Aero-Laufräder stehen hoch im Kurs, denn sie sehen scharf aus und bringen messbar mehr Geschwindigkeit. Beim Zeitfahren sind sie Pflicht, in allen anderen Wettkämpfen zu empfehlen - und überhaupt so beliebt, dass kaum jemand auf den Klang und Look verzichten möchte, auch nicht auf der Trainingsrunde oder der lockeren Wochenendausfahrt.
Hohe Felgen begeistern mit Tempo, Klang und Aussehen sind bei viel Wind aber mitunter schwierig zu steuern. Flache Felgen hingegen bringen weniger Aero-Vorteile. Was also ist der beste Kompromiss?
Die Herausforderung: Aerodynamik vs. Fahrverhalten
Hohe Felgenringe bringen aber auch zwei Handicaps mit sich: Sie wiegen mehr, und sie sind bei Seitenwind schwerer zu beherrschen als Laufräder mit flachen Felgen. Weht der Wind böig oder verwirbeln vorbeifahrende Autos die Luft, fährt man mit Aero-Rädern unfreiwillig Schlangenlinien und muss den Lenker fester packen, weil vor allem das Vorderrad das Fahrverhalten deutlich beeinflusst.
Natürlich bieten viele Hersteller ihre Laufräder auch mit niedrigeren Felgen an - aber das ist dann eben auch weniger schnell (und schick). Welche Felgenhöhe bietet also den besten Kompromiss aus Aerodynamik und Fahrverhalten? Und entscheidet wirklich nur die Höhe, oder spielt auch die Form der Felge eine Rolle?
Um diese Fragen zu beantworten, treten fünf große Hersteller mit je drei verschieden hohen Laufrädern an. Und weil der Markt voll ist mit unbekannten, im Vergleich dazu billigen Laufradmarken, haben wir das Testfeld um zwei günstige Sätze von Direkt-Importeuren und ein Selbstbau-Kit ergänzt. Darüber hinaus haben wir den Laufradsatz 58 Aero von Reynolds mitgetestet, dessen Felge eine komplett andere Form aufweist als andere Aero-Felgen.
Der Test im Windkanal
Der erste Test erfolgt im GST-Windkanal in Immenstaad. Wir testen die Laufräder in unserem Referenzrad mit Alu-Rundrohr-Rahmen, das wir zur besseren Vergleichbarkeit bei allen Tests dieser Art einsetzen. Weil unser Fahrer-Dummy in die Pedale treten kann, umströmt der Fahrtwind die Laufräder sehr realitätsnah.
Durch einen neuen Aufbau des Tests - mit einer zusätzlichen Waage unter der Vorderradaufhängung - können wir erstmals auch den Einfluss des Seitenwinds messen, also die Kräfte, die der Fahrer in der Lenkung spürt, wenn der Wind schräg auf das Rad trifft.
Mavic: Innovation und Tradition
Mit etlichen Innovationen rund ums Laufrad hat sich Mavic einen festen Stand im Rennrad-Markt erarbeitet. Zum Firmenjubiläum gibt es eine limitierte Auflage von Laufrädern.
Dieses Jahr feiert das französische Unternehmen einen runden Geburtstag: 125 Jahre sind seit Gründung vergangen. Gefeiert wird dies unter anderem mit einem limitierten Top-Modell des Systemlaufradsatzes aus der Ksyrium-Reihe. Innovatives neues Merkmal ist die komplett überarbeitete Alu-Felge. Die bisher sehr kantige Form mit gefrästen Aussparungen weicht einem aufwendig dreidimensional überfrästen, rundlichen Profil, das nicht nur leichter ist, sondern auch eine deutlich bessere Aerodynamik bieten dürfte.
Im Vorderrad drehen sich 18 Alu-Messerspeichen um die sonnengelben Nabenflansche, hinten bestehen von 20 Speichen die zehn linken, radial angeordneten, aus Carbon.
Mavic Ksyrium 125: Ein genauerer Blick
Der Laufradsatz überzeugt mit guten Steifigkeitswerten (45/48 N/mm vorn/hinten) und ist sehr leicht: Mit 1.410 Gramm (ohne Reifen und Schnellspanner) gehören die Ksyrium 125 zu den leichtesten Alu-Laufradsätzen am Markt. Die Exalith-Bremsflanken ermöglichen hohe Bremskräfte, anfängliche laute Quietschgeräusche wie bei den ersten Exalith-Varianten stellten wir bei den neueren Modellen seit 2013 nicht mehr fest.
Weiterhin werden die Räder mitsamt Reifen verkauft, die neuerdings bei Hutchinson gefertigt werden und bei unserer Testfahrt hinsichtlich Grip und Leichtlauf einen deutlich besseren Eindruck hinterließen; ein Labor-Test steht allerdings noch aus. Von den 6.000 gefertigten Sätzen werden 500 nach Deutschland geliefert, jeder Satz ist mit einer Lasergravur nummeriert.
