Mini Cargo Bike Test: Leichte und spritzige Transporthelfer im Fokus

Schon seit einiger Zeit sind Transporträder total angesagt. Es gibt sie in zahlreichen Formen und Modellen. Dank Motor werden meist Kinder, aber auch Kisten locker von A nach B verfrachtet. Das Postrad ist sehr sicher das häufigste Lastenrad in Deutschland.

Motorisierte Transporter haben klare Vorteile, wie auch Postboten sicher bestätigen werden. Ohne zu schwitzen, kann man mit ihnen auch Steigungen gut erklimmen. Oder eben große Besorgungen machen.

Doch so ein E-Bike hat auch Nachteile. Der Preis liegt schnell um 2000 Euro über dem eines motorlosen Fahrrades. Dazu kommen laufende Kosten für den Strom, wenn er nicht von der eigenen Solaranlage kommt. Außerdem wiegt so ein Rad gerne 10 kg und, je nach Ausführung, auch weit mehr zusätzlich.

Ohne Frage ist jedes E-Bike, das ein Auto ersetzt, ein Gewinn für Umwelt und Gesundheit. Verzichtet man bei einem Transportrad auf den Motor, kommen nicht nur Puristen und Früher-war-alles-besser-Menschen auf ihre Kosten. Nicht jeder will oder kann das viele Geld ausgeben. Nicht jeder will oder kann einen schweren „Bock“ in Keller, Flur oder sogar Wohnung schleppen. Nicht jeder mag es, wenn der Motor bei gut 25 km/h abriegelt und man dann mit dem Gewicht alleingelassen wird.

Es gibt genug Menschen, die gerne leichte, spritzige Transporthelfer wollen. Damit liegen sie durchaus im Trend. Auch wenn der Markt und das Angebot noch relativ klein sind.

Testkonzepte im Überblick

Im Wesentlichen umfasst der Test drei Transportrad-Konzepte.

  • Typische Long Johns - langer Einspurer mit tiefer Ladefläche oder Box vorne - sind das Radlader von Cargo Bike Monkeys (CBM), das Mini Cargobike von Hagen Bikes aus Estland und das Iumentum 1890. Alle drei sind leicht gebaut und grundsätzlich mit offener Plattform konstruiert.
  • Bei CBM und Hagen Bikes entsteht mit optionalen Elementen ein geschlossener Frachtraum. Um dem Rad einen sicheren, engen Wendekreis zu verschaffen, setzen die beiden deutschen Marken auf eine hochwertige Seilzuglenkung.
  • Ebenfalls ein Long John ist das Babboe Mini. Ebenfalls per Lenkstange agieren der Filibus von Kemper, das Muli Muskel, das Omnium Mini-Max und das Yoonit Mini Cargo Bike.

Durch ihre kompakte oder leichte Bauweise und teils sehr kleinen Räder (vor allem Yoonit) bleiben die Modelle aber sehr umgänglich. Das Kemper, das Omnium und das Yoonit sind Neuinterpretationen des klassischen Bäckerrades: normaler Fahrradhauptrahmen, kleines Vorderrad und darüber eine größere Ladeplattform.

Der Kemper Filibus ist bereits vor 30 Jahren angetreten, seine klobigen Ahnen mit Frische zu ersetzen. Heute wirkt das konzeptionell sehr ähnliche Omnium frischer und moderner, was dem Filibus als Vorreiter aber zur Ehre gereicht. Yoonit bietet mit seinem umzudrehenden oder schnell austauschbaren Plattform-Korb ein innovatives Element. Mulis Modell ist wiederum ein Long John.

