Der richtige Reifendruck ist entscheidend für die Leistung, den Komfort und die Sicherheit eines Rennrads und seines Fahrers. Allerdings gibt es weder eine pauschale Anleitung noch eine allgemeingültige Tabelle oder Richtwerte, die den richtigen Reifendruck vorgeben. Tatsächlich wird der korrekte Reifendruck von vielen Faktoren beeinflusst.
Einflussfaktoren auf den Reifendruck
Der Reifendruck beeinflusst das Fahrverhalten eines Rennrads in vielerlei Hinsicht. Zu hoher Druck kann die Fahreigenschaften verschlechtern, den Rollwiderstand und das Unfallrisiko erhöhen, während zu niedriger Druck den Rollwiderstand erhöht und den Reifenverschleiß beschleunigt. Moderne Tests haben ergeben, dass breitere Reifen eben nicht schlechter rollen als schmale.
In den letzten Jahren hat sich ein Trend zu breiteren Reifen (25 Millimeter und mehr) etabliert. Diese bieten eine größere Auflagefläche, was den Komfort erhöht und die Traktion verbessert, insbesondere auf unebenem Untergrund. Beim Klassiker-Rennen Paris - Roubaix fahren die meisten Profis mittlerweile sogar zwischen 28 und 30 Millimeter breite Reifen, einige davon auch Tubeless. Der Vorteil: Breitere Reifen können mit niedrigeren Drücken gefahren werden, ohne den Rollwiderstand zu erhöhen.
Gewicht des Fahrers
Das Gewicht des Fahrers spielt eine entscheidende Rolle bei der Wahl des richtigen Reifendrucks. Schwerere Radfahrer benötigen höheren Druck, leichtere folglich weniger. Die Reifen sollen letztlich leicht federn, aber nicht springen. Zu schwammig dürfen sie sich natürlich auch nicht anfühlen. Für den idealen Reifendruck ist zum großen Teil das Körpergewicht des Fahrers relevant.
Als hilfreicher Annäherungswert gelten 10 Prozent des Körpergewichts in bar. Wenn du 75 Kilogramm wiegst, solltest du den Reifen bis 7,5 bar aufpumpen (natürlich unter Berücksichtigung der maximal zulässigen Luftdrücke von Reifen und Felgen). Du musst aber beachten, dass du das Systemgewicht nicht außer Acht lassen darfst, denn zum Beispiel Bikepacking-Taschen mit Inhalt erhöhen dieses zum Teil drastisch.
Untergrund
Auf glatten, asphaltierten Straßen kann ein höherer Reifendruck verwendet werden, da der Rollwiderstand minimiert und die Geschwindigkeit maximiert wird. Auf unebenen Straßen und Kopfsteinpflaster ist es darum besser, den Reifendruck zu reduzieren. Ein geringerer Druck ermöglicht es dem Reifen, sich besser an den Untergrund anzupassen, was den Komfort erhöht und die Kontrolle verbessert.
Felgenbreite
Die Felgenbreite beeinflusst die Form des aufgepumpten Reifens, den Luftwiderstand und auch den Reifendruck. Breitere Felgen ermöglichen es, breitere Reifen zu montieren. Eine breitere Felge mit einem breiteren Reifen erfordert wiederum weniger Luftdruck, um die gleiche Leistung zu erzielen. Zum Beispiel kann ein 25-Millimeter-Reifen auf einer breiten Felge bei nur 5,5 bar (80 psi) denselben Rollwiderstand aufweisen wie bei 6,2 bar (90 psi) auf einer schmaleren Felge.
Reifentyp
Tubeless-Systeme werden immer beliebter, da sie mehrere Vorteile bieten, darunter ein geringeres Pannenrisiko und die Möglichkeit, eben mit niedrigeren Drücken zu fahren, ohne die Gefahr von Durchschlägen (Snakebites) zu provozieren. Im Vergleich zu Butyl-Schläuchen haben TPU Fahrradschläuche viele Vorteile.
