Michelin Harley Davidson Reifen im Test: Ein umfassender Überblick

Reifen sind ein entscheidender Faktor für das Fahrerlebnis und die Sicherheit, oft als das "schwarze Gold" bezeichnet, da sie die Verbindung zwischen Fahrer und Straße darstellen. Michelin hat seine neuesten Entwicklungen im Reifensegment vorgestellt, und wir haben die Gelegenheit genutzt, diese in der Praxis zu testen.

Michelin Power GP2: Von der Rennstrecke auf die Straße

Der Michelin Power GP2 zielt darauf ab, sowohl ambitionierte Straßenfahrer als auch Trackday-Besucher anzusprechen. Dieser Reifen ist für Fahrer konzipiert, die gelegentlich "Just for Fun" auf der Rennstrecke unterwegs sind und keine Reifen wechseln, keine Reifenwärmer verwenden oder ständig Temperatur und Luftdruck überwachen möchten.

Durch den Silica-Anteil erreicht der Reifen schnell Betriebstemperatur, idealerweise zwischen 30 und 50 Grad Celsius. Um eine Überhitzung zu vermeiden, wurde beim GP2 auf ein geringes Negativprofil geachtet. Mehr Profil bedeutet weniger Auflagefläche, mehr Abrieb an der Profilkante und Einbußen bei der Laufleistung, während zu wenig Profil die Nassperformance beeinträchtigt. Der Michelin Power GP2 ist ein Voll-Silica-Reifen, was Vor- und Nachteile mit sich bringt: Einerseits ist der Reifen bei niedrigeren Temperaturen fahrbar, andererseits neigt er schneller zum Überhitzen.

Technologie und Fahreindrücke

Im GP2 steckt die 2CT+ Technologie, bei der in der Mitte der Lauffläche eine härtere Gummimischung verwendet wird als auf den Flanken, um eine längere Laufleistung zu gewährleisten. An den Flanken kommt eine weichere Gummimischung zum Einsatz, um maximale Schräglage zu ermöglichen. Am Vorderreifen beträgt das Verhältnis 48 % härtere Mischung zu 2 x 26 % weichere Mischung, am Hinterreifen 44 % zu 2 x 28 %, was den Kurvenspeed erhöht. Eine große Neuerung ist die Karkasse.

Wir sind den Reifen in Spanien bei 17 Grad Außentemperatur auf der Rennstrecke mit verschiedenen Supersport- und Naked Bikes gefahren. Auf einer BMW S1000R mit einem Luftdruck von 2,1 Bar vorne und 1,9 Bar hinten (ohne Heizdecken) konnte der Reifen schnell seine Betriebstemperatur erreichen. Das Einlenkverhalten war gut, und der Reifen gab spürbares Feedback, wenn er den Haftkreis verließ. Das Vorderrad wurde etwas schwammig, verlor aber nicht plötzlich den Grip. Die Traktionskontrolle wurde aktiv, wenn der Reifen warm war und das Gas schnell geöffnet wurde. Trotz des serienmäßigen Fahrwerks der Testbikes zeigte der GP2 eine gute Performance und das Reifenbild blieb in Ordnung.

Der Michelin Power GP2 ist ein straßenzugelassener Rennreifen, der sich für schnelle Runden und ambitionierte Straßenfahrer eignet. Die Nassperformance konnte leider nicht getestet werden, dürfte aber nicht die Stärke des Reifens sein.

Michelin Power 6: Für den sportlichen Alltagsfahrer

Der Power 6 ist die Weiterentwicklung des Power 5 und richtet sich an sportliche Alltagsfahrer. Er verfügt über 11 % Negativprofil im Vergleich zu 6,5 % beim GP2. Michelin setzt weiterhin auf eine Voll-Silica-Mischung, die eine höhere Beweglichkeit auf molekularer Ebene ermöglicht und somit eine bessere Haftung bei Nässe und mehr Sicherheit bei kühlen Temperaturen bietet.

Auch im Power 6 kommt die 2CT+ Compound Technology zum Einsatz. In der Mitte der Lauffläche befindet sich eine härtere Gummimischung für längere Laufleistung, während an den Flanken eine weichere Mischung für mehr Schräglage sorgt. Am Vorderreifen beträgt das Verhältnis 68 % härtere Mischung zu 2 x 16 % weichere Mischung, am Hinterreifen 55 % zu 2 x 22,5 %. Optisch entfernt sich der Power 6 weiter vom Tourenreifen Road 6.

