Moderne Scheibenbremsen sind unglaublich kraftvoll und bieten wahnsinnige Bremskraft, selbst beim Hebelzug mit nur einem Finger. Wer richtig schnell sein will, muss auch schnell langsam werden können. Starke Bremsen helfen, maximale Verzögerung auf den Boden zu bringen und die Kontrolle auf immer anspruchsvolleren Strecken zu behalten.
Doch was zeichnet die beste MTB-Scheibenbremse eigentlich aus? Sie muss zuverlässig, einfach zu warten, leicht und am besten auch noch erschwinglich sein. Reine Power hilft nicht, solange sie nicht fein dosierbar ist. Im Testfeld hatten wir sowohl Budget-Bremsen, die üblichen Verdächtigen, die sich an den meisten Serien-Bikes finden, als auch echte Boutique-Bremsen, die eurem Kontostand alles abverlangen.
Im Test, egal ob Telemetriedaten, Labor- oder Trail, haben sich große Unterschiede gezeigt, aber auch, dass Bremsen viel mit persönlichen Vorlieben und Gefühl zu tun haben. Manche mögen es knallhart, während andere gern fein dosieren und modulieren wollen.
Die Technik hinter den Bremsen
Was alle Scheibenbremsen gemeinsam haben? Vier Bremskolben und eine hydraulische Betätigung - also mit einer Flüssigkeit. Das Bremsmedium - also die Flüssigkeit, die die Power vom Hebel zum Bremssattel am Rad überträgt - variiert nur zwischen mineralischem Öl oder DOT-Bremsflüssigkeit. Ebenfalls nur diametral sind die Unterschiede bei den Bremsbelägen, die entweder metallisch oder organisch sein können.
Bremsen besitzen immer eine Gebereinheit: Das ist der Teil, der am Lenker befestigt ist und umgangssprachlich auch häufig nur Hebel genannt wird. Am Rahmen bzw. der Gabel ist dann die Nehmereinheit montiert. Verbunden sind die beiden Komponenten über die Bremsleitung, die den Druck vom Geber- auf den Nehmerkolben überträgt.
Hydraulisch betätigte Bremsen bedeutet, dass diese die Kraft durch eine Flüssigkeit übertragen. Der Vorteil von Flüssigkeiten: Sie lassen sich im Gegensatz zu Luft nicht komprimieren, die Kraftübertragung findet also nahezu verlustfrei statt. Aus diesem Grund ist auch penibles Entlüften - also kleinste Lufteinschlüsse aus dem Bremssystem zu entfernen - so wichtig.
Bremsflüssigkeiten: Mineralöl vs. DOT
Derzeit sind zwei Arten von Bremsflüssigkeit vertreten: Mineralöl und DOT. DOT-Bremsflüssigkeit kommt ursprünglich aus dem Kfz-Bereich und ist hygroskopisch, d.h. sie bindet Wasser und sollte regelmäßig getauscht werden. Mineralöl hingegen zieht kein Wasser an, bindet es aber auch nicht. Die Wahl der Bremsflüssigkeit obliegt in jedem Fall dem Hersteller, einfaches Wechseln zwischen den verschiedenen Flüssigkeiten ist nicht möglich.
Bremsbeläge: Metallisch vs. Organisch
Prinzipiell gilt, dass jeder Bremsenhersteller auch seine eigenen Beläge anbietet. Meist sogar in unterschiedlichen Ausführungen. Zudem sind Nachrüst-Beläge von Drittherstellern verfügbar. Hiermit lässt sich häufig vergleichsweise günstig die Bremspower steigern. Zudem gibt es meist zwei Arten von Belägen: metallische und organische.
