Das Tenways Longtail Duo, das erste Longtail-Bike des Herstellers, bietet für 3.499 Euro einiges: Einen starken Mittelmotor mit großem Akku, Riemenantrieb, stufenlose Schaltung und volle Ausstattung für den Transport von zwei Kindern.
Aufbau und erster Eindruck
Das Longtail Duo wird in zwei großen Kartons aus den Niederlanden geliefert. Eine zweite Person hilft beim Aufbau enorm. Wie von Tenways gewohnt, ist alles sehr gut verpackt und mit zahlreichen Kabelbindern gesichert. Das Lösen dauert seine Zeit, aber das E-Bike kommt ohne Kratzer oder Transportschäden an.
Das mitgelieferte Zubehör für den Aufbau ist umfangreich: Vorderrad, Frontgepäckträger in Korbform, höhenverstellbare Trittbretter, gepolsterte Reling für die Kindersitze, komplettes Werkzeug, Pedale, extra Reflektoren für vorne und hinten und sogar eine Miniluftpumpe. Auf dem Gepäckträger sind zudem zwei Sitzpolster für Kinder vormontiert.
Der Aufbau selbst ist durchdacht: Lenker montieren, Vorderrad einsetzen, Schutzblech anbringen, Korb befestigen, Licht verkabeln, Trittbretter und Pedale anschrauben - fertig. Nur das sehr lange Kabel zur Frontbeleuchtung hätte etwas kürzer sein können und benötigt noch einen Kabelbinder zur ordentlichen Befestigung. Ein kleines Problem tauchte beim Testrad dann doch auf: Die mitgelieferten Befestigungen für die gepolsterten Haltestangen sind beide identisch, obwohl vorne und hinten unterschiedliche Teile benötigt werden.
Das Tenways Longtail Duo macht sofort einen hochwertigen Eindruck. Die Verarbeitung ist tadellos, Schweißnähte sind nur an der Korbaufnahme sichtbar. Mit 32 kg Nettogewicht (41 kg inklusive Zubehör) liegt das Longtail Duo im unteren Bereich seiner Klasse.
Besonders beeindruckend ist der filigrane Doppelständer, der sich nach links und rechts ausfaltet - ein durchdachtes System, das das schwere Rad mühelos und sicher abstellt und im Laufe des Tests begeistern wird. Das geschwungene Oberrohr verleiht dem Lastenrad ein elegantes Holland-Rad-Feeling, während die große Klingel prima zum Gesamtkonzept passt.
Der verstellbare Vorbau und die Teleskop-Sattelstütze sind gut gewählte Komponenten für den Familienbetrieb. Besonders die Sattelstütze begeistert: Mit einem Hebel am linken Lenker lässt sich die Höhe stufenlos verstellen - ohne Werkzeug oder Schnellspanner. Das ist ein riesiger Vorteil, wenn mehrere Personen das Rad nutzen und schnell ihre jeweilige Sitzposition wählen wollen. Das Longtail Duo eignet sich für Fahrerinnen und Fahrer zwischen 160 und 195 cm Körpergröße.
Technische Details
Technisch setzt Tenways auf bewährte Komponenten: Der Bafang M410 Mittelmotor, den wir zum Beispiel aus dem SUV E-Bike AGO X kennen, liefert 250 W Nennleistung und 80 Nm Drehmoment. Er wird von einem entnehmbaren 720 Wh-Akku auf 36 Volt-Basis mit Strom versorgt. Die Kraftübertragung erfolgt über einen wartungsarmen Gates CDX Riemen zur stufenlos einstellbaren Enviolo-Nabenschaltung, die auch beim Tenways AGO T verbaut ist. Hydraulische Tektro-Scheibenbremsen mit 4-Kolben-Technik sorgen für die nötige Verzögerung.
Nach dem Anschalten - hier muss man erst einen vierstelligen PIN-Code eingeben - präsentiert sich ein sehr übersichtliches TFT-Display. Es bietet alle wichtigen Daten auf einen Blick und ist auch bei direkter Sonneneinstrahlung vernünftig ablesbar. Das Schalten der Unterstützungsstufen, des Lichts und der Displayansichten ist mühelos mit dem Daumen am Bedienteil möglich. Allerdings merkt sich das E-Bike nach dem Ausschalten nicht die zuletzt gewählte Unterstützungsstufe und startet immer bei null.
