Die Welt mit dem Fahrrad zu erkunden, ist ein Abenteuer, das viele Menschen träumen. Es ist eine Möglichkeit, die Welt auf eine einzigartige und intensive Weise zu erleben, die mit anderen Reisemitteln nicht möglich ist. Mehrere Radfahrer haben ihre Erfahrungen und Erkenntnisse auf solchen Reisen geteilt.
Heike Pirngruber: Sechs Jahre auf zwei Rädern
Heike Pirngruber ist in den vergangenen sechs Jahren mehr als 65.000 Kilometer mit ihrem Fahrrad um die ganze Welt geradelt. 2013 startete sie mit ihrem Rad, wenig Gepäck und einem Zelt in ihrer Heimat Heidelberg. In den vergangenen sechs Jahren hat sie mehr als 50 Länder mit dem Fahrrad durchquert - sie war in halb Asien, in Nord-, Süd- und Mittelamerika, ist durch Europa gefahren. Zurzeit ist sie in Westafrika unterwegs und fährt von einem Land ins nächste. Auf ihrem Blog "Pushbikegirl" berichtet sie von ihren Erlebnissen.
Wenn sie keinen Stellplatz für ihr Zelt findet, sucht sie an den kuriosesten Plätzen Unterschlupf für die Nacht: Mit wildfremden Menschen teilt sie sich das Bett, schläft mit ganzen Familien auf dem Boden ihrer Behausung oder in Unterführungen unter Autobahnen, in Moscheen. Selbst in einem Bordell ist sie schon einmal untergekommen. Das war, als sie sich an der Elfenbeinküste unterwegs war. Auf den Straßen ringsherum gab es viele Betrunkene, deshalb schien ihr der Puff die sicherere Alternative zu sein.
Herausforderungen und Ängste
Wenn Heike unter freiem Himmel in ihrem Zelt übernachtet, dann hat sie auch schon einmal richtig Schiss vor Wildtieren gehabt. Zum Beispiel vor den Braunbären in Russland oder den Grizzlybären in Kanada. Oftmals hat sie die abgerichteten Hunde, die in manchen Gegenden Grundstücke bewachen, als furchterregender empfunden als die Bären. "Es gibt schon viele unangenehme Hunde. Es gibt so Gebiete, in Russland zum Beispiel, da ist hinter jedem Gartentor ein abgerichteter Hund, der nur darauf wartet, dass du näherkommst. Auch in Tibet haben die ganz fürchterliche Hunde.
Der Verkehr ist aus meiner Sicht heraus das absolut gefährlichste auf einer Radreise. Ich versuche verkehrsreiche Strassen so gut es geht zu meiden. Leider ist das allerdings in manchen Ländern nicht immer möglich, da oft nur eine einzige Strasse vorhanden ist. Das liegt allerdings auch viel daran, weil ich Verkehr einfach ätzend finde. Ich kann die Umwelt nicht geniessen, wenn ich von dem Krach der Autos zugedröhnt werde und ständig aufpassen muss was passiert. Ich liebe daher die einsamen Regionen sowieso am meisten.
Positive Begegnungen und Gastfreundschaft
In den meisten Gegenden wird sie ganz herzlich empfangen. In manchen Gegenden, in Westafrika zum Beispiel, laufen die Leute auch vor ihr weg, weil sie nie zuvor einen weißen Menschen gesehen haben. In der Regel macht Heike positive Erfahrungen: Wenn sie Menschen unterwegs fragt, ob sie im Garten ihres Hauses ihr Zelt aufschlagen darf, ist das meist kein Problem. Fast immer bekommt sie dann auch noch etwas zu essen angeboten.
Kulturschock rückwärts
Nach den ersten viereinhalb Jahren ihrer Weltreise hat Heike eine Pause eingelegt und ist für acht Monate nach Heidelberg zurückgekehrt. Heike sagt, dass sie einen "Kulturschock rückwärts" hatte: Sie war davon ausgegangen, dass sie ihre Heimat und die Menschen dort gut kennt. Als sie in diese "Alte Welt" zurückgekehrt ist, hat sie festgestellt, dass sie sie gar nicht mehr so gut kennt, weil sie sich durch ihre Erfahrungen, die sie unterwegs gemacht hatte, so sehr verändert hatte. Nach ihrer Rückkehr nach Heidelberg hat sie aber eher das Gefühl, dass hier wenig Weltoffenheit herrscht. Als sie das für sich feststellt, ist sie darüber enttäuscht.