Aufgrund der kompakten Bauweise aber nicht auf den ersten Blick als solches zu erkennen. Noch dazu, weil sich die Front-Ladebox aus robustem Stahl-Lochblech bei Nicht-Bedarf ganz schlank zusammenklappen lässt. Ein sehr cleveres, ingeniöses Feature, mit dem das Rad sehr raumsparsam ist. Wie bei einigen anderen Modellen lässt sich zudem der Lenker quer stellen. Als einziges Longtail - normale Fahrradfront, verlängertes Heck, meist mit stabiler Sitzbank - ist das Yuba Kombi im Test. Es ist ein kompakterer Vertreter seiner Art und hier mit einer rundum geschützten Sitzbank ausgestattet.

Das elegant schlanke Omnium aus Dänemark hat seine Wurzeln im Kuriergewerbe. Da steht sportliches Tempo klar im Lastenheft. Kein Wunder, dass es mit etwas über 21 kg das leichteste Rad im Test ist. Gewichtsmäßig am anderen Ende steht das Babboe mit immerhin fast 50 kg. Seine geräumigere, auf Kindertransport ausgelegte und hier mit Wetterverdeck ergänzte Holzbox addieren sich da.

Insgesamt lässt sich aber feststellen, dass alle Räder gut und sehr stabil zu fahren sind, trotz der allgemein eher kleinen Räder an der Front. Das gilt sogar für die kompakten, doppelt klein bereiften Transporter von Muli und Yoonit.

Fahrverhalten im Test

Bei Leerfahrten sind bis auf das Hagen Bike mit sehr nervösem Frontrad alle Testräder souverän unterwegs. Auffälligere Unterschiede ergeben sich mit Beladung. Auch wenn rechnerisch bis zu 80 kg zusätzlich zu Rad und Fahrer verfrachtet werden können. In den meisten Fällen ist real das fahrbare Limit niedriger. Sei es auch nur wegen der eigenen Muskelkraft.

Als sehr stabil und beinahe Last-neutral erweisen sich das Iumentum, das CBM, das Muli und das Yoonit. Alle vier profitieren von sehr hochwertiger, stabiler Bauweise. Dazu kommt bei Muli, Iumentum und CBM ein tiefer, günstiger Schwerpunkt. Das Yoonit bleibt auch wegen des einzigartigen Lenkungsdämpfers immer fahrstabil.

Tief kann die Last auch im Babboe liegen. Der offene Hauptrahmen und das deutlich niedrigere Preisniveau resultieren aber in einer höheren, spürbaren Lastsensibilität. Dann hilft es, den Transportschwerpunkt näher an den Lenker zu bringen, sogar auf dem Kindersitz. Der beladen tiefe Schwerpunkt hilft auch dem Hagen Bike. Genauer packen sollte man seine Güter auch bei Omnium und Kemper. Je näher die Last am Lenker auf der Plattform liegt, desto besser und sicherer lassen sich die Räder fahren.

Mit nervöser Front reagiert auch das Yuba, wenn eine größere Masse (auch liegend schon) auf der Sitzbank transportiert wird. Zumal man wegen des kürzeren Hecks leicht die limitierenden 20 kg hinter der Achse erreichen kann. Viel Druck auf den Lenker oder zusätzliches Gewicht im Korb (8 kg im Test) wirken beruhigend.

So lebendig und locker die leeren Transporter teils auch im hügeligen Gelände und teils auch beladen fahren. Kommen aber reichlich Kilos und Steigung zusammen, ist doch schnell Schluss. Dadurch eignen sich die unmotorisierten Cargobikes ideal für flaches Terrain. Sei das die Stadt, das Dorf oder auch die fröhliche Ausfahrt ins Umland.

Wer Gefallen an den vorgestellten Rädern hat, sich wegen persönlicher Voraussetzungen oder Vorlieben aber schwertut mit der Motorlosigkeit, kann aufatmen. Alle Modelle im Test gibt es auch oder sehr ähnlich mit Motor.