Allround-Laufräder im Fokus
Dieser Test umfasst die „goldene Mitte“. Im allgemeinen Sprachgebrauch beschreibt diese Phrase eine gemäßigte Lösung zwischen zwei Extremen oder, anders gesagt, einen vernünftigen Kompromiss. Dies trifft auf die Laufrad-Modelle dieses Testfeldes zu: Es geht darin um Modelle, die für den goldenen Mittelweg stehen - Allround-Laufräder mit Felgenhöhen von 24 bis 35 Millimetern. Die mittelhohen Felgen sind meist recht leicht, schon etwas aerodynamisch-optimiert und preislich in der Regel noch in einem attraktiven bis vertretbaren Rahmen.
Die Ausgangsfragen zu diesem Test lauteten: „Wie aerodynamisch sind Felgenbremsen-Laufräder mit halbhohen Felgen? Eher mäßig wie bei flachen Ausführungen? Diese Fragen beantworteten wir mit aufwendigen Versuchsreihen im GST-Windkanal in Immenstaad am Bodensee. Hier prüften wir die aerodynamischen Qualitäten der elf Testmodelle.
Aerodynamik und ihre Bedeutung
Fakt ist: Der gesamte Luftwiderstand eines Radfahrers wird in der Regel zu 75 Prozent vom Fahrer und zu 25 Prozent von seinem Rennrad erzeugt. Die beiden Laufräder sind demnach als Teil des Rennrades nur mit acht Prozent am gesamten Luftwiderstand beteiligt. Betrachtet man ausschließlich die Laufräder, so sind die Strömungsverluste zu 80 Prozent dem Vorderrad zuzuschreiben und nur zu 20 Prozent dem Hinterrad, da es sich im Windschatten des Sitzrohres dreht.
In unserem Versuchsaufbau wurden die Vorderräder in eine Halterung, ähnlich einer Gabel, eingespannt. Die Verlustleistung der Halterung selbst wurde herausgerechnet. Die Windgeschwindigkeit im Kanal betrug 45 Kilometer pro Stunde, die klassische Bezugsgeschwindigkeit für Zeitfahrer und Triathleten. Jedes Laufrad wurde mit derselben Geschwindigkeit über eine Walze angetrieben. Für jede Messung zogen wir den gleichen Reifen auf, einen Continental GP 5000, da selbst unterschiedliche Reifen gleichen Typs die Ergebnisse um bis zu ein Watt beeinflussen können. Die Messtoleranz betrug +/- 0,2 Watt.
Bei den Messungen im Windkanal dreht sich der komplette Versuchsaufbau seitlich von minus nach plus 20 Grad, um auch die Seitenwindverhältnisse abzubilden. Das Auswertungs-Programm von GST berechnet die „gewichtete Leistung“ in Abhängigkeit von den Anströmwinkeln. Dies bedeutet, dass jeder einzelne Winkel mit der dazugehörigen Leistung in dem Maße prozentual gewichtet wird, wie er im Praxiseinsatz auf der Straße vorkommt. Null Grad wird am häufigsten vorkommen und viel höher gewichtet werden als etwa 20 Grad. In unseren Testbriefen und Berechnungen arbeiten wir mit den gewichteten Leistungen.
In unserem Versuchsaufbau ergaben sich für die elf Vorderräder Leistungen von 14,1 bis 21,6 Watt - bei 45 km/h. Eine weitere wichtige Frage lautet: Um wie viel schneller sind die halbhohen Laufräder im Vergleich zu flachen Varianten mit Felgenhöhen von 21 Millimetern? Als Referenz wählten wir den Satz „PR 1400 Dicut 21 Oxic“ von DT Swiss mit seiner 21-Millimeter-Felgenhöhe. Diese Wahl ist auch deshalb interessant, da dieser Laufradsatz baugleich auch mit 32 Millimeter hohen Felgen angeboten wird und auch in dieser Variante im Testfeld vertreten ist.
Materialien und Preisklassen
Bei diesem Test sind alle drei Bauweisen vertreten: Aluminium- und Carbonfelgen sowie ein Laufrad-Satz in einer Hybrid-Ausführung, bei der auf die Alufelge innen ein Aero-Ring aus Carbon geklebt wird. Vier der Alufelgen sind beschichtet, um für ein besseres Bremsverhalten zu sorgen, besonders bei Nässe. Als obere Preisgrenze wählten wir 1800 Euro - die günstigsten Sätze kosten rund 400 Euro.
