Vier Kolben, große Bremsscheiben und massive Bauweise - das sind Merkmale, die die stärksten Mountainbike-Bremsen der Welt auszeichnen. Doch welche Bremse ist die beste Wahl für Trail, Tour und alpines Gelände? Dieser Artikel vergleicht die Magura MT7 Pro mit der Shimano XT M8120, um Ihnen bei der Entscheidung zu helfen.
Das Testfeld
Um herauszufinden, welche Mountainbike-Bremse aktuell die stärkste ist, wurden acht der zupackendsten Vierkolben-Bremsen auf dem Markt getestet. Neben der Magura MT7 Pro und der Shimano XT M8120 umfasste das Testfeld auch Modelle von Sram, TRP und anderen Herstellern. Ziel war es, die Bremsen unter realen Bedingungen auf dem Trail zu vergleichen und ihre Leistung in Bezug auf Bremskraft, Dosierbarkeit, Ergonomie und Standfestigkeit zu bewerten.
Testmethoden
Im Fokus des Tests stand die Performance auf dem Trail. Dazu wurden die Bremsen über einen Zeitraum von einem Jahr an verschiedenen Bikes eingesetzt und auf unterschiedlichen Strecken gefahren. Mindestens drei Bremsen waren immer gleichzeitig im Einsatz, um einen direkten Vergleich zu ermöglichen. Die Bewertung umfasste Bremskraft, Dosierbarkeit, Ergonomie und Standfestigkeit sowie das Gewicht und die Montage. Auch mit Bremsbelägen wurde experimentiert, um die optimale Konfiguration zu ermitteln.
Testergebnisse im Überblick
Die Zeiten, in denen man sich Sorgen um die Bremsen machen musste, sind im Highend-Segment vorbei. Alle getesteten Bremsen können bedenkenlos auch schwersten Fahrern und für anspruchsvollste Trails empfohlen werden. Die Unterschiede liegen nicht in der Power, sondern in den Details und der Modulation. Die Bremse ist eines der wichtigsten Bauteile am Fahrrad und sollte immer funktionieren. Doch darüber hinaus gibt es noch viele andere Werte, die für den ein oder anderen wichtig sind. Wie viel Bremspower hat die Bremse, wie lässt sie sich dosieren, wie ist der Druckpunkt, passt sie optisch zu meinem Bike oder auch wie anfällig ist sie gegen Druckpunkt wandern.
Shigura: Die Kombination aus Magura und Shimano
Eine interessante Option ist die Kombination von Komponenten verschiedener Hersteller, bekannt als "Shigura". Hierbei wird beispielsweise ein Shimano XTR Hebel mit einem Magura MT5 Bremssattel kombiniert. Die Machbarkeit hängt vom verwendeten Öl ab: Magura setzt auf Royal Blood, während Shimano Mineralöl verwendet. Diese Öle sind fast identisch, unterscheiden sich jedoch im Siedepunkt. Die Kombination ermöglicht es, die Vorteile beider Hersteller zu nutzen: Shimano bietet edle Bremshebel mit guter Dosierbarkeit, während Magura mit Vierkolben-Sätteln hohe Bremskraft liefert. Ob Sie XT und MT5 oder XTR mit MT7 kombinieren, ist meinerseits aus eine reine Preis und Optik Frage und keine Leistungsfrage.
Magura MT7 Pro im Detail
Die MAGURA MT7 ist das Flaggschiff-Modell des deutschen Bremsenherstellers und bietet viel Power für den Einsatz an Enduro- und Downhill-Bikes. Mit ihren vier Kolben ist die MAGURA MT7 die stärkste Bremse im Portfolio des schwäbischen Herstellers und hat diesen Platz schon seit 2015 inne. Unterhalb der MT7 ist die beinahe identische MT5 eingeordnet, die wir ebenfalls im Test hatten. Optisch sind die beiden kaum zu unterscheiden und der Bremssattel ist bis auf die Dichtung identisch. Was rechtfertigt also die rund 200 € Preisunterschied? Die Geber-Einheit der MT7 besteht aus dem (angeblich) leichteren und stabileren Carbotecture SL, dem faserverstärkten und im Spritzgussverfahren hergestellten Kunststoff als Eigenkreation von MAGURA. Verglichen zur MT5 hat sie einen kleineren Geberkolben. Auf der Waage hat sich das mit 542 g bei der MT7 - versus 538 g bei der kleinen Schwester - nicht bemerkbar gemacht. Der kleinere Geberkolben besitzt ein höheres Übersetzungsverhältnis, wodurch die Beläge näher an der Bremsscheibe anliegen müssen.
