Mit dem Motorrad um die Welt: Erfahrungen und Abenteuer

Der Traum, mit dem Motorrad die Welt zu erkunden, ist für viele ein Lebensziel. Dieser Artikel beleuchtet die Erfahrungen von Motorradreisenden, die diesen Traum verwirklicht haben, und gibt Einblicke in die Herausforderungen, Vorbereitungen und unvergesslichen Momente einer solchen Reise.

Die Verwirklichung eines Traums

Einmal auf dem Motorrad um die Welt reisen - Tristan Duchscherer aus Karben hat sich diesen Traum verwirklicht. Vor wenigen Tagen ist er nach 17 Monaten und 63.000 Kilometern Weltreise im hessischen Karben wieder auf den Hof gefahren. Knapp anderthalb Jahre und 63.000 Kilometer später sind er und seine Maschine wieder daheim. "Vorher sauber und ganz, jetzt dreckig und kaputt", sagt Tristan Duchscherer und fängt an, seine KTM 390 zu putzen und zu flicken.

Nach seiner Ausbildung zum Mechatroniker steht die Frage im Raum: "Was will ich eigentlich vom Leben?" Tristan Duchscherer erfüllt sich einen Traum, kauft das neue Motorrad und im September 2023 geht es los. Dass er diese Tour schafft, hat selbst seine Mutter nicht geglaubt. Zwar fährt die ganze Familie Motorrad, aber Tristans Roadtrip-Erfahrung besteht vor der Reise aus zwei Wochen mit Bike und Zelt in den Alpen.

Die Route

Insgesamt führt ihn seine Route durch 29 Länder - von Deutschland über den Balkanraum in die Türkei, Georgien, Russland, Zentralasien, Kasachstan, China und dann durch den südostasiatischen Raum bis nach Malaysia.

Anfangs geht die Reise schnell, bereits nach 80 Tagen sei er in Vietnam gewesen, erzählt Duchscherer. "Aber in Südostasien bin ich dann das erste Mal stecken geblieben und ab da wurde es anders." Aus der reinen Fahrt einer Strecke wird eine Reise. Duchscherer lässt sich mehr Zeit, lernt Surfen und Tauchen.

Herausforderungen und Schwierigkeiten

Doch in Borneo erlebt er auch einen der schwierigen Momente seiner langen Reise. Auch wenn er aus der Ferne engen Kontakt mit Familie und Freunden hält, plagt ihn manchmal das Heimweh. Duchscherer erinnert sich an seinen Geburtstag.

Die Begeisterung der einen sei allerdings manchmal ein harter Kontrast gewesen zu anderen Erlebnissen. Der Karbener erinnert sich mit Unbehagen an einige Grenzkontrollen. In Russland und anderen Ländern mit viel Militär sei es manchmal gruselig gewesen. Vielerorts sei es normal, dass einem Polizei oder Militär bei Kontrollen die Waffe ins Gesicht halten. "Nur wer die Sprache nicht spricht, versteht nicht was los ist und kann auch nicht das machen, was die Person will.

Und dann ist plötzlich Pause, denn als Duchscherer sein Motorrad von Indonesien nach Kanada verschiffen lassen will, wird das zu einem Auftrag mit erst einmal offenem Ausgang. Eigentlich sollte das Verschiffen einen Monat dauern - so hatte man es ihm gesagt. Tatsächliche Dauer: vier Monate.

Die Reise einer Rentnerin: Margot Flügel-Anhalt

Ruhestand? Daran denkt Margot Flügel-Anhalt nun wirklich nicht. Im Gegenteil: Mit 64 Jahren erfüllt sich die äußerst fitte Rentnerin einen lang gehegten Traum, steigt das erste Mal in ihrem Leben auf ein Motorrad und düst los. Los geht’s in ihrem Dorf in Nordhessen und danach 117 Tage und 18.046 Kilometer lang durch Osteuropa und Zentralasien.

Die Bikerin überquert nicht nur die Grenzen von 18 Ländern, sondern auch die zwischen Menschen fremder Sprache und Kultur - und vor allem ihre eigenen: Allein als ältere Frau unterwegs auf einer kleinen Reiseenduro, vorbei an atemberaubend schönen wie rauen Landschaften, über die Wolga und das Pamir-Gebirge, durch u.a.

Die Entscheidung für das Motorrad

Nach einer früheren Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn war das erklärte Ziel, noch einmal gen Osten zu reisen - also eine sehr lange, sehr weite Strecke. Philip, mein Sohn, drängte mich dazu, Motorradfahren zu lernen, damit er auf mich als Begleiterin zurückgreifen kann - große Ehre! Und für die kleine 125er Reiseenduro habe ich mich kurzerhand entschieden, weil die Zeit, einen richtigen Motorradführerschein zu machