MIPS Fahrradhelm: Erklärung und Funktionsweise

Es ist eines der Schlagworte bei Fahrradhelmen: MIPS. Im Jahr 2024 verbauen so viele Hersteller wie noch nie die MIPS-Protektion in ihren Helmen. Doch was verbirgt sich eigentlich hinter der Abkürzung?

Was bedeutet MIPS?

MIPS ist eine Abkürzung und steht für Multi-Directional Impact Protection System. Im Wesentlichen geht es also bei diesem System darum, deinen Kopf vor Aufschlägen aus unterschiedlichen Richtungen zu schützen. Bildlich kannst du dir das mit dem typischen Falltest „Melone in Helm“ vorstellen. Dort wirkt die Kraft in einem 90-Grad-Winkel und es entstehen keine Rotationskräfte.

Warum sind MIPS-Helme sinnvoll?

Bei einem echten Sturz wirken die Kräfte aber meistens nicht im rechten Winkel auf den Helm, sondern aus verschiedenen Richtungen. Ein Helm mit MIPS-Technologie schützt deinen Kopf also umfassender als ein Helm ohne das Sicherheitssystem, da er den Aufprall aus unterschiedlichen Kraftrichtungen absorbiert und Kopfverletzungen besser vorbeugt. Wie bereits beschrieben schützen Helme mit der MIPS-Technologie den Kopf vor Rotationskräften. Bei Fahrradunfällen können diese Kräfte besonders stark wirken.

Rotationskräfte und ihre Auswirkungen

Die heutzutage üblichen Helme aus EPS-Schaum ermöglichen diesen Schutz, indem das Material sich bei einem Sturz komprimieren lässt und durch diesen Vorgang die Stoßenergie aufnehmen. Um genug Aufprallschutz bieten zu können, muss die harte und schützende Schale eines Fahrradhelms jedoch starr und robust sein, und kann so die Rotationsbewegungen nicht abfedern.

Je nachdem wie und wo der Aufprall bei einem Unfall stattfindet, wirken die Kräfte aus unterschiedlichen Bewegungsrichtungen. Rutscht das Vorderrad auf dem Trail weg, kann der Radfahrer mit dem Kopf auf die Seite fallen. Geht der Mountainbiker über den Lenker wirken die Kräfte sehr wahrscheinlich woanders am Helm.

Daher sind MTB-Helme mit MIPS Technologie, aber auch für alle anderen Radfahrer sehr sinnvoll, da es viele verschiedene Unfallursachen und Krafteinwirkungen auf den Helm geben kann. Das MIPS-System absorbiert Rotationskräfte aber auch statische Kräfte bei einem Aufprall, welche sonst auf das Gehirn wirken würden und zu schweren Kopfverletzungen führen können.

Wissenschaftliche Forschungen belegen, dass das Gehirn besonders empfindlich auf Rotation reagiert. So kommt es bei einem schrägen Aufprall, wie es beim Mountainbiken in der Regel der Fall ist, besonders häufig zu sogenannten Dissektionen und zu Verletzungen an den Gefäßen. Die Gefahr eines Schädel-Hirn-Traumas besteht.

Wie funktioniert die MIPS-Technologie?

Ein gelbes stabiles Gerüst aus Kunststoff sorgt für den extra Schutz von MIPS-Fahrradhelmen. Es ist eine gleitende Schale und liegt eingebettet im Inneren der Helmkonstruktion. Zusätzlich sind Helme mit MIPS-Technologie an dem kleinen gelben MIPS-Logo an der hinteren Außenseite der Helme zu erkennen. Das gelbe Gestell sorgt durch seine gebundene Konstruktion für die Absorption von Rotations- und statischen Kräften.

Bei der Konstruktion dieses Gitters war das menschliche Gehirn selbst das Vorbild. Zwischen Gehirn und Schädelknochen gibt es eine Flüssigkeit, welche das Gehirn bei Aufschlägen schützt, in dem es sich minimal bewegt (10 bis 15 mm). Somit geht die Stoßkraft des Aufpralls nicht auf das Gehirn über.

