Der Maas-Radweg zählt zu den schönsten Radrouten und ist ideal für eine mehrtägige Bikepacking-Tour. Er verbindet Frankreich, Belgien und die Niederlande miteinander. Wir sind in Maastricht auf den Maas-Radweg eingestiegen, da wir nur begrenzt Zeit hatten.
Dieser Artikel nimmt dich mit auf diese besondere Bikepacking-Tour auf dem Maas-Radweg und teilt persönliche Highlights, Tipps zur Route und praktische Hinweise für deine eigene Fahrradreise durch die Niederlande.
Vorbereitung und Anreise
Unsere Taschen waren am Vortag schnell gepackt. Mittlerweile nutze ich meine eigene Bikepacking-Packliste dafür. Wie so oft, beginnt auch unsere Bikepacking-Tour auf dem Maas-Radweg zunächst mit einer Bahnfahrt. Wenn ich mit dem Fahrrad reise, versuche ich immer, so wenige Umstiege wie möglich einzuplanen, aber oft geht es einfach nicht anders und man muss einfach hoffen, dass alles gut klappt.
Dem ist diesmal leider nicht so. Trotz der verpassten Anschlüsse ist die Zugfahrt an sich schön. Unsere Sitzplätze befinden sich auf einer 4er-Bank. Die gesamte Zeit sprechen wir mit unseren Mitreisenden, so vergeht die Zeit schnell. Angekommen in Herzogenrath verlässt uns das Glück aber wieder. In den Niederlanden ist heute „Königstag“. Das ganze Land feiert und entsprechend reisen viele Leute aus dem Grenzbereich in Richtung Niederlande. Vom Feiertag hatten wir vorab gelesen, welche Ausmaße das Event annimmt hatten wir jedoch nicht geahnt.
Irgendwann kommt ein Zug, in dem wir mitfahren können. Eingequetscht stehen wir zwischen fröhlichen, in Orange gekleideten Niederländern. Mit einigen Stunden Verspätung kommen wir schließlich in Maastricht an, wo die ganze Stadt in Feierlaune ist. Da wir erst morgen die 1. Etappe unserer Radreise auf dem Maas-Radweg starten, geben wir uns nach dem schnellen Check-in im Hotel den Feierlichkeiten hin und saugen die tolle Atmosphäre auf.
Etappe 1: Maastricht und Umgebung
Die Sonne scheint, als wir am Sonntag um 08:30 Uhr unser Hotel verlassen. Außer uns sind bisher nur die Leute der Stadtreinigung unterwegs. Der Rest der Stadt ist wohl in Katerstimmung. Wir bahnen uns bei frischen 8 Grad einen Weg durch die vielen Scherben in der Stadt, die durch die Feierlichkeiten am Vortag leider allgegenwärtig sind. Zum Glück lassen uns unsere Mäntel von Schwalbe* nicht im Stich. Wir kommen ohne Platten durch. Dennoch freuen wir uns darüber, dass es so leer ist und wir die Stadt aus einer anderen Perspektive sehen können.
Kaum sind wir raus aus der Stadt, begegnet uns schönste Natur und wir finden uns mitten im Grünen auf tollen Radwegen wieder. Nach ca. 18 Kilometern blockieren uns Pferde den Weg über eine Brücke. Während wir uns zaghaft nähern und uns wundern, dass die Pferde dort so einfach ohne Zaun stehen, kommt eine größere Gruppe niederländischer Radfahrer. Sie kennen das anscheinend schon und scheuchen die Pferde beiseite, als wäre es das Normalste der Welt. Ist es vielleicht auch. Für uns bis dahin aber nicht.
Mittags legen wir direkt mit Blick aufs Wasser eine kleine Pause in einem Imbiss ein, bevor es auf die erste von vielen Fährfahrten auf dieser Tour geht. Den restlichen Tag auf der 1. Etappe des Maas-Radwegs fahren wir fortlaufend schön am Wasser, durch kleine Dörfer und vor allem durch grüne Natur.
