Stille Buchten, bizarre Felsen und einsame Bauernhöfe - vom Fahrrad aus lernt man die vielen Seiten von Europas Lieblingsinsel Mallorca kennen. Auf Mallorca trainieren nicht nur die Top-Profiteams, auch Urlaubsradler finden eine Vielzahl leichter Strecken und ausgewiesener Radwege - auf der ganzen Insel. Die meisten unternehmen zwar von einem festen Standort ihre Tagestouren, aber warum nicht mal die Insel von Ort zu Ort mit dem Fahrrad erkunden? So tastet man sich langsam durch die große landschaftliche und kulturelle Vielfalt Mallorcas.
Planung und Vorbereitung
Meine Frau Claudia und ich hatten uns fest vorgenommen, die Baleareninsel über eine Strecke von 400 km mit dem Rad zu umrunden. Wir wollten es gemütlich angehen lassen und nicht zu viel Km pro Tag in Angriff nehmen. 7 Radtage standen uns für die 400 km und 4000 Höhenmeter zur Verfügung. Ein Programm, das ich hoffte sorgsam zusammengestellt zu haben.
Den Transfer zum Hotel einschließlich der Fahrräder hatten wir über den Reiseveranstalter gebucht, bei dem wir auch die erste und letzte Hotelübernachtung reserviert hatten. Das Gesicht des Taxifahrers nach einem kurzen Blick auf die Radkartons sagte Alles. Keine Chance die Kartons in oder auf seinem Taxi zu verstauen.
Wir fragten uns zwar, warum wir die Maße der Radkartons angegeben hatten, warteten aber ab, was nun geschah. Eine dreiviertel Stunde lange wurde mehrmals telefoniert, ein Wagen in der Größe eines Mercedes Sprinter schien aber nicht verfügbar zu sein. Dann endlich die Lösung! Wir waren schon etwas erstaunt, als wir vor einen großen Reisebus dirigiert und aufgefordert wurden, unsere Kartons unten in den Bus zu schieben.
Uns sollte es egal sein. So fuhren wir zu zweit als einzige Fahrgäste in einem klimatisierten Reisebus zum Hotel Delta. Das Hotel Delta liegt etwa 15 km östlich vom Flughafen an der Küste kurz hinter dem Cap Enderrocat. Die Formalitäten im Hotel und die Deponierung der Räder im Gepäckraum gingen schnell, so dass wir um 22:00 Uhr in einem ca. 500 m vom Hotel entfernten Restaurant saßen.
Die Route: Vielfalt und Herausforderungen
Die gesamte Inselrunde verläuft meist auf asphaltierten Feldwegen und verkehrsarmen Landstraßen. Es handelt sich um leichte bis mittelschwere Radtouren in hügeligem bis bergigem Gelände.
Beispielroute (280 km): El Arenal - Cala Pi - Es Trenc - Colònia de Sant Jordí - Cala Santanyí - Porto Cristo - Can Picafort - Pollença - Can Picafort - Kloster Lluc - Port de Sóller (Zugrückfahrt nach Palma)
Den Ballermann lässt man schon am ersten Tag hinter sich Richtung Süden und Osten. Dort warten kleine Buchten und schöne Sandstrände, wo es nicht überall wimmelt vor Urlaubermassen. Bei Ses Salines lohnt ein Stopp im größten botanischen Garten Europas. Interessant ist dort zudem ein Besuch der Salzgewinnungsanlagen. Weiterhin führt der Weg zu römischen Ruinen, alten Klöstern und pittoresken Bergdörfern. In die Höhen des Tramuntana-Gebirges wird ein Bustransfer angeboten.
Persönliche Erfahrungen und Höhepunkte
Ein Radurlaub auf Mallorca ist für viele Radsportbegeisterte ein wahr gewordener Traum. Die malerische Insel bietet eine atemberaubende Kulisse, gute Straßenverhältnisse und eine Vielzahl von Routen für jedes Leistungsniveau.
