Mavic Laufräder Felgenbremse im Test: Ein umfassender Überblick

Mit zahlreichen Innovationen im Bereich Laufräder hat sich Mavic einen festen Platz im Rennradmarkt erarbeitet. Das französische Unternehmen feiert dieses Jahr sein 125-jähriges Jubiläum, unter anderem mit einem limitierten Top-Modell des Systemlaufradsatzes aus der Ksyrium-Reihe. Ein innovatives Merkmal ist die komplett überarbeitete Alu-Felge. Die bisher kantige Form mit gefrästen Aussparungen wurde durch ein aufwendig dreidimensional überfrästes, rundliches Profil ersetzt, das leichter ist und eine bessere Aerodynamik bieten soll.

Technische Details und Performance

Im Vorderrad drehen sich 18 Alu-Messerspeichen um die sonnengelben Nabenflansche, während hinten von 20 Speichen die zehn linken, radial angeordneten, aus Carbon bestehen. Der Laufradsatz überzeugt mit guten Steifigkeitswerten (45/48 N/mm vorn/hinten) und einem geringen Gewicht von 1.410 Gramm (ohne Reifen und Schnellspanner), was die Ksyrium 125 zu einem der leichtesten Alu-Laufradsätze auf dem Markt macht. Die Exalith-Bremsflanken ermöglichen hohe Bremskräfte, wobei anfängliche Quietschgeräusche, die bei früheren Exalith-Varianten auftraten, seit 2013 nicht mehr festgestellt wurden.

Die Räder werden mitsamt Reifen verkauft, die neuerdings von Hutchinson gefertigt werden und einen besseren Eindruck hinsichtlich Grip und Leichtlauf hinterließen. Von den 6.000 gefertigten Sätzen werden 500 nach Deutschland geliefert, jeder Satz ist mit einer Lasergravur nummeriert.

Aero-Laufräder im Test: Kompromisse und Vorteile

Aero-Laufräder bieten einen Geschwindigkeitsvorteil, doch es gilt, einen optimalen Kompromiss aus Aero-Vorteilen, niedrigem Gewicht und geringer Seitenwindanfälligkeit zu finden. Die goldene Mitte bilden hier in der Regel Varianten mit Felgenhöhen zwischen 45 und 55 Millimetern. In diesem Test wurden Modelle mit Felgenhöhen zwischen 55 und 65 Millimetern betrachtet, mit einer Preisspanne von 899 bis 2700 Euro. Alle getesteten Laufräder sind mit Carbonfelgen aufgebaut und für Scheibenbremsen ausgelegt.

Auch mit diesen Aero-Laufrädern geht man Kompromisse ein: Bedingt durch die Felgenhöhe, können sie zum Beispiel nicht extrem leicht sein. Zudem nimmt die Seitenwind-Empfindlichkeit spürbar zu.

Windkanaltests und Messmethoden

Die Aerodynamik-Messungen wurden im GST-Windkanal in Friedrichshafen durchgeführt. Im Mittelpunkt standen die Parameter Luftwiderstand und Seitenwind-Empfindlichkeit. Die Testmodelle wurden mit einem Referenzlaufradsatz verglichen: dem DT Swiss E 1800 Spline mit 23 Millimeter hohen Alufelgen und einem Gewicht von 1697 Gramm.

Die Messungen wurden mit einer Windgeschwindigkeit von 45 Kilometern pro Stunde durchgeführt, wobei die Räder mit der gleichen Geschwindigkeit durch eine Walze angetrieben wurden, um realistische Verhältnisse zu erhalten. Um auch Seitenwindverhältnisse beurteilen zu können, dreht sich der Prüfstand während der Messung von plus nach minus 20 Grad.

