Mit dem Fahrrad auf den Brocken: Erfahrungen und Routen

Der Brocken ist mit seinen 1.141 Metern der höchste Berg des Harzes und damit auch Norddeutschlands. Zahlreiche Radfahrer nehmen jährlich die Herausforderung an, den Gipfel mit dem Fahrrad zu erklimmen. Hier sind einige Erfahrungen und Routen, die Ihnen bei Ihrer Planung helfen können.

Verschiedene Routen zum Brocken

Es gibt verschiedene Wege, um mit dem Fahrrad auf den Brocken zu gelangen. Einige sind einfacher und bequemer, während andere anspruchsvoller sind und eine gute Kondition erfordern.

Brockenstraße

Der am häufigsten genutzte und auch am bequemsten zu fahrende Anstieg ist die geteerte Brockenstraße, die von Schierke bis zum Gipfel führt. Der Straßenbelag ist in einem eher schlechten Zustand, was aber zumindest bergauf nicht stört. Die Steigungsprozente sind größtenteils nur mäßig, so dass jeder einigermaßen sportliche Radfahrer diesen Anstieg locker bezwingen kann. Erst auf dem letzten Kilometer erreicht die Steigung 10% und mehr.

Heinrich-Heine-Weg

Der Anstieg zum Gipfel über den Heinrich-Heine-Weg gilt als einer der härtesten im Harz und ist nur für austrainierte Radfahrer zu empfehlen. Der Weg, der nach dem deutschen Dichter benannt wurde, beginnt in Ilsenburg und führt anfangs über gut zu fahrende Wald- und Schotterwege. Die letzten 4 km werden dann auf den berüchtigten Betonplatten der ehemaligen Kolonnenwege der Grenztruppen absolviert. Die durchschnittliche Steigung beträgt hierbei ca. 12-15%, in einzelnen Rampen 20%. Wer hier absteigt, muß sich nicht schämen...

Eine gute Karte und gleichzeitig einen schönen Tourentipp findet man HIER! Dort ist auch zu erkennen, dass man nach den ersten Kilometern ab Ilsenburg nicht den ersten Abzweig Richtung Ilsefälle- sondern erst die zweite Ausschilderung Richtung Scharfenstein/Brocken fahren sollte.

Glashüttenweg

Dieser Schotterweg führt von Drei Annen Hohne, einem kleinen Ort zwischen Schierke und Wernigerode, direkt auf die Brockenstraße, von wo aus man dann noch ca. 4 km bis zum Gipfel fahren muss.

Goetheweg

Ebenfalls nach einer Größe der deutschen Literatur wurde dieser Brockenanstieg benannt, der in Torfhaus beginnt. Allerdings ist dieser Anstieg für Radfahrer eher nicht empfehlenswert, da das letzte Teilstück für die zahlreichen Wanderer mit Holzbohlen (radunfreundlich längs verlegt) geplastert wurde. Wenn man es doch versuchen will, sollte man geübter Mountainbiker sein, da es teilweise auch recht felsig ist. Das Rad zu schultern bleibt hier nicht aus...

Eckerlochstieg

Dieser Weg von Schierke aus ist sehr steil und wird ausschließlich von Wanderern benutzt. Seine steinige Beschaffenheit macht Radfahren nahezu unmöglich.

Wenn man aus Ilsenburg kommt, ist der Anstieg über den Gelben Brink auch eine nette Alternative zum Heinrich-Heine-Weg.

Erfahrungen mit dem E-Bike auf dem Brocken

Fahrrad fahren scheint in den letzten Jahren zunehmend an Beliebtheit gewonnen zu haben. Und auch wir haben uns in den letzten beiden Jahren mit jeweils einem Mountainbike ausgestattet um die nähere Umgebung rund um unseren Wohnort in Leipzig erkunden zu können.

Mit dem E-Bike auf den Brocken und über den Wurmberg zurück war unser Plan, als wir eines frühen Morgens von Leipzig in den Harz aufbrachen. Insbesondere der Markt für E-Bikes scheint besonders stark zu boomen. Während unsere Räder noch auf herkömmliche Art und Weise angetrieben werden müssen, waren wir schon länger neugierig darauf, einmal mit der Unterstützung des Elektromotors zu fahren. Wie würde sich das anfühlen? Braucht man wirklich nicht mehr so viel Anstrengung, wenn es den Berg hinauf geht? Halten die Akkus auch für einen Tour mit ordentlich Steigung und Länge? Alles Fragen, welche wir auf einer Radtour von Braunlage im Harz klären wollten.

