Fahrradreifen sind täglich hohen Belastungen ausgesetzt. Steine, Dornen und Glasscherben können die Lebensdauer erheblich beeinträchtigen. Daher müssen die schwarzen Rundlinge viel leisten, was zu umfangreichen Anforderungen führt. In diesem Test präsentieren wir Allroundreifen, die sich für City-, Trekking-, Fitnessräder, Randonneure und Gravelbikes eignen. Es werden sowohl herkömmliche Trekking- als auch Gravelreifen berücksichtigt. Ziel ist es, die Leistungsfähigkeit der Reifen untereinander und im direkten Vergleich zu bewerten. Modelle von Continental und Schwalbe, die auf dem deutschsprachigen Markt eine führende Rolle spielen, sind ebenfalls vertreten.
Die Qual der Wahl: Anforderungen und Kompromisse
Um den vielfältigen Ansprüchen und Bedingungen gerecht zu werden, ist bei der Reifenwahl immer ein Kompromiss erforderlich. Um Ihnen einen umfassenden Überblick zu bieten, haben wir einen Praxis- und Prüfstandtest durchgeführt. Der Praxistest umfasste zahlreiche Testfahrten im Alltag, beim Pendeln und auf Wochenendtouren.
Tuning-Tipps: Schläuche und Felgenbänder
Oftmals sind Tuningteile teuer, sparen nur wenige Gramm, haben ein Gewichtslimit oder eine begrenzte Lebensdauer. Beim Reifenwechsel sollten auch die Schläuche ausgetauscht werden, da diese ebenfalls Verschleiß unterliegen. Leichte Modelle können hier Gewicht sparen und den Rollwiderstand reduzieren. Zudem sollte man die verschiedenen Materialien Butyl, Latex und TPU berücksichtigen. Auch das Felgenband spielt eine wichtige Rolle, da es die Speichennippel-Löcher verdeckt und die Felge abdichtet.
Tubeless-Systeme: Eine Option für Rennräder?
Im City- und Trekkingbereich ist das Tubeless-System noch selten anzutreffen. Bei diesem System wird ein Reifen mit speziellem Aufbau ohne Schlauch, aber mit Dichtmilch montiert. Die Dichtmilch generiert keinen Rollwiderstand, verteilt sich im Reifeninneren und kann bei Defekten die Schadensstelle aktiv reparieren. Allerdings muss die Dichtmilch alle 4 bis 6 Monate nachgefüllt werden. Der Aufwand dafür ist überschaubar und entgegen der verbreiteten Meinung kein Hexenwerk. Im Test sind nur die Gravelreifen für Tubeless freigegeben, können aber bei Bedarf jederzeit auch mit Schlauch gefahren werden.
Luftdruck: Ein entscheidender Faktor
In der Praxis sind die häufigsten Pannen auf einen zu niedrigen Luftdruck zurückzuführen. Dadurch walken Schlauch und Reifen stärker, was den Verschleiß erhöht. Kippt der Reifen in der Kurve über die Felge, kann die Kontrolle über das Vorderrad verloren gehen. Daher sollte der Luftdruck regelmäßig, idealerweise alle zwei Wochen, überprüft werden. Mit einer soliden Standpumpe geht das zuhause schnell und einfach. Da die Hersteller beim Luftdruck eher auf Nummer sicher gehen, empfehlen wir, sich eher am Minimalwert zu orientieren. Wer schwerer ist oder viel Gepäck mitschleppt, sollte den Druck aber noch leicht erhöhen.
Montage und Pannenschutz: Worauf es ankommt
Beim Montageverhalten achten wir auf den Kraftaufwand, die Notwendigkeit eines Reifenhebers und wie schnell sich die Reifen richtig im Felgenbett setzen. Das Handling der meist starren Trekkingmodelle ist umständlicher und benötigt oft die Hilfe von Reifenhebern. Nach der Montage vermessen wir die Reifen und vergleichen die Werte mit der Herstellerangabe. Dabei fällt auf, dass die meisten Reifen nur wenig abweichen.
Beim Pannenschutz setzen die Hersteller auf zwei verschiedene Systeme: Hochdichte, engmaschige Gewebe sind besonders leicht und flexibel, aber teuer und schützen nicht so effizient vor Durchschlägen. Sie werden meist bei Gravelreifen und eher teuren Trekkingreifen eingesetzt. Dicke Gummieinlagen unter der Lauffläche agieren als Abstandhalter, erhöhen aber das Gewicht und teils den Rollwiderstand recht deutlich.
Pannenschutz-Tests im Detail
Beim Schutz gegen Durchstiche werden drei Tests durchgeführt:
- Test 1: Sicherheit gegen Dornen, Nägel oder Draht. Hier überzeugen vor allem Condura, CST, Michelin und die beiden Schwalbe Marathons.
- Test 2: Abwehr gegenüber scharfkantigen Glasscherben oder Steinen. Michelin CityStreet, Scalato Mondano und vor allem Schwalbe Marathon E-Plus sowie G-One setzen sich teils deutlich ab.
- Test 3: Widerstandsfähigkeit der Flanken gegen Kanten, große Steine oder Äste. Maxxis, Michelin City Street und Schwalbes Marathon E-Plus sowie G-One bieten hier sehr hohen Schutz.
Beim Durchschlag, auch Snake Bite genannt, simuliert eine stumpfe Guillotine Kanten, wie sie in der Praxis durch Bordsteine, Gullydeckel oder Wurzeln vorkommen. Die Bestwerte setzen Maxxis, Michelin und Schwalbe Marathon E-Plus.
Ergebnisse der Pannenschutztests:
- Trekkingreifen: Michelins CityStreet und vor allem Schwalbes Marathon E-Plus.
- Gravelreifen: Teravail und Schwalbe.
Praxistest: Fahrverhalten und Dynamik
Am Ende zeigt die echten Fahrqualitäten nur der Praxistest. Dazu wurden die Testmodelle auf Fahreindruck, Laufgeräusche, Komfort, Dämpfungsverhalten und Traktion überprüft. Für die Fahrdynamik besonders wichtig ist ein geringes Gewicht. Schließlich muss der Reifen nach jedem Ampelstopp oder einer Kurve wieder in Fahrt gebracht werden. Durch die Bank fallen die Gewichte bei den Gravelreifen deutlich geringer aus. Rene Herse, Schwalbe G-One, Specialized und vor allem Bontrager tun sich hier besonders hervor, was in der Praxis auch deutlich spürbar ist. Bei den Trekkingreifen können Condura, Cult, Michelin CityStreet und Schwalbes Green Marathon einen Vorteil einfahren.
Rollwiderstand und Komfort
Während das Gewicht eher nur beim Beschleunigen wichtig ist, spielt der Rollwiderstand immer eine große Rolle. Beim Abrollen des Reifens entsteht nämlich zwischen den verschiedenen Reifenkomponenten sowie zwischen Reifen und Schlauch ein Walkeffekt, der Energie vernichtet. Ein geringer Rollwiderstand sorgt also für ein zügiges Vorankommen und eine gute Agilität, der Fahrer spart zudem Energie. So rollen die Gravelbikes den Trekkingreifen durch die Bank davon, wobei Schwalbes G-One und Specialized besonders effizient arbeiten. Bei den Trekkingreifen überraschen indessen Continental und Schwalbe, wobei vor allem Schwalbes Green Marathon sogar mit den guten Gravelreifen mithält!
Beim Fahrkomfort arbeiten zwei Punkte Hand in Hand: Der Komfort selbst wird durch eine geschmeidige Reifenkonstruktion erzielt. Hier spielen die Gravelreifen in Summe ihre Stärke aus, wobei uns die Modelle von Rene Herse, Schwalbe und Specialized besonders gut gefallen haben.
Bei der Traktion ist ein Ergebnis nicht zwingend nur am Profil auszumachen, denn sie ergibt sich aus der Griffigkeit der Gummimischung, dem Profil und der Geschmeidigkeit der Karkasse. Unsere Bewertung schließt für jeden Reifen den vom Hersteller vorgegebenen Einsatzbereich mit ein.
Allrounder im Test: Eine Herausforderung für Hersteller
Einen guten Allrounder zu entwickeln, ist für viele Hersteller eine große Herausforderung. Das zeigt unser Test auf dem Prüfstand und in der Praxis. Gerade die Punkte Gewicht und Leichtlauf stehen bei vielen im direkten Konflikt mit der Pannensicherheit.
Empfehlungen
Bei den Gravelreifen haben wir am Ende drei Favoriten: Wer einen maximal traktionsstarken Reifen mit tollem Komfort sucht, aber bei der Pannensicherheit Einbußen in Kauf nimmt, greift zum Rene Herse. Im Trekkingsegment bieten Continental und Schwalbes Green Marathon eine durch die Bank solide Leistung ohne echte Schwäche, heimsen dadurch eine Empfehlung ein.
Zubehör-Tipps für Rennradreifen
In der Regel bekommen Reifen - sind sie erstmal montiert - nur noch wenig Aufmerksamkeit. Hier einige Tipps für Zubehör, das die Lebensdauer und Performance verbessern kann:
- Felgenband: Hochwertige Felgenbänder reduzieren schon ab Werk das Pannenrisiko. Wichtig ist dabei die ideale Breite, die grob „Felgenmaulweite plus 3 bis 5 Millimeter“ betragen sollte. Geklebte Versionen verrutschen zudem nicht.
- Flickzeug: Für Butylschläuche hat sich Flickzeug von TipTop stets bewährt. Schneller geht’s allerdings mit Schnellklebeflicken, etwa von Syncros.
- Lochschnüffler: Haucht der Reifen die Luft nur langsam aus, ist das Loch teils schwer zu finden.
- Luftdruckprüfer: Beste Performance gibt’s nur mit dem richtigen Luftdruck. Ein kompakter Luftdruckprüfer hilft bei der regelmäßigen Kontrolle.
- Montagefluid: Wenn störrisch aufzuziehende Reifen nicht in ihre Endposition springen wollen, hilft Schwalbe EasyFit.
- Reifenheber: Intelligente Reifenheber wie der Maxalami NoodLever können mehr: Er hebelt nicht nur, sondern hat auch eine clevere De- und Montagefunktion.
- Schlauch: Ist der Schaden an Tubelessreifen oder Schlauch zu groß, hilft oft nur ein Ersatzschlauch. Butylschläuche gibt es auch in leicht, etwa von Continental.
- Silicon-Politur: Gepflegte Reifenflanken sehen besser aus und lassen Dreck nur schwer anhaften. Nur auf der Lauffläche hat das Mittel nichts zu suchen!
- Standpumpe für die Werkstatt: Die große Standpumpe ist ideal für Werkstatt, Garage und Auto und macht das Aufpumpen zum Kinderspiel. Dank großer Manometer lässt sich auch der Luftdruck perfekt ablesen.
- Talkum-Puder: Wer mit Schlauch fährt, sollte die Reifen-Innenwand wie auch den Schlauch mit Talkum benetzen. Dadurch agieren beide geschmeidiger und können nicht aneinander verkleben.
- Tubeless-Dichtmilch: Sie steht bei Tubeless-Systemen für den bekannten Selbstheilungseffekt während der Fahrt. Zuständig dafür sind kleine Dichtpartikel, die die Schadstelle von innen verstopfen und damit reparieren.
- Tubeless-Werkzeug: Für Tubeless-Systeme benötigt man spezielles Reparaturwerkzeug. Dazu zählt eine kleine Gabel und sogenannte Dichtwürste.
Labortests und Prüfbedingungen
Wir haben alle Werte zur Pannensicherheit wie Durchstich-, Durchschlagsfestigkeit, Rollwiderstand sowie der Montagefreundlichkeit im Labor überprüft. Daher sind alle Werte direkt miteinander vergleichbar und unterliegen keiner Schwankung durch verschiedene Fahrer, Strecken, Temperaturen oder ähnlichem! Großer Dank geht an dieser Stelle an die Ralf Bohle GmbH aus Reichshof, die uns für den Test das Prüflabor samt mehrerer Angestellter zur Verfügung gestellt hat.
Die besten Rennradreifen 28-622 im Vergleich
Hier eine Übersicht der Top-Modelle im Vergleich:
| Modell | Preis pro Stück | Reifen-Typ | Pannenschutz | Besonderheiten |
|---|---|---|---|---|
| Continental Grand Prix 4 | 43,94 € | Drahtreifen | Besonders pannensicher | langlebig, gute Laufleistung |
| Pirelli Cinturat Velo | 50,95 € | Faltreifen | Pannensicher | Sehr leicht, kann ohne Schlauch verwendet werden |
| Schwalbe Marathon Plus | 76,85 € | Drahtreifen | Besonders pannensicher | Mit Pannenschutzeinlage |
| Vittoria Rubino Pro | 34,48 € | Drahtreifen | Besonders pannensicher | 3 Verbindungen in der Lauffläche |
| Schwalbe Marathon | 39,10 € | Drahtreifen | Besonders pannensicher | Grobes Profil, ideal für anspruchsvolles Gelände |
Diese Tabelle bietet einen ersten Überblick über einige der besten Rennradreifen 28-622 auf dem Markt. Die Wahl des richtigen Reifens hängt jedoch stark von den individuellen Bedürfnissen und Fahrbedingungen ab.
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