Im Trail-Test zeigt sich die MAGURA MT7 mit hoher Bremspower und fühlt sich deutlich knackiger an als die kleinere MT5. Das höhere Übersetzungsverhältnis zwischen Geber- und Nehmerkolben macht sich bemerkbar und auch der Leerweg ist an der MT7 geringer. Die werkzeuglose Hebelweiteneinstellung funktioniert auch mit Handschuhen gut und gelingt mit wenig Kraftaufwand. Im Labor landet die MT7 genau im Mittelfeld, fast gleichauf mit der Shimano XT Bremse. Jedoch fällt das Gefühl am Finger bei der MAGURA nicht so digital - als on/off-Gefühl - aus wie bei der japanischen Konkurrenz. Die MT7 ist gut zu dosieren und nicht „über“kraftvoll, sodass man beim leisesten Hebelkontakt keine Angst haben muss, über den Lenker zu gehen.
Vorteile der Magura MT7:
- Hohe Bremskraft
- Feine Dosierbarkeit
- Gute Individualisierbarkeit
- Ansprechendes Design
Nachteile der Magura MT7:
- Kunststoffgewinde der Lenkerschelle
- Konkurrenz bietet mehr Bremsleistung
Shimano XT M8120 im Vergleich
Die Shimano XT M8120 ist eine äußerst beliebte Bremse, die für ihre Zuverlässigkeit und gute Dosierbarkeit bekannt ist. Sie bietet eine ausgewogene Performance und eignet sich für eine Vielzahl von Fahrstilen und Geländen. Im Vergleich zur Magura MT7 bietet die XT M8120 ein direkteres, "digitales" Bremsgefühl, was von einigen Fahrern bevorzugt wird.
Vorteile der Shimano XT M8120:
- Zuverlässigkeit
- Gute Dosierbarkeit
- Direktes Bremsgefühl
- Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
Nachteile der Shimano XT M8120:
- Weniger Bremskraft als einige Konkurrenten
Bremsflüssigkeit: Mineralöl vs. DOT
Ein wichtiger Unterschied zwischen Magura und Shimano ist die verwendete Bremsflüssigkeit. Magura setzt auf Mineralöl, während Shimano ebenfalls Mineralöl verwendet. Beide haben Vor- und Nachteile. DOT-Bremsflüssigkeit hat einen höheren Siedepunkt, ist aber hygroskopisch und muss regelmäßig gewechselt werden. Mineralöl ist nicht gesundheitsschädlich und greift Lack nicht an, hat aber einen niedrigeren Siedepunkt.
Bremsbeläge und Bremsscheiben
Prinzipiell gilt, dass jeder Bremsenhersteller auch seine eigenen Beläge anbietet. Meist sogar in unterschiedlichen Ausführungen. Zudem sind Nachrüst-Beläge von Drittherstellern wie z. B. Sinter, GALFER oder Kool-Stop verfügbar. Hiermit lässt sich häufig vergleichsweise günstig die Bremspower steigern. Zudem gibt es meist zwei Arten von Belägen: metallische und organische. Wobei sie sich in den Grund-Bestandteilen nicht unterscheiden. Diese sind Reibmaterial, Gleitmittel und Fasern. Die Bremsscheiben für MTB-Bremsen bestehen alle aus Stahl - zumindest die Reibfläche, an der die Beläge anliegen. Die Dicke der Bremsscheiben variiert hingegen und ist vor allem mit der Wärmeableitung gekoppelt. Mehr Material kann mehr Hitze vom sensiblen Bremssattel abtransportieren.
Labor- und Trail-Tests
Für den umfassenden Bremsentest wurden alle Bremsen mit original Bremsbelägen und den zugehörigen 200-mm-Bremsscheiben an Front und Heck getestet. Das Testergebnis setzt sich aus drei Parametern zusammen: Labor, Telemetrie-Aufzeichnung mit BrakeAce und natürlich dem Praxistest auf dem Trail. Für den Trail-Test waren wir mehrere Tage im sonnigen Spanien, um die Bremsen back-to-back auf einer definierten Teststrecke zu fahren. So konnten wir ordentlich Tiefenmeter sammeln, die Bremsen auf Temperatur bringen und einen direkten Vergleich erfahren. Zudem sind wir alle Bremsen auf unseren bekannten Hometrails gefahren und haben unsere jahrelangen Erfahrungen mit einfließen lassen. Denn in Summe haben wir über die letzten Jahre hunderte von Bremsen „erfahren“.
Fazit
Die Wahl zwischen Magura MT7 und Shimano XT hängt von Ihren persönlichen Vorlieben und Anforderungen ab. Die Magura MT7 bietet hohe Bremskraft und Individualisierbarkeit, während die Shimano XT mit Zuverlässigkeit und guter Dosierbarkeit punktet. Eine "Shigura"-Kombination kann eine interessante Option sein, um die Vorteile beider Hersteller zu nutzen.
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