Rollwiderstand verstehen
Rollwiderstand ist die Kraft, die einem rollenden Rad oder Reifen entgegenwirkt und seine Bewegung verlangsamt. Diese Kraft entsteht hauptsächlich durch die Verformung des Reifens auf der Fahrbahnoberfläche sowie durch die Reibungskräfte innerhalb des Reifens selbst. Es kommt hier zu Energieverlusten, die der Fahrer mit Muskelkraft kompensieren muss. Je schneller du fährst, desto stärker musst du in die Pedale treten, um den Rollwiderstand zu überwinden.
Ein hoher Reifendruck mindert zwar den Rollwiderstand, verringert aber den Komfort. Da Asphalt im normalen Straßenverkehr, anders als in einem Velodrom, nicht besonders glatt ist, sorgt ein zu hoher Reifendruck für eine unruhige Fahrt. Der Reifen springt leicht und vibriert.
Empfehlungen und Tipps
Die Empfehlungen, die auf den Reifen aufgedruckt sind, sollen letztlich auch den Reifenhersteller vor etwaigen Haftungsansprüchen im Falle eines schweren Sturzes schützen. Mitunter kann es sogar deiner Leistung guttun, wenn du weniger Luftdruck auf den Reifen gibst, als es die Empfehlung auf der Seitenwand vom Reifenmodell aufzeigt. Zum Beispiel wenn du auf einer Strecke mit viel Kopfsteinpflaster unterwegs bist und einen entsprechend breiten Reifen fährst.
Regelmäßige Überprüfung
Wie oft aber sollte man den Luftdruck beim Fahrradreifen überprüfen? Und was ist der optimale Reifendruck? Zu beachten ist jeweils die Größe der Reifen, das Gewicht des Radfahrenden und die Beschaffenheit des Untergrunds.
Auf jedem Fahrradreifen ist an der Seite der minimal und maximal zulässige Reifendruck angegeben. Das gilt sowohl für herkömmliche Fahrräder als auch für E-Bikes und Pedelecs. Die Angaben sind als Richtwerte zu verstehen: Der ideale Luftdruck auf einem Fahrradreifen liegt oftmals innerhalb der Spanne zwischen minimalem und maximalem Wert. Angegeben ist der Reifendruck in der Maßeinheit bar oder psi. 1 bar entspricht rund 14,5 psi. Häufig finden sich aber auch beide Angaben auf dem Reifen.
Damit Fahrradpannen mit plattem Reifen ausbleiben, sollten die auf dem Reifen angegebenen Werte möglichst nicht unter- oder überschritten werden. Denn wer unter dem Minimalwert fährt, schadet dem Reifen, dem Schlauch sowie der Felge und kann schwer stürzen. Wer länger mit einem Luftdruck unterwegs ist, der über dem angegebenen maximalen Wert liegt, überfordert die Stabilität des Fahrradreifens, und dieser kann platzen.
Generell gilt: je dünner der Reifen, desto höher der Luftdruck. Empfehlenswert ist ein erhöhter Reifendruck zudem auf ebenen Wegen und asphaltierten Straßen. Ein geringer Luftdruck ist auf weichen Böden wie Wald-, Feld- und Kieswegen sinnvoll.
Messung des Luftdrucks
Allerdings kann man den richtigen Luftdruck nur mit einer Luftpumpe mit integriertem Manometer richtig messen, ideal sind hier Standpumpen. Wenn der Pumpenkopf der Pumpe auf das Fahrradventil aufgesteckt ist, zeigt die Druckanzeige des Manometers den aktuellen Druck auf dem Fahrradreifen an.
Den Luftdruck per Daumendruck zu überprüfen, ist nur sehr ungenau. Denn Druckunterschiede sind mit dem Daumen schwer erkennbar - und ab 2 bar aufwärts fühlt sich der Reifen gut gefüllt an.