Ich habe mich an meine Vorgehensweise vom letzten Jahr gehalten: Viele Kilometer fahren, aber immer im gemäßigten Tempo und mit ausreichend Pausen, um die wunderschöne Umgebung zu genießen. Doch dieses Jahr hatte ich mir noch mehr vorgenommen: Ich wollte wieder den Sa Calobra fahren, um mich mit meinem „Radfahrer-Ich“ von 2019 zu vergleichen. Der Start in meinen Radurlaub verlief super entspannt.
Eines der Höhepunkte meines Urlaubs war zweifellos die Begegnung mit zwei Gleichgesinnten, Frederik und Walter. Wir hatten uns letztes Jahr beim 400er Brevet in Gießen kennengelernt und es war eine großartige Überraschung, sie hier auf der Insel im gleichen Hotel, das ich gebucht hatte, wiederzusehen. Die beiden hatten vor, beim offiziellen Mallorca 312 mitzufahren - wie cool ist das denn?
Da Walter und Frederik sich für den offiziellen Mallorca 312 vorbereiten wollten und Andreas andere Pläne hatte, machte ich mich am Freitag vor dem Rennen allein auf den Weg die Insel zu unrunden. Mein Abenteuer begann früh morgens um 5:20 Uhr, als ich mich auf den Weg machte, um die geplante Route von ca. 330 km zu fahren. Die aufgehende Sonne tauchte die Landschaft in ein warmes Licht und versprach einen atemberaubenden Tag.
Die Berge des Tramuntana Massivs forderten meinen Körper, das tolle Frühstück in Valldemossa gaben mir Kraft für die Küstenstraße. Es lief alles gut bis nach Andratx, dann jedoch begann es mühsam und langsam zu werden. Über Radwege, die nicht immer rennradfreundlich waren, ging es in Richtung Palma. Durch die Straßen der Hauptstadt Palma bei regem Verkehr war es nicht immer ein Spaß.
Das Wetter spielte nicht immer mit, und so kämpfte ich mich bei starkem Gegenwind von Arenal bis zur südlichen Küste. Der Wind kostete mich viel Kraft und drohte, mir die Energie zu rauben. Doch ab Cala Mondrago wurden die Windverhältnisse besser und ich fand meine Stärke wieder.
Nur noch die letzten 40-50 km, die musste ich im Dunkeln bewältigen. Aber nichts konnte meinen Eifer und meinen Spaß trüben. Am Sonntag, nach dem Mallorca 312, fuhr ich mit den Helden Frederik und Walter zum Leuchtturm von Formentor. Es war sehr beeindruckend, was die Jungs sich schon am Tag nach dem 312er wieder für Steigungen antaten.
Insgesamt legte ich in diesen zehn Tagen 1808 km zurück, ganze 207 km mehr als im Vorjahr. Obwohl es sich auf den ersten Blick nach viel anhört, verteilt auf die einzelnen Tage, waren es lediglich 2,95 km mehr.
Die legendäre M 312
Im Zuge des Trainingslager auf Mallorca ist von Jochen Matern, Udo Brauner, Reinhold Sommer und Robert van der Linde die legendäre M 312 Strecke gefahren worden. Die M 312 ist im Ursprung ein Rennen bei dem Mallorca an einem Tag umrundet wird. Heute wird dieses Rennen nicht mehr als Inselumrundung gefahren.
Der Wunsch jedoch einmal, mit dem Rennrad, die Insel an einem Tag zu umrunden war bei einigen Adlerradlern bereits seit geraumer Zeit gewachsen. Intensiv wurde sich im Vorfeld auf die 312 km und mit über 4000 Höhenmeter lange Tour vorbereitet. Am Montag den 08.04.2019 wurde um 2:00 Uhr, in der Nacht, die 312 km lange Strecke von der Vierergruppe angetretten.
Gefahren wurde die Inselumrundung im Uhrzeigersinn, sprich erst relativ flach, dann zum Abschluss durch das Tramuntana-Gebirge. Start war am Hotel zwischen Pollenca und Alcudia. Die Temperaturen betrugen in der Nacht teilweise lediglich 1 Grad und stiegen im Tagesverlauf bis auf ca. 20 Grad an.
