute", das Motorenöle nach Buchstabenkombinationen klassifiziert. Der erste ist bei Ottomotoren immer ein S, der nachfolgende Buchstabe sollte mindestens ein G sein. Die SG-Klassifikation wurde 1989 eingeführt, mittlerweile ist man bei SN angelangt, was aber nicht zwangsläufig bedeuten muss, dass ein SG-Öl fürs Motorrad schlechter als ein SN-Öl sein muss.
Für Motorradfahrer noch wichtiger ist aber die (auf der API-Einteilung aufbauende) -JASO-Klassifikation. JASO steht für "Japan Automobile Standards Organization", und auch wenn der Name etwas anderes vermuten lässt, geht es dabei ganz konkret um die Ansprüche von Motorradmotoren, wenn JASO MA (oder MA1 bzw. MA2) auf der Öldose steht. Dann ist nämlich sichergestellt, dass das Öl mit den in Motorradmotoren üblichen Ölbadkupplungen klarkommt. Die JASO MA-Kennzeichnung ist die einzige existierende Spezifikation für Viertakt-Motorrad-Motorenöle und sollte nach der korrekten Viskositätsangabe das wichtigste Öleinkaufskriterium sein.
Motorradöl 10W50: Eigenschaften und Vorteile
Motoröl 10W50 ist eine spezielle Art von Motoröl, das für verschiedene Fahrzeugtypen empfohlen wird, insbesondere für Hochleistungsmotoren. Die Zahlen im Namen geben wichtige Informationen über die Viskosität des Öls an. Die erste Zahl, 10W, steht für die Viskosität bei kalten Temperaturen, während die zweite Zahl, 50, für die Viskosität bei hohen Temperaturen steht.
Die Bezeichnung 10W50 bedeutet, dass das Öl bei niedrigen Temperaturen eine Viskosität von 10 hat und bei hohen Temperaturen die Viskosität 50 erreicht. Im kalten Zustand fließt 10W50 Motoröl schnell zu den beweglichen Teilen des Motors. So wird ein schneller Schutz durch Schmierung gewährleistet, was insbesondere beim Kaltstart von Bedeutung ist.
Vorteile von Motoröl 10W50:
- Verbesserter Motorschutz: Das Öl schützt Motorbestandteile vor Verschleiß und Korrosion.
- Bessere Leistung: Motoröl 10W50 sorgt für eine optimale Motorleistung, insbesondere in Fahrzeugen, die eine hohe Leistung erfordern.
- Reduzierter Kraftstoffverbrauch: Durch die effiziente Schmierung minimiert 10W50 Reibung und trägt so zur Einsparung von Kraftstoff bei.
- Lange Lebensdauer: Die hohe Temperaturstabilität und die wirksamen Additive tragen dazu bei, dass das Öl länger hält.
Anwendungsbereiche:
- Sportwagen: Hochleistungsmotoren erf require eine spezielle Schmierung.
- Oldtimer: Diese Fahrzeuge benötigen oft spezielle Öle, um ihre Leistung und Langlebigkeit zu sichern.
- Geländewagen: Fahrzeuge wie der Jeep Wrangler benötigen zuverlässige Schmierung, um unter rauen Bedingungen zu funktionieren.
Bekannte Hersteller von 10W50 Motoröl:
- Mobil 1: Bekannt für seine synthetischen Öle, setzt Mobil 1 Standards im Hochleistungsbereich.
- Castrol: Die Produkte von Castrol stehen für Qualität und Leistung.
- Liqui Moly: Eine deutsche Marke, die für ihre innovativen Produkte bekannt ist.
- Shell: Shell bietet eine breite Palette an Motorölen, darunter auch 10W50.
2-Takt-Öl: Spezielle Anforderungen und Auswahl
Ein 2-Takt-Motor benötigt spezielles 2-Takt-Öl. Auch Roller, Rasenmäher, Außernbord-Motoren und Co. Wer gut schmiert, der fährt gut. Wer zu viel schmiert, rutscht aus. Diese Binsenweisheit trifft besonders auf Zweitaktmotoren zu.
Ein 2-Takt-Motoröl wird bei jedem Verbrennungstakt mitverbrannt. Das unterscheidet es vom 4-Takt-Öl, das dauerhaft im Motor verbleibt. Zweitakter - etwa in Mopeds, Rollern, Kettensägen oder Außenbordmotoren - benötigen daher ein Öl, das sowohl gut schmiert als auch rückstandslos verbrennt.
Es gibt zwei Arten der Schmierung:
- Gemischschmierung: Benzin-Öl-Gemisch (z. B. 1:50) wird direkt getankt.
- Getrenntschmierung: Benzin und Öl werden separat eingefüllt und erst im Motor gemischt.
Verschiedene Arten von 2-Takt-Öl:
- Vollsynthetisches 2-Takt-Öl: Bietet beste Fließeigenschaften und Schutz bei hohen Belastungen.
- Teilsynthetisches 2-Takt-Öl: Ein guter Kompromiss zwischen Preis und Leistung.
- Mineralisches Zweitaktöl: Geeignet für ältere Fahrzeuge und weniger anspruchsvolle Anwendungen.
Wichtige Spezifikationen:
Fahrzeugbesitzer:innen sollten vor dem Kauf in der Bedienungsanleitung ihres Fahrzeugs oder Gerätes nachschauen, welches Schmiermittel der Hersteller vorschreibt. In der Anleitung stehen zwar keine Produktnamen, dafür aber Spezifikationen wie API-TA, API-TB, ISO-Norm, JASO-Norm oder TSC-1.
