Anleitung zum Wechseln von Fahrradreifen und -schläuchen

Ein platter Reifen am Fahrrad ist ein ärgerliches, aber häufiges Problem. Ob im Alltag, auf Tour oder beim Training - ein Reifenschaden kommt immer ungelegen. Glücklicherweise ist der Reifenwechsel keine Hexerei und mit ein wenig Übung schnell erledigt. Dieser Artikel bietet eine detaillierte Anleitung, wie Sie Ihren Fahrradreifen und -schlauch selbst wechseln können.

Wann sollte man Fahrradreifen wechseln?

Anders als bei Kraftfahrzeugen ist ein abgefahrenes Reifenprofil bei Fahrrädern in der Regel kein Problem. Wird allerdings bereits die Pannenschutzeinlage auf der Lauffläche sichtbar, ist es definitiv Zeit, den Reifen an Ihrem Fahrrad zu wechseln. Gleiches gilt natürlich auch, wenn dieser deutliche Schäden aufweist oder die Luft entweicht. Eine pauschale Aussage, wie oft Sie die Fahrradreifen wechseln sollten bzw. ab welchem Alter, lässt sich nicht treffen, da deren Lebensdauer von vielen verschiedenen Faktoren abhängt.

Weitere Gründe für einen Reifenwechsel:

  • Platter Reifen: Wenn Sie feststellen, dass Ihr Reifen platt ist, ist es wahrscheinlich, dass Ihr Schlauch ein Loch hat und ersetzt werden muss.
  • Sichtbare Schäden: Überprüfen Sie regelmäßig Ihre Reifen auf Risse, Schnitte oder andere sichtbare Schäden. Ein beschädigter Reifen kann platzen, besonders unter hohem Druck.
  • Alterung: Reifen und Schläuche können mit der Zeit spröde und rissig werden. Wenn Sie feststellen, dass Ihr Reifen oder Schlauch Anzeichen von Alterung zeigt, sollten Sie ihn ersetzen.
  • Verminderte Leistung: Wenn Sie feststellen, dass Sie häufiger als gewöhnlich Luft nachfüllen müssen oder dass das Fahrrad nicht so reibungslos fährt wie früher, könnte dies ein Zeichen dafür sein, dass Reifen oder Schlauch ersetzt werden müssen.

Benötigtes Werkzeug

Um einen Fahrradreifen erfolgreich zu wechseln, benötigen Sie folgendes Werkzeug:

  • Neuer Fahrradschlauch und Reifen
  • Reifenheber-Set
  • Fahrradluftpumpe
  • Evtl. Gabel- bzw. Ringschlüssel (für Schraubenachsen)
  • Evtl. Montagefluid (optional)

Mit einem guten Fahrradwerkzeug haben Sie üblicherweise alles zur Hand, was Sie brauchen.

Was kostet es, den Fahrradreifen wechseln zu lassen?

Wollen Sie in einer Fachwerkstatt den Fahrradreifen wechseln lassen, können die Kosten je nach Anbieter stark variieren. Für die reine Montage müssen Sie pro Rad mit 8 bis 20 Euro rechnen. Hinzukommen die Kosten für den neuen Reifen, welche einer noch größeren Preisspanne unterliegen: Es gibt günstige Reifen ab 10 Euro oder hochwertige Produkte, für die Sie 60 Euro oder mehr bezahlen.

Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Reifenwechsel

Vorbereitung

  1. Stellen Sie den kleinsten Gang in Ihrer Fahrradschaltung ein (sowohl vorne als auch hinten auf das kleinste Ritzel schalten). Dies nimmt die Spannung aus dem System und erleichtert das Lösen der Kette vom Kettenblatt.
  2. Drehen Sie Ihr Fahrrad um, sodass es auf Sattel und Lenker steht. Um Schrammen am Fahrrad zu vermeiden, legen Sie alte Putzlappen unter.
  3. Bei Fahrrädern mit Felgenbremsen müssen Sie zunächst die beiden Bremsbacken zusammendrücken und das Bremsseil aushängen, ehe Sie den Fahrradreifen wechseln.

