Magura Royal Blood vs. Shimano Mineralöl: Ein Vergleich für hydraulische Bremsen

Die Wahl der richtigen Bremsflüssigkeit für hydraulische Bremsen ist ein wichtiges Thema für jeden Radfahrer. Ob es sich um Magura Royal Blood oder Shimano Mineralöl handelt, es gibt viele Aspekte zu berücksichtigen. Dieser Artikel bietet einen detaillierten Vergleich, um Ihnen bei der Entscheidung zu helfen.

Grundlagen hydraulischer Bremsen

Hydraulische Bremsen sind ein wichtiger Bestandteil moderner Fahrräder, insbesondere im Mountainbike-Bereich. Sie bieten eine zuverlässige und leistungsstarke Bremsleistung. Das Herzstück dieser Systeme ist die Bremsflüssigkeit, die die Kraft vom Bremshebel auf die Bremskolben überträgt.

Mineralöl vs. DOT-Bremsflüssigkeit

Bei hydraulischen MTB-Scheibenbremsen gibt es zwei Haupttypen von Bremsflüssigkeiten: Mineralöl (z. B. Shimano, Magura) und DOT-Bremsflüssigkeit (z. B. Sram, Hope) auf Basis von Ethylenoxid und Alkohol. Die unterschiedlichen chemischen Eigenschaften beider Flüssigkeitstypen erfordern spezielle Dichtungen, die sich auf Dauer nicht mit der jeweils anderen vertragen. Die Verwendung der falschen Flüssigkeit droht mit der Schädigung der gesamten Bremse durch die Zerstörung der Dichtungen.

Magura Royal Blood

Magura Royal Blood ist ein Mineralöl, das speziell für Magura-Bremsen entwickelt wurde. Es zeichnet sich durch seine hohe Viskosität und Temperaturbeständigkeit aus. Magura-Bremsen sind in ihren Dichtungen auf das Öl angewiesen.

Vorteile von Magura Royal Blood:

  • Hohe Temperaturbeständigkeit
  • Schützt die Dichtungen der Magura-Bremsen
  • Wartungsarm, da es nicht hygroskopisch ist

Shimano Mineralöl

Shimano Mineralöl ist ebenfalls ein Mineralöl, das für Shimano-Bremsen entwickelt wurde. Es ist bekannt für seine Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit. Shimano soll wohl für seine Scheibenbremsen sogar Magura-Patente nutzen.

Vorteile von Shimano Mineralöl:

  • Gute Verfügbarkeit
  • Zuverlässige Leistung
  • Geeignet für Shimano-Bremsen

Mischbarkeit und Kompatibilität

Ich mische seit Jahren ziemlich bedenkenlos das royale Magura-Blut mit dem nicht ganz so royalen Shimano-Öl. Farblich erkennt man das nach ein paar Jahren Betrieb eh nicht mehr. Eine nennenswerte Ausfallquote gibt's mit dem Gemisch im Fuhrpark nicht. Es gibt aber auch andere Meinungen: Hydrauliköl und Bremsflüssigkeit sind definitiv nicht kompatibel, nicht austauschbar und auch nicht mischbar. Das sind völlig unterschiedliche Produkte mit völlig unterschiedlichen Eigenschaften.

Das Problem sind die Materialien der Dichtungen, die halten die andere Flüssigkeit nicht aus. Wenn man eine DOT5 Bremse mit Magura-Öl befüllt, quellen die Dichtungen auf und die Bremse funktioniert nicht mehr. Auch andersrum ist wahr: Bremsflüssigkeit ist ein extrem aggressives Zeug. Mineralöl nicht.

Alternativen und Ersatzprodukte

Es gibt Berichte darüber, dass einige Radfahrer alternative Hydrauliköle verwenden, wie z.B. LHM+ für i:sy Pedelecs. Ich nutze schon seit Jahren das Zentralhydraulik-Öl von Liqui-Moly sowohl bei hydraulischen Felgen- als auch Scheibenbremsen.

Es kursieren auch abenteuerliche Ideen, wie z.B. Salatöl zu verwenden. Davon ist aber dringend abzuraten!

Mythen und Fakten über Bremsflüssigkeiten

Es existieren viele Mythen über Bremsflüssigkeiten. Hier sind einige der häufigsten:

Mythos 4: Bremsflüssigkeiten haben einen entscheidenden Unterschied.