Yoonit Electric Gates im Detail

Das Yoonit Electric ist ein Sonderfall: Es passt trotz großem Front-Ladevolumens in unseren Test-Filter “1,80 Meter Gesamtlänge”. Der Trick: extrem kleine Räder, sodass die Fracht nicht hinter, sondern über dem Vorderrad transportiert werden kann, ohne den Schwerpunkt zu hoch zu schrauben. Ein Nachteil: extrem quirliges Fahrverhalten. Das Handling sorgt dafür, dass das Rad sehr City-wendig ist, eine richtige Tour aber für viele Fahrer eher nicht infrage kommt - man ist trotz Lenkungsdämpfer fürs Lenkgestänge gut mit Korrekturen beschäftigt.

Ladungsabhängiges Fahrverhalten

Unbeladen zeigt sich der Kleine ziemlich hecklastig und nimmt beim kräftigen Ampelstart gern das Vorderrad hoch. Dabei hilft der starke EP6 von Shimano, der von Anfang an eher knackig zupackt, dabei aber nicht zu laut wird. Die elektrische 5-fach-Di2-Schaltung ist nicht perfekt für ein lebendiges Lastenrad, reicht aber in Sachen Bandbreite noch aus und harmoniert mit dem Antrieb.

Mit etwas Ladung schafft das Yoonit dann zwar ein ausgewogeneres Handling, noch immer muss man aber deutlich häufiger korrigieren als mit den anderen Rädern. Die Sitzposition ist entspannt, eher aufrecht und per Schnellverstellung gut auf diverse Körpergrößen einstellbar.

Von den Felgen bis zum Riemenantrieb ist der sauber gearbeitete Rahmen vernünftig bestückt; die hintere Magura mit 18er-Scheibe bremst sogar mit vier Kolben - da das Hinterrad viel Gewicht trägt, ist das durchaus sinnvoll.

Beim recht schwachen Frontlicht hätte man allerdings gern etwas mehr Leistung, auch erlaubt der tiefe Montagepunkt unter dem Frachtgitter keine überzeugende Ausleuchtung. Drei Ausstattungsvarianten bieten einem breiten Kundenstamm viele Möglichkeiten. Unser Smart Carrier lädt ein zum “Reinpacken und Losfahren”, eher fürs Gewerbe (Lieferanten!) und Handwerker bietet sich der Business Carrier an, und Familien können mit dem neuen Family Up glücklich werden. Kinder mögen’s kurvig.

Mit 5620 Euro (Smart Carrier) ist man nicht gerade günstig unterwegs, aber die Fangemeinde für das niedliche Lasterchen dürfte das nicht allzu sehr stören.

Fazit zum kompakten Lastenrad

Stark und schnell und spaßig: Das Yoonit ist ein flottes, flexibles Lasterchen für Kurvensucher, kann aber mehr als gedacht wegstecken.

Details zum Yoonit Electric Gates

  • Preis des angelieferten Modells: 5620€ (Basis: 5335€)
  • Rahmengrößen: Uni, für 1,60 bis 2,00 m Körpergröße
  • Zulässiges Gesamtgewicht: 190 Kilo
  • Gewicht: 30,3 Kilo (m. Träger)/Option hinten: Rack, 20 Kilogramm
  • Besonderheiten: div. Kompakt.

Kaufberatung Lastenrad: Worauf achten?

  1. Die Wahl des richtigen Lastenrads ist stark davon abhängig, wofür ihr es nutzen wollt.
  2. Habt ihr euch überlegt, was ihr transportieren wollt, bleibt die Frage, wie flexibel ihr unterwegs sein wollt.
  3. Da alle unsere Cargo-Bikes im Lastenrad Test in einem One-Size-Größenkonzept auf der Bühne erscheinen, ist vor allem entscheidend, welche Fahrer auf dem Bike Platz nehmen.
  4. Cargo-Bikes dienen in der Regel nicht nur einem Einsatzzweck, sondern können vielseitig eingesetzt werden.
  5. Dass ein Cargo-Bike Platz braucht, ist wohl jedem klar und manche Modelle mehr als andere.
  6. Euer Everybody´s Darling kommt auch bei Langfingern gut an, so viel ist jetzt schon sicher.
  7. Seid ihr eher jemand, dem es wichtig ist, ein hohes Sicherheitsempfinden auf dem Bike für euch und eure Passagiere zu haben oder sucht ihr gerne den Nervenkitzel, erkundet auch mal unausgeschilderte Feldwege ins Nirgendwo auf der Suche nach dem besten Picknick-Spot mit Aussicht?

