Die Maulweite der Fahrradfelge: Eine umfassende Erklärung

Die Felge ist ein Ring, welcher auf der Ringaußenseite Reifen und Schlauch aufnimmt und auf der Ringinnenseite über die Speichen mit der Nabe verbunden ist. Felgen sind üblicherweise aus Aluminiumlegierungen (nur ganz selten auch aus Kunststoff oder Carbon). Stahlfelgen sind kaum noch verbreitet, da sie schwer sind und bei Nässe keine optimale Bremswirkung bei Felgenbremsen aufweisen.

Felgenarten und ihre Eigenschaften

Es gibt verschiedene Arten von Felgen, die sich in ihrer Konstruktion und ihren Eigenschaften unterscheiden:

  • Kastenfelgen: Sie haben in etwa ein U-Profil, also nur einen Boden. Dies ist die einfache Bauweise. Kastenfelgen sind sehr günstig, bieten aber wenig Stabilität.
  • Hohlkammerfelgen: Sie haben hingegen mehrere Felgenböden (fast immer zwei). Der Schlauch liegt auf dem äußeren Boden, während die Speichennippel auf dem inneren Boden aufliegen.

Besondere Merkmale von Felgen für Felgen- und Scheibenbremsen

Felgen für Felgenbremsen benötigen eine senkrechte Felgenflanke, die als Gegenstück der Bremsbacken dient. Je dicker diese Seitenwand ist, desto länger hält sie dem Verschleiß stand. Günstig ist dafür auch eine große Höhe der Seitenwand, da man so die Bremsbacken in unterschiedlicher Höhe ansetzen kann. Dadurch verteilt sich der Verschleiß über einen größeren Bereich. Außerdem muss man die Bremsklötze weniger häufig nachstellen, da sie im Laufe der Zeit durch Verschleiß die Felgenflanke immer weiter unten berühren.

Spezielle Felgen für Felgenbremsen

Speziell für Felgenbremsen gibt es Felgen mit beschichteten oder besonders behandelten Felgenflanken (Keramikfelgen, CSS-Felgen). Damit lässt sich eine erhebliche Verlängerung der Durchbremszeit erzielen. Felgen für Felgenbremsen sind auch für Scheibenbremsen geeignet. Felgen für Scheibenbremsen benötigen keine Seitenwand zum Verschleißen. Die Seitenwand ist deshalb meist deutlich niedriger.

Stabilität und Gewicht der Felge

Die Stabilität einer Felge hängt maßgeblich von ihrer Konstruktion und ihrer Masse ab. Schwere Felgen sind nicht zwangsläufig stabil, sehr leichte Felgen sind aber niemals besonders steif. Wichtig ist auch der Einsatzbereich: Wer schnell über Wurzeln und Holperwege fährt, braucht stabilere Felgen als jemand, der ausschließlich Straße fährt. Je leichter eine Felge ist, desto einfacher lässt es sich beschleunigen und bergauf fahren.

Die hintere Felge

Die hintere Felge hat immer mehr Last zu tragen als die Vordere, sie sollte also besonders stabil sein. Je mehr Speichen ein Laufrad hat, desto stabiler und haltbarer ist es. In der Regel sind Laufräder mit 36 Speichen hinten und 32 Speichen vorne für ein Reiserad ausreichend stabil. Bei Lastenrädern und Tandems können Laufräder mit 40 Speichen sinnvoll sein.

Speichenanordnung

Neben der Anzahl ist auch die Anordnung der Löcher unterschiedlich. Die Löcher können in einer Linie oder versetzt angeordnet sein (meist nur bei breiten Felgen). Die versetzte Anordnung hat den Vorteil einer besseren Kraftverteilung, damit verringert sich die Gefahr des Felgenschadens, bei dem Risse im Felgenboden von Loch zu Loch entstehen. Speziell für das hintere Laufrad eines Kettenschaltungsrades gibt es auch eine asymmetrische Lochanordnung.

Die Bedeutung der Maulweite

Die Maulweite ist die „innere“ Breite der Felge, also der Abstand zwischen den Felgenhörnern. Meistens wird leider nur die äußere Breite angegeben. Wenn man davon 6 mm abzieht, hat man die ungefähre Maulweite. Sie ist für die Breite der Reifen entscheidend. Wer breite Reifen auf schmale Felgen montiert und dann noch mit hohem Druck fährt, gefährdet die Felge. Mit reduziertem Luftdruck kann man auch etwas breitere Reifen benutzen.

Reifendruck und Felgen

Reine MTB-Felgen sind in der Regel von den Herstellern nur für geringen Reifendruck freigegeben (2 bis 4 Bar, je nach Hersteller/Reifenbreite). Die richtige Kombination von Felgenbreite und Reifen ist die Grundlage für optimales Fahrverhalten.

Reifengrößen und -angaben

Es gibt drei gängige Angabesysteme für die Größen von Fahrradreifen. Die französische und englische Angabe ist dabei eher ungenau und beschreibt Breite und Außendurchmesser des Reifens. Die Angabe nach ETRTO bezeichnet Breite und Innendurchmesser des Reifens (=Außendurchmesser der Felge) und ist sehr genau.

  • Angabe in "mm", z. B.
  • Angabe in "mm + Buchstabe", z. B. Die französische Angabe zeigt zuerst den Außendurchmesser, dann die Breite des Reifens in mm. Der Buchstabe steht für die Höhe des Reifens, A heißt dabei ca. 30 mm, B ca. 33 cm und C ca.
  • Angabe in "Inch/Zoll", z. B. Bei der englischen Angabe wird zuerst der Reifenaußendurchmesser, dann die Reifenbreite in Inch bzw.