Mit dem E-Bike geht es auf den Brocken, den höchsten Berg Sachsen-Anhalts, und von dort über den Wurmberg, den höchsten Berg Niedersachsens, zurück nach Braunlage. Doch diesmal sollten es beide Gipfel an einem Tag werden und das ausnahmsweise mal nicht zu Fuß.

Braunlage bietet sich dabei als Ausgangspunkt an, wenn man eine Alternative zu Schierke unterhalb des Brockens haben möchte. Alternativ nähert man sich von Westen über die A7 und Clausthal-Zellerfeld, was aber dann eine längere Fahrt auf den Landstraßen des Harz darstellt. Oder man kommt von der A38 und fährt über Nordhausen bis Braunlage. Parken kann man in Braunlage am besten direkt an der Wurmbergseilbahn auf dem dortigen kostenpflichtigen Großparkplatz.

Wir beschreiben hier jetzt unsere Erfahrungen mit dem E-Bikeverleih am Wurmberg. Über deren Homepage haben wir uns vorab informiert, welche Touren denn überhaupt möglich und denkbar sind. Reserviert haben wir ebenfalls online über die Webseite des Verleihers und konnten dort unseren Miettag auswählen und bekamen auch gleich den Gesamtpreis angezeigt. Nur meinen Gutschein konnte ich hier noch nicht einlösen, das musste ich vor Ort im Geschäft machen.

An der Station angekommen, parkten wir unser Auto auf dem kleinen Schotterparkplatz der Verleihstation. Dort wurden wir bereits empfangen. Dann wurden wir noch mit Zubehör ausgestattet. Man gab uns ein Schloss mit, Reifenflickset, ein Erste-Hilfe-Set und natürlich das Fahrradnavi um uns nicht zu verfahren. Einer der Mitarbeiter erläuterte uns dann noch, wie wir die E-Bikes nutzen sollten und wie wir das Navi bedienen müssen um uns zu orientieren. Nachdem dann noch die Sattelhöhe auf unsere jeweilige Körpergröße eingestellt war, konnten wir auch schon losradeln.

Natürlich nicht ohne uns vorher noch einmal versichern zu lassen, dass die Batterien der schweren Räder ausreichen würden für eine Tour wie wir sie geplant haben. Nicht, dass wir mit dem E-Bike auf den Brocken fahren und auf halber Strecke die Unterstützung ausfällt.

Reservierung und Übernahme klappte super und war zügig erledigt. Die Mitarbeiter vor Ort nahmen sich Zeit, auch für andere Kunden, welche eventuell mehr Erklärungen benötigten.

Zur Übernahme unserer E-Mountainbikes haben wir bereits alles geschrieben, sodass wir nur noch auf dem Parkplatz unsere Schuhe wechselten und losradeln konnten.

Auf der Elbingeroder Straße ging es für uns in Richtung Ortsausgang Braunlages wo wir auf Höhe des ehemaligen Forstamtes nach links auf die Große Wurmbergstraße abbogen. Anfangs folgten wir nun also einer asphaltierten Straße und konnten uns an die, doch etwas ungewohnte, Fahrt mit der elektrischen Unterstützung gewöhnen. Verschiedene Fahrstufen standen zur Verfügung und von Eco bis Max konnte man die Unterstützung durch den E-Antrieb erhöhen und steuern. Dank der E-Unterstützung geht es zügig bergauf. Da wir die Akkukapazität nicht einschätzen konnten, nutzten wir am Anfang überwiegend den Eco-Modus welcher jedoch auch schon gut mithalf beim Treten bergauf.

Der Großen Wurmbergstraße folgten wir also bergauf bis zum Parkplatz Hexenritt, welchen wir passierten und dann nach rechts auf einen kleinen Weg abbogen und den Asphalt hinter uns ließen. Über den Ulmer Weg rollten wir zum Spechtweg, hatten dann schon den ein oder anderen Blick auf den Brocken, als wir über den Gelben Weg nach Schierke hinabfuhren. Hier ging es gut nach unten, sodass wir sogar richtig Geschwindigkeit aufbauten.

In Schierke hielten wir uns nicht lange auf, sondern machten uns gleich auf den Weg über die Brockenstraße hinein in den Nationalpark Harz. Wir mussten also mit der Straße Vorlieb nehmen. Auf halber Höhe legten wir dann eine Rast ein um die Sonne zu genießen und uns ein wenig die Beine zu vertreten. Auf einem der großen Steine am Abzweig zum Venedigerstein konnten wir es gut aushalten. Weiter ging es dann mit unserer Fahrt auf den Brocken über die berüchtigte Knochenbrecherkurve, vorbei an zahlreichen Wanderern, Pferdekutschen und anderen Radfahrern. Dort hatten wir diesmal eine gigantische Fernsicht bei strahlendem Sonnenschein.