Die Qual der Wahl: Lastenrad-Modelle im Überblick

Lastenfahrräder, auch Transporträder genannt, erfahren einen Aufschwung wie schon lange nicht mehr. Das liegt an ihren praktischen Eigenschaften und kostengünstigen Effizienz. Außerdem verfügen sie über beinahe uneingeschränkte Anwendungsgebiete. Vom Transport von Gütern aus einer beruflichen Sicht heraus, bis zum Ausflug mit den Kindern an den See, mit dem richtigen Lastenrad ist fast alles möglich.

Hier eine Auflistung einiger Bestseller-Lastenräder verschiedener Top-Marken:

Babboe

Babboe ist eine niederländische Firma, welche nach eigener Aussage Lastenräder von Eltern für Eltern kreiert. Sie steht für bezahlbare, aber qualitativ hochwertige Lastenräder. Sie legen ihre Bikes ganz für den Bedarf von jungen Familien aus und treffen damit den Zeitgeist der nachhaltigen und doch individuellen Mobilität. Das größte Modell kann bis zu 150 kg Zuladung fassen. Der Wocheneinkauf darf also auch mal größer ausfallen.

Urban Arrow

Urban Arrow ist eine hochpreisige Marke im Feld der Lastenräder. Allerdings ist der gehobene Preis in diesem Fall nur ein Abbild der hochwertigen Verarbeitung. Die verbauten Teile an den Urban Arrow Lastenrädern entstammen namenhaften Herstellern wie Bosch und haben Getriebe wie die NuVinci Schaltung. Diese ist stufenlos und lässt nervendes Kettenspringen, so wie laute Nebengeräusche beim Schalten unter Last, einfach verschwinden.

Riese & Müller

Riese & Müller ist ein Fahrradhersteller aus dem Premiumsegment. Die oft beworbene deutsche Ingenieurskunst soll bei ihren Bikes hervorstechen. In Fragen Design und Langlebigkeit versuchen sie immer wieder neue Maßstäbe zu setzen. Die Belastbarkeit der Bikes ist enorm und jedes Modell wurde für genau einen Arbeitsbereich optimiert. Auch wenn sie selbstverständlich ebenso präzise Allrounder bauen.

Harry vs Larry

Die dänische Marke Harry vs Larry baut außergewöhnliche Lastenräder. Ihre Philosophie ist es die schnellsten Lastenräder auf dem Markt zu bauen. Daher sind ihre Bikes auf das Wesentliche reduziert und können, je nach Bedarf, erweitert werden. Durch das stylische aber minimalistische Design bleiben die Lastenräder besonders leicht.

Johnny Loco

Was im ersten Moment spanisch klingt, ist eine Firma aus den Niederlanden. Johnny Loco hat sich der Idee verschrieben die Verdrängung von Autos und Lieferwagen zu beschleunigen. Dieses Ziel greifen sie mit ihren Lastenrädern an und halten sich weder beim Design noch bei der Funktionalität zurück. Auf das Äußere der Bikes wird genau so viel Wert gelegt wie auf die hochwertige mechanische Verarbeitung. Diese wird teilweise sogar noch um einen Elektro-Motor ergänzt.