Von Start um 2:00 Uhr in der Nacht wurden bis zum Tagesanbruch 150 km nonstop gefahren. Eine erste Frühstückspause wurde somit gegen 7:00 Uhr in Palma gemacht. Hier wurde ausgiebig Kaffee getrunken, gegessen, Getränke aufgefüllt und sich endlich aufgewärmt. Von Palma führte die Route über Andratx, auf der MA 10 durch das Tramuntana Gebirge.
Um ca. 17:30 Uhr trafen die M 312 Fahrer, bestens gelaunt und glücklich wieder im Hotel ein. Der Vierergruppe wurde von den anderen Adlerradlern ein umjubelter Empfang, mit Musik und kühlen Getränken bereitet. Die Freude hierüber war besonders groß.
Entspannte Inselumrundung in 2 Etappen
Mallorca im März - die Mandelblüte ist durch, die Straßen sind frei, und die Insel zeigt sich von ihrer besten Seite. Kein Wunder, dass es uns jedes Jahr aufs Neue mit unseren Rennrädern und ein paar guten Freunden auf die „schönste Insel der Welt“ zieht. Dieses Mal haben wir uns etwas Besonderes vorgenommen: eine entspannte, aber dennoch ambitionierte Inselumrundung mit dem Rennrad. Zwei Etappen, atemberaubende Landschaften und ein bisschen Abenteuer.
Etappe 1: Von Portocolom über Alcúdia zum Cap Formentor und weiter nach Port de Sóller
- Länge: ca. 180 km
- Höhenmeter: rund 2.800 m
Los geht’s in Portocolom, diesem malerischen Hafenstädtchen an der Südostküste Mallorcas. Hier fällt der Startschuss für unsere Tour. Mit frischen Beinen rollen wir erst einmal in Richtung Norden - durch die typisch mallorquinischen Dörfer, vorbei an Mandelbäumen und saftig grünen Feldern.
Dort wartet ein erster Höhepunkt: der Abstecher zum legendären Cap Formentor. Wer das Kap schon einmal mit dem Rennrad erklommen hat, weiß, dass es ein absolutes Muss ist. Auf dem Weg dorthin erwarten uns knackige Anstiege, aber auch traumhafte Ausblicke auf das türkisblaue Meer. Am Leuchtturm angekommen, gönnen wir uns eine Pause - und natürlich das obligatorische Foto mit Blick auf die schroffe Küstenlinie.
Zurück in Alcúdia stärken wir uns noch einmal, denn jetzt wird es ernst: die Tramuntana ruft! Der letzte Abschnitt des Tages führt uns in das Herz des Gebirges, nach Port de Sóller, wo wir nach rund 180 Kilometern den Tag ausklingen lassen.
Etappe 2: Von Port de Sóller über Valldemossa und Andratx zurück nach Portocolom
- Länge: ca. 160 km
- Höhenmeter: rund 2.500 m
Am nächsten Morgen starten wir mit einem kurzen Espresso in den Tag - schließlich steht uns die vielleicht schönste Etappe Mallorcas bevor. Über Valldemossa, das für seinen Charme und die berühmten Mandelgebäcke bekannt ist, rollen wir in Richtung Andratx. Die Straßen entlang der Westküste sind ein Traum für jeden Rennradfahrer - fließende Kurven, wenig Verkehr und spektakuläre Ausblicke auf das glitzernde Mittelmeer.
Nach Andratx führt die Route durch die pulsierende Hauptstadt Palma. Ein kurzer Blick auf die imposante Kathedrale La Seu, bevor wir uns wieder aufmachen, die letzten Kilometer entlang der Südküste in Angriff zu nehmen.
Tipps für die Planung
- Früh starten: Im März ist es morgens noch frisch, und die Tage sind nicht unendlich lang. Ein früher Start gibt euch genügend Puffer.
- Ausrüstung: Nehmt unbedingt eine Windjacke mit - vor allem im Tramuntana-Gebirge kann es schnell abkühlen.
- Trainingsstand: Die Route ist anspruchsvoll, aber machbar, wenn ihr regelmäßig auf dem Rad sitzt. Entspannte Inselumrundung heißt nicht, dass es keine Höhenmeter gibt!
- Verpflegung: Plant genügend Stops für Snacks und Wasser. Die mallorquinischen Dörfer sind perfekt für kleine Pausen.
