Was macht ein gutes Laufrad wirklich aus - und wie viel kostet es? Um diese Fragen zu klären, hat RoadBIKE einen umfassenden Laufradtest durchgeführt. Dabei wurden vor allem die am häufigsten in Kompletträdern verbauten Modelle auf den Prüfstand gestellt. Es ging also um jene Laufräder, die mit hoher Wahrscheinlichkeit in den Rädern stecken, zwischen denen die meisten Kunden beim Rennradkauf wählen.
Vollcarbon-Laufräder werden zwar immer beliebter, sind aber immer noch sehr teuer. Der Test beschränkt sich deshalb auf Alu-Laufräder oder Carbon-Alu-Verbundmodelle. Alle Laufräder im Test treten unabhängig vom Preis gegeneinander an, da sie auch in unterschiedlichsten Komplettradklassen auf dem Markt miteinander konkurrieren.
Die Testkandidaten
Die Testkandidaten ergaben sich aus dem RoadBIKE-Archiv. Rund 100 Kompletträder hat RoadBIKE bereits getestet und dabei auch deren 200 Laufräder genau unter die Lupe genommen. Ein Blick auf diese Liste zeigt, dass immer wieder die gleichen Laufräder auftauchen und einige Modelle ihre Preisklassen dominieren. Im Einsteigerbereich sind dies etwa Fulcrums Racing 7, Mavics Aksium und Shimanos WH-RS10.
Die sehr breite Mittelklasse beherrschen die Modelle R1600 von DT Swiss und das Mavic Ksyrium Elite. Die Oberklasse schließlich fährt gehäuft auf Mavics R-Sys SL, dem DT Swiss Tricon und Shimanos Dura-Ace-Satz WH-7850-C24-CL.
Die Testkriterien
RoadBIKE hat Gewicht, Seitensteifigkeit, Torsionssteifigkeit des Hinterrades, Trägheitsverhalten und Aufbauqualität - sprich Rundlauf und Mittigkeit - getestet. Keine leichte Aufgabe, denn die Anforderungen schließen sich teilweise gegenseitig aus: Das leichteste Laufrad beispielsweise wird nicht auch das steifste sein.
Es kommt für die Laufradbauer immer darauf an, den besten Kompromiss zwischen den einzelnen Disziplinen zu finden - und alle sind gleich wichtig! Entsprechend fließen die Einzelnoten jeweils zu gleichen Teilen in die Bewertung ein.
Gewicht
Beim Laufradkauf gilt der erste Blick fast automatisch dem Gewicht. Nicht zu Unrecht, denn der Laufradsatz macht einen Großteil des Gesamtgewichts eines Rennrades aus - zwischen unterschiedlichen Modellen können Welten liegen! Der leichteste Laufradsatz im Test ist das 1343 Gramm schwere Mavic R-Sys SL (ohne Schnellspanner), das mit Carbonspeichen und Ausfräsungen an den Felgen alle Leichtbauregister zieht.
Klar ist: Leichtbau treibt den Preis nach oben - oft um ein Vielfaches! Wer ein sehr leichtes Laufrad sucht, muss deshalb tief in die Tasche greifen.
Seitensteifigkeit
Schon bei der Seitensteifigkeit geht diese Rechnung nicht auf. Zwar ist das Fulcrum Racing 7 erwartungsgemäß das schwerste und steifste Laufrad, doch auch das leichteste Modell (Mavic R-Sys) liegt mit seinen gemessenen Steifigkeiten von 75 Nm/° im guten Mittelfeld und damit im von RoadBIKE festgelegten "Grünen Bereich", der allen Fahrertypen und -gewichten ausreichend Steifigkeit - und Sicherheit - garantiert.
Denn nur steife Laufräder überzeugen durch Spurstabilität und Lenkpräzision. Und sie garantieren, dass bei kräftigen Antritten und im Wiegetritt keine Kraft durch Verwindung verloren geht.
Die Leistung des R-Sys ist umso bemerkenswerter, als längst nicht alle Testkandidaten diese Hürde nehmen. Das weichste Laufrad im Test, das Tricon-Hinterrad von DT-Swiss, erreichte mit 58 Nm/° einen klar zu niedrigen Wert - selbst gemessen am relativ geringen Gewicht.