Yuba

Lastenräder von Yuba gibt es für jeden Bedarf. Ob gewerblich, für die Familie mit Kindern oder sogar extra für Haustiere ausgelegt - das Zubehör lässt sich auf deine Bedürfnisse anpassen. Die französische Marke versteht es, seine Bikes als Allrounder aufzustellen. Die langen Gepäckträger bieten genug Platz für bis zu drei Kindern. Selbst Frontlader gehören heute zu ihrem Angebot. Die stabilen Lastenräder können einiges an Zuladung aufnehmen und bleiben trotz dessen wendig. Damit bist für lange Touren, genauso wie für den Wocheneinkauf, mit einem Yuba Lastenrad sehr gut ausgestattet und kannst die Fahrt genießen. Auch dein Gewissen kann sich freuen, denn selbst wenn du einen E-Motor nachrüsten möchtest, bist du mit einem Bike der französischen Marke nachhaltig und umweltschonend unterwegs.

Douze Cycles

Wer ausgefeilte Einfachheit wünscht, kommt bei Douze Cycles voll auf seine Kosten. Die Marke existiert noch nicht sehr lange, konnte aber bereits vor der Umsetzung des ersten Bikes auf Erfolge blicken. Der Gewinn eines Designpreises motivierte den Gründer der Firma, diese besonderen Bikes in den Alltag zu bringen und das Konzept umzusetzen.

Nihola

Bei der dänischen Firma Nihola wird stetig darauf geachtet, dass ihre Lastenräder so zweckmäßig wie möglich sind. Selbstverständlich wird auch auf das Aussehen der Bikes geschaut, doch ihr Hauptanliegen ist es, das Auto und den Lieferwagen überflüssig werden zu lassen. Diese Herangehensweise erkennt man auf den ersten Blick.

Winther

Die dänische Traditionsfirma Winther baut Lastenfahrräder aller Art. Ihre Philosophie basiert auf Qualität, Sicherheit und Design. Winther bietet viele verschiedene Modelle ihrer Lastenräder an, doch man merkt schnell, wie sehr es um Familien und den Transport ihrer Kinder geht.

Radkutsche

Mit der Gründung von Radkutsche kam ein neuer ambitionierter Radler ins Feld der Lastenradhersteller. Die innovativen Konzepte der deutschen Firma zeigen, welchen Weg die Lastenradbranche gehen kann. Sie steht für nachhaltige und handwerklich anspruchsvolle Lastenräder. Der Wunsch von Radkutsche ist es, gegen den Klimawandel anzukämpfen, indem sie den Individualverkehr abseits von Autos und Motorrollern erleichtern und optimieren.

Muli

Die Muli Lastenräder werden komplett in Deutschland gefertigt. Dank standardisierter Fertigungsverfahren können die Bikes ressourcenschonend, schnell und effizient gebaut werden.

LAX ONE BELT DRIVE: Ein agiles Kompakt-Bike im Fokus

Ein Cargo-Bike, das leicht, wendig und gleichzeitig alltagstauglich ist? Genau dieses Prinzip verfolgt auch das LAX ONE BELT DRIVE und platziert ein spaßiges, aber praktisches Kompakt-Bike auf dem Markt. Das LAX ONE will kein gewöhnliches Cargo-Bike sein, sondern mit der Norm brechen, die urbane Mobilität neu denken - und dabei noch praktisch bleiben.

Das LAX ONE will sich durch den Stadtverkehr schlängeln wie ein Lachs gegen den Strom - kompakt mit seinen 20-Zoll-Reifen, nur 1,60 m lang und flink genug für enge Gassen und verstopfte Straßen. LAX CYCLES ist ein Team von Fahrrad-Enthusiast*innen aus Frankfurt, die sich einer modernen, nachhaltigen Mobilität verschrieben haben. Ihr Fokus: lokale Produktion und hohe Nachhaltigkeit.

Dabei verfolgen sie das Ziel, den CO2-Fußabdruck so gering wie möglich zu halten: Dazu sollen die Bikes und Teile bestmöglich nur in Europa gefertigt werden - der Rahmen etwa entsteht direkt in Frankfurt, aus leichtem und langlebigem Chrom-Molybdän-Stahl.