Die Entwicklung der Reifenbreite
Die Rennrad-Reifenbreite und der richtige Reifendruck, zwei wichtige Faktoren im Rennradsport. Während man früher mit schmalen Reifen und hohem Reifendruck unterwegs war, ist heute ein ganz anderer Trend zu beobachten. Man sieht vor allem Radler, die mit breiten Reifen und einem niedrigen Reifendruck unterwegs sind. Heutzutage kannst du auswählen, ob du schmale oder breite Rennradreifen haben möchtest. Du kannst aus einer Reifenbreite von 23 mm bis zu 36 mm wählen. Die beliebtesten Größen sind wohl aber die 23-, 25- und 28- mm-Reifen. In den letzten Jahren haben sich 25-mm-Reifen als Standardgröße für Rennräder durchgesetzt. Jetzt aber wird auf 28-mm-Reifen umgestellt.
Dass man sich heute für 25, 28 mm oder noch breitere Reifen entscheidet, ist leicht zu erklären. Das Aufkommen von immer steiferen Materialien, wie z. B. Carbon, wirkte sich negativ auf den Komfort eines Rennrads aus. Vibrationen und Schläge durch Straßenunebenheiten führen dazu, dass der Radfahrer schneller ermüdet und dadurch weniger Leistung bringt. Die Lösung für mehr Komfort war daher ein breiterer Reifen. Das heißt, der Rennradreifen hat eine größere Luftkammer und damit mehr Platz zum Aufquellen, was wiederum den Komfort verbessert.
Ein weiterer Vorteil von breiteren Reifen ist, dass du im Vergleich zu schmaleren Reifen keinen Unterschied im Rollwiderstand bemerkst. Ein schmalerer Reifen hat eine lange und schmale Aufliegefläche. Je breiter der Reifen ist, desto kürzer und breiter ist die Kontaktfläche mit der Fahrbahn.
Es ist jedoch wichtig, dass du dir die Breite deiner Felge genau ansiehst. Zurzeit bieten mehrere Hersteller Räder mit breiteren Felgen an. Auf diese Felgen passen die 25- und 28-Millimeter-Reifen besser und die Eigenschaften kommen noch besser zur Geltung.
Nachteile breiterer Reifen
Neben den Vorteilen gibt es auch einige Nachteile für breitere Rennradreifen. Ein breiterer Reifen ist in der Regel schwerer als eine schmalere Version. Es gibt auch aerodynamische Nachteile, insbesondere bei älteren Fahrrädern mit schmaleren Felgen.
Wie viel Druck ist ideal?
Der richtige Rennrad Reifendruck ist sehr wichtig für ein gutes Lenkverhalten, zur Verringerung des Rollwiderstands, zur Vermeidung von Reifenpannen und für mehr Komfort. Ein höherer Druck bedeutet im Allgemeinen einen geringeren Rollwiderstand auf der Straße, weniger Verschleiß und ein geringeres Risiko von Reifenpannen. Geringerer Druck bedeutet mehr Komfort und mehr Halt.
Pumpst du zu wenig Luft in deinen Reifen? Dann ist die Gefahr des Verschleißes sehr groß. Du solltest auch darauf achten, dass du deine Reifen nicht zu stark aufpumpst. Im schlimmsten Fall kannst du einen Platten bekommen.
Welcher Druck für einen Reifen ideal ist, lässt sich nur schwer bestimmen. Die folgende Tabelle zeigt dir, wie viel bar je nach Reifenbreite und Körpergewicht für deine Reifen geeignet sind. Natürlich sind dies nur Richtwerte und der für dich ideale Rennrad Reifendruck kann immer höher oder niedriger sein.
Fährst du mit schlauchlosen Reifen? Dann brauchst du einen weniger hohen Reifendruck. Benutze die nachstehende Tabelle und zieh für tubeless etwa 1 bar ab.
Ein wichtiger Tipp ist die regelmäßige Kontrolle der Reifen auf Steine und Risse. Lass dabei die Luft vollständig aus dem Reifen ab, damit du besser sehen kannst, ob sich Schmutzpartikel darin befinden.
