Afrika mit dem Fahrrad zu durchqueren, ist ein Traum vieler Abenteurer. Es ist eine Möglichkeit, den Kontinent auf eine sehr persönliche und intensive Weise zu erleben. Mehrere Radfahrer haben sich dieser Herausforderung gestellt und dabei einzigartige Erfahrungen gesammelt.
Anselm Pahnke: Allein durch Afrika
Anselm aus Freiburg reiste auf eigene Faust quer durch Afrika. Nach seinem Bachelorabschluss reiste Anselm mit zwei Freunden nach Südafrika. Doch nach drei Monaten mussten die anderen beiden zurück. So wagt sich Anselm ganz allein in die südafrikanische Kalahari-Wüste.
Er schöpfte Wasser aus lokalen Quellen, reiste ausschließlich aus eigener Kraft und schlug nachts sein Zelt in der Wildnis auf. Es ging weiter über Sambia, Malawi, Tansania, Burundi, Ruanda, Uganda, Kenia, Äthiopien - Tritt für Tritt entdeckte er den vielseitigen Kontinent.
Im Interview erzählte er von den Herausforderungen in Afrika und seinem geplanten Filmprojekt. Unterwegs konnte tatsächlich kaum jemand nachvollziehen, wieso er freiwillig jeden Tag auf dem Fahrrad strampelte. Auch zu Hause gab es viele Fragen - meistens nicht direkt an mich, sondern an meine Freunde und Familie.
Bei den Gefahren denken die meisten an Krieg, Überfälle oder Löwen. Aber die grösste Gefahr war, hunderte von Kilometer auf einer einspurigen Strasse neben riesigen Lastwagen zu fahren. Ein Moment im Nationalpark war auch ziemlich heftig: Kaum jemand weiss, dass Nilpferde die gefährlichsten Landsäugetiere der Welt sind und ich kam zwischen ein männliches Hippo und seine Herde.
Die Idee, Afrika ganz zu durchqueren, entstand erst im Verlaufe der Reise. Daher hat mich das auch nicht unter Druck gesetzt. Ich genoss es, in kleinen Schritten zu denken und jeden Tag aufs Neue zu sehen, wohin mich mein Weg führt. Mein Ziel war immer die nächste Wasserquelle oder der Schlafplatz am Abend.
Für mich war immer klar: Solange ich kann, geht es auf dem Fahrrad weiter. Ich habe selbst beim Gegenwind in der Sahara nicht vergessen, dass ich nicht zu einem bestimmten Ziel fahre, sondern reise, um den Weg zu erfahren. Auf dem Fahrrad ist man völlig frei und der Umgebung mit allen Sinnen nahe. Man riecht, hört und fühlt viel mehr als hinter einer Windschutzscheibe.
Je weiter ich in den Norden kam und in das Herz Afrikas eintauchte, umso mehr wusste ich, dass unser Bild von Afrika völlig verzerrt ist. Ich habe gesehen wie offen, herzlich und lebensfroh Menschen sein können, wie erfüllt man leben kann, wenn man sich auf das Wesentliche konzentriert. Ich habe nie mein Fahrrad abgesperrt und mir wurde nichts gestohlen.
Um Afrika mit dem Velo zu erkunden, braucht man gewiss ein wenig Reise-Erfahrung. Ich würde Malawi und Uganda empfehlen. Beide Länder weisen eine sehr hohe landschaftliche und kulturelle Abwechslung auf. Schon bei der Ankunft spürt man, dass man willkommen ist. Auch Kenia ist sehr schön. Hier ist es sogar erlaubt, durch die Nationalparks zu radeln - und eine Giraffe vom Fahrrad zu sehen, das vergisst man wirklich nie.
Ich hatte eine kleine Kompakt-Kamera von Sony. Dazu hatte ich ein Stativ und einen Selfiestick. Der Film erzählt von der Schönheit Afrikas, von den herzlichen und offenen Menschen, denen ich begegnet bin, und der atemberaubenden, wilden Natur.
Seit seiner Rückkehr arbeitete Anselm daran, aus seinen persönlichen Aufzeichnungen einen Film zu machen, der die Energie Afrikas und die inneren Bewegungen einer solchen Reise zeigen.
Hannah und Greta: Mit dem Fahrrad nach Ghana
Hannah und Greta sind seit drei Jahren auf ihren Fahrrädern unterwegs. Ihr Ziel: Ghana. Sie erzählen von den schönen und herausfordernden Seiten ihrer Radreise. Normalerweise lenken Hannah und Greta ihre Fahrräder nicht durch große Städte, doch in dem Regierungssitz des westafrikanischen Landes Benin beantragen sie gerade Visa für die nächste Etappe ihrer nun schon fast drei Jahre andauernden Radreise.