Etappe 2: Roermond nach Boxmeer
Die zweite Etappe unserer Bikepacking-Tour auf dem Maas-Radweg soll uns auf 90 Kilometern von Roermond, über Venlo bis nach Boxmeer führen. Wir haben unterwegs auch immer Fahrradriegel* und Nüsse* für den Notfall dabei. Auch unsere Fahrradflaschen* füllen wir immer mit Wasser auf. Unterwegs ist ein bisschen Obst, Gemüse oder ein Getränk mit Geschmack aber auch sehr willkommen. Manchmal gibt’s auch einen Fertigsalat.
Kaum raus aus Roermond fahren wir wieder entlang der Maas und durch wunderschöne Natur. Kurz vor Venlo treffen wir spontan Loesy, die unsere Reise auf Instagram verfolgt hat. Wir radeln zusammen ein Stück und trinken dann in Venlo gemeinsam noch gemütlich einen Kaffee, bevor wir uns wieder voneinander verabschieden müssen.
Wir sind gerade erst kurz unterwegs und sind schon mit vielen Menschen ins Gespräch gekommen und haben bereits jetzt mehr Eindrücke als wir verarbeiten können. Leider bleibt die Verabschiedung von Loesy an diesem Tag nicht die einzige. Gut 15 Kilometer hinter Venlo verabschiedet sich auch meine Speiche. Mitten im Nirgendwo. Zwar haben wir immer Werkzeug*, Schläuche* und andere Hilfsmittel* dabei. Für eine kaputte Speiche diesmal aber nichts. Es ist Montag und die meisten Geschäfte sowieso geschlossen, daher befestigen wir die Speiche erstmal halbwegs, damit ich weiterfahren kann.
Das klappt zum Glück besser als erwartet. Am Nachmittag trudeln wir dann in Boxmeer in einer wirklich für uns an dem Tag perfekten Unterkunft ein. Wir haben einen kleinen ausgebauten Bauwagen mit eigener Terrasse und Blick auf die Pferdekoppel.
Etappe 3: Kurze Tour durchs Grüne
Heute ist Tag 3 unserer Bikepackingreise auf dem Maas-Radweg und wir haben eine sehr kurze Tour geplant. Unsere Radreise auf der Massroute führt uns auch heute wieder schön durchs Grüne und beschert uns Begegnungen mit unzähligen Schafen, Ziegen und Pferden. Auch die eine oder andere Überfahrt mit der Fähre ist heute wieder dabei. Diese gehen meistens sehr schnell und unkomompliziert und kosten auch nur ein paar Euro.
Über die kurze Tour bin ich heute nicht unglücklich, da mir ab Kilometer 30 die Hände etwas schmerzen. Da fühlen sich die letzten Kilometer länger an als erhofft. Umso glücklicher bin ich, dass wir bereits mittags bei unserer Ankunft in unsere wunderschöne Pension einziehen dürfen. Da es im Ort nicht viel zu sehen gibt, nutzen wir die Zeit, um Wäsche zu waschen. Nicht jeder Tag beim Bikepacking ist gleich. Gerade das macht es so spannend.
Etappe 4: Boxmeer nach Dordrecht
Waren wir am Vortag ganz entspannt unterwegs, so gibt es heute das Kontrastprogramm. Bereits um 7:00 Uhr verlassen wir unser B&B mit einem kleinen Lunchpaket, um unsere Bikepacking- Tour auf dem Maas-Radweg fortzusetzen. 110 Kilometer haben wir bis zum Ziel, Dordrecht, vor uns. Unsere Radreise läuft heute aber bilderbuchmäßig. Wir haben, als wir unsere Frühstückspause machen, bereits 11 Grad, es ist trocken und die Sonne ist unser stetiger Begleiter. Nur die Fähre hält uns heute direkt zweimal ein wenig auf. Eine ist sehr klein und nimmt nur wenig Passagiere mit, eine andere verpassen wir knapp.
Dadurch verlieren wir heute allein durch Warten 1 Stunde an Zeit. Bei Kilometer 70 machen wir eine große Mittagspause an einem Restaurant, das mitten im Nirgendwo genau zur richtigen Zeit für uns erscheint. Es mag etwas esoterisch angehaucht klingen, aber oft bescheren uns Radreisen genau dann genau das, was wir gerade dringend brauchen.