Ausbau des Laufrads

  1. Als nächstes müssen Sie die Achse des Laufrades lösen.
  2. Vorderrad: Beim Vorderrad geht das in der Regel recht einfach, indem Sie lediglich den Schnellspanner öffnen. Verfügt Ihr Fahrrad hier stattdessen über eine Schraubenachse, müssen Sie die Schrauben zu beiden Seiten mit einem geeigneten Schraubenschlüssel lockern, bis sich das Rad herauslösen lässt.
  3. Hinterrad: Wollen Sie das Hinterrad ausbauen, müssen Sie auch hier zunächst die Schraubachsen lösen, wie gerade beschrieben. Falls Ihr Fahrrad über eine Kettenschaltung verfügt, können Sie deren Schaltwerk nach hinten drücken, wodurch sich die Kette löst. Hat Ihr Fahrrad hingegen eine Nabenschaltung, müssen Sie noch den Schaltzug lösen. Drehen Sie dazu den hinteren Teil der Schaltung in Richtung Vorderrad, bis Sie den Schaltzug samt Schraube herausziehen können. Lösen Sie den Zug vollständig aus der Halterung am Hinterrad.
  4. Anschließend können Sie das Rad aus dem Rahmen heben und die Kette vorsichtig vom Ritzel wegnehmen.

Reifen und Schlauch demontieren

  1. Lassen Sie die Luft komplett aus dem Reifen.
  2. Drücken Sie den Reifen von beiden Seiten zur Felgenmitte.
  3. Hebeln Sie mit einem Reifenheber den Reifen über die Felge. Sitzt der Reifen sehr fest, hilft ein zweiter Heber. Verwenden Sie zur Montage keine scharfen Montierhilfen.
  4. Entfernen Sie den Schlauch vorsichtig aus dem Reifen.

Überprüfen und Vorbereiten

  1. Bevor Sie den neuen Schlauch und Reifen montieren, sollten Sie den alten Reifen und das Felgenband auf mögliche Schäden oder Fremdkörper überprüfen. So stellen Sie sicher, dass der neue Schlauch nicht sofort wieder beschädigt wird.
  2. Untersuchen Sie den Reifen auf Fremdkörper und den Schlauch auf Löcher.
  3. Überprüfen Sie das Felgenband auf Schäden und tauschen Sie es gegebenenfalls aus. Besonders wenn das Felgenband schon Risse oder Scheuerstellen hat oder verzogen ist, sollte unbedingt ein neues eingelegt werden.
  4. Pumpe den neuen Schlauch leicht auf, sodass er Form annimmt.

Montage von Schlauch und Reifen

  1. Die Montage des Fahrradschlauchs und des Reifens ist ein kritischer Schritt. Es ist wichtig, darauf zu achten, dass der Schlauch gleichmäßig positioniert ist und nicht eingeklemmt wird, um spätere Pannen zu vermeiden.
  2. Stülpen Sie den Reifen (ohne den neuen Schlauch) mit einer (!) Seite komplett über die Felge.
  3. Pumpe den neuen Schlauch leicht auf und lege ihn in den Reifen ein.
  4. Setzen Sie das Ventil in das Felgenloch. Achten Sie auf die Laufrichtung des Reifens.
  5. Schieben Sie den Fahrradreifen soweit es geht per Hand über das Felgenhorn. Bei neuen Reifen wird man dann an den Punkt kommen, wo sich der Reifen per Hand nicht weiter auf die Felge aufschieben lässt. Achtung: Kein Werkzeug dafür verwenden!
  6. Ziehe den Reifen vorsichtig über die Felge. Achte darauf, dass der Schlauch nicht eingeklemmt wird. Verwende bei Bedarf ein Montagefluid, um den Prozess zu erleichtern.
  7. Mit einem geeigneten Hebelwerkzeug (z.B. das erwähnte Reifenheber-Set von XLC) kann man relativ einfach den "Rest" vom Reifen über das Felgenhorn auf die Felge hebeln. Oft klappt dieses ganz gut mit nur einem Reifenheber, falls nicht, nutzen Sie zwei Reifenheber dazu, die Sie je rechts und links ansetzen. Somit wird verhindert, dass der Reifen wieder von der Felge rutscht.
  8. Abschließend sollte der neu aufgezogene Fahrradreifen auf dem Laufrad per Hand noch ein wenig bewegt/gewalkt werden, damit er sich gut auf die Felge setzt.
  9. Pumpe den Reifen auf den empfohlenen Druck auf. Achten Sie beim Aufpumpen auf die Angaben auf der Reifenflanke.
  10. Ganz zum Schluss sollten Sie noch einmal genau betrachten ob der Mantel auch richtig auf der Felge sitzt. Dieses erkennen Sie an der geriffelten Fläche am Übergang zur Felge.