Die Laufradsätze „Ksyrium“ von Mavic und „Shamal Mille“ von Campagnolo fanden ihren Weg in diesen Test unter anderem deshalb, weil ihre Alufelgen beschichtet und somit auf ein gutes Bremsverhalten ausgelegt sind. Als überlegener Sieger im Windkanal erwiesen sich die Leeze „CC 35 Road Waso“. Auf den Plätzen zwei und drei folgen die Citec „3000 S Aero“ und die Equator „30C tlr“. Diese drei Laufradsätze wurden konsequent als Aeromodelle entwickelt.
Generell ist auffällig, dass vier der Test-Laufräder Felgenbreiten von nur 21 Millimeter aufweisen - während die Breiten der anderen Modelle zwischen 23 und 27 Millimetern liegen. Für diese schmalen Felgen, kombiniert mit den nominell 25 Millimeter breiten Continental-GP-5000-Reifen, ergibt sich somit ein aerodynamischer Nachteil. Das Ergebnis: fast zwei Watt Ersparnis - bei 45 km/h.
Mit den 23-Millimeter-Reifen hätten sich die Laufräder von DT Swiss, Swiss Side und Shimano in der Aerodynamik-Wertung deutlich verbessert, allerdings mit leichten Abstrichen in Sachen Komfort, Rollreibung und Verhalten in Kurven. Der nominell 25 Millimeter breite Continental-Reifen baut auf der DT-Swiss-Felge 24, und auf der Equator-Felge ganze 26 Millimeter breit auf.
In einer Zusatzmessung verglichen wir diese Reifen mit dem GP 5000. Die mit dem Mavic-Laufrad „Cosmic Elite“ gelieferten Mavic-Reifen „Yksion Pro UST“ benötigen 1,1 Watt weniger am Vorderrad als der Conti, schneiden also besser ab.
Die Auswirkungen in der Praxis
Doch wie wirken sich solche Aerodynamik-Vorteile in der Praxis aus? Unter der erwähnten Annahme, dass das Hinterrad am Gesamt-Luftwiderstand eines Laufradsatzes mit 20 Prozent beteiligt ist, ergibt sich für den Aero-Sieger Leeze eine gesparte Leistung von 7,5 Watt bei 45 km/h und gegenüber den Referenz-Laufrädern: sechs Watt am Vorderrad und 1,5 Watt am Hinterrad.
Um eine Geschwindigkeit von 45 km/h zu halten - in der Unterlenkerposition und mit gestreckten Armen - muss ein Fahrer rund 430 Watt leisten. Oder: Man münzt den Leistungsgewinn in eine höhere Geschwindigkeit um - etwa dadurch, indem man 45,3 statt 45,0 km/h schnell fährt, bei gleicher Leistung.
In den Testbriefen geben wir den rechnerischen Zeitgewinn auf 100 flachen Kilometern an sowie die „neue“ erhöhte Geschwindigkeit - jeweils bezogen auf die Referenzwerte und auf 35 beziehungsweise 45 km/h.
Seitensteifigkeit und Beschleunigung
Die Seitensteifigkeit beschreibt, wie belastbar Laufräder bei einer seitlichen Krafteinwirkung sind. Waagerecht eingespannt hängten wir ein Fünf-Kilo-Gewicht, was rund 49 Newton entspricht, an die Felgen und hielten mit einer Messuhr die seitliche Auslenkung fest. Ergo: Man benötigt eine recht große Kraft von 30 Newton, rund drei Kilogramm, um die Felge um einen Millimeter seitlich zu bewegen. Demnach gilt: Größere Werte sind hier besser.
In der Praxis macht sich eine hohe Seitensteifigkeit bemerkbar: Das Vorderrad „läuft“ Spurrillen nicht hinterher und das Einlenken in Kurven erfolgt präziser und direkter. Die Auswirkungen einer geringen Steifigkeit sind immer auch abhängig vom Fahrergewicht und vom Neigungswinkel.
Die besten Seitensteifigkeiten finden sich bei den beiden Laufrädern von DT Swiss sowie den Modellen Mavic Ksyrium, Shimano Dura Ace und Swiss Side Pion. Jedoch bietet Leeze einen individuellen Aufbau an: Je nach Fahrertyp und Einsatzzweck können mehr oder dickere Speichen verbaut werden. Bei Citec wird generell eine zweite Variante mit mehr Speichen angeboten: statt 14/21 auch 16/21 Speichen.
Bei der Beschleunigung geben wir die Energie in Joule an, die nötig ist, um ein Laufradpaar von null auf 30 Kilometer pro Stunde zu beschleunigen. Je kleiner der Energiewert, desto besser ist die Beschleunigung. Die Messwerte lagen zwischen 27 und 38 Joule. Bereits Differenzen von drei Joule machen sich im direkten Praxis-Vergleich klar bemerkbar, etwa beim Beschleunigen und bei der Wendigkeit.