Nach der Pause fahren wir durch Munnikenland. Das ist ein großes Naturgebiet und beliebtes Ausflugsziel, wie wir später erfahren. Auch viele Wanderer sind hier unterwegs. Wir fahren wieder durch schönste Landschaften und machen erneut eine interessante Begegnung. Direkt neben dem Maas-Radweg steht, wieder ohne Zaun, ein Rind. Auch das kenne ich so aus Deutschland nicht. Vorsichtig fahren wir mit Sicherheitsabstand vorbei und können es gar nicht glauben. Das Rind selbst stört sich wenig daran. Im Gegensatz zu uns ist diese Art der Begegnung für das Tier wohl Alltag.
Trotz der weiten Strecke und den Verzögerungen mit der Fähre fahren wir heute bereits um 14:00 Uhr am Ziel in Dordrecht ein.
Etappe 5: Dordrecht nach Brielle
Etwas erschöpft starten wir den vierten Tag unserer Bikepackingtour auf dem Maas-Radweg. Unser B&B war zwar einerseits sehr schön und einladend. Andererseits aber auch sehr hellhörig. Gut, dass wir auf dem Maas- Radweg heute eine eher kurze Etappe mit gut 55 Kilometern zurücklegen wollen. So richtig gut rollt es heute nicht. Die Sonne kracht bereits morgens erbarmungslos. Die Sonnencreme* ist daher immer griffbereit. 27 Grad sollen heute werden. Dazu der Schlafmangel. Da fällt der ein oder andere Tritt in die Pedale schon schwer.
Wir radeln raus aus Dordrecht und sind froh, als wir die Stadt hinter uns lassen können und wieder mehr im Grünen unterwegs sind. Schafe, Ziegen, Pferde und direkt am Wasser. Bei unserer ersten Fähre stehen wir heute vor verschlossener Tür, da diese gerade Pause macht. Entweder warten wir 3 Stunden oder wir planen die Route um. Wir entscheiden uns fürs Umplanen. Wir müssen durch einen Tunnel fahren, in dem nur Radfahrer durchfahren. Es geht steil bergab und dann wieder steil bergauf. Im Tunnel selbst ist es überraschenderweise eiskalt.
Unsere Mittagspause machen wir heute direkt am Wasser neben einer freundlichen Entenfamilie. Das Absurde an der heutigen Route ist, dass wir eigentlich schon fast am Ziel unserer Bikepackingtour auf dem Maas-Radweg sind. Wir fahren direkt an Rotterdam vorbei, wo am morgigen Tag unsere Radreise durch die Niederlande enden soll.
Als wir mittags im Hotel ankommen, sind wir etwas enttäuscht. Zwar ist die Lage des Hotels gut, drin ist aber alles eher alt und unmodern, aber nicht auf eine charmante Art. Zudem hatten wir zuvor abgesprochen, dass die Räder in einem sicher verschlossenen Raum abgestellt werden können.
Brielle selbst ist eine wunderschöne kleine Hafenstadt in der man gut einen Nachmittag am Wasser verbringen kann. Wir wundern uns ein wenig darüber, dass viele alte Militärfahrzeuge und viele Menschen in Uniform unterwegs sind. Nach etwas Recherche finden wir raus, dass hier am Wochenende Feierlichkeiten zum Jahrestag der Befreiung durch die Alliierten während des zweiten Weltkrieges stattfinden. Wieder sind wir unwissentlich in Mitten niederländischer Feierlichkeiten.
Etappe 6: Brielle nach Rotterdam
Unsere Bikepacking- Tour auf dem Maas-Radweg durch die Niederlande geht heute in die letzte Etappe. Gut 70 Kilometer sollen es von Brielle bis Rotterdam laut der offiziellen Maasroute sein. Waren wir dort viel im Grünen unterwegs finden wir uns heute inmitten von Industrie. Wir befinden uns in Hafennähe, wo im Sekundentakt LKWs an uns vorbeibrausen und überall riesige Gebäude sind.
Wieder einmal bin ich froh über die tolle Infrastruktur hier in den Niederlanden. Nur ungern würde ich mit diesen LKWs ungeschützt auf der gleichen Straße fahren müssen. Dank der guten Radweginfrastruktur muss ich das auch nicht.
