Matthias Reim: Ein Leben zwischen Rock'n'Roll und Familie

In den 1990ern wurde Matthias Reim mit «Verdammt, ich lieb' Dich» zum Schlagerstar. Wer die Melodie seines größten Hits "Verdammt, ich lieb' dich" hört, summt mit - ob er Schlagerfan ist oder nicht. Mit diesem Song feierte Sänger Matthias Reim (66) im Jahr 1990 einen kometenhaften Aufstieg in der Schlagerbranche. Seit Jahrzehnten ist er nun dabei.

Eine neue ARD-Doku begleitet ihn nun im Familienleben und auf der Bühne. Die neue ARD-Doku "Matthias Reim - Mein Leben ist Rock’n’Roll", die am Samstagabend (13. Januar, 23.40 Uhr) im Ersten ausgestrahlt wird, nachdem Reim ab 20.15 Uhr auch in Florian Silbereisens Show "Schlagerchampions" zu Gast ist, begleitet den Sänger zwischen der Bühne und seinem Familienleben am Bodensee. Und sie blickt zurück auf Rückschläge wie jenen im Jahr 2015, das ein "Schicksalsjahr" für Reim war, wie es in der Doku heißt. Für seine Familie habe damals "ein Alptraum" begonnen.

Gesundheitliche Probleme

So hoch wie er flog, so tief fiel er allerdings auch: Millionenschulden, Privatinsolvenz, gesundheitliche Probleme, immer wieder Schlagzeilen mit seinem Privatleben. Der Sänger erkrankte auf seiner damaligen Tournee schwer. "Innerhalb von Tagen hat er einfach immer mehr abgebaut, er ist wahnsinnig dünn geworden. (…) Das war schon dramatisch", erzählt seine Frau Christin Stark. Noch am Abend, bevor er "mehr oder weniger ins Krankenhaus gekrochen sei", habe er ein Konzert gespielt, "das war eine harte Nummer", betont auch Reim. Diagnostiziert wurde in der Klinik eine schwere Herzmuskelentzündung.

Der Zustand des Schlagerstars war ernst. Unter Tränen erinnert sich Ehefrau Christin an den Moment, als die Ärzte ihr damals eröffnet hätten, dass das Herz ihres Mannes nur noch eine Leistungsfähigkeit von 20 Prozent habe und es unklar sei, ob Reim jemals wieder auf einer Bühne stehen werde. "Das ist hart", betont sie - und muss kurz unterbrechen. Reim musste damals fünf Monate im Krankenhaus bleiben, bevor er endlich zurück nach Hause durfte zur Familie, wo er ein Trainingsprogramm startete. Ehefrau Christin hebt hervor: "Er ist aufgestanden (…) und hat gesagt, ich will leben. Ich will mit meiner Frau leben, ich will mit meinen Kindern leben, und ich will mit meinen Fans Musik machen. Ich stehe wieder auf und ich kämpfe dafür." Einen "Heidenrespekt" habe sie davor.

Reim als Vater und Familienmensch

In der Doku nimmt auch Reims Rolle als Vater einen großen Raum ein. Reim ist Vater von sieben Kindern, in vierter Ehe ist er mit der Schlagersängerin Christin Stark (34) verheiratet. Seine jüngste Tochter Zoe aus dieser Beziehung ist im März 2022 geboren worden. Seine Kinder mussten wegen seines Berufs oft auf ihn verzichten, wie er selbst einräumt. Reims Sohn Julian (27) und seine Tochter Marie (23) aus seiner Beziehung mit der Schlagersängerin Michelle (51) streben wie ihr Vater eine Musikkarriere an und sind mit ihm im Film auf der Bühne zu sehen.