Testergebnisse und Empfehlungen
Im Folgenden werden einige Testergebnisse und Empfehlungen für verschiedene Motorradöle vorgestellt:
4-Takt-Öle im Test (MOTORRAD):
Die Literpreisspanne reicht bei den unverbindlichen Preisempfehlungen von 7,39 bis 19,95 Euro, in der Einkaufspraxis sogar von 5,20 bis 19,99 Euro. Und das unter den gleichen Grundbedingungen, die da lauteten: Viskosität SAE 10W-40 (das ist immer noch die von den Motorradherstellern am häufigsten empfohlene Kategorie), API SG oder höher, JASO MA oder höher.
| Öl | Typ | API | JASO | Literpreis (UVP) | MOTORRAD-Urteil |
|---|---|---|---|---|---|
| Castrol Grand Prix S | Teilsynthetisch | SG | MA | 9,99 Euro | Sehr gut |
| Castrol Power 1 4T | Teilsynthetisch | SJ | MA2 | 16,95 Euro | Sehr gut |
| Castrol Power 1 Racing | Vollsynthetisch | SL | MA2 | 18,95 Euro | Sehr gut (Testsieger) |
| elf Moto 4 Road | Teilsynthetisch | SJ | MA2 | 15,75 Euro | Sehr gut |
| eni i Ride | Teilsynthetisch | SL | MA/MA2 | 12,49 Euro | Gut |
| HEM Motorradöl | Mineralisch | SL | MA2 | 12,99 Euro | Gut |
| JMC Motoröl 4T GP | Teilsynthetisch | SL | MA2 | 8,54 Euro | Gut |
| Motul 5000 4T | Teilsynthetisch | SL | MA2 | 11,75 Euro | Sehr gut |
| Motul 300V Factory Line | Vollsynthetisch | Übertrifft SL | Übertrifft MA | 19,95 Euro | Sehr gut |
2-Takt-Öle Empfehlungen:
- Addinol Super Mix 405 (Mineralisch): Preis-Leistungs-Sieger, geeignet für ältere Roller.
- Castrol Power1 2T 10W40 (Synthetisch): Hohe Fließeigenschaften, guter Verschleißschutz.
- Liqui Moly 2-Takt-Motoroel (Teilsynthetisch): Flexibel einsetzbar für Getrennt- oder Gemischschmierung.
- Liqui Moly 1505 Motorbike 2T Synth Street Race (Synthetisch): Für moderne Motorräder mit Zweitakt-Motoren.
- Stihl Öl für 2-Takt-Motoren: Speziell für Kettensägen und benzinbetriebene Gartengeräte.
Langzeittest: Auswirkung unterschiedlicher Ölqualitäten
MOTORRAD untersuchte in einem aufwendigen Langzeittest mit fünf fabrikneuen Motorrädern, ob und wie sich unterschiedliche Ölqualitäten auf Leistung, Verschleiß und Ölverbrauch auswirken. MOTORRAD wählte fünf Kandidaten, die sämtliche Qualitäts- und Preisklassen (von 1,32 bis 10,68 Euro pro Liter) abdecken: das vollsynthetische RS4T von Castrol, das teilsynthetische Liqui Moly Racing sowie drei mineralische, einmal Typ 3000 von Motul, eines von Hein Gericke und ein sehr preisgünstiges aus dem Baumarkt, das High Tech Star. Alle Öle erfüllen mit der API-Spezifikation SG oder SF die Anforderungen von Suzuki für die GSF 1200.
Nach 6150 Kilometern landeten die fünf Bandit wieder wohlbehalten in der Redaktions-Tiefgarage. Die abgelassenen Öle wanderten zusammen mit Proben frischen Öls in das Labor für Umwelt- und Produktanalytik der Dekra. Zuvor war, wie bereits zu Testbeginn, die Leistung auf dem Prüfstand ermittelt worden.
Ergebnisse des Langzeittests:
- Keinerlei PS-Zunahme (High Tech Star) bis zu drei zusätzlichen PS (Motul).
- Der Ölverbrauch variierte zwischen 1,15 Litern (Castrol RS4T) und 2,05 Litern (High Tech Star).
- Die Laboruntersuchungen zeigten nur geringfügige Unterschiede in den verschleiß- und alterungsrelevanten Kriterien.
- Die Dekra-Experten sahen keinen der untersuchten Werte im kritischen Bereich.
Fazit des Langzeittests:
Für den normalen Landstraßenbetrieb reichen bei gängigen Wechselintervallen handelsübliche mineralische Öle nach vorgeschriebener API-Spezifikation völlig aus. Selbst der höhere Verbrauch des billigsten Schmiermittels rechtfertigt das teure Öl nicht, kann der Fahrer von den ersparten 43 Euro pro Ölwechsel nicht nur den Mehrverbrauch ausgleichen, sondern auch noch Sprit für eine Extratour tanken.
Tipps zur Auswahl und Verwendung von Motoröl
- Regelmäßig (am besten bei jedem Tanken) den Ölstand kontrollieren
- Öl mit der vom Motorrad-Hersteller empfohlenen Viskosität und API-Spezifikation verwenden
- Unbedingt spezielles Motorrad-Öl verwenden, das sich für die scherende Belastung in Getriebe und Kupplung eignet
- In der Einfahrzeit fördert Mineralöl das aufeinander Einlaufen von Lagern und Zahnrädern auch wenn später auf Synthetiköl umgestellt wird
- Vorsichtiges Warmfahren auf den ersten Kilometern verringert den Verschleiß und erhöht die Lebensdauer
- Ölfilter immer mitwechseln, da sie verstopfen können und den Ölkreislauf behindern
- Im Winter auf Öle mit höherer Viskositätsspanne wechseln, um Schmier- und Startverhalten zu verbessern
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