Der Wunsch, Ghana zu erleben, wird den beiden fast gleichaltrigen Schwestern, die wie Zwillinge aufwachsen, mit in die Wiege gelegt. Schon früh nehmen sich Hannah und Greta vor, Ghana nach der Schule selbst zu erkunden. Doch ein Roadtrip mit dem Auto kommt für sie als Reiseform nicht in Frage. Die Schwestern wollen günstiger reisen und näher an Natur und Menschen sein. Deshalb satteln sie auf das Fahrrad um.
Mit Fahrradtaschen, Zelt und Schlafsäcken bepackt machen sich die damals 19- und 20-jährigen Frauen 2021 schließlich auf den Weg: aus Kassel in die Niederlande, nach Belgien und Frankreich, über die Pyrenäen nach Portugal, auf die kanarischen Inseln, zurück ans spanische Festland und mit der Fähre nach Marokko, wo die Schwestern sieben Monate bleiben, bevor sie weiter durch die Wüste und immer entlang der afrikanischen Westküste fahren. Mittlerweile folgen über 100.000 Reisebegeisterte den Abenteuern von Hannah und Greta auf Instagram.
Ein halbes Jahr fahren Hannah und Greta durch die Westsahara, die sie mit ihren vielen Facetten überrascht. Auch wenn Hannah und Greta von Tausenden Sternen am Himmel über der Westsahara schwärmen, von den unendlichen Weiten der Wüste, von atemberaubenden Bergpässen und dem leuchtenden Grün des Regenwaldes: Die beiden sind nicht unterwegs um die verschiedenen Landschaften zu sehen.
Sie lieben es, fremde Menschen kennenlernen, neue Sprachen zu hören und unbekannte Kulturen zu erleben. Dafür ist eine Fahrradreise die perfekte Reiseform, auch wenn das Fahrradfahren nicht ihre Lieblingstätigkeit ist. Doch ihrer Umwelt tagsüber auf den Rädern und nachts im Zelt oder unter freien Himmel schutzlos ausgeliefert zu sein, stellt sich auch als die größte Herausforderung für Hannah und Greta heraus.
Seit eineinhalb Jahren haben Hannah und Greta ihre Familie und Freunde nicht mehr gesehen - einer von vielen Kompromissen, die sie für ihren freien Lebensstil eingehen. Nach fast drei Jahren Radreise sind die sozialen Akkus der Schwestern leer, ganz besonders vermissen sie ihren Hund und Gespräche mit gleichaltrigen Menschen aus Europa.
Viel Zeit Ghana zu erkunden bleibt Hannah und Greta leider nicht, denn als die beiden Schwestern den Traum ihrer Kindheit erreichen, wird Hannah krank. Malaria. Ans Aufhören denken die beiden deshalb aber noch lange nicht, sie möchten mit den Fahrrädern weiterfahren bis Südafrika.
Erik Horsthemke: Von Kapstadt nach Uganda
Im September letzten Jahres bin ich von Deutschland bis nach Kapstadt geflogen, um von dort aus mit dem Rad bis nach Uganda zu reisen. Ich wollte diese Reise machen, um die unterschiedlichen Länder, Kulturen und Menschen kennenzulernen und mir selbst ein Bild von diesem riesigen Kontinent machen. Dabei habe ich auf der Route von über 5000km sechs verschiedene Länder durchquert.
Nach meinem Abitur 2021 stand ich, wie so viele, vor der Entscheidung, was ich in den nächsten Jahren machen möchte; Ausbildung, Studium oder doch ganz was anderes. Ich habe mich dazu entschieden mir erstmal eine Auszeit zu nehmen und das zu machen, auf was ich wirklich Lust habe.
Ich bin Erik. Ich bin 21 Jahre alt und fahre ca. seit meinem zwölftem Lebensjahr Rad. Angefangen habe ich mit Radrennen über Stationen, wie den Landeskader und Bundesligateams. So bin ich langsam in die Welt des Radsports gekommen. Irgendwann hat der Schritt zum richtigen Profi nicht gereicht.
Vor neun Jahren war ich das erste Mal in Ostafrika mit dem Fahrrad unterwegs, genauer gesagt in Ruanda und Uganda. Mich hat einfach interessiert, wie diese Länder aussehen, wie die Menschen dort leben und welche Natur es dort gibt. Ich wollte mir selber ein Bild machen und mit dem Fahrrad diese Länder erkunden, anstatt nur darüber zu lesen oder zu theoretisieren.
Besonders interessierten mich Kenia, Tansania, Sambia und Malawi. Und in diesem Jahr war es dann soweit - wenn auch recht spontan - und ich fuhr mit dem Fahrrad durch Kenia (eher weniger) und Tansania, von Nairobi nach Daressalam. 17 Tage war ich insgesamt unterwegs.