Fahrverhalten und Praxistest
Die ersten Kilometer zeigen schnell die Stärken des Tenways Longtail Duo auf. Die Enviolo-Schaltung ist ein Traum für alle, die nicht gerne schalten oder Schaltgeräusche nicht mögen: Einfach am rechten Griff drehen, und das System passt die Übersetzung stufenlos an - auch im Stand. Der Bafang-Motor macht einen soliden Job und arbeitet harmonisch mit der jeweiligen gemessenen Tretkraft an den Pedalen zusammen. Während die fünfte Unterstützungsstufe wie so oft bei E-Bikes am meisten Spaß macht, reicht die zweite Stufe in der Ebene völlig aus. Sogar, wenn Kinder oder Gepäck transportiert werden.
Selbst bergab bei 35 km/h mit Kind und Gepäck (etwa 140 kg Gesamtgewicht) vermittelt das E-Bike immer das Gefühl der vollständigen Kontrolle. Die Verzögerung ist kraftvoll und zugleich harmonisch - genau das, was man bei einem Lastenrad braucht. Mit einer Gesamtlänge von 2,05 m und einem Radstand von 1.378 mm bleibt das Longtail Duo trotz Langheck schön wendig.
Das Handling vom Lastenrad empfinde ich als sehr gut. Durch die breite Lenkstange lässt sich das Longtail Duo auch bei niedriger Geschwindigkeit präzise durch engere Passagen navigieren. Ein kleiner Kritikpunkt: Wenn man den Lenker bei aufgebocktem Rad loslässt, fällt er manchmal zur Seite. Bei keinem der Auf- und Abstiege von Kindern ist das Longtail umgefallen, aber dennoch entsteht ein Gefühl von Instabilität, wenn plötzlich der Lenker umschlägt.
Leider blieb unser Testrad nicht ohne Probleme. Die Reaktion war vorbildlich: Der Support vermittelte uns an einen qualifizierten Fahrradshop in relativer Nähe, wo die Schaltung fachgerecht repariert wurde. Leider war das mitten in der Hochsaison und wir mussten recht lange auf einen Reparaturslot warten. Laut dem Fahrradhändler ist ein solcher Defekt bei Enviolo-Schaltungen außergewöhnlich selten - jedenfalls nach so kurzer Zeit. Sie gelten als sehr langlebig und wartungsarm.
Auf der Ebene brilliert das Longtail Duo mit gutem Anfahrverhalten und erreicht auch mit viel Gewicht mühelos 25 km/h. Hier reichen oft schon die Unterstützungsstufen 1-2, da die Enviolo-Schaltung ihre Stärken dann ausspielt. Bei Steigungen wird es anspruchsvoller. Der Motor macht zwar prinzipiell einen guten Job, aber bei starken Anstiegen und hoher Beladung muss der Fahrer ordentlich mittreten. Bei etwa 15-prozentiger Steigung mussten wir absteigen und schieben.
Wie bei allen Longtail-Bikes spürt man starke Bewegungen der Kinder am Heck. Daher ist es wichtig, erstens immer beide Hände am Lenker zu lassen und zweitens mit den Kleinen auf dem Gepäckträger das Fahren etwas zu üben.
In unserem Praxistest haben wir mit einer Akkuladung etwa 60 km bis 70 km je nach Fahrweise und Unterstützungsstufe zurücklegen können. Tenways gibt bis zu 100 km Reichweite an, was unter optimalen Bedingungen realistisch erscheint. Der Akku lässt sich entweder am Rad direkt oder entnommen laden.
Ein echtes Highlight verdient besondere Erwähnung: der ausklappbare Doppelständer. Er löst gleich mehrere Probleme auf elegante Weise. Erstens lässt er sich mühelos hoch- und runterklappen - ganz anders als bei günstigen Lastenrädern, wo man das E-Bike wie beim Motorrad hochbocken muss. Zweitens ist er so konstruiert, dass ausgeklappt noch etwas Luft zum Boden bleibt. Der Ständer fungiert quasi wie Stützräder - das Rad kann nicht umfallen, lässt sich aber noch bewegen. Das ist besonders beim Auf- und Absteigen der Kinder ein Sicherheitsplus.
Auch nach mehreren Stunden im Sattel bleibt der Selle Royal Gel-Sattel bequem und verursacht auch keine Schmerzen. Das ist selten und spart gegebenenfalls auch anderen den sonst recht üblichen Sattelwechsel. Die klappbaren Trittbretter sind durchdacht gelöst. Hochgeklappt stören sie nicht und das Rad wirkt schlanker, heruntergeklappt bieten sie den Kindern eine stabile Fußablage.
