Der Loire-Radweg ist der längste und beliebteste Flussradweg in Frankreich, der ausschließlich durch das Land verläuft. Beginn des Radwegs ist offiziell in Cuffy, in der Nähe von Nevers. Enden tut er in Saint Nazaire, wo die Loire in den Atlantik mündet. Allerdings muss man dazu erst an St-Brevin-les-Pins vorbei.
Die Besonderheiten des Loire-Radwegs
Viele Radtouristen legen den Weg in der West-Ost-Richtung zurück, was bei den vorherrschenden westlichen Winden ein Vorteil ist. Der Radweg beginnt allerdings nicht an der Quelle der Loire, sondern viel später. Die Loire entspringt in Frankreich im Zentralmassiv. Oft ist es also unglaublich romantisch am Loireradweg. Es ist sehr grün am Wegesrand und man hat oft weite Sicht. Dazu kommen schöne Burgen und eine weite, wenig besiedelte Landschaft, die den Reiz und die Besonderheit dieses Radwegs ausmachen.
Es gibt kaum Höhenmeter, er ist weitgehend flach. Insofern ist der Fluss an vielen Stellen noch ein echter Wildfluss. Die Loire ist erst spät schiffbar in ihrem Verlauf. Beschildert ist der Radweg nicht überall gleich gut, aber es gibt oft weiße Schilder mit grüner Grafik und dem Text „La Loire à vélo“. Insgesamt muss man aber sagen, dass der Loire-Radweg sich an vielen Stellen noch im Ausbau befindet.
Planung und Vorbereitung
Bei der Vorbereitung hatte ich schnell gesehen, dass die Komoot-Vorschläge oft von der offiziellen Strecke abweichen. Ich fuhr dann meistens mit Komoot und entschied spontan, ob ich bei Abweichungen dem gut beschilderten Euro Vélo 6 folge, der an der Loire dann in den Radweg von „Loire en Vélo“ übergeht, oder bei Komoot bleibe.
Wer eine Radtour plant, muss zu allererst den Faktor „Zeit“ ins Kalkül ziehen. Denn was nützt die schönste Route, wenn man von Ort zu Ort hastet und nichts von dieser aufnehmen kann? Für uns sollte nicht das Ziel im Vordergrund stehen. Der Weg war das Ziel. Wir hatten 7 Tage auf dem Rad eingeplant. Dass wir den gesamten Loire-Radweg mit 690 Kilometern nicht packen würden, war uns schnell klar.
Etappenplanung
Welche Streckenleistung kann man auch bei schlechtem Wetter problemlos bewältigen? Natürlich kann man bis zu 80 Kilometer am Tag mit dem Rad zurücklegen. Aber was ist, wenn die Ausrüstung streikt? Stichwort „kaputter Reifen“. Oder es regnet den ganzen Tag? Oder, oder, oder. Es gibt viel, was ein schnelles Vorankommen behindern kann. Also vorsichtige Planung. Wir setzten pro Tag vernünftige 50 Kilometer an, die Spielraum für Ausflüge abseits der Strecke boten. Also insgesamt ca.
Nächster Kritikpunkt: Wir benötigten am Startpunkt einen sicheren Parkplatz für unser Auto und - da wir von unserem Ziel per Zug zurück mussten - einen Bahnhof. Start durfte also kein Nest, sondern ein größerer Ort sein. Und beim Blick auf die Karte fiel unsere Wahl auf „Tours“ als Startpunkt. Wenn man knapp 350 Kilometer in Tagestouren zerlegen möchte, stößt man bisweilen auf Hindernisse. Gibt es genau an dem nächsten Haltepunkt in 50 Kilometern vernünftige Hotels? Nein. Zumindest zumeist. Was ist also der nächste Ort danach oder davor? Sind Hotels frei? Fahrradunterkunft möglich? Sehenswert? Viele Punkte, die man unter einen Hut bekommen möchte. Teilweise auch bedingt durch die Lage der Hotels etwas abseits des Loire-Radwegs.
Unterkünfte
Mein ursprünglicher Gedanke, die erste Nacht in Frankreich fix zu buchen und dann peu à peu individuell auf der Strecke etwas zu finden, fand berechtigterweise keine Zustimmung. Zu groß war das Risiko, irgendwo zu stehen und keine Unterkunft mehr zu finden, oder eine vergammelte, überteuerte Bleibe nehmen zu müssen. Also buchten wir die Hotels alle frühzeitig von zu Hause aus. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie viel Spaß und vor allem Vorfreude Hotelbuchungen bei der Urlaubsplanung machen.
Wir wählten das Portal „Boooking.com“ für unsere Buchungen. Den Ort und die Zeit eingeben, Kritikpunkte wie „Frühstück inklusive“ oder „Storno möglich“ anklicken und Hotels betrachten. Eigentlich ganz einfach. Stehen aber mehrere Hotels zur Wahl, geht es ins Detail. Zimmer anschauen, Kritiken anderer Reisenden lesen, Leistungen vergleichen,… Viel Arbeit, um letztendlich eine Mischung zwischen Vernunfts- und Herzensentscheidung finden.
Wer die Loire-Schlösser noch nicht kennt, wird zwischen Nevers und Angers verweilen. Diese standardisierten Radreisen sind allein auf das Thema "Radtour" beschränkt und kosten meistens einen stolzen Preis.
Transportmittel
Vom 15. Juni bis zum 15. September gibt es den sogenannten Interloire, ein Zug, in dem man sein Fahrrad von Loire-Bahnhof zu Loire-Bahnhof einfach mitnehmen kann. Überhaupt ist das Fahrradticket in den französischen TER-Interregio-Zügen meist kostenlos.