Ergebnisse der Windkanaltests

Das Auswertungsprogramm von GST ermittelte die benötigte Leistung, um den Luftwiderstand bei 45 km/h zu überwinden. Die Messwerte lagen hier zwischen 11,5 und 15,7 Watt. Die 11,5 Watt wurden von dem "Aero-Sieger"-Modell dieses Tests erzielt, den Swiss Side Hadron² Ultimate 625 Disc. Der Referenzlaufradsatz erzielte hier 19,4 Watt, der "Aero-Sieger" Swiss Side 10,4 Watt - damit zeigte sich ein Leistungsgewinn von ganzen neun Watt bei 45 Kilometern pro Stunde.

Mit dem Aero-Testsieger Swiss Side würde man nun mit 45,43 km/h statt der Basisgeschwindigkeit von 45 km/h fahren.

Seitenwind-Empfindlichkeit

Mit zunehmender Felgenhöhe steigt die Seitenwind-Empfindlichkeit. Der GST-Windkanal weist hier einen "Lenkmoment-Beiwert" für die Vorderräder aus: Je größer dieser Wert ist, desto stärker beeinflusst der Seitenwind das Lenkverhalten. Die Grafik "Lenkmomentbeiwert" zeigt, dass höhere Felgen empfindlicher auf Seitenwind reagieren. Die 65-Millimeter-Modelle weisen gegenüber den flacheren Felgen mit 50 bis 55 Millimetern Höhe einen rund doppelt so großen Lenkmomentbeiwert auf.

Gewicht und Seitensteifigkeit

Leichte Laufräder beschleunigen besser und haben bei höhenmeterreichen Touren und Radmarathons Vorteile. Testsieger beim Gewicht wurden die Aero-Laufräder von Newmen mit 1429 Gramm - gefolgt von den Engage-, 1487, und den Specialized-Roval-Modellen mit 1503 Gramm. In beiden Laufrädern der Marke Newmen befinden sich jeweils 21 Carbon-Speichen, was eine Gewichtsersparnis von 140 Gramm bedeutet.

Die besten Seitensteifigkeiten lieferten die Modelle von DT Swiss, Edvelo und Swiss Side mit je 24 Speichen - sowie die Newmen mit ihren 21 Carbon-Speichen.

Weitere Testkriterien

Ein weiteres Kriterium ist das Innenmaß der Felgen, die Maulweite - üblich sind Maße zwischen 19 und 21 Millimetern. Mit der Zunahme der Maulweite nimmt auch die effektive Reifenbreite zu und damit auch der Komfort.

Fast alle Hersteller geben für ihre Laufräder je ein maximal zugelassenes Gewicht an. Das Fahrergewicht ist selbsterklärend, das Systemgewicht beinhaltet Fahrer, Rennrad, Trinkflaschen und etwaiges Gepäck.

Weitere Laufrad-Modelle im Detail

Neben den bereits erwähnten Modellen wurden auch weitere Laufräder getestet, darunter:

  • Cadex 36: Leichter und stabiler Satz mit Carbonspeichen, breiter, hakenloser Felge und Keramiklagern.
  • Cadex 50 Ultra: Aerodynamisch optimiert mit flächigen Aero-Speichen.
  • Campagnolo Bora WTO 33: Leicht, steif und schnell, mit guter Bremsleistung, aber lautem Pfeifen beim Bremsen.
  • DT Swiss PRC 1400 Spline 35: Ausgewogener Fahreindruck mit guter Beschleunigung und präziser Lenkung.
  • Easton EA90 SL: Leicht, steif und komfortabel mit tollem Bremsverhalten.
  • Mavic Ksyrium Pro UST: Sehr leicht und sportlich mit großem Lieferumfang und Tubeless-Vollausstattung.
  • DT Swiss PR 1400 Dicut Oxic 21: Leicht, steif und schnell mit dauerhaft schwarzer Bremsflanke.