Ich habe so extrem viele positive Begegnungen gehabt, dass die wenigen negativen Vorfälle schon lange vergessen sind. Auch bin ich der Meinung, dass ich mittlerweile die Schurken schon von Weitem erkenne. Man bekommt einen Blick fürs Wesentliche. Ich bin allermeistens herzlich willkommen und werde in vielen Ländern mit Gastfreundschaft überschüttet und von allen Seiten beschützt.
Dennis Kailing: 43.600 Kilometer und 41 Länder
Besser Welt als Nie zeigt die Geschichte von Dennis Kailing, der innerhalb von zwei Jahren die Erde umrundet. Mit der Frage ’was einen glücklich macht’, aber ohne Erfahrung im Radreisen, springt der 24-jährige ins kalte Wasser und fährt von seinem Heimatort einfach los - immer Richtung Osten.
Er ist zwar alleine unterwegs, aber so wirklich alleine ist er nur selten. Viele Begegnungen mit interessanten, verrückten oder auch „ganz normalen“ Menschen gewähren ihm Einblicke, die einem als gewöhnlicher Tourist vorenthalten bleiben. Während sich andere eine durchstrukturierte Pauschalreise wünschen, ist diese Radtour eine Reise in die Ungewissheit.
Nach 43.600 Kilometern in 41 Ländern auf 6 Kontinenten und der Umrundung unseres Planeten kehrt Dennis aus dem Westen kommend an den Ort zurück, von dem er gut zwei Jahre zuvor Richtung Osten aufgebrochen war.
Statistiken seiner Reise
| Kategorie | Wert |
|---|---|
| Kilometer gesamt | 43.578 km |
| Besuchte Länder | 41 |
| Tage total | 761 |
| Höhenmeter gesamt | 294.895 m |
Die Idee zur Reise
Die Beste Antwort, die ich wohl geben kann, ist: „weil ich einfach richtig Lust drauf hatte“. Es war so ein inneres Brennen oder Verlangen, das sagte, dass ich raus muss. Raus in die große weite Welt, was erleben, neue Dinge sehen, neue Dinge kennenlernen - sich auf ein Abenteuer einlassen. Und das Fahrrad als Fortbewegungsmittel war anfangs eher eine finanzielle Frage. Von einer großen Reise hatte ich schon lange geträumt, aber dachte immer, es sei zu teuer. Bis ich irgendwann vom Radreisen gehört habe, und auch, wie günstig es sein kann.
Heinz Stücke: Eine Lebensreise
Gewissermaßen der Probelauf für Heinz Stückes Weltreise mit dem Fahrrad, die zugleich zu seiner Lebensreise wird und in die er im November 1962 startet. Stattdessen erkundet Heinz Stücke in den 1960ern Ägypten, genießt 1963 in Äthiopien eine Audienz bei Kaiser Haile Selassie, der ihn finanziell unterstützt. Auch vor 5000 Meter hohen Bergen, wie etwa 1975 in Indien, macht der Weltreisende nicht Halt, überwindet sie oft schiebend.
Die großzügigen Spenden, die Heinz Stücke oft dafür erhält, finanzieren teilweise seine Reise, zusätzliches Geld verdient Stücke in den 1980ern durch den Verkauf seiner Bilder und seiner Story über eine Londoner Agentur. Ernsthaft zu Geld gekommen ist Stücke mit seinem Abenteuer nicht; seine Einnahmen finanzieren stets seine Weiterreise. Seine Reise beendet Heinz Stücke 2014 in Hövelhof, weil er mit zunehmenden Hüftschmerzen kämpft.
Ich habe 5000 Nächte im Zelt verbracht, bin oftmals zu Leuten eingeladen worden und hab 5000 Nächte in billigen Unterkünften geschlafen.