Problem ist, dass Veloläden nach meinem Eindruck eher selten sind und manchmal eigenwillige Oeffnungszeiten haben und nicht immer grad am Radweg liegen. Und beim Zug ist es so, dass es oft keinen dichten Fahrplan gibt und deshalb auch mal lange Wartezeiten für den nächsten TER anfallen. Ohnehin muss man die Reise per Zug als erstes organisieren, denn pro TGV gibt es - wenn überhaupt - nur zwei Veloplätze. Auf einzelnen TGV-Strecken wird überhaupt kein Fahrradtransport angeboten.
Erfahrungen entlang der Strecke
Am Beginn fuhr ich endlose Kilometer den Kanälen entlang und ich war froh, auch mal wieder einer Landstrasse zu folgen und statt den immer gleichen Schleusenanlagen ein paar Dörfer zu sehen. Diese von Autos wenig befahrenen Landstrassen sind ungefährlich, nicht zuletzt weil die Franzosen höfliche Überholer sind und Radtouristen in weitem Bogen umfahren.
Als beste Stützpunkte erwiesen sich die Bäckereien, die es noch immer auch in kleinen Orten gibt. meist in der Dorfmitte, wenn man beim Näherkommen den Kirchturm als Orientierungspunkt nimmt. Die Bäckereien bieten meist auch Kaffee an, Mineralwasser und Sandwiches. Aber Achtung: Sie schliessen um 12:30h und öffnen meist erst am Nachmittag wieder. Ich buchte sie jeweils um die Mittagszeit, wenn für mich absehbar wurde, wie weit ich an dem Tag noch fahren wollte oder müsste.
Bei Booking kann man statt den Ort die Bezeichnung „Euro Vélo 6“ eingeben. Das ist praktisch, denn man muss immer aufpassen, Unterkünfte zu wählen, die am Radweg liegen, weil es sonst am Schluss der Tagesetappe noch happige Zusatzkilometer gibt. Ein Problem besonders in kleineren Orten sind die Restaurants, wenn man abends mit Heisshunger etwas essen gehen will. Oft gibt es nur Pizzerien. Kebabs oder Pizza-Auslieferungen und manchmal MacDo.
Für mich gehört nach Donau und Elbe der Euro Vélo 6 in Frankreich zu den besten Radtouren, die ich gemacht habe: landschaftlich, aber auch von der Sicherheit her, der Routenführung und den freundlichen Menschen, die ich kennengelernt habe.
Empfohlene Streckenabschnitte:
- Basel, Besançon auf der EV6 und dann kurz nach Dole dem graden Kanal nach Dijon folgen.
- Ab Dijon der Route V51 folgen entlang des Canal de Bourgogne bis zur Mündung in die L´Yonne. Hier ändert die Route dann ihre Bezeichnung und heisst V55.
- Ab Mündung in die Yonnen kann man entweder westlich über kleine Strassen den Canal D´ Orleans erreichen (geht gut) oder der Yonne bis zur Seine folgen und dann wieder stündlich der EV3 bis zum Kanal d´Orleans (bin ich nicht gefahren).
- Canal d´Orléan ab ungefähr Montargis bis nach Orléans. Der Kanal d´Orléans ist hier wild romantisch. Die Velo Route ist hier aber noch nich kartografiert (aber gute asphaltierte Wege).
- Wer noch mehr Zeit hat , kann von Strasbourg dem Canal de Savern V52 bis nach Nancy folgen und dabei Lothringen entdecken. Ab Nancy Richtung Dijon über den Canal des Voges und Weiteren alles auf der V50.
Städte entlang des Loire-Radwegs
Zum Glück gibt es nicht nur einen Loire-Radweg, der durch pittoreske Städte im Loiretal führt:
- Saumur: Die elegante Stadt Saumur ist ca. 65km von Angers entfernt und ist für uns einer der stimmungsvollsten Stopps entlang der Loire-Radroute.
- Blois: Blois ist ca. 60km von Orléans entfernt und ist für uns eine der lebendigsten und authentischsten Städte entlang der Loire-Radwege.
- Tours: Die pulsierende Universitätsstadt Tours bildet das kulturelle und wirtschaftliche Zentrum des Loire-Tals.
Ausrüstung und Packliste
Alles, was außer einer leichten Jacke mit Regen zu tun hatte, blieb zu Hause. Der Radgepäckträger montiert und alle Taschen im Innenraum verstaut. Noch immer habe ich das Gefühl, etwas Wichtiges vergessen zu haben. Man muss sich immer eines vor Augen halten: Wichtig sind Handy, Geldbeutel und alle Ausweise und Papiere. Der Rest kann auch auf der Reise besorgt werden. Auch in Frankreich gibt es Geschäfte.
Zusätzliche Informationen
Die Routen oft am Fluss entlang - mich stören mit Gepäck fehlende Höhenmeter nicht😁😉, entweder Fuss-/Radwege, oder Radspuren auf kleineren Straßen oder kleine Straßen ohne Extraspuren. Viel Teer oder fester Grund. Ich habe ein sehr rücksichtsvolles Miteinander auf den verschiedenen Wegen erlebt.
"Loire à Vélo" (die Loire mit dem Velo) ist der Name des offiziellen Radwegenetzes entlang der Loire. Fahrräder werden auf Französisch übrigens Vélo genannt. Diese ausgeschilderten Vélo-Routen erstrecken sich über mehr als 900 Kilometer und sind Teil des europäischen Vélorouten-Netzes "EuroVelo 6". Die Wege sind hervorragend ausgebaut und führen Sie meist abseits des Autoverkehrs durch die schönsten Regionen des Loire-Tals.
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