Fahreindrücke des Power 6

Der größte Unterschied liegt meiner Meinung nach beim Vorderreifen. Hier ist das Einlenkverhalten spürbar leichter, denn hier setzte die Entwicklungsabteilung ihre Hauptarbeit an.

Michelin Anakee Road: Der Straßenreifen für Big Enduros

Der Anakee Road ist ein Straßenreifen mit größerem Negativprofil, der speziell für Big Enduros entwickelt wurde, die hauptsächlich auf Asphalt bewegt werden. Er schließt die Lücke im Anakee-Reifensortiment und deckt mit Wild, Adventure und dem neuen Road nun alle Einsatzbereiche ab.

Auch hier kommen eine Voll-Silica-Mischung und die Dual-Compound-Technologie zum Einsatz. Technisch gesehen ist der Anakee Road dem Road 6 sehr ähnlich. Den Road 6 gibt es nicht in Enduro-Dimensionen, den Anakee Road hingegen schon sogar bis 21 Zoll.

Michelin Scorcher 31: Ein beliebter Chopper-Reifen im Test

Der Michelin Scorcher 31 ist einer der beliebtesten Chopper-Reifen und gehört bei Harleys zur Erstausrüstung. Im Test wurden Grip, Komfort und Laufleistung besonders berücksichtigt.

Der Grip auf trockener Straße ist sehr gut, und der Reifen erreicht schnell seine Betriebstemperatur. Auch in Kurven und beim sportlichen Fahren bietet er viel Grip. Im Nassen zeigt der Scorcher 31 jedoch Schwächen. Bei Regen und nasser Fahrbahn ist der Grip schlecht, und jeder Gasstoß provoziert das Ausbrechen des Hinterrads.

Die Bremseigenschaften sind gut, und der Fahrkomfort ist besonders hoch. Die Laufleistung ist nahezu perfekt, wobei entspannte Fahrer mit dem Reifen locker 10.000 Kilometer schaffen können. Am Hinterrad sind sogar bis zu 15.000 Kilometer möglich, während der Vorderreifen meist nach 5.000-6.000 Kilometern ausgetauscht werden muss.

Viele Harley Davidson Fahrer sind zufrieden mit dem Scorcher 31, sofern man nur an trockenen Tagen unterwegs ist. Bei Nässe ist jedoch Vorsicht geboten.

Fazit zum Michelin Scorcher 31

Der Michelin Scorcher 31 überzeugt mit mächtig Grip im Trockenen, einem sehr hohen Fahrkomfort und guten Bremseigenschaften. Bei Nässe ist er jedoch nicht wirklich gut, weshalb Vorsicht geboten ist.

Weitere Reifenalternativen und Erfahrungen von Fahrern

Neben den Michelin Reifen gibt es auch andere empfehlenswerte Optionen für Harley Davidson Motorräder. Einige Fahrer haben positive Erfahrungen mit dem Metzeler Cruisetec gemacht, der im Vergleich zum Dunlop ein Quantensprung im Handling und in der Spurtreue sein soll. Auch der Continental Milestone wurde für seinen guten Grip bei Regen gelobt, obwohl er nicht sehr langlebig ist.

Es ist wichtig zu beachten, dass die Erfahrungen und Präferenzen der Fahrer variieren können, und es ratsam ist, verschiedene Optionen zu prüfen, um den besten Reifen für die individuellen Bedürfnisse und Fahrbedingungen zu finden.

Zusammenfassung der getesteten Reifen

Um einen besseren Überblick über die getesteten Reifen zu geben, bietet die folgende Tabelle eine Zusammenfassung der wichtigsten Eigenschaften:

Reifen Einsatzbereich Grip (trocken) Grip (nass) Komfort Laufleistung
Michelin Power GP2 Rennstrecke/Straße Sehr gut Unbekannt Gut Mittel
Michelin Power 6 Sportlicher Alltag Gut Gut Gut Hoch
Michelin Anakee Road Big Enduros (Straße) Gut Gut Gut Hoch
Michelin Scorcher 31 Chopper Sehr gut Schlecht Sehr gut Sehr hoch

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