Im Vergleich zu Fahrradhelmen ohne MIPS-Technologie schützen MIPS-Helme nicht nur vor linearen Krafteinflüssen, sondern auch vor Rotationskräften. Das macht sie im Vergleich zu herkömmlichen Helmen wesentlich sicherer.

MIPS Varianten

Die Varianten unterscheiden sich dabei nur darin, wie Sie im Helm verbaut sind. Hier ein kurzer Überblick über die MIPS-Varianten:

  • MIPS Essential Core: Das klassische MIPS mit gelber Schale, dem sogenannten LFL (Low Friction Layer), kommt besonders bei Volumenmodellen (Massenprodukte) oder günstigen Helmen zum Einsatz. Es wird durch kleine Elastomere im Helm gehalten.
  • MIPS Evolve Core: MIPS Evolve Core sitzt wie Essential Core zwischen Helmschale und Polster. Eine exakte auf den jeweiligen Helm abgestimmte Passform des LFL soll die Belüftung verbessern und das Gewicht reduzieren.
  • MIPS Air/Air Node: Hier ist der Rotationsschutz nahezu unsichtbar in die Helmpolsterung integriert. Das spart Gewicht und beeinträchtigt die Belüftung nicht durch eine zusätzliche Schicht. Die Gleitschicht sitzt hier an der Innenseite der Polster.
  • MIPS Spherical/Integra Split: Bell und Giro setzen auf eine aufwändige Konstruktion, die bei anderen Herstellern Integra Split heißt. Die Helme bestehen aus zwei separaten Schalen, die gegeneinander verdrehbar sind. Die Konstruktion ist aufwändig und teuer.
  • MIPS Integra Fuse: MIPS Integra Fuse verschmilzt das ehemals Poc-eigene SPIN-System mit MIPS. Hier befindet sich in den Polstern eine Art Silicon, das sich in alle Richtungen bewegen kann. Ähnlich wie bei MIPS Air sollen die Vorteile geringes Gewicht und gute Belüftung sein.

Alternative Rotationssysteme

Auch andere Hersteller haben in der Zwischenzeit eigene Rotationssysteme entwickelt. 100% nennt sein System Smartshock, Leatt verbaut seine sogenannten 360° Turbine Technology in den Helmen und Kali setzt auf den Low Density Layer. Auch Bontrager hat ein eigenes Schutzystem im Programm - WaveCel. Die Systeme sollen die Gefahr einer Gehirnerschütterung laut Herstellern um bis zu 40 Prozent reduzieren.

Für wen eignen sich MIPS-Helme?

Generell sind MIPS-Fahrradhelme für alle Radsport-Disziplinen und Einsatzzwecke geeignet. Besonders allen Radfahrern denen ein umfangreicher Schutz wichtig ist, können mit der MIPS-Technologie für ein Plus an Sicherheit sorgen. Ganz besonders aber sind Fahrradhelme mit MIPS-System für den Radsport-Bereich zu empfehlen. Für die folgenden Fahrrad-Disziplinen sind MIPS-Helme besonders geeignet:

  • Mountainbike
  • Rennrad
  • Gravelbike
  • Cyclocross
  • Fitness Bikes
  • Trekking
  • E-Bikes

Im Prinzip sind MIPS-Fahrradhelme für alle Radler und Biker geeignet, die sehr oft im Sattel sitzen und schnell unterwegs sind. Denn genau unter diesen Aspekten steigt die Unfallgefahr. Vor allem Offroad, also fernab von befestigten Wegen gibt es viele Gefahren für Fahrradfahrer. Ein MTB-Helm mit MIPS ist hier ratsam. Aber auch wenn du dich oft in urbanen Gebieten auf deinem Fahrrad bewegst, macht ein Helm mit MIPS-Technologie Sinn. Denn in der Stadt passieren statistisch die meisten Fahrradunfälle.

Kann man MIPS nachrüsten?

Aktuell ist es nicht möglich die MIPS-Technologie nachträglich in andere Helme nachzurüsten. Es gibt allerdings mittlerweile eine sehr große Auswahl verschiedener MIPS-Helme. Da ein Fahrradhelm auch ohne einen Sturz, regelmäßig ausgewechselt werden sollte, kannst du diese Gelegenheit nutzen, um dich für einen MIPS-Fahrradhelm zu entscheiden.

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