Spezielle Laufrad-Systeme und Technologien

Einige Hersteller setzen auf spezielle Technologien und Systeme, um die Performance ihrer Laufräder zu optimieren. Dazu gehören:

  • Carbonspeichen: Sie sind leichter und steifer als Stahlspeichen, was zu einer höheren Stabilität und einem geringeren Gewicht führt.
  • Hookless-Felgen: Sie ermöglichen eine einfache Montage von Tubeless-Reifen und bieten eine bessere Aerodynamik.
  • Keramiklager: Sie reduzieren die Lagerreibung und sparen somit Energie.
  • UST (Universal System Tubeless): Ein von Mavic entwickeltes Tubeless-System, das eine einfache und sichere Montage von Tubeless-Reifen ermöglicht.

Aluminium-Laufräder: Eine bewährte Alternative

Aluminium ist ein bewährtes Material im Radsport, das zu leistungsstarken, zuverlässigen und erschwinglichen Bikes beigetragen hat. Laufräder aus Aluminium zeichnen sich durch ihre Robustheit, Stossunempfindlichkeit und gute Brems-Performance aus. Sie bieten eine gleichmässigere und berechenbarere Bremswirkung als Carbon-Laufräder, besonders bei nassen Bedingungen.

Mavic Allroad S 2024: Fokus auf Gravel

Die Neufassung des Mavic Allroad ist mit breiterer Felge noch einmal stärker in Richtung "Gravel" ausgerichtet. Der neue Radsatz verfügt über breitere Felgen mit 25 statt 22 mm Maulweite und ist auf mindestens 30 mm breite Reifen zugeschnitten. Die Felgenflanken sind "hookless" ausgeführt, was die Montage von Schlauchlosreifen erleichtert. Im Fahrbetrieb erweisen sich die Allroad S als unauffällig, mit hoher Steifigkeit und direktem Ansprechverhalten. Mit einem Gewicht von 1.870 Gramm und einem Preis von 529 Euro ist der Mavic Allroad S eine attraktive Option für Gravel-Enthusiasten.

Felgenbrems-Laufräder: Eine aussterbende Spezies?

Die Tage der Felgenbremse scheinen gezählt, da die Scheibenbremse immer häufiger die tragende Rolle übernimmt. Dennoch gibt es weiterhin eine große Auswahl an Felgenbrems-Laufrädern auf dem Markt. ROADBIKE hat 20 Modelle in drei Preiskategorien getestet: um 600 Euro, um 1000 Euro und um 2000 Euro. Die Ergebnisse zeigen, dass es auch für Freunde der klassischen Radverzögerung noch hervorragende Produkte gibt.

Testergebnisse im Überblick

Die Testergebnisse zeigen, dass die teureren Laufradsätze um 2000 Euro mit Carbon-Felgen, top Steifigkeitswerten und Spitzenwerten bei Gewicht und Trägheitsmessungen überzeugen. Die besten Vertreter der Preisklasse um 1000 Euro bleiben jedoch auf Schlagdistanz, und selbst die Modelle um 600 Euro schlagen sich wacker.

Testergebnisse ausgewählter Laufräder
Laufrad Preis (ca.) Gewicht (LRS) Seitensteifigkeit (v/h) Wertung
Cadex 42 Tubeless 2599 Euro 1273 g 112/106 Nm/° Überragend (93 Punkte)
Rose RC Fifty Carbon 1499 Euro 1374 g 99/94 Nm/° Überragend (95 Punkte)
Easton EA90 SL 1098,80 Euro 1482 g 107/96 Nm/° Überragend (95 Punkte)
Mavic Ksyrium Pro UST 949 Euro 1438 g 98/92 Nm/° Sehr Gut (82 Punkte)

Fazit

Der Test zeigt, dass es eine Vielzahl von hervorragenden Laufrädern mit Felgenbremsen auf dem Markt gibt, sowohl aus Aluminium als auch aus Carbon. Die Wahl des richtigen Laufradsatzes hängt von den individuellen Bedürfnissen und Vorlieben des Fahrers ab, sowie von seinem Budget und dem Einsatzzweck des Rades.

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