Alec: Zwei Jahre Freiheit pur
Alec ist Informatiker und leidenschaftlicher Reisender. Die Idee kam ihm, als er 6 Wochen lang vom Schwarzen Meer bis zur Nordsee geradelt ist. Das hat ihm so viel Spaß gemacht. Er hat dann seine Ausbildung zu Ende gemacht und zwei Jahre gearbeitet, um sich eine lange Reise finanzieren zu können. Sein Fahrrad hat er selbst zusammengebaut, mit den Teilen, die ich haben wollte. Bei meiner ganzen Ausrüstung habe ich viel Wert auf hochwertige Materialien gelegt.
Ich hatte keine feste Reisedauer im Kopf, ich wollte so lange unterwegs sein, wie es sich gut und richtig anfühlte. Insgesamt ca. Ich hatte Höhen und Tiefen, wie alle Reisenden. Es gab immer wieder Phasen, wo ich dachte, jetzt reicht es mir, zum Beispiel als meine Freunde, die mich besucht haben, wieder nach Hause geflogen sind oder als ich das Essen in Indien nicht vertragen habe.
Deutschland, Polen, Litauen, Lettland, Estland, Schweden, Russland, Kasachstan, Kirgisistan, Usbekistan, Tadschikistan, dann bin ich in die Türkei geflogen, anschließend nach Ägypten, um meine Freunde zu treffen. Dann bin ich in die VAE nach Abu Dhabi geflogen, kurz danach haben wir uns im Oman getroffen.
In Pakistan fing es an, dass mich die Einheimischen ständig ansprachen und ich nie meine Ruhe hatte. Ich hatte keine wirklich schlimmen Erlebnisse und nur wenige blöde Erfahrungen. Die Tiefpunkte waren immer, wenn ich krank war. Wenn man da irgendwo allein in der Wildnis ist, hat man schon zu kämpfen, aber man wächst daran. Ich habe mich dann meistens ins nächste Hotel geschleppt, wo ich mich ausruhen konnte.
Ja, ich habe eigentlich nichts wirklich Spezielles dabei. Also das sind die allgemeinen Sachen, die man so mitnimmt, Campingausrüstung, Fahrrad, Werkzeug fürs Fahrrad.
Melli und Dani: Vier Jahre von Deutschland nach Japan
Im September 2019, also genau vor 4 Jahren, haben wir unsere sicheren Jobs und unsere Wohnung gekündigt, sowie Freunde und Familie zurückgelassen… um mit dem Fahrrad die Welt zu entdecken! Plötzlich waren wir uns gar nicht mehr so sicher, ob das überhaupt eine so gute Idee war mit der Fahrrad Weltreise. Sie haben ihre Komfort Zone sowie alles andere hinter uns gelassen und unsere eigenen Erfahrungen gemacht, was zu uns passt und was nicht.
Wir hatten in der Wüste Marokko´s so heftigen Gegenwind, dass wir nicht mal mehr in die Pedale treten konnten. Der Sand fühlte sich auf der Haut an wie grobes Schleifpapier. Wir radelten durch miesesten Regen, Kälte und Schnee über Pässe in Georgien. Haben in den Bergen nachts in einer Bruchbude im Polizeiquartier in Pakistan Blut gehustet und mit Höhenkrankheit gekämpft. Haben am Ende unserer mentalen und körperlichen Kräfte unsere Räder über einen 5.416m hohen Pass in Nepal geschleppt.
Nach 4 Jahren können wir sagen, es hat eine Menge in uns in Gang gebracht. Wir sind nicht mehr dieselbe Melli und derselbe Dani, die etwas naiv, ohne Testfahrt und ganz untrainiert in die weite Welt aufgebrochen sind. Wir haben uns selbst weiterentwickelt, haben in den Bergen der Türkei Felsenklettern gelernt, in Nord Indien eine Yoga Lehrer Ausbildung gemacht, in Süd Indien lernen wir gerade das Kite surfen.