Bremsverhalten
Um reproduzierbare Werte zu erhalten, nutzten wir für dieses Test-Prozedere nur die vordere Felgenbremse. Um das Nassbrems-Verhalten zu bestimmen, besprühten wir die Felgen vorher mit Wasser. Beim Bremsverhalten glänzten die beschichteten Felgen von DT Swiss, Campagnolo und Mavic - mit deutlichem Abstand. Diese ist besonders hart, wodurch sich eine häufig mehrfache Lebensdauer ergibt.
Bezogen auf das Bremsverhalten von Carbonfelgen überraschte das Modell von Leeze mit einem guten Ergebnis.
Verfügbarkeit als Disc-Variante
Die meisten Test-Modelle sind auch als Disc-Varianten erhältlich. In diesen findet sich meist eine größere Anzahl gekreuzter Speichen - was oft zu etwas höheren Seitensteifigkeiten führt.
Die Mavic Cosmic Pro Carbone Exalith im Detail
Das Mavic Cosmic Pro Carbone Exalith Laufrad-Reifen-System aus Carbon mit Exalith-Technologie - jetzt noch leichter, noch dynamischer und mit optimierter Aerodynamik.
Features:
- Der beste Mix aus geringem Luftwiderstand und hoher Seitenwind-Stabilität: 45 mm hohes NACA Aero-Felgenprofil für weniger Luftwiderstand unter allen Bedingungen, 25 mm Felgenbreite für ideale Integration der 25-mm-Reifen, niedrigen Luftwiderstand und einfaches Handling bei Seitenwind, Patentierte elliptische Speichen für noch bessere Aerodynamik
- Maximale Effizienz und Leichtgewicht: Felge mit 17 mm Innenbreite für weniger Rollwiderstand mit 25-mm-Reifen, Der Instant Drive 360-Freilauf sorgt für geschmeidigen Kraftschluss und mehr Speed, Nur 1650 g / Paar garantieren beste Klettereigenschaften
- Mit Exalith-Behandlung für optimale Brems-Effizienz und eleganten Look Um durchschnittlich 18% kürzere Bremswege bei nassen und trockenen Bedingungen, Weniger Felgen-Verschleiss sorgt für höhere Langlebigkeit - und das schwarze Finish bleibt über tausende von Kilometern erhalten
Technische Daten:
| Komponente | Details |
|---|---|
| Naben | Freilauf: Instant Drive 360, Nabenkörper: Aluminium, Achs-Material: Aluminium |
| Felgen | ETRTO-Größe: 622x17c, Bremsflanken: Exalith 2, Material: Maxtal und Carbon (12K), Profilhöhe: 45 mm |
| Speichen | Speichennippel: Aluminium, selbstsichernd, Speichen: gerade, mit Aero-Profil, konifiziert, Material: Stahl |
| Reifen | Reifendimension: 25-622 (700x25c), Yksion Pro GripLink (VR) & PowerLink (HR), Gummimischung: Single Compound |
Technologien:
- Instant Drive 360: Das Instant Drive 360-Freilauf-System ist superleicht und sorgt mit nur 9° Eingriffswinkel für schnellen Kraftschluss.
- Maxtal: Leicht und stabil: Die exklusiv für Mavic hergestellte Aluminiumlegierung bietet ein höheres Festigkeit/Gewichts-Verhältnis als herkömmliches 6106 Aluminium.
- SUP: Stabilerer und glatterer Felgenstoss: Der Felgenstoss wird verschweisst und anschliessend überfräst, um eine gleichmässige Bremsfläche zu erzielen.
- ISM: Geringere Trägheit: Inter Spoke Milling. Eine leichtere Felge und kein Stei?gkeitsverlust - das ist die Zauberformel, um gleichzeitig die Trägheit zu verringern und die Klettereigenschaften deutlich zu verbessern.
- Exalith 2: Beste Brems-Performance: Die Mavic-exklusive Exalith 2-Technologie für Aluminium-Felgen wurde weiter verfeinert, um besonders hohe Langlebigkeit und bestmögliche Bremsfunktion unter allen (Wetter-)Bedingungen zu gewährleisten.
- Isopulse: Diese spezielle Einspeichung (rechts radial, links 2fach gekreuzt) erhöht die Stabilität der Laufräder und sorgt für optimale Kraftübertragung - dank gleichmässigerer Speichenspannung am linken und rechten Naben?ansch.
- Griplink: Grip und Kontrolle: Ein guter Vorderreifen, ob Draht- oder Schlauchreifen, muss für maximalen Kurvenhalt und Kontrolle sorgen.
- Powerlink: Geringer Rollwiderstand: Ein guter Hinterreifen, ob Draht- oder Schlauchreifen, muss für optimale Kraftübertragung und maximalen Speed sorgen.
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