Noch am Morgen arbeitete ich mich ganz in der Nähe des Hotels durch den dichten Verkehr der kenianischen Hauptstadt nach Süden. Ich wollte die großen Straßen mit den LKWs und Bussen meiden und solange es ging, auf Nebenstraßen und Pisten fahren. Mein Ziel war das sogenannte Athi Plains, eine trockene Buschlandschaft mit vielen Akazien.
Aus der breiten Asphaltstraße wurde eine schmale und dann schließlich eine sandige und steinige Piste: willkommen in den Athi Plains! Vor mir lagen 60 km Gravel Piste deluxe. Die Temperaturen stiegen bis Mittag immer weiter und erreichten bald 35 Grad. Auf einem Bergab-Stück wischte ich mir den Schweiß aus den Augen und befand mich plötzlich inmitten einer Herde von Zebras. Beide Seiten waren sichtlich überrascht von dieser plötzlichen Begegnung. Was für ein Erlebnis!
Im Internet stieß ich auf das Arusha Bicycle Centre, ein Projekt, welches mit schweizer und auch deutscher Unterstützung Fahrräder aufarbeitet und Kindern Fahrunterricht gibt. Auf meine Anfrage nach Hilfe für ein 29 Zoll Rad reagierte man sofort und hatte alles im Angebot: Mäntel, Schläuche und sogar Tubeless. Ich solle einfach vorbeikommen.
Tatsächlich war es dann aber viel beeindruckender: der Ngorongoro Krater ist nicht einfach nur ein Krater, sondern ein in sich zusammengefallener Vulkan, dessen felsige Ränder bis zu 600 m steil in den Himmel ragen. Im Durchmesser ist der Krater bis zu 21 km groß. Der eigentliche Schatz liegt jedoch im Inneren: viele Wildtiere wie Zebras, Löwen, Elefanten, Nashörner, Giraffen, Gnus, Hyänen, Antilopen lebten auf einer von Flüssen und kleinen Seen durchzogenen Ebene.
Gemeinsam wechselten wir die Schläuche und schon war ich wieder unterwegs. Allerdings nur 1,5 Kilometer, denn dann machte es Paff und die Luft aus dem Vorderrad war raus. Nun hatte ich die Faxen dicke und wir bauten beide Räder auf Tubeless um.
Auf dem Weg nach Moshi vermied ich wieder die große Hauptstraße, so lange es ging, und arbeitete mich auf Nebenstraßen Richtung Kilimandscharo vor. Der Kilimandscharo thronte über dem Ort, die Spitze des Berges war aber in dichte Wolken gehüllt.
Tipps für eine Radreise durch Afrika
Eine Radreise durch Afrika erfordert eine gute Vorbereitung und Ausrüstung. Hier sind einige Tipps, die Ihnen bei der Planung helfen:
- Planung: Informieren Sie sich über die Route, die Sie fahren möchten, und planen Sie genügend Zeit ein.
- Ausrüstung: Stellen Sie sicher, dass Ihr Fahrrad in gutem Zustand ist und Sie alle notwendigen Ersatzteile dabei haben.
- Gesundheit: Lassen Sie sich vor der Reise impfen und informieren Sie sich über die Gesundheitsrisiken in den verschiedenen Regionen.
- Sicherheit: Vermeiden Sie es, alleine zu reisen, und informieren Sie sich über die Sicherheitslage in den verschiedenen Regionen.
- Wasser und Verpflegung: Nehmen Sie ausreichend Wasser und Verpflegung mit, da es in manchen Regionen schwierig sein kann, Nachschub zu bekommen.
Empfehlenswerte Länder für Radfahrer in Afrika
Einige Länder in Afrika eignen sich besonders gut für Radfahrer:
- Malawi: Bietet eine hohe landschaftliche und kulturelle Abwechslung.
- Uganda: Ist ebenfalls landschaftlich und kulturell sehr vielfältig.
- Kenia: Ermöglicht es, durch Nationalparks zu radeln und wilde Tiere zu beobachten.
Zusammenfassung der Erfahrungen
Die folgende Tabelle fasst die Erfahrungen der genannten Radfahrer zusammen:
| Radfahrer | Route | Besondere Herausforderungen | Empfehlungen |
|---|---|---|---|
| Anselm Pahnke | Südafrika bis Ägypten | Einsamkeit, Gegenwind in der Sahara, Wasserknappheit | Malawi und Uganda |
| Hannah und Greta | Kassel nach Ghana, Weiterreise nach Südafrika geplant | Soziale Isolation, Malaria | - |
| Erik Horsthemke | Kapstadt nach Uganda | Sandstürme, Knieverletzungen | - |
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