Aber auch bei Mavics Aksium- und Ksyrium-Elite-Sätzen, den Shimano-Dura-Ace-Laufrädern oder dem R1600-Satz von DT-Swiss verfehlte jeweils mindestens ein Laufrad die 70-Nm/°-Marke und bietet so schwereren Fahrern (ab etwa 80 Kilo) keine optimale Performance.
Torsionssteifigkeit
Die zweite Steifigkeitsmessung des Tests, die Beurteilung der Torsionssteifigkeit, gibt an, wie sehr sich ein Hinterrad durch den Kettenzug in Fahrtrichtung verwindet. Auch hier ist ein kleiner Wert erstrebenswert, schließlich bedeutet mehr Verwindung weniger Vortrieb auf der Straße. Auch in dieser Disziplin liegen - unabhängig von der Preisklasse - Licht und Schatten dicht beieinander.
Während das Fulcrum Racing 7, als eines der günstigsten Laufräder, tolle Werte erzielt, schneiden die direkten Konkurrenten von Mavic und Shimano mäßiger ab. Die leichten Modelle von DT Swiss zeigen mit sehr guten Ergebnissen in diesem Bereich, dass sich geringes Gewicht und hohe Torsionssteifigkeit nicht zwingend gegenseitig ausschließen.
Trägheit
Anders sieht es bei der Massenträgheitsmessung aus: Hier glänzen alle leichten Laufräder, während es die Einsteigermodelle schwer haben. Die Messung erlaubt Aussagen darüber, wie schnell sich ein Rad beschleunigen lässt. Gute Werte in dieser Disziplin sind vor allem dann wichtig, wenn ein Kurs nach häufigen Antritten aus geringen Geschwindigkeiten verlangt - zum Beispiel an Bergen mit häufig wechselnden Steigungsprozenten oder in kurvigen Kriterien.
Rundlauf und Mittigkeit
Alle Laufräder waren weniger als einen Millimeter aus der Mitte zentriert, und selbst nach einer simulierten Belastung von mehreren tausend Kilometern waren keine Seitenschläge von mehr als 0,4 Millimetern zu beklagen.
Erfreulich, denn erst ab 0,5 Millimetern ließe sich von einem echten Qualitätsmangel sprechen. Dass es auch solche Fälle gibt, zeigt die Test-Historie der einzelnen Modelle: In allen Preisklassen gab es bei den von RoadBIKE gemessenen Laufradsätzen negative Ausreißer.
Serienstreuung
Eine ernüchternde Erkenntnis, denn ein Blick ins RoadBIKE-Archiv zeigt, dass die mäßigen Ergebnisse bei einigen Modellen kein Zufall sind: Nach wie vor gibt es eine große Serienstreuung bei der Seitensteifigkeit.
Das Mavic Aksium etwa, das mehr als ein Dutzend Mal in Tests gemessen wurde, weist eine Variationsbreite von 41 Prozent zwischen bestem und dem schlechtesten gemessenen Satz auf: Der Kunde kauft im Zweifelsfall ein (zu) weiches Exemplar.
Alternativen zu System-Laufrädern
- Carbon-Laufräder: Vollcarbon-Modelle werden immer beliebter, vor allem, seit es neben der bislang üblichen Schlauchreifen-Version auch immer mehr Clincher-Modelle gibt, die mit Schlauch und normalen Drahtreifen gefahren werden. Da jedoch auch diese - nun alltagstauglicheren - Laufräder sündhaft teuer und weniger gut zu bremsen sind, erfreuen sich Alu-Modelle ungebrochener Beliebtheit. Zu Recht.
- Schlauchlos: Schon seit Jahren gibt es einige wenige Hersteller wie Hutchinson, die neben ihren Standard-modellen auch "Tubeless-Modelle" anbieten. Bei diesen Laufrädern schließt ein spezieller Reifen luftdicht mit der Felge ab, der Schlauch wird überflüssig wird. Durchgesetzt hat sich die neue Technik bislang nicht, obwohl immer mehr aktuelle Laufradsätze den Zusatz "tubeless-ready" im Namen tragen.
- Klassisch: Auf herkömmliche Weise eingespeichte Laufräder mit gekreuzten Speichen sind seit dem Aufkommen der System-Laufräder auf dem Rückzug aus dem Massenmarkt. In ihrer Nische bleiben sie weiterhin beliebt, Anhänger klassischen Laufradbaus freuen sich über die Möglichkeit, die Eigenschaften ihrer Laufräder durch die Auswahl der Einzelteile gezielt beeinflussen und weiter optimieren zu können.
Was bringen Aero-Laufräder?
Aero-Laufräder sollen dabei helfen, den Luftwiderstand, den das System Fahrrad/Fahrer bietet, zu reduzieren. Eine gute Idee, schließlich bringt jede Kraftersparnis Vorteile - nicht nur im Rennen.
Leider ist der Effekt der Laufräder mit den hohen Flanken deutlich kleiner, als es die Marketing-Strategen der "Aero-Firmen" glauben machen wollen: Sie verschweigen, dass das Laufrad bei einem fahrenden Rennrad mit einem Fahrer in Bewegung nur einen minimalen Anteil am gesamten Luftwiderstand hat.
Rechenmodelle, wonach ein Fahrer mit Aero-Laufrädern auf einer definierten Strecke eine bestimmte Anzahl von Watt sparen kann und dadurch entsprechend schneller am Ziel ist, sind weitestgehend Theorie.
Für Profi-Zeitfahrer mit optimaler Sitzposition auf dem Rad können Aero-Räder das Zünglein an der Waage sein - Hobbyfahrer werden den Effekt nicht spüren.
So lesen Sie die Testtabellen
Gewicht: Je leichter, desto besser. Das leichteste Rad bekommt die Maximalnote, die schwereren werden, davon ausgehend, enstprechend schlechter gewertet.
Die Trägheit wird in Millisekunden angegeben. Je kleiner der Wert, desto schneller beschleunigt das Laufrad in der Praxis.
Die Seitensteifigkeit wird in Nm/° angegeben und sagt aus, wie viel Kraft notwendig ist, um das Laufrad seitlich um ein Grad zu verformen. Je höher die Zahl, desto besser.
Die Torsionssteifigkeit wird in Grad angegeben und sagt aus, wie stark sich das Rad durch eine definierte Pedalkraft verformt. Je weniger, desto besser.
Rundlauf und Mittigkeit sind dann perfekt, wenn ein Rad genau in der Mitte zentriert ist und keinen Seitenschlag aufweist. Werte unter 1 mm (Mittigkeit) bzw. einem halben Millimeter (Rundlauf) bieten noch keinen Grund zu Kritik.
Die Serienstreuung sagt viel über die Qualität der Modelle aus, geht aber nicht in die Bewertung ein. Bei der Steifigkeit gibt sie den Abstand zwischen dem schlechtesten und besten von RB gemessenen Satz an. Beim Rundlauf gibt sie Auskunft darüber, wie weit Ausreißer die Toleranzen überschreiten.
Mavic Aksium im Detail
Das Aksium bietet im täglichen Einsatz eine starke Performance. Gerade Speichen sorgen für Stabilität und Steifigkeit, während die vielseitigen und leichten Felgen die Trägheit vermindern und die Agilität steigern. Die Felgen sind jetzt breiter, um ein größeres Luftvolumen und Reifen bis zu 32 mm Breite zu ermöglichen. Die ultra-robusten Naben glänzen durch hohe Laufleistung und Zuverlässigkeit. Ihre QRM-Lager setzen den Klassenstandard in Sachen geschmeidigem Lauf.
Technische Daten Mavic Aksium
- Einsatzbereich: Road, Triathlon & Time Trial
- Laufradgröße: 28"
- Reifentyp: Draht-/Faltreifen
- Anzahl Speichen: 20
- Bremssystem: Felgenbremse
- Felgenbreite innen: 17 mm
- Felgenhöhe: 21 mm
- Gewichtsbeschränkung: 120 kg Gesamtgewicht* (Fahrer, Ausrüstung und Fahrrad)
- Empfohlene Reifenbreite: 25 - 32 mm
Technologien
- QRM (Qualité de Roulements Mavic): Industrielager dieser Qualität gibt es nur in Mavic-Naben. Höchste Effizienz dank minimalem Lagerspiel und extremer Maßhaltigkeit. Enorme Langlebigkeit.
- FTS-L (Force Transfer System Light): Die entscheidenden Freilauf-Bauteile sind gezielt verstärkt: an der Kontaktfläche zwischen Sperrklinken und Nabenkörper mit zwei Edelstahl-Einsätzen. Die Nabe ist extrem leicht und robust.
Mavic Aksium Vs. Fulcrum Racing 7 LG
Mavic und Fulcrum bedienen allerdings auch den Mittelklasse- und Oberklassemarkt mit ihren Laufrädern und sind auch immer wieder als Sponsoren von Profi-Teams aufgetreten. Dieser reiche Erfahrungsschatz hilft den beiden Konkurrenten auch im Einsteigerbereich die besten Modelle für so wenig Geld wie möglich anbieten zu können.
Auf dem Papier scheinen sich die beiden Laufräder nichts zu nehmen. Das Gewicht, die Felgenbreite, die Lagerung und das Material von Felge, Freilaufkörper, Speichen und Nippel sind sich allesamt sehr ähnlich.
Zunächst fällt auf, dass die "Fulcrum 7 LG"-Felgen höher sind, als die Mavic Aksium. "Asymmetrische Felge" bedeutet, dass die Speichen nicht mittig auf die Felge treffen, sondern etwas zur Seite davon. Die Felge hat daher eine breite Seite und eine schmalere.
Ein weiterer großer Unterschied zwischen den beiden Rädern steckt in den Speichen. Kurz gesagt: Die Stabilität. Die Aksium-Räder sind also etwas steifer als die Fulcrum Racing 7 LG, und haben darüber hinaus auch noch 20 Speichen im Vorderrad, während im Vorderrad von Fulcrum lediglich 18 verbaut wurden.
Fulcrum hat mit einer einstellbaren Nabe ebenfalls einen wichtigen Vorteil auf seiner Seite. Abschließend können wir sagen, das die beiden Laufräder beinahe gleichziehen, was Verarbeitungsqualität und Leistung angeht.
Die Fulcrum Racing 7 LG sind die richtige Wahl für dich, wenn dich die höheren Felgen und die anspruchsvollen Technologien ansprechen. Doch obwohl die Fulcrum-Räder etwas bequemer sind, haben sie Biss und fühlen sich kein Stück träge an.
Zusammenfassung der Testmethoden
RoadBIKE testet Laufräder anhand verschiedener Kriterien, um ein umfassendes Bild ihrer Leistungsfähigkeit zu erhalten:
- Gewicht: Das Gewicht jedes Laufrads wird einzeln sowie mit den serienmäßig mitgelieferten Schnellspannern gemessen.
- Trägheit: Die Trägheit wird gemessen, indem eine Masse das drehbar gelagerte Laufrad beschleunigt. Lichtschranken messen die Zeit, die das Gewicht für eine definierte Strecke benötigt.
- Seitensteifigkeit: Eine Prüfkraft von 200 Newton wirkt seitlich auf die Felge. Die gemessene Verformung beschreibt den Widerstand gegen seitliche Belastungen.
- Torsionssteifigkeit: Eine Pedalkraft von 1000 Newton wird simuliert, um die Verformung der Nabe relativ zur Felge zu messen.
- Mittigkeit/Rundlauf: Mit einer Präzisionslehre wird ermittelt, ob Nabe und Felge exakt fluchten. Höhen- und Seitenschlag werden von Messuhren erfasst.
- Serienstreuung: Die prozentuale Abweichung aller bisher gemessenen Exemplare eines Modells wird erfasst, um die Qualität zu beurteilen.
Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Eigenschaften der getesteten Laufräder zusammen:
| Laufrad | Gewicht (Paar) | Seitensteifigkeit (Nm/°) | Torsionssteifigkeit |
|---|---|---|---|
| Mavic Aksium | 1840 g | ~70 | Mittelmäßig |
| Fulcrum Racing 7 | ~2000 g | Hoch | Gut |
| Mavic R-Sys SL | 1343 g | 75 | N/A |
| DT Swiss Tricon | N/A | 58 | N/A |
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