Mit einer guten Standpumpe hast du deine Rennradreifen schnell wieder auf dem richtigen Reifendruck. Wir empfehlen auch, dir eine Fahrradpumpe mit Manometer anzuschaffen, so hast du den aktuellen Druck deiner Reifen immer genau im Auge.
Weitere Faktoren für den richtigen Reifendruck
Der passende Reifendruck fließt genauso in unsere Performance auf dem Rennrad ein wie beispielsweise die individuelle, ideale Sitzposition oder aber das zu unseren Bedürfnissen ausgewählte Material. Das individuell richtige Setting für den Reifendruck hängt von deutlich mehr Faktoren ab, als man auf den ersten Blick evtl.
- Orthopädische Vorschädigungen (z.B.
- Je BREITER der Reifen ist, desto WENIGER Luftdruck benötigt er -> denkt an die breiten Autoreifen: diese werden ja auch nur mit ca.
- Auf einem glatten Untergrund wie z.B. einer (Holz-) Bahn hat ein Reifen deutlich weniger Rollwiderstand - ist also schneller - als der identische Reifen mit dem gleichen Luftdruck auf einer sehr gut asphaltierten Straße.
- Je breiter und auch profilierter ein Reifen aufgebaut ist, desto weniger Luftdruck wird auf diesen befüllt.
- Unabhängig von der Reifenbreite brauch der Reifen bei Nässe und hier besonders in Kurvenlage mehr Grip und Haftung, damit wir nicht wegrutschen. Hier als Faustformel: bei Nässe ca.
- Natürlich gilt, je schwerer die Person, die auf dem Rad sitzt, desto mehr Luftdruck muss befüllt werden.
An den Seitenflanken eines Reifens steht immer eine Herstellerangabe, eine sog. Range, die besagt, mit welchem Druck in Bar/PSI der Reifen mindestens befüllt werden sollte - und maximal befüllt werden darf. Je nach Reifenbreite und Bedingungen gilt bzgl.
Bei immer wiederkehrenden oder gar chronischen orthopädischen Problemen (Schulter-Nacken, untere Rücken) empfiehlt es sich, besonders bei einem Körpergewicht zwischen 50-70 Kilogramm, den Reifendruck zwischen der mittleren und unteren Empfehlung des Herstellers anzusiedeln.
Zusätzliche Informationen
Tubeless Reifen, die ohne Schlauch gefahren werden, haben einen schnelleren Luftverlust als Clincher. Bei Clinchern ist der Luftverlust stark davon abhängig, mit welchem Schlauchmaterial diese bestückt werden. Die „klassischen“ Butyl Schläuche halten die Luft 7-10 Tage, leichte TPU Schläuche (z.B. Tubolito) halten die Luft am längsten, hier reicht eine Kontrolle alle 10-14 Tage.
Sclaverand Ventile können bei Feuchtigkeit und/oder Kälte in ihrer Funktion nachlassen -> soll heißen, dass die Luft schneller entweichen kann.
Wenn sich jemand von euch entscheiden sollte, in unsere Trainingscamps sein eigenes Rad mitzunehmen, muss er vor dem Transport im Flieger NICHT die Luft aus den Reifen lassen.
Bei Gravel Reifen macht es durchaus mal Sinn, spielerisch den minimal vorgeschlagenen Luftdruck des Herstellers zu unterschreiten. Ich bin meinen Winterreifen (Maxxis Ravager 40mm), der mit 2,5-4,1 Bar befüllt werden soll, bei Schnee und starkem Schlamm zwecks mehr Stabilität und Grip mit 1,5 Bar vorne und 1,7 Bar hinten gefahren.
Hinweis zur Reifenbreite des neuen Schwalbe Pro One (Modelljahr 2020)
Rennradreifen der Modelle Schwalbe Pro One (TLE, Tube Type) sowie Schwalbe Pro One TT wurden auf einer Messfelge mit der Felgenmaulweite 19C konstruiert, dem Standard für moderne Rennradfelgen (früher 15C).
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