Felgenbreite und Maulweite im Detail

Parallel zum Trend breiterer Reifen haben sich sowohl auf der Straße als auch im Gelände in den letzten Jahren breite Felgen durchgesetzt. Hatten Mountainbikes vor zwanzig Jahren oft noch 17 bis 19 Millimeter schmale Felgen, so sind heute 25 oder sogar mehr als 30 Millimeter normal. Bei Rennrädern sind um die 21 Millimeter keine Seltenheit mehr. Die Felgen Deines Gravelbikes liegen wahrscheinlich irgendwo dazwischen.

Die Maulweite: Das entscheidende Maß

Dabei sprechen wir nicht von der Breite der Felgen außen, sondern von der sogenannten Maulweite. Das ist der Abstand zwischen den beiden Felgenflanken, also innen gemessen. Die Maulweite bestimmt, wie Dein Reifen sitzt und beeinflusst dessen Querschnitt. Man kann den Querschnitt eines breiten Reifens auf einer schmalen Felge mit der Form einer Birne vergleichen. Auf einer breiten Felge hingegen wird der gleiche Reifen mehr Volumen aufbauen.

Vorteile breiterer Felgen

Die Reifenflanken laufen nicht so weit zusammen, sondern stehen aufrechter und stützen den Reifen insgesamt besser ab. Dadurch kannst Du einen niedrigeren Luftdruck fahren, bevor Dir der Reifen in Kurven oder an Hindernissen wie Wurzeln oder Bordsteinkanten wegknickt. Das heißt aber nicht, dass breiter automatisch besser ist. Bei gleicher Steifigkeit und Stabilität sind breite Felgen etwas schwerer. Es gilt, einen guten Kompromiss zu finden. Und die Felge muss natürlich zum Reifen passen.

Auswirkungen falscher Felgenbreite

Ist die Felge zu schmal für Deinen Reifen, wird die Lauffläche an den Seiten weiter heruntergezogen. Die Seitenstollen eines Mountainbike-Reifens stehen dann in einem anderen Winkel und greifen in Kurven erst bei deutlich mehr Schräglage. Ist die Felge hingegen zu breit für den Reifen, wird sich das Profil eher „eckig“ aufbauen und kann ebenfalls nicht so funktionieren, wie vom Hersteller konzipiert. Der Übergang von Lauffläche zu Reifenflanke wird dadurch sehr unharmonisch. Bei hoher Schräglage kann der Grip im schlimmsten Fall unvermittelt abreißen.

Empfehlungen für die ideale Felgenbreite

Eine Formel zum Berechnen der idealen Felgenbreite können wir Dir an der Stelle leider nicht an die Hand geben, da die Reifen verschiedener Hersteller unterschiedlich konstruiert sind. Bei vielen Felgen werden grobe Richtwerte angegeben, mit welchen Reifenbreiten sie harmonieren. Im Idealfall gibt der Hersteller Deiner Lieblingsreifen eine Empfehlung, welche Breite am besten funktioniert.

Maxxis zum Beispiel markiert für breite Felgen (30 bis 35 Millimeter Maulweite) optimierte MTB-Reifen mit dem Zusatz „WT“ für Wide Trail.

ETRTO-Standard für Reifenbreiten

Der ETRTO-Standard empfiehlt Reifenbreiten in Abhängigkeit von der Maulweite der Laufradfelge. Nachfolgende Tabelle zeigt die empfohlenen Reifenbreiten gemäß ETRTO. Die Angaben beziehen sich nur auf Hakenfelgen (oft mit C angegeben, C = Crotchet = engl. Haken), da diese heute am gängisten sind.

Maulweite der Felge in mmEmpfohlene Reifenbreiten in mm
1318 - 25
1523 - 32
1725 - 50
1928 - 57
2135 - 62
2337 - 64
2544 - 64
2747 - 64
2954 - 64

Solange man die empfohlenen Reifenbreiten verwendet, sollte man auf der sicheren Seite sein. Abhängig von der Stabilität des Reifenmantels erlauben manche Reifenhersteller durchaus noch größere Reifenbreiten. Hier bitte im Einzelfall die Herstellerangaben überprüfen.

Zoll-Größen bei breiteren Reifen

Beispiel: Sowohl 28-Zoll-Reifen als auch 29-Zoll-Reifen werden üblicherweise auf einem Laufrad mit 622 mm Felgen-Nenndurchmesser aufgezogen.

Die Zoll-Größe des Fahrradreifens bezieht sich auf den Außendurchmesser, während für die Felge der Innendurchmesser des Reifens relevant ist. Beim Messen des Außendurchmessers wird an beiden Seiten die Reifenhöhe mitgemessen, beim Innendurchmesser ist die Reifenhöhe hingegen nicht enthalten.

Vorteile breiter Reifen

Aufgrund ihrer größeren Kontaktfläche mit dem Boden haben breite Reifen eine bessere Bodenhaftung und fahren über kleinere Bodenunebenheiten einfacher hinweg, was oft als höheren Fahrkomfort empfunden wird. Dadurch eignen sie sich besser für Offroad-Fahrten und auf unbefestigten Wegen.

Nachteile breiter Reifen

Schmale Reifen sind leichter und bilden weniger rotierende Masse. Sie lassen sich daher besser beschleunigen, sind also agiler.

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