Das Verhalten von Rennmäusen im Laufrad: Ein umfassender Überblick

Das Laufrad ist heute ein Bestandteil in einem großen und tiergerecht eingerichtetem Rennmausgehege. Trotzdem möchten auch diese Rennmäuse nicht darauf verzichten, hin und wieder einfach mal los zu rennen.

Warum Rennmäuse Laufräder brauchen

In ihrer Heimat laufen sie viel über sandige Böden um zu ihren Futterquellen zu gelangen. Sie sind also nicht nur Wühler und Tunnelgräber, sondern auch Läufer. Egal wie groß das Gehege ist, damit Rennmäuse zwischendurch richtig los rennen können, brauchen sie ein Laufrad.

Das Laufen im Rad dient auch dem Stressabbau. Gibt es Streit, läuft vor allem die unterlegene Maus viel im Rad und tatsächlich beruhigt sie sich dabei wieder.

Das ideale Laufrad für Rennmäuse

Der Ideale Durchmesser für ein Rennmauslaufrad liegt bei mindestens 25 cm Innendurchmesser. Es darf auch ruhig etwas größer sein. Gerade bei großen Tieren währen Räder mit 28 - 30 cm Innendurchmesser sinnvoll.

Die Einstiegsseite sollte ganz offen sein. Die Lauffläche muss völlig geschlossen sein. Es dürfen keine offenen Sprossen vorhanden sein in denen sich die Rennmäuse verfangen können. Auch kleine Abstände oder eng zusammen liegende Sprossen/Stäbe ergeben keine gute Lauffläche!

Die Lauffläche muss über eine Struktur verfügen, (nicht zu tiefe Rillen oder eine Naturstruktur) auf der die Rennmäuse gut laufen können. Sind Sprossen aufgegeklebt, müssen diese leicht rund gefeilt sein und geringe Abstände aufweisen, damit die Tiere dort gut Halt finden.

Das Rad darf nur an der geschlossenen Seite aufgehangen werden. Eine beidseitige Aufhängung ist immer eine Gefahrenquelle (Schereneffekt), denn hier können sich die Rennmäuse oder ihre Schwänze verfangen.

Das Rad muss leicht und rund laufen ohne zu eiern. Ein hochwertiges Kugellager ist also wichtig. Wenn das Rad angeschubst wird, darf es nicht gleich umkippen. Das Rad muss aus ungiftigen Materialien bestehen.

Empfehlenswerte Laufräder

Leider sind solche empfehlenswerten Laufräder im Handel noch immer die Ausnahme, die meisten Laufräder die mit Käfigen mitgeliefert werden oder im Handel erhältlich sind, bestehen aus schädlichem Weichplastik, sind zu klein und haben für Gewöhnlich auch gefährliche Aufhängungen.

  • Das aus Amerika stammende Wodent Wheel Laufrad erfüllt fast alle Vorgaben welche an ein gutes Laufrad gestellt werden. Die Maße: Durchmesser: 27 cm, Höhe insgesamt 30 cm. Breite: 7 cm. Es besteht aus ungiftigem Plastik, erzeugt, wenn es angenagt wird, keine scharfen Splitter und weist keinerlei Schereneffekte auf. Es ist leicht und stoppt dadurch nahezu synchron wenn die Mäuse aufhören zu laufen. Ein kleines Handicap hat das Rad, der Fuß ist nur gut geeignet, wenn man das Rad oben am Gitter befestigt, in die Streu gestellt kann das Rad schnell zugebuddelt und somit schwer gängig werden. Auf eine glatte Etage gestellt ist der Stand nicht ganz fest, es verrutscht leider bei sehr starken Tieren mitunter, von daher sollte es auf uneingestreuten Etagen fest angebracht oder mit einer nicht rutschenden Unterlage versehen werden.
  • Das neue Silent Runner Laufrad erfüllt auch alle Vorgaben, die an ein gutes Laufrad gestellt werden. Es ist in verschiedenen Größen erhältlich mit einem Durchmesser von 22 cm und einer Breite von 6 cm, für kleinere Tiere, mit einem einen Durchmesser von 29 cm in Regular mit einer Breite von 8 cm und in Wide mit einer Weite von 9,5 cm für größere Rennmäuse. Es verfügt, anders als das Wodent Wheel, über ein flüsterleistes und hochwertiges Kugellager. Es kann entweder mit dem robusten und schweren Standbein aus Metall im Gehege aufgestellt, als auch mit der (extra im Shop angebotenen) Wandbefestigung direkt an der Käfigwand befestigt werden. Es weißt keinen Schereneffekt auf. Das Material ist ungiftig und es kommt beim Annagen nicht zur Splitterbildung. Die Reinigung des Rades ist extrem einfach zu bewerkstelligen, es kann leicht auseinander gebaut werden. Die Lauffläche verfügt über feine Rillen, welche ein gleichmäßiges und sicheres Laufen ermöglichen. In die Einstreu gestellt kann das Rad allerdings schnell zugebuddelt und somit schwer gängig werden. Auf eine glatte Etage gestellt ist der Stand fest, es verrutscht nicht.
  • Es werden mittlerweile im Handel verschiedene Holzlaufräder angeboten. Nicht alle sind gut geeignet, der Preis entscheidet hier wirklich über die Qualität. Die günstigen Räder sind häufig zu schwer und können von den Tieren nicht gut bewegt werden, sie haben außerdem schlecht angebrachte, zu große Laufstreben mit zu großem Abstand im Rad, was ein gleichmäßiges Laufen unmöglich macht und zu Verletzungen führt, die Qualität der Kugellager ist minderwertig. Das Holzlaufrad von Rodipet hat einen Durchmesser von 25 cm und ist damit für die Rennmäuse optimal. Die Lauffläche verfügt über eingefräste Einkerbungen, die den Rennmäusen Halt beim Laufen geben. Das Kugellager läuft rund und Wartungsfrei. Das Holz ist ungiftig und mit einem dünnen Wachsfilm vor Urin geschützt. Nur bei Rennmäusen, die sehr viel ins Rad urinieren muss das Rad nachträglich lackiert werden.

Der richtige Standort für das Laufrad

Der Standort des Laufrades ist in normalen Rennmausgehegen ein Problem. Leider wohnen viele Rennmäuse in Mindestmaßaquarien von 100 x 40 x 40 cm. Da Rennmäuse eine sehr hohe Einstreu benötigen, würde ein Laufrad da leicht unter gebuddelt werden.

  • Zusätzlicher Käfig: Es ist möglich, den Rennmäusen zusätzlich zu ihrem Aquarium einen Käfig anzubieten, dieser kann entweder neben oder über dem Rennmausaquarium angeboten werden.
  • Zusätzliches Aquarium: natürlich kann ebenfalls ein weiteres Aquarium angeboten werden, welches neben das Buddelaquarium gestellt wird. Positiver Nebeneffekt: der Boden von Käfig oder Aquarium kann mit Chinchillasand eingestreut werden, so haben die Renner nicht nur ein Laufrad, sondern auch eine große Sandbadefläche.
  • Aquariumbecken auftrennen: Das ist nur bei größeren Becken wirklich sinnvoll. Hier wird mit einer Sperholzwand ein Teil des Beckens abgetrennt.

Mögliche Probleme mit Laufrädern

  • Es kann zur Laufradsucht kommen.
  • Oft laufen Renner auch zu schnell im Laufrad, dabei kann es dazu kommen, dass sie sich überschlagen oder über die eigenen Füßchen stolpern, dass es dabei zu Verletzungen kommen kann, ist leider nur zu oft bestätigt worden.
  • Mitunter behindern Renner sich gegenseitig beim Laufen im Rad, was ebenfalls zu Verletzungen und Stürzen führen kann.
  • Weichplastiklaufräder könnten angenagt werden und die Splitter können im Darm zu schweren Verletzungen und zum Tode der Tiere führen.

Alternativen zum Laufrad

  • Die "Laufteller" oder auch "Flying Saucers" wurden ursprünglich in den USA für Chinchillas entwickelt. Es handelt sich dabei um einen Laufteller aus Metall, Holz oder Kunststoff, welcher in der Mitte mit einem Kugellager versehen ist.

Vorteile von Lauftellern:

  • Der Laufteller wird am Gehegerand befestigt und hängt leicht schräg am Gehegerand, wodurch die eigentliche Lauffläche relativ gerade hängt.
  • Laufteller aus Metall können nicht angenagt werden.

Nachteile von Lauftellern:

  • Beim Laufen biegen die Rennmäuse seitlich stark durch (das ist am entsprechend zur Seite gebogenen Schwanz beim Laufen zu erkennen). Sie rennen also auf dem Laufteller immer im Kreis, was auf Dauer und bei starker Nutzung des Tellers zu Gelenksproblemen führen kann.
  • Ungeschickte Tiere können bei einem abruptem Halt durch die Fliehkraft regelrecht durch die Gegend geschleudert werden. So etwas kommt leider häufiger vor und uns liegen Berichte von massiven Verletzungen vor.

Verzichten Sie auf Laufkugeln aus Plastik, die sogenannten Joggingbälle und andere Spielzeuge wie z. B. Autos mit Kugeln, in welche die Tiere eingesperrt werden um damit durch die Wohnung zu rollen. Diese Kugeln sind sehr gefährlich und absolut nicht tiergerecht. Laufkugeln und Metallaufräder sind von der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz als tierschutzwidrig und gesundheitsschädlich eingestuft.

Laufradaktivitäten sind kein Laborphänomen

In vielen Labors rennen Mäuse im Dienst der Wissenschaft Runde um Runde in Laufrädern. So werden im Tierversuch die Auswirkungen sportlicher Betätigung auf die Gesundheit untersucht.

Indem sie Laufräder in freier Wildbahn platzierten und mit Hilfe von Videokameras beobachteten, stellten sie fest: Laufradaktivitäten sind kein Laborphänomen, denn auch wilde Mäuse rennen im Laufrad. Die Nager drehen vollkommen freiwillig die ein oder andere Runde, berichten die Wissenschaftler im Fachblatt „Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences“.

An beiden Standorten beobachteten die Forscher zahlreiche Laufradaktivitäten: Auf rund 200.000 Filmaufnahmen von tierischen Besuchern der Versuchsstellen fanden sie mehr als 12.000 Sequenzen, in denen sich das Rad in Bewegung setzte.

Insbesondere bei Mäusen waren es auffällig häufig Jungtiere, die sich im Rad tummelten. „Unsere Studie legt nahe“, fassen Meijer und Robbers zusammen, „dass das Rennen im Laufrad bei wilden Tieren in der freien Natur ein freiwilliges Verhalten sein kann.“

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