Praktisch ist auch das ABUS-Rahmenschloss am Hinterrad beim Tenways Longtail Duo, das mit dem gleichen Schlüssel wie das Akkuschloss funktioniert. Die Federgabel mit Lock-Funktion ist für den Stadteinsatz vollkommen ausreichend. Auf Pflastersteinen filtert sie Vibrationen heraus, und auch Wurzelwerk im Wald lässt sich problemlos überfahren. Praktisch ist die Sperrmöglichkeit: Auf ebenen Strecken kann man die Federung deaktivieren und spart so Energie, da die Gabel nicht mehr auf- und abwippt.
Das kontaktlose Entsperren über die Tenways-App funktioniert in der Praxis meistens gut. Sobald ich mit dem Smartphone in die Nähe des Rads komme, entsperrt es sich automatisch - allerdings dauert der Aufbau der Bluetooth-Verbindung manchmal doch länger als erhofft. Die GPS-Ortung ist praktisch, gerade in der Stadt wo man schnell mal den Überblick verliert. Über die App kann ich jederzeit sehen, wo das Rad steht, sofern dicke Mauern das Signal nicht abschirmen.
Das Geofencing haben wir auch getestet - es funktioniert zuverlässig und schickt eine Benachrichtigung aufs Handy, wenn das Rad die eingestellte Zone verlässt. Noch sinnvoller könnte für den einen oder die andere die Bewegungserkennung sein. Sie reagiert sehr sensibel. Einmal hat das leichte Anfassen des Lenkers schon einen Alarm ausgelöst - aber lieber einmal zu viel als zu wenig. Bei einem echten Diebstahlversuch würde das System definitiv anschlagen. Die App bietet zudem noch die Funktion, Fahrten automatisch aufzuzeichnen, wenn ich das E-Bike anschalte.
Außerdem lässt sich der Akkustand auch über die App abfragen - praktisch, um zu checken ob das Rad noch Akkureserve hat, bevor man losfährt. Der Wehrmutstropfen: Das Smart Connect System ist nur für das erste Jahr kostenlos.
Vor- und Nachteile von Longtail-Lastenrädern
Ein Backpacker-Fahrrad kann sich im Alltag als sehr nützlich erweisen und teilweise sogar ein Auto ersetzen. Ob ein Longtail oder ein Long John für euch die richtige Wahl ist, hängt vor allem davon ab, was ihr damit vorhabt und wie groß eure Kinder sind. Folgende Vor- und Nachteile hat ein Backpacker im Vergleich mit einem Long John und/oder Auto:
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| Lenkverhalten und Fahrgefühl ähnelt dem eines "normalen" Fahrrads | (Für Passagiere) weniger gemütlich als Long John |
| Auch mehrere Kinder (& Erwachsene) können transportiert werden | Hohes Eigengewicht |
| Wächst mit | Fracht und/oder Kinder befinden sich außerhalb des Sichtfelds |
| Emissionsfrei | Kein Schutz vor Wind und Wetter |
| Aufrechte Sitzposition und damit schonend für Knie und Rücken | |
| Hohe Belastbarkeit | |
| Auch für längere Strecken geeignet |
Alternativen und Vergleich
Das Tenways Longtail Duo ist für 3.499 Euro direkt über den Tenways-Onlineshop erhältlich. Inklusive kostenlosem Versand, 2 Jahren Garantie und einem Jahr kostenlosem Smart Connect Service. Zum Vergleich: Alternativen wie das Tern GSD (ab 5.000 Euro) sind deutlich teurer, lassen sich dafür aber für die jeweiligen Bedürfnisse konfigurieren. Auf deutlich einfachere Komponenten und einen Nabenmotor setzt Decathlon mit dem R500E (ab 2.700 Euro), um einen günstigen Preis anbieten zu können. Das Jobobike Transer (ab 2.600 Euro) punktet mit einem riesigen Akku und hoher Reichweite, hat aber eine gewöhnungsbedürftige Sitzposition. Ein echter Preishit ist das Fiido T2 (nur ca. 1.400 Euro), hier ist der Nachteil allerdings die fehlende CE Kennzeichnung.
Für Familien, die ein vielseitiges Lastenrad suchen, ohne zu tief in die Tasche greifen zu müssen, könnte das Longtail Duo daher eine ausgezeichnete Wahl sein. Die Schwäche bei starken Steigungen ist verschmerzbar, wenn man das Rad hauptsächlich urban und für moderate Touren einsetzt.
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