Warum Mallorca?
Mallorca ist nicht nur ein Paradies für Rennradfahrer, sondern auch die perfekte Kulisse für eine Tour wie diese. Die Vielfalt der Landschaft, die hervorragenden Straßenbedingungen und die angenehmen Temperaturen im März machen die Insel zum idealen Ort für ein solches Abenteuer.
Die "bunte Pest" und die entspannten Mallorquiner
Im Mai besetzen die zahlenmäßig bescheideneren Reste der Heimsuchung noch immer das Zentrum von Petra. Männer im angeblich besten Alter strecken die Beine aus hochgerollten Radhosen quer über die Plaza, zeigen Bauch und Brust. Darüber wehen die Banner diverser Radreiseveranstalter. Sollte das mit der bunten Pest wirklich zutreffen, zeigen sich die Mallorquiner ziemlich immun dagegen.
Ein weiterer Punkt zugunsten der Rennrad-Insel: Die meisten Mallorquiner halten es im Auto minutenlang hinter Radlerpulks aus, ohne auszuflippen. Seinen Reichtum verdankt Mallorca eben nicht dem Schafskäse, sondern auch den radelnden Gästen.
"Da staunen meine Gäste immer wieder, wie entspannt die Mallorquiner gegenüber Radlern sind", berichtet auch Jan Eric Peters, der in der Inselmitte, in Sineu, eine ganz spezielle Radler-Herberge betreibt (www.ma13.net). Sein Unterkunftskonzept ist mindestens ebenso ungewöhnlich wie unsere Idee einer Etappentour: Der Sportwissenschaftler und aktive Steher-Rennfahrer leitet eine Wohngemeinschaft auf Zeit.
Auch er glaubt, dass Radsportler etwas verpassen, wenn sie nur in den Touristenorten der Küste absteigen. Bis zu sechs Leute, die sich vorher nicht unbedingt kennen, richten sich in seinem schmucken Haus im zentralsten Städtchen Mallorcas ein. Frühstück ist inklusive, das Abendessen können die Bewohner gemeinsam kochen. "Der Sport verbindet. Das klappt eigentlich immer", sagt Peters.
Cap Formentor: Ein autofreies Paradies
Dass es dort, hinter Alcúdia, einen breiten Radweg neben der Hauptstraße gibt, ist selbst für die radfreundlichen mallorquinischen Verhältnisse erstaunlich. Doch noch erstaunlicher sind die Typen, die ihn gerade benutzen: Triathleten in voller Kampfmontur - also fast nackt - auf ihren Carbonmaschinen, gelegentlich auch zu Fuß.
Für die Großveranstaltung werden gestrenge Polizisten die Straße blockieren. Bis um zehn Uhr vormittags ... und diese Straße ist der einzige Einlass zum Cap Formentor, das vor blauem Himmel und über blauem Meer vom Umschlag der Landkarte glänzt.
Die Dramaturgie unserer Route sieht eine tägliche Steigerung des Landschaftsgenusses vor. Doch ein autofreies Cap Formentor wird schwer zu toppen sein - obwohl das Tramuntana Gebirge sich redlich müht.
Routenübersicht
Hier ist eine Übersicht über einige der beschriebenen Routen:
| Tag | Route | Kilometer | Höhenmeter | Max. Steigung |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Vom Ballermann zur Badebucht | 78 | 490 | 5% |
| 2 | Über den Kamelrücken | 103 | 1070 | 11% |
| 3 | Karstige Klippen | 99 | 1900 | 10% |
| 4 | Schleichwege ins Ziel | 89 | 1550 | 11% |
Verwandte Beiträge:
- Mallorca Radtouren Hurzeler: Top Touren & Angebote
- Mallorca Radurlaub: Die besten Hotels & Radtouren
- Mallorca Radfahren: Die schönsten Bergstrecken & Touren für Radfahrer
- Unvergessliche Radtouren rund um Münster – Die Top-Strecken für dein Abenteuer!
- Unschlagbarer Spezialisiertes Laufrad Kinder Test: Finde das perfekte 18-Zoll-Kinderfahrrad für dein Kind!
Kommentar schreiben