Wo wir mittlerweile sind? Im Süden Indiens, mit mehr als 39.000km und 284.735 Höhenmetern im Sattel, durch 22 Länder. Es gibt ja Reisende, die mit ihrem Fahrrad nur 1 Jahr von Deutschland nach Japan gebraucht haben. Vielleicht mit mehr Budget und weniger Gepäck über eine gerade Route ohne Abweichungen mit vielen Tageskilometern? Bestimm möglich. Höchstwahrscheinlich verzichtet man aber dann auch auf all die schönen Momente und Begegnungen auf so einer Reise.
Luisa Rische: 50.000 Kilometer durch 35 Länder
Einmal mit dem Fahrrad um die Welt: Was nach einer verrückten Idee klingt, setzt Luisa Rische (30) seit zwei Jahren in die Tat um. Im Mai 2017 startete die gebürtige Stralsunderin von Lübeck aus (wo sie aufgewachsen ist) zur 50.000 Kilometer weiten Reise durch 35 Länder. Um sich ihren Kindheitstraum zu erfüllen, opfert Luisa ihre Ersparnisse, kündigt ihren Job als Redakteurin, plant die Route und belädt ihr Reiserad „Anton“ mit 40 Kilo Gepäck.
„Drei Regionen haben mich am meisten überrascht“, berichtet sie. „Zunächst mal Japan: Nirgendwo sonst fahren die Autos so dicht an Radlern vorbei wie dort. Aber nicht aus Aggressivität, sondern weil sich alle so penibel an die Verkehrsvorschriften halten. Und eine davon besagt, dass der Mittelstreifen der Straße nicht überfahren werden darf. Ich habe ein bisschen gebraucht, bis ich das verstanden habe“, lacht sie.
Passiert ist in Japan trotz der Nähe zu den Autos nichts, anders in China: „In Peking hat mich eine Motor-Rikscha gestreift, sodass ich gestürzt bin. Zum Glück habe ich mich aber nur leicht am Knie verletzt.“Überhaupt China und Südostasien: „Da gilt im Verkehr der Grundsatz: Der Stärkere siegt. Überall wird gehupt und gedrängelt. Für Radfahrer ist das extrem gefährlich.
Nicht gut zu sprechen ist die Frau, die mit dem Rad um die Welt reist, auf die Autofahrer in Neuseeland und Teilen Australiens. „Das sind nach meiner Erfahrung die gefährlichsten Länder für Radfahrer. Es herrscht ein regelrechter Kampf im Straßenverkehr. Die Straßen sind oft sehr eng, und die meisten Autofahrer vertreten die Meinung, dass Fahrräder dort nichts zu suchen haben. Es gibt aber kaum Radwege. Oft werden Radfahrer von Autos bewusst bedrängt und geschnitten.“
Valtteri Heinila: Neugier auf die Welt und sich selbst
Dieser Artikel basiert auf einem Gespräch mit dem 26-jährigen Valtteri Heinila. Letztes Jahr, am 18. Juni, begann unser achtmonatiges Abenteuer mit dem Fahrrad, unsere Weltreise. Alles begann mit meinem Interesse an neuen Kulturen, Menschen, Orten und unvorhersehbaren Erfahrungen.
Aber es dauerte nur ein paar Tage, bis wir unsere Route festgelegt und die Visa für die Länder entlang des Weges organisiert hatten. Und schon ging es los, auf unsere 245-tägige Reise von Helsinki nach Singapur, die wir ein Leben lang nicht vergessen werden. Was purer Neugier auf die Welt um uns herum begann, endete mit einer tiefen Neugier in Bezug auf uns selbst.
Der Moment, in dem alles auf einen einprasselt, ist immer der schlimmste. Es ist wie unter Schmerzen die alte Haut abzustreifen. Wenn wir allmählich Frieden mit der Erkenntnis schließen, dass wir keine Kontrolle über unsere Gefühle haben, dann können solche Situationen eine wertvolle Gelegenheit sein, um zu wachsen. Die Momente, in denen wir Schmerzen empfinden, über die wir keine Kontrolle haben - Diese „schlimmsten“ Augenblicke sind diejenigen, die mich als Person stärker gemacht haben.
Die Einfachheit unseres täglichen Lebens auf der Reise war wirklich etwas Besonderes. Das Leben war extrem einfach, aber auch unglaublich erfüllend.
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