Micro-Cargos im Test: Kompromisse oder Spezialisten?

Die meisten Räder erreichen ihre geringen Ausmaße durch ein oder zwei kleine Laufräder. Grundsätzlich haben kleine Laufräder Vor- und Nachteile. Sie verschleißen durch den kleineren Umfang etwas schneller, fädeln bei geringer Breite schneller in Laufrillen oder Straßenbahnschienen ein, rollen, einmal angeschoben, weniger ausdauernd und lassen sich von Unebenheiten oder Schlaglöchern leichter aus der Fassung bringen. Doch dafür sind sie leichter zu beschleunigen und bieten - in der City wünschenswert - höhere Wendigkeit.

Tendenziell sind kleinere Laufräder auch stabiler als große. Bis hinunter zu 20 Zoll halten sich die negativen Eigenschaften in Sachen Handling bei kleinen Laufrädern in Grenzen. Überragenden Geradeauslauf für Reiseeinsatz braucht man allerdings nicht zu erwarten - wobei hier unser Tern schon nahe dran ist.

Dazu haben die Räder unterschiedliche Voraussetzungen: Das Tern als kurzes Longtail also Gepäck und Gewicht vor allem über dem Hinterrad, das Yoonit als kurzes Longjohn-ähnliches Rad mit Lastenaufnahme über dem Vorderrad. (Wobei sich das Longjohn eigentlich mit Gepäck hinter der Vorderachse definiert.) Qio und Moca kann man als unterschiedliche Interpretationen des Bäckerrades sehen.

Alle Hersteller ermöglichen mit speziellem Zubehör für ihr Rad Individualisierung und Anpassung an den Nutzen. Für alle Testräder gibt es so viel davon, dass die einzelnen Optionen nicht alle in den Testkästen Platz fanden. Die Basisentscheidung: Kinder- oder Lastentransport - oder doch beides?

E-Antrieb: Mehr Bumms im Bein

Wir haben grundsätzlich E-Lastenräder getestet, denn kleine Laufräder alleine machen noch keine Leichtgewichte aus einem Lastenrad, und die Fracht bringt sich auch nicht selbst in Schwung. So sind unsere Räder mit Shimanos Mountainbike- beziehungsweise Cargo-Antrieb EP6 am Yoonit und Moca, aber auch mit Bosch-Active- oder Performance-Line-Motoren wie am Qio und am Tern mit dem Active Line ausgestattet.

Je schwerer die Fracht - und bei Yoonit oder Qio sind immerhin 180 Kilogramm Gesamtgewicht drin -, desto mehr hat der Motor zu tun. Das Qio mit dem „kleinen“ Bosch-Motor ist daher in flachen oder nur leicht hügeligen Gefilden angenehm unterwegs, während das Tern mit Bosch Performance oder das Yoonit mit den kräftigeren Shimano-Antrieben knackige Anstiege noch etwas besser bewältigt.

Grundsätzlich sollte hier das heimische Terrain schon ein Wörtchen mitreden, auch wenn die Motorkraft nicht alles ist. Begeistern kann auch der harmonische Lauf des Active Line Plus.

Fahrkomfort und Reifenwahl

Alle Räder sind ungefedert, was auch bedeutet, dass die Ladung Erschütterungen wegstecken muss. Der Fahrer bekommt davon oft weniger ab - man gleicht zum Teil beim aktiven Fahren intuitiv Bodenwellen oder Schlaglöcher aus, etwa mit Entlastung des Pos. Hier sind Bikes wie das Qio oder das Tern, aber auch das Moca mit seinen breiten Reifen im Vorteil. Sie dämpfen die stärksten Schläge ab, und die Räder haben damit noch weniger Probleme mit Kopfsteinpflaster als viele Bikes mit Federelementen.

Allerdings ist klar: Das Rad reagiert, je kleiner der Reifenumfang, tendenziell umso stärker auf Unebenheiten. Das merkt man beim Yoonit und beim Moca, auch wenn hier der etwas breitere Reifen noch mehr wegstecken kann. Auch wenn man sich beim Moca erfolgreich Gedanken darüber gemacht hat, Transport-Module so zu befestigen, dass die Ladung grundsätzlich sehr exakt gesichert ist.

Lastenräder: Wahre Größe heißt Flexibilität

Kleine Lasten- oder Kompakträder werden häufig von der ganzen Familie - oder WG - gefahren. Da zählt Passform für alle. Jedes unserer Räder passt für ein breites Spektrum, wobei kleinere Menschen auf dem Qio vergleichsweise sportlich sitzen, während die anderen Räder zu gelassenen bis ausgeglichenen Sitzpositionen einladen.

Die Lenkerverstellung mit einem Schnellspanner ist bei allen mit einer Variante des Speedlifters oder einem vergleichbar funktionierendem Produkt gegeben, sie ist einfach zu bedienen und schnell zu handhaben. Auch alle Sattelstützen sind mit einem Schnellspann-Verschluss versehen, teils sogar mit einer Skala auf der Sattelstütze, sodass jede(r) seine Sattelhöhe ohne wiederholtes Ausprobieren einstellen kann. Sehr sinnvoll!

Auf Nummer sicher geht dabei das Moca: Seine Sattelstütze ist zwar genauso flexibel handhabbar, kann aber nicht ganz aus dem Sattelrohr gezogen werden und ist damit diebstahlsicher. Hat das Rad dann auch noch den drehbaren Höhenregulierer (z.B. Speedlifter Twist), kann man es damit zum Schmalhans machen, gerade einmal so schmal wie von Pedalrand zu Pedalrand.

Aber auch dann kann man noch weitergehen: Faltpedale wie am Moca oder Qio verringern die Parkbreite nochmals um etwa 15 Zentimeter.

Schalten und walten

Bis auf das Tern Quick Haul wechseln alle unsere Testräder die Übersetzung mit Nabenschaltungen - in Sachen einfache Nutzung und Verschleißarmut sehr sinnvoll. Die fünf Gänge in der Moca-Nabe können in Sache Bandbreite zwar nicht voll überzeugen, ein starker Motor mit individualisierbaren Unterstützungsstufen (bis zu acht) hilft. Für ein Cargobike sehr gut gelöst!

Mehr Schaltkomfort - und Verschleißarmut (Riemenantrieb) bietet die Fünfgangnabe im Yoonit, auch hier kann per App die Motorunterstützung individualisiert werden, geschaltet wird elektronisch per Tastendruck oder auch halbautomatisch, etwa durch Einlegen des kleinsten Ganges beim Stopp.

Acht Gänge in der Dose machen das Qio passend für City wie Touren und dank Riemenantrieb sind sie sehr verschleißarm nutzbar. Beim Tern ist die 9-fach-Kettenschaltung, die in der City mit viel Stop and Go Nachteile in der Handhabung und auch dem Verschleiß einbringt, wohl eher einem günstigen Basis-Preis geschuldet.

Fazit: Kompakte Lastenräder im Test

Wie kompakt hätten Sie es denn gern? Der Übergang zum echten Lastenrad ist fließend: Unsere kompakten E-Cargos sind Familien- oder WG-Räder fr eine Gesellschaft, in der eigentlich fast jeder ständig etwas transportiert - und sei es nur die Aktentasche. Je relevanter die Transportfunktion und je größer und schwerer die Güter, desto näher sollte das Rad Richtung Cargobike gehen.

Das Qio und das Yoonit mit seiner langen Ladefläche stellen die beiden Pole der Kompakten dar, dazwischen liegt ein breiter, aber sehr vernünftig nutzbarer Kompromiss zwischen Alltags- und Lastenrad.

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