Leider war es so windig, dass wir es ohne Jacken und Kapuzen kaum aushalten konnten. Wir entschieden uns gegen eine Mittagspause auf dem Gipfel und fuhren stattdessen weiter. Anfangs wieder bergab über die Brockenstraße, bogen wir direkt nach der Knochenbrecherkurve nach rechts ab und folgten dem Neuen Goetheweg. Hier ging es schön entlang der Gleise der Brockenbahn, welche wir auch das ein oder andere Mal sahen. Über einen Grenzweg ging es dann noch einmal steil bergab und wir erreichten eine Rasthütte, welche in unserer Karte als Dreieckiger Pfahl hinterlegt war. Dort war es immer noch sonnig, aber nicht mehr so windig und wir konnten unsere Mittagspause einlegen.

Fortgesetzt haben wir unsere Tour mit dem E-Bike dann entlang des Ulmer Wegs und anschließend auf einem Grenzweg in Richtung Wurmberg. Vor allem die alten DDR-Grenzwege haben üble Bodenplatten aus Beton, welche das Fahren eher unangenehm werden lassen.

Als dann endlich der Gipfel des Wurmberges in Sicht war und wir uns an die letzten Meter des Anstiegs machen konnten, passierte es dann. Der Motor meines E-Bikes übertrug für einen kurzen Moment zu viel Kraft und die Kette sprang auseinander. So konnte ich leider nicht mehr weiterfahren, da keine Kraftübertragung mehr möglich war. Ohne passendes Werkzeug ließ sich die verbogene Kette auch nicht mehr reparieren, sodass wir knapp unterhalb des Gipfels umkehren mussten. Zum guten Glück waren wir schon recht weit oben, sodass wir von dort aus einfach ins Tal nach Braunlage rollen konnten. Schieben mussten wir die Räder jedoch entlang des Singletrails unterhalb des Gipfels bis wir auf den Neuen Weg gelangten. Von dort nutzten wir einen Trampelpfad auf der Liftschneise bergab und auf dem Haeberlinsweg ging es dann ohne zu treten hinunter bis zur Verleihstation.

Alles in allem war es eine super Erfahrung mit den E-Bikes, auch wenn wir beide auf den Ausfall der Kette, kurz vor dem Gipfel des Wurmbergs, verzichten hätten können. Die Akkus hatten genügend Kapazität und brachten uns jede Steigung ohne große Anstrengung hinauf. Insgesamt legten wir 33 Kilometer zurück und sammelten, dank zweier Gipfel, auch reichlich Höhenmeter. Wir sind durch dieses Ausprobieren auf den Geschmack der E-Bikes gekommen und können nun besser nachvollziehen, warum momentan so viele Menschen auf diese Form des Fahrrads setzen. Leider sind gerade die elektrischen Mountainbikes sehr teuer, sodass wir uns erstmal keine eigenen anschaffen werden.

Eine Tour mit dem E-Bike auf den Brocken und über den Wurmberg zurück nach Braunlage können wir aber auf jeden Fall weiterempfehlen.

Alternativen zum Brocken

Wenn Sie den Trubel auf dem Brocken vermeiden möchten, gibt es einige Alternativen:

  • Wurmberg: Mit seinen 971,2 Metern der höchste Berg in Niedersachsen.
  • Bruchberg mit der Wolfswarte: Dritthöchster Berg im Harz mit herrlicher Aussicht.

Hinweise und Tipps

  • Brocken: Der Brocken kann zu bestimmten Zeiten sehr überfüllt sein. Planen Sie Ihre Tour entsprechend und wählen Sie weniger frequentierte Tageszeiten.
  • Ausrüstung: Achten Sie auf geeignete Kleidung und Ausrüstung, da das Wetter auf dem Brocken schnell umschlagen kann.
  • E-Bike: Wenn Sie mit einem E-Bike unterwegs sind, informieren Sie sich vorab über die Akkukapazität und die Streckenbedingungen.

Zusammenfassung der Routen

Die folgende Tabelle bietet eine Übersicht über die verschiedenen Routen zum Brocken mit einer Einschätzung des Schwierigkeitsgrades.

Route Startpunkt Schwierigkeitsgrad Besonderheiten
Brockenstraße Schierke Leicht bis Mittel Geteerte Straße, mäßige Steigung
Heinrich-Heine-Weg Ilsenburg Schwer Wald- und Schotterwege, Betonplatten
Glashüttenweg Drei Annen Hohne Mittel Schotterweg
Goetheweg Torfhaus Schwer Holzbohlen, felsig

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