Während bekanntermaßen Öl und Wasser sich nicht verbinden, ist das bei DOT (auf Alkohol-Basis) anders. Über die Zeit nimmt ein Bremssystem mit DOT-Füllung Wasser auf (Luftfeuchtigkeit, Regenfahrten etc.). Die Bremsleistung nimmt langsam ab, weil sich Wasser und DOT-Flüssigkeit bei hohen Temperaturen anders verhalten. Folglich sollte die Bremsflüssigkeit regelmäßig ausgetauscht werden.

Bei Mineralöl ist das anders. Daher sind solche Bremsanlagen wartungsärmer und eignen sich für Bikes, die nicht ständig gefahren und gewartet werden, also für den Wochenend-Biker oder die Fahrerin mit einem kleinen Fuhrpark.

Wartung und Austausch

Empfehlen würde ich immer eine seriöse Entlüftung mit einhergehendem Wechsel des Öles. Hydraulische Magura Felgenbremsen hatte ich Jahrzehnte im Einsatz ohne Wechsel. Solange das System dicht ist und keine Flüssigkeit verliert gibt es meines Wissens keinen Grund zur Aktivität.

Ganz dicht sind solche Anlagen ja nie, mindestens das Löchlein zum Druckausgleich im Vorratsbehälter mit der Außenluft gibt es ja. Von daher erscheinen die 37 Jahre Wechselintervall schon etwas übertrieben.

Wie man Bremsleitungen sauber spült:

  1. Entfernen Sie die alten Bremsbeläge.
  2. Schließen Sie einen Entlüftungsschlauch an den Bremssattel an.
  3. Drücken Sie die alte Flüssigkeit durch das System, bis sie sauber ist.
  4. Füllen Sie das System mit neuer Bremsflüssigkeit.
  5. Entlüften Sie die Bremsen gründlich.

Die richtige Bremsscheibe

Ein entscheidender Faktor für die Bremspower und Standfestigkeit von MTB-Scheibenbremsen sind die Bremsscheiben.

Einbremsen der Bremsen

Wer mit neuen Bremsbelägen (oder auch Scheiben) auf eine Mountainbike-Tour startet, riskiert, das System zu früh zu überhitzen. Verzogene Scheiben, verglaste Beläge und stark erhöhter Verschleiß sind mögliche Begleiterscheinungen. Nur eine sorgfältig eingebremste Bremse erreicht volle Bremskraft, höchste Temperaturfestigkeit und Lebensdauer.

Wie es richtig geht?

In kurz: 15 Minuten lang von schnell auf langsam runterbremsen, aber nicht bis zum Stillstand. Eine ausführlichere Anleitung gibt es hier: MTB-Scheibenbremsen richtig einbremsen.

Weitere Mythen

Mythos Nummer 2: Eine Vierkolbenbremse ist stärker als eine Zweikolbenbremse.

Auch falsch. Der letzte MTB-Scheibenbremsen-Test aus BIKE 5/2019 beweist: Es kommt nicht auf die Kolbenzahl an. Bei sonst gleichen Bedingungen entscheidet nicht die Kolbenzahl, sondern die Kolbenfläche, wie hoch die Bremskraft theoretisch ausfällt. Diese Fläche kann bei vier Kolben größer sein, muss sie aber nicht, abhängig vom Bremsenmodell. Am wichtigsten ist am Ende der Reibwert, den die Bremsbelagsmischung liefert.

Mythos Nummer 4: Wenn die Bremse stinkt, sind die Beläge verbrannt.

Nein, im Gegenteil: Sie bremsen sogar in der Regel dann besser. Die meisten organischen und sogar manche gesinterten Bremsbeläge sondern bei den ersten rasanten Abfahrten einen stechenden Geruch ab, häufig verknüpft mit einem Rückgang der Bremswirkung. Dieser Prozess, das sogenannte "Initial fading" ist aber Teil des Einbremsens. Der Geruch stammt von Bindemitteln, die bei unterschiedlichen Temperaturen aus dem Belag verdampfen. Ist der Belag eingebremst, bleibt die Bremswirkung konstant, und es stinkt nicht mehr. Und auch später bedeutet eine heiße Bremse noch lange kein Problem.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0