Die organischen Beläge brachten im Normalbetrieb (30 auf 15 km/h) höhere Bremskraft und schnellere Verzögerung, dafür zeigten gesinterte Beläge im heißen Test (45 auf 0 km/h) eine durchgängigere Leistung und weniger Fading. Wenn euch Bremskraft und geringes Quietschen wichtig sind, solltet ihr zu organischen Belägen greifen. Bei schweren Fahrern und langen Abfahrten empfehlen wir aufgrund ihrer konstanteren Performance gesinterte Beläge.
Bremsscheiben
Die Bremsscheiben für MTB-Bremsen bestehen alle aus Stahl - zumindest die Reibfläche, an der die Beläge anliegen. Die Dicke der Bremsscheiben variiert hingegen und ist vor allem mit der Wärmeableitung gekoppelt. Shimano setzt zum Beispiel bei den XTR ICE-TECH-Bremsscheiben auf einen Kern aus Aluminium, der die Wärmeableitung und das Gewicht verbessern soll.
Noch ein wesentlicher Unterschied bei den Bremsscheiben: Es gibt ein- und zweiteilige. Letztere sind auf einem „Stern“ in der Mitte vernietet und schwimmend gelagert. So wird verhindert, dass sich die Reibscheiben bei Wärme ungleichmäßig ausdehnen und verziehen können.
Kommt es zur Befestigung der Bremsscheiben am Rad, ist der Markt zwischen Shimano und dem Rest der Bremsenwelt gespalten. Stichwort 6-Bolt vs. Centerlock. Für uns hat sich die Variante mit den 6 Schrauben als besser herausgestellt. Zwar ist die Montage etwas aufwändiger, dafür haben die Bremsscheiben kein Spiel auf der Nabe.
Testmethoden
Für unseren umfassenden Bremsentest haben wir alle Bremsen mit original Bremsbelägen und den zugehörigen 200-mm-Bremsscheiben an Front und Heck getestet. Das Testergebnis setzt sich aus drei Parametern zusammen: Labor, Telemetrie-Aufzeichnung mit BrakeAce und natürlich dem Praxistest auf dem Trail.
Für den Trail-Test waren wir mehrere Tage im sonnigen Spanien, um die Bremsen back-to-back auf einer definierten Teststrecke zu fahren. So konnten wir ordentlich Tiefenmeter sammeln, die Bremsen auf Temperatur bringen und einen direkten Vergleich erfahren. Zudem sind wir alle Bremsen auf unseren bekannten Hometrails gefahren und haben unsere jahrelangen Erfahrungen mit einfließen lassen.
Unseren ausführlichen Labortest haben wir beim Belag-Spezialisten Sinter in Slowenien durchgeführt. Dort stellt Sinter nicht nur eigene Bremsbeläge her, sondern verfügt auch über ein großes Testlabor, das wir für mehrere Tage belegt haben. Nach dem vorgeschriebenen Einbremsverfahren wurden alle Bremsen mit original Bremsbelägen und Bremsscheibe auf dem Prüfstand montiert.
Um die Unterschiede der Bremsen auf unserer auswendig gelernten Teststrecke noch besser erfahren und vor allem aufzeichnen zu können, haben wir jeweils an einem Bike das BrakeAce Telemetrie-Messsystem aus Neuseeland verwendet. Das System misst unter anderem die Anzahl und Dauer von Brems-Events. Außerdem werden die durchschnittliche Bremsleistung und die Kraftverteilung zwischen Vorderrad- und Hinterradbremse gemessen.
Magura MT5 und MT7 im Detail
Die Magura MT5 und MT7 zählen zu den Top-Modellen im Bereich Mountainbike-Bremsen. Beide Bremsen stehen für zuverlässige Performance auf anspruchsvollen Trails und steilen Abfahrten. Die Magura MT5 setzt auf ein kraftvolles 4-Kolben-System und bietet zuverlässige Bremskraft auch bei anspruchsvollen Abfahrten. Die Magura MT7 setzt auf modernste Technik und ein durchdachtes Design.
Magura MT7
Die MAGURA MT7 ist das Flaggschiff-Modell des deutschen Bremsenherstellers und bietet viel Power für den Einsatz an Enduro- und Downhill-Bikes. Mit ihren vier Kolben ist die MAGURA MT7 die stärkste Bremse im Portfolio des schwäbischen Herstellers und hat diesen Platz schon seit 2015 inne.
Im Trail-Test zeigt sich die MAGURA MT7 mit hoher Bremspower und fühlt sich deutlich knackiger an als die kleinere MT5. Das höhere Übersetzungsverhältnis zwischen Geber- und Nehmerkolben macht sich bemerkbar und auch der Leerweg ist an der MT7 geringer. Die werkzeuglose Hebelweiteneinstellung funktioniert auch mit Handschuhen gut und gelingt mit wenig Kraftaufwand.
Die MT7 ist gut zu dosieren und nicht „über“kraftvoll, sodass man beim leisesten Hebelkontakt keine Angst haben muss, über den Lenker zu gehen. So findet die MT7 einen guten Mittelweg zwischen Verzögerung und Modulation.
Die MAGURA MT7 besitzt solide Bremspower mit feiner Dosierbarkeit. Während sie für die meisten Fahrer kraftvoll genug sein dürfte, legt die Konkurrenz aber noch eine Schippe drauf. Schwächen werden bei der Klemmung der Carbotecture Geber-Einheit am Lenker deutlich. Die große Individualisierbarkeit von Hebeln und der gute Look sind hingegen klare Pluspunkte.
Shigura: Die Kombination aus Shimano und Magura
Oft sind gute Bremsen sehr teuer und bewegen sich bei Preisen von Knapp 400 Euro. Doch auch hier bekommt man nicht immer genau das was man möchte. Shigura - Kombination von Magura und ShimaoSchauen wir uns erst mal im Detail an was eigentlich so möglich ist und wie kombiniert werden kann. Wir werden bei unserem Umbau einen Shimano XTR Hebel mit einem Magura MT5 Bremssattel kombinieren.
Entscheiden ob ein Bremshebel mit einem anderen Bremssattel kombinierbar ist stellt das Öl dar. Magura setzt auf Royal Blood wobei Shimano auf Mineralöl setzt. Die beiden Öle sind allerdings fast identisch. Lediglich besitzen sie unterschiedliche Siedepunkt. Diese sind der der Praxis aber kaum spürbar. Was man genau kombiniert hängt ganz davon ab, was für Anforderrungen man an die Bremsen hat.
Magura bietet mit ihrer MT5 und MT7 hervorragenden Bremspower. Jedoch ist die Dosierbarkeit ehr mau und auch die Optik am Bremshebel überzeugen nicht wirklich. Hier ist die Konkurrenz deutlich stärker. Beim Bremssattel sieht es schon andern aus. Hier hat Magura die Nase vorne. 4 Kolben und ein geschmiedeter Sattel sorgen für ordentlich biss. Bei Shimano bekommt man super edle Bremshebel die eine gute Dosierbarkeit aufweisen.
Kombinieren wir also einen Shimano Bremshebel mit Magura Sattel bekommmen wir eine Bremse mit ordentlich Biss, einer guten Dosierbarkeit und einen schicken Bremshebel. Welchen Bremshebel, man genau wählt hängt in erster Linie auch stark von Budget an. Hier stellt sich meist nur die Frage ob XT oder XTR. Ich persönlich kann wenn es rein um Performance geht nichts gegen den XT Hebel sagen. Allerdings sieht der XTR doch noch etwas schicker aus.
Ob die beiden in der Praxis eine unterschied im Bezug auf die Bremsleisung aufweisen mag ich zu bezweifeln. Auch beim Bremssattel von Magura, bin ich der Meinung, dass MT5 und MT7 Sattel der gleich sind und sich nur optisch unterscheiden. Ob ihr XT und MT5 oder XTR mit MT7 kombiniert ist meinerseits aus eine reine Preis und optik Frage und keine Leistungsfrage.
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