Laufrad wieder einbauen

  1. Nachdem Sie Reifen und Schlauch ordnungsgemäß montiert haben, müssen Sie nur noch das Laufrad wieder am Fahrrad befestigen. Dies gewährleistet eine sichere und effiziente Fahrt.
  2. Setze das Laufrad in die Ausfallenden des Rahmens.
  3. Befestige das Laufrad mit dem Schnellspanner oder der Nabenverschraubung.
  4. Klinke die Bremse wieder ein und stelle sicher, dass das Rad sich frei dreht.

Abschluss

  1. Nachdem Sie den Reifen und Schlauch gewechselt haben, sollten Sie eine kurze Probefahrt machen, um sicherzustellen, dass alles ordnungsgemäß funktioniert.
  2. Es ist auch ratsam, immer einen Ersatzschlauch, Reifenheber und eine Pumpe dabei zu haben, besonders wenn Sie längere Touren planen.

Zusätzliche Tipps

  • Hilfreich ist es immer die Montage gegenüber dem Ventil zu beginnen und am Ventil zu beenden, da sich der zu montierende Reifenwulst auf möglichst langer Strecke im Felgentiefbett befinden sollte.
  • Statt den Reifen mit dem Daumen zu drücken, ist es oft leichter den Reifenwulst von gegenüber über das Felgenhorn zu „rollen“.
  • Achte dabei darauf, dass der Reifenwulst keinen Schaden nimmt. Immer nur ein kleines Stück hebeln und den Reifenheber lieber öfter ansetzen. Auf keinen Fall Reifenheber aus Metall verwenden.
  • Als besonders schwierig in der Montage erweist sich manchmal der Marathon Plus in den schmalen Versionen. Durch die Eigenspannung rutscht der Reifen immer wieder aus dem Tiefbett und dann ist es extrem schwer, das letzte Stück Reifen über das Felgenhorn zu ziehen. Sehr hilfreich ist hier eine dritte Hand, die den Reifen auf der gegenüberliegenden Seite im Tiefbett festhält. Auch ein Kabelbinder oder ein alter Pedalriemen können gute Dienste als "dritte Hand" leisten.
  • Der Schwalbe Reifenheber ist besonders hilfreich bei schwierigen Montagefällen. Du kannst ihn auf der Felge einclipsen und damit den bereits montierten Bereich des Reifenwulstes fixieren. Dieser rutscht dann nicht mehr heraus während Du den letzten Abschnitt über die Felge hebelst.
  • Beidseitig auf den Reifenwulst aufgetragen, kann der Reifenwulst besser in das Felgenhorn rutschen.
  • Wenn sich Fahrradreifen schwer montieren bzw. demontieren lassen, hilft in den meisten Fällen die Verwendung eines Tubeless-Felgenbands anstatt der üblich verbauten Standardfelgenbänder. Tubeless-Felgenbänder sind wesentlich dünner als Standardfelgenbänder und verschaffen somit dem Reifenwulst im Felgenbett etwas mehr Platz. Zudem kann der Reifenwulst über ein Tubeless-Felgenband besser ins Felgenhorn und auch wieder aus dem Felgenhorn herausrutschen.
  • Wenn der Felgendurchmesser zu groß und/oder der Reifendurchmesser zu klein ist, gleitet der Reifenwulst nur schwer in die richtige Stellung auf der Felgenschulter. Abhilfe: Den Druck kurzfristig überhöhen und/oder den Reifenwulst mit Seifenlauge oder Montageflüssigkeit einreiben, um ihm das Gleiten zu erleichtern.
  • Wenn der Felgendurchmesser zu klein und der Reifendurchmesser zu groß ist, kommt der Reifen unabhängig vom Reifendruck nicht richtig zum Sitzen. Abhilfe schafft meistens ein Zentrieren des Reifens von Hand bei sehr geringem Druck. Bearbeite den Reifen mit dem Daumen, bis die Felgenkennlinie des Reifens an allen Stellen parallel zur Felge verläuft.

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