Da die Fähren bisher alle paar Minuten fuhren, haben wir uns gar nicht die Mühe gemacht, vorab Fahrpläne anzuschauen. Das war ein Fehler. Als wir ankommen, ist alles verwaist. Die nächste Fähre von Maasvlakte nach Hoek van Holland geht erst in ca. Also warten wir. Unsere Hoffnung, in dem modernen Gebäude nebenan einen Kaffee zu bekommen und eine Toilette zu finden, ist leider schnell erloschen. Darin befand sich eine Ausstellung, diese wurde aber wenige Wochen zuvor leider geschlossen.
Nach ca. einer Stunde sammeln sich immer mehr andere Radreisende auf dem Platz. So haben wir sehr gute Unterhaltung und die Wartezeit vergeht etwas schneller. Die Fahrt mit der Fähre selbst dauert nochmals eine Stunde. Endlich angekommen verabschieden wir uns von unseren neuen Bekannten und treten in die Pedale. Wir haben zur Abwechslung viele Kilometer Rückenwind. Dieser schiebt uns geradezu Richtung Rotterdam.
Nach einer kurzen Frikandelpause sind wir dann auch schon in Rotterdam angekommen. Nach den vielen Tagen in der Natur müssen wir uns erstmal an die vielen Menschen gewöhnen und die ganzen Eindrücke der letzten Woche irgendwie im Kopf sortieren, verarbeiten und hoffentlich so lange es geht in Erinnerung behalten.
Unsere Bikepacking-Reise entlang dem Maas-Radweg war für mich mehr als nur eine Fahrradtour - sie war ein richtiges Abenteuer voller Überraschungen, Begegnungen und unvergesslicher Eindrücke.
Die Wege an Tag 6 waren nicht so beeindruckend und durch die lange Fahrt mit der Fähre lohnt es sich kaum, diesen Umweg in Kauf zu nehmen. Trotz kleiner Pannen, Zugverspätungen und Muskelkater blicken wir mit einem Lächeln auf die Etappen zurück.
Weitere Informationen zum Maas-Radweg
Der Maasradweg führt unfassbare 1.000 Kilometer an der Maas entlang. Der Radweg verbindet die Länder Niederlande, Belgien und Frankreich miteinander. Legran ist der Start in Frankreich und das Ende des Maasradwegs befindet sich bei Hoek van Holland. Auch an Sedan & Verdun in Frankreich und Maastricht in der Niederlande gelangt der Radweg vorbei.
Der Beginn des Radwegs liegt im holländischen Maastricht und führt bis ins geschichtsträchtige, französische Sedan. Lauschige Dörfer, herrliche und abwechslungsreiche Landschaften begleiten den Radweg rechts und links. Es ist zum großen Teil unberührte Landschaft, die durchradelt wird. Hin und wieder stößt man auf leichte Hügel, die zu den Ausläufern der Ardennen gehören und radelt auch durch ausgedehnte Wälder.
Die Maas entspringt in Frankreich, im Département "Haute-Marne" nördlich des Kurortes "Bourbonne-les-Bains", in dem kleinen Städtchen Pouilly-en-Bassigny. Der Radwanderweg hat den Namen "La Meuse à Vélo", bzw. "Maasfietroute" bekommen, in OCM hat er die Nummer V54.
Durch Verbindungen über die Radroute "Canal de la Marne Au Rhin" zum Marne-Radweg (V53) eignet er sich hervorragend, um vom Norden (Belgien) nach Paris oder auch über Saône und Rhône in den Süden Frankreichs bis zum Mittelmeer zu gelangen.
Im französischen Teil wird man immer wieder mit der Geschichte konfrontiert: Viele Mahnmale, Gedenkstellen sowie kleinere und größere Kriegsgräberfelder erinnern an die schrecklichen Schlachten im Krieg 1870/71 sowie im 1. und 2. Weltkrieg.
Der Radweg ist zumindest ab St. Mihiel gut ausgeschildert. Er führt im wesentlichen auf verkehrsarmen Nebenstrecken, man sieht aber hier und da Baustellen, als wäre es geplant, ihn später direkt neben dem Fluß auf zu Radwegen umgebauten Wirtschaftswegen zu führen.
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