Der Perfekte Reifendruck für dein 29 Zoll MTB

Während einer Bike-Tour sind die Reifen der einzige Kontaktpunkt zwischen uns und dem Boden. Sie beeinflussen das Fahrgefühl also mehr als jedes teure „Must-have“-Zubehör. Aber wie findet man den perfekten Reifendruck am Mountainbike? Wenn diese Fragen auf dem Trail gestellt werden, greifen die meisten von uns zum Reifen und drücken ihn ein bisschen zusammen: „Hmm … ungefähr so viel.“ Ein klein wenig mehr Genauigkeit kann da nicht schaden. Denn wenn ihr das Beste aus eurem Bike herausholen wollt, ist der einfachste und günstigste Weg, den richtigen Reifendruck zu finden.

Die Bedeutung des Reifendrucks

Reifen sind das Tuning-Teil Nummer Eins an Mountainbikes und der einzige Berührungspunkt mit dem Untergrund. Sie haben entscheidenden Einfluss auf das Fahrgefühl und können die Leistungsfähigkeit eines Bikes komplett entfalten oder grausig beschränken. Deshalb ist der richtige Reifendruck beim Fahrrad einer der wichtigsten Parameter.

Vorteile von niedrigerem Reifendruck

Zum Glück sind diese Zeiten vorbei und moderne Reifen können mit viel weniger Druck als früher gefahren werden. Aber was sind die Vorteile von einem niedrigeren Druck?
  • Weniger Reifendruck ermöglicht im Allgemeinen mehr Grip, da sich der Reifen um Wurzeln und Steine herum verformen kann, anstatt zu verspringen.
  • Das verbessert die Traktion und den Komfort, sowohl bergauf als auch beim Downhill!
  • Weniger Druck kann auch zu einem geringeren Rollwiderstand im Gelände führen.
  • Denn Reifen mit niedrigerem Druck benötigen weniger Energie, um sich um ein Hindernis herum zu verformen, als Reifen mit höherem Druck, die das Bike und das Gewicht des Fahrers über das Hindernis drüber heben müssen.

Gibt es auch Nachteile?

Wir glauben nicht, da sich ein angepasster Druck nicht negativ auf den Rollwiderstand eines MTB-Reifens auswirkt. Außerdem knicken moderne Reifen in Kurven auch nicht mehr so einfach weg.

Faktoren, die den Reifendruck beeinflussen

Den perfekten Druck, der für alle Situationen und jeden Fahrer passt, gibt es nicht. Das liegt daran, dass wir alle in unterschiedlichem Gelände, auf verschiedenen Bikes und mit ganz eigenen Vorlieben unterwegs sind. Dieser Artikel soll euch helfen, den für euch passenden Reifendruck in eurem MTB zu finden.
  • Das Fahrergewicht ist für den Reifendruck genauso ausschlaggebend wie für das Setup des Fahrwerks.
  • Leichtere Fahrer können etwas weniger Reifendruck fahren, wohingegen schwerere Fahrer mehr Druck benötigen, um zum gleichen Ergebnis zu kommen.
  • Das Terrain, in dem ihr euch bewegt, hat einen großen Einfluss auf den Reifendruck, den ihr wählen solltet.
  • Wenn ihr hauptsächlich auf harten Flow-Trails unterwegs seid, könnt ihr weniger Reifendruck fahren, solange der Reifen in Kurven nicht wegknickt.
  • Der Fahrstil spielt natürlich auch eine Rolle.
  • Wenn ihr immer auf der Straightline durch Steinfelder fliegt, kann ein höherer Reifendruck die Komponenten schützen.

Reifen und Felgen

Die Wahl der Reifen und Felgen ist ausschlaggebend für das Einstellen des Reifendrucks am Mountainbike.
  • Habt ihr eine dicke Karkasse, die für den harten Enduro-Einsatz entwickelt wurde, z. B. MAXXIS Doubledown oder Schwalbe Super Gravity?
  • Oder eine leichte Version, die ein niedrigeres Gewicht vor Pannenschutz stellt, z. B. MAXXIS EXO und Schwalbe SnakeSkin?
Auch ob der Reifen mit oder ohne Schlauch (tubeless) montiert ist, macht einen Unterschied. Ein Tubeless-Reifen kann im Allgemeinen mit weniger Druck gefahren werden. Durch den fehlenden Schlauch muss man keine Angst vor einem Snakebite haben.Die Felgenbreite ist ein weiterer Faktor: Breitere Felgen geben dem Reifen mehr Support, was einen niedrigeren Druck ohne Kompromisse erlaubt. Schlauchlose Reifen können ganz ohne Snakebite-Gefahr mit niedrigerem Druck gefahren werden - der perfekte Reifendruck für einen Tubeless-Reifen variiert allerdings je nach Fahrstil und Gelände.

Empfehlungen unserer Redakteure

Um euch eine Vorstellung der Bandbreite zu vermitteln, geben euch unsere Redakteure hier einen Einblick in ihre persönlichen Setups.* Fahrer 1: Grip ist für mich sehr wichtig. Ich habe in meinem Leben genug Knochen gebrochen, um zu wissen, dass ich nicht der nächste Brandon Semenuk sein werde. Meine Vorlieben sind steile, technische Trails und dabei behalte ich meine Laufräder am Boden. Ich fahre mit voluminösen, 2,5″ breiten 29er-Reifen und halte den Druck relativ niedrig, mit 18 psi (1,24 bar) vorne und 20 psi (1,37 bar) hinten und einer 30 mm breiten Felge. Auf meinen Hometrails gibt es nicht viele scharfe Steine, deshalb fahre ich leichtere Reifen mit EXO+ Karkasse.* Fahrer 2: Bei schnellen DH-Strecken sind Grip und Bremstraktion natürlich wichtig, aber ich habe auch Spaß daran, durch Anlieger zu heizen und ein wenig seitlich zu landen. Es gibt einen Grund, warum ich bei ENDURO als Cutty-Enthusiast bekannt bin, und deshalb muss ich einen höheren Druck fahren, um meine Reifen auf der Felge zu halten. Ich fahre MAXXIS Wide Trail-Reifen mit 29 x 2,5″ vorne und 29 x 2,4″ hinten auf einer 30-mm-Felge. Der Reifendruck vorne liegt bei 22 psi (1,52 bar) und hinten bei 25 psi (1,72 bar).* Fahrer 3: Ich bevorzuge ein problemloses und direktes Handling. Deshalb - und wegen meines höheren Gewichts - entscheide ich mich für etwas mehr Druck. Auf Bikes mit 29 x 2,5″-Reifen und EXO-Karkasse fahre ich vorne 25 psi (1,72 bar) und hinten 28 psi (1,93 bar). Das bietet genügend Grip, ohne dass meine Fahrten ständig mit Pannen enden. Die Kombi funktioniert bei fast allen Bedingungen. Wenn es richtig nass und rutschig wird, reduziere ich den Druck jedoch etwas.* Fahrer 4: Ich wünsche mir oft, ich könnte mit weniger Druck oder leichteren Reifen fahren. Die Wahrheit ist jedoch, dass es bei meinem Gewicht und meinem Fahrstil keinen Sinn macht, „trail-orientierte“ Karkassen zu fahren. Ich muss mich für schwere Enduro-Karkassen wie MAXXIS Doubledown oder Schwalbe Super Gravity entscheiden. Dann kann ich vorne bis 1,65 bar (24 psi) und hinten bis 1,93 bar (28 psi) runtergehen, während ich in Steinfeldern immer noch gelegentlich ein „Dinnng“ von der Felge höre. Ich kümmere mich nicht um die eine oder andere Delle bei Alufelgen. Bei Carbonfelgen muss ich jedoch ein Insert einlegen oder den Druck erhöhen.* Fahrer 5: Auch wenn ich relativ aktiv fahre, kann ich dank meines geringen Gewichts den Druck stark senken! Mit einem klassischen MAXXIS EXO-Reifen-Setup an meinem Enduro-Bike fahre ich vorne 14 psi (0,96 bar) und hinten 17 psi (1,17 bar). Ich habe nie Probleme mit Reifenpannen und könnte wahrscheinlich sogar noch tiefer gehen, aber dann fühlt sich das Rad ein wenig schwammig an.Da habt ihr es! Eine große Bandbreite verschiedener Reifendrücke von verschiedenen Fahrern auf verschiedenem Terrain.

Das Geheimnis des perfekten Reifendrucks

Das Geheimnis des perfekten MTB-Reifendrucks? Die Balance zwischen Grip und Stabilität.* Zu hoch: Ein hoher Reifendruck unterstützt die Seitenwand des Reifens und bietet so mehr Stabilität und besseren Schutz für die Felgen. Doch wenn ihr zu weit nach oben geht, reduziert ihr die Traktion, weil die Kontaktfläche reduziert wird.* Zu niedrig: Ein niedriger Druck erhöht dank der größeren Kontaktfläche den Grip und verbessert die Traktion in Kurven, da sich der Reifen dem Trail besser anpassen kann. Wenn ihr allerdings mit zu wenig Druck fahrt, erhöht sich das Risiko eines Felgenschadens bei starken Schlägen. Außerdem reduziert der geringere Druck die natürliche Dämpfung des Reifens, was bei höheren Geschwindigkeiten ein instabiles Fahrgefühl erzeugen kann.

Wie finde ich den idealen Reifendruck?

Schnappt euch eine Pumpe und einen Luftdruckmesser und haltet Ausschau nach einer kurzen Teststrecke. Sucht nach schönen flachen Kurven, Anliegern, Kompressionen und Wurzeln - idealerweise auf einer Strecke, die dem Gelände entspricht, auf dem ihr normalerweise unterwegs seid. Der Trail sollte nicht zu anspruchsvoll sein, da ihr euch eher auf das Fahrgefühl konzentrieren solltet und nicht darauf, dass ihr keinen Abgang hinlegt.1. Zu Beginn pumpt eure Reifen stark auf, um zu sehen, wie sich der hohe Druck anfühlt.2. Fahrt den Trail und lasst es dabei entspannt angehen.3. Das Bike wird sich durch den hohen Druck anders anfühlen als gewohnt.4. Okay, dann zurück zum Start und reduziert den Reifendruck um 2 psi vorne und hinten und wiederholt euren Test-Trail.5. Konzentriert euch dabei wieder auf das Fahrgefühl und darauf, wie viel Grip die Reifen liefern.6. Wiederholt das Ganze immer wieder und verringert jedes Mal den Druck.Wenn ihr den Reifendruck verringert, bekommt ihr mehr Grip und Traktion. Wenn der Druck zu niedrig wird, fühlen sich die Reifen in Kurven schwammig an und werden instabil bei hohen Geschwindigkeiten. Versucht, den Punkt zu finden, an dem eine weitere Reduktion des Reifendrucks die Performance nicht mehr verbessert. Nun sollte der Reifen viel Grip und Stabilität bieten.Ihr nähert euch eurem optimalen Druck-Setup und könnt nun mit der Balance zwischen Hinter- und Vorderreifen spielen. Normalerweise könnt ihr vorne etwas weniger Druck fahren. Die typische Gewichtsverteilung am Bike beträgt 40 % vorne und 60 % hinten. Versucht den Druck im Vorderreifen um 3 psi (0,2 bar) gegenüber dem Hinterreifen zu senken und überprüft, wie sich das auf den Grip auswirkt. Ihr habt jetzt eine gute Grundeinstellung, von der aus ihr arbeiten könnt.

Reifen-Inserts

Reifen-Inserts sind für zwei Dinge ausgelegt: Erstens fungieren sie als dämpfende Schutzschicht für die Felge und absorbieren alle Schläge von Steinen oder Wurzeln, die den Reifen zerstören könnten. Zweitens sollen die Inserts die Stabilität des Reifens erhöhen, da sie die Seitenwände des Reifens an das Felgenhorn drücken.

Nicht alle Reifen sind gleich

Je nach Karkasse, Lauffläche und Seitenwand des Reifens könnt ihr den Druck auch senken und trotzdem eure Komponenten schützen. Heavy-Duty-Karkassen wie MAXXIS Doubledown und Schwalbe Super Gravity erlauben einen niedrigeren Reifendruck als die EXO- und SnakeSkin-Karkassen derselben Hersteller.Egal ob ihr das perfekte Setup finden wollt oder einfach nur unsere Empfehlungen verwendet - ihr werdet schnell merken, dass der Reifendruck die einfachste und günstigste Tuning-Maßnahme für euer Bike ist.

Tabellarische Zusammenfassung

Hier ist eine Tabelle, die die wichtigsten Aspekte des Reifendrucks zusammenfasst:

Faktor Auswirkung auf Reifendruck
Fahrergewicht Leichtere Fahrer: Weniger Druck, Schwerere Fahrer: Mehr Druck
Terrain Harte Trails: Weniger Druck, Technische Trails: Mehr Druck
Fahrstil Aggressiver Stil: Mehr Druck, Verspielter Stil: Weniger Druck
Reifentyp Tubeless: Weniger Druck, Schlauch: Mehr Druck
Felgenbreite Breitere Felgen: Weniger Druck

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