"Du zahlst einen Preis, wenn du mich als Vater hast, du siehst mich nicht oft, ich bin ständig beschäftigt und unterwegs", fasst es Reim zusammen. Andererseits könne er seinen Kindern gerade durch sein Leben als Showstar eine Zeit geben, die kein anderer Vater geben könnte. Er sei gern "ein Held" für seine Kinder, meint er. Sohn Julian sagt: "Er sucht nach dieser Nähe. Er möchte Vater sein. Zum ersten Mal ist er, glaube ich, bereit, diese Rolle einzunehmen." Reim ergänzt, dass er "geschnallt" habe, dass er seinen Kindern zuhören könne. Nicht nur ihnen zuliebe, sondern weil er dadurch selbst lernen könne. Dafür sei er dankbar.

Dennoch: Ein Leben nur daheim mit Frau Christin und seiner jüngsten, nicht mal einjährigen Tochter, das wäre nicht Reims Ding. Die Bühne braucht er. Wenn er nach Auftritten wieder nach Hause komme, falle er erst mal "in ein Loch", berichtet er ehrlich. "Du fühlst dich plötzlich so überflüssig." Nach dem Rampenlicht stehen dann ganz normale Alltagsaufgaben auf dem Programm: "Mit dem Baby im Garten spielen oder zum Edeka Windeln holen."

Reim und der Supermarkt

Gerade das Einkaufen ist Matthias Reims Sache nicht, wie die Doku augenzwinkernd zeigt. Er sei "alte Schule". Der Motorrad- und Bootsfan erledige "am liebsten nur Männerjobs", erklärt der Sprecher. Reim berichtet, er sei eigentlich eher fürs "Grobe" zuständig wie Reparaturen, Bauarbeiten oder Versicherungen. Wenn Ehefrau Christin ihn aber bittet, einkaufen zu gehen, muss er auch hier übernehmen - wenn auch zähneknirschend. So ein Einkauf im Supermarkt bringt den Schlagerstar dann nämlich schon mal zur Verzweiflung: "Wo ist denn jetzt das blöde Dinkelbrot, ich finde es nicht, (…) ich suche die blöde Babynahrung. (…) Jetzt mal im Ernst, wo ist die Scheiße?", klagt er vor den Regalen. "Das ist für mich auch so eine Zeitverschwendung." Er bekomme "schlechte Laune", wenn er dreimal durch den Laden ziehen müsse, weil er etwas nicht finde. "Ich frage mich dann immer, ob ich zu blöd bin. Das kann ja nun wirklich jeder, nur ich nicht." Ehefrau Christin scherzt über die Einkaufsphobie ihres Mannes: "Ich glaube, er sträubt sich bis heute noch. Aber er macht es."

Finanzielle Schwierigkeiten

Natürlich blickt die Doku auch auf die Karrieretiefs von Reim und seine Millionenschulden zurück, die zu Beginn der 2000er Jahre zu seiner Privatinsolvenz führten. In einer Zeit, als auch seine Alben floppten, saß er zudem auf einem Schuldenberg von 20 Millionen Mark. "Mein Manager und Partner hatte eine Generalvollmacht und hat Ost-Immobilien aufgekauft wie ein Wahnsinniger“, erinnert Reim sich. Er habe persönlich dafür gehaftet. Sein langjähriger Fahrer und Freund Willi betont: "Das hat Matthias voll runtergerissen." Damals hätten sie "in jedem Bierzelt" gespielt, um das wieder gut zu machen, berichtet er. Matthias ist ihm bis heute dankbar: "Als es darum ging, wirklich viel Geld in die Hand zu nehmen und mich aus der Scheiße zu holen, hat er nicht mit der Wimper gezuckt." Der Bruder lieh Matthias Geld und ermöglichte ihm so einen Neustart - seine "Neugeburt", wie der Sänger es nennt.

Blick in die Zukunft

Von Mai bis Dezember geht Matthias Reim auch in diesem Jahr wieder auf Tour. An einen Abschied von der Bühne denkt er nicht: "Es gibt kein Ankommen. Bis der liebe Gott mich abholt".

Sänger Matthias Reim sieht Künstliche Intelligenz (KI) nicht als Ersatz für den künstlerischen Schaffensprozess. «Ich nehme aber an, dass KI auch im Musikbetrieb künftig eine stärkere Rolle spielen wird», sagte der 66-Jährige der Deutschen Presse-Agentur in Dresden. Er habe aber keine Angst, dass sie den Musiker eines Tages ersetzen werde. «Sie kann nicht wirklich eine Geschichte erzählen. Eine KI hat keine Emotionalität. Eine künstliche Emotionalität gibt es nicht.» Dennoch könne sie als Tool nützlich sein. Ein Missbrauch sei allerdings auch im Musikgeschäft nicht ausgeschlossen. «Gegen Piraterie werden wir uns nicht wehren können.»

Sänger Matthias Reim will sich von schlechten Nachrichten zur Weltlage nicht verrückt machen lassen. «Das Leben verändert sich ständig. Die Zeiten waren auch früher schwer. In den 1980er Jahren lebten wir im Kalten Krieg und hatten an jeder Ecke Cruise Missiles stehen» sagte Reim im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur in Dresden. «Wir haben damit gelebt, es ausgeblendet und es als nicht so bedrohlich erachtet. Das war einfach so.» Deutschland sei damals in ständiger Kriegsbereitschaft gewesen. Doch im Rückblick hätten die Menschen immer die Tendenz, nur an das Schöne zurückzudenken. «Meine Großeltern haben zwei Kriege erlebt, und sich trotzdem an viel Gutes in ihrem Leben erinnert.»

Reim zufolge werden in 20 Jahren vermutlich auch Ereignisse wie der Krieg in der Ukraine oder der Konflikt im Gaza-Streifen in der Erinnerung verblassen und den guten Erlebnissen der Menschen weichen. «Jede Zeit ist es wert, gelebt zu werden. Wir Menschen nehmen es hin und machen das Beste daraus. Deshalb mache ich mir eigentlich um die Zukunft der Menschheit keine Sorgen.» Vieles werde sich verändern, es werde wohl mehr Naturkatastrophen mit Hitze und Hochwasser geben. «Wir können das nicht mehr ändern, wir müssen damit leben lernen. Das Leben stellt uns vor Prüfungen. Ich bin ein sehr optimistischer Mensch.»

Dennoch bereitet auch Reim die zunehmende Aggressivität in der Gesellschaft große Sorgen. «Die Hemmschwelle ist massiv nach unten gerutscht. Heute passieren Dinge, die wären vor 20 Jahren undenkbar gewesen. Ich weiß nicht, wo diese Radikalisierung herkommt, aber wir müssen massiv dagegen vorgehen.» Die Eskalation von Gewalt und das Sinken der Hemmschwelle hingen vielleicht auch damit zusammen, dass die Strafe oft nicht auf dem Fuße folgt und zudem zu niedrig ausfalle. «Es gibt keine Abschreckung. Die Grenzen verschwimmen, weil sie nicht gesetzt werden. Man muss das Problem schon in den Schulen anpacken», sagte Reim und betonte: «Gewalt ist keine Lösung, sie ist unmenschlich, erzeugt nur Gegenreaktionen und Hass.»

Matthias Reim steht auf die Biker-Gemeinschaft. Der Sänger ist ein echter Teamplayer: Das gilt für sein Konzertleben, das gilt auch für seine Motorradtouren. Der Sänger Matthias Reim («Verdammt, ich lieb’ Dich») hat neben der Musik das Motorradfahren als große Leidenschaft. «Seit ich denken kann, bin ich von Motorrädern fasziniert», sagte der 60-Jährige in seinem Wohnort Stockach am Bodensee der Deutschen Presse-Agentur: «Ich mag es, auf zwei Rädern die Landschaft zu erleben und als Biker Teil einer Gemeinschaft zu sein.» Um die Fahrt genießen zu können, sei er vergleichsweise ruhig und langsam unterwegs. Auf Tour gehe er am liebsten mit Freundin und Freunden.

Reim lebt jetzt - nach Wohnsitzen unter anderem in Florida sowie Ibiza und Mallorca - mit der Schlagersängerin Christin Stark (28) in Stockach in Baden-Württemberg. Am Freitag (23.3.) bringt Reim mit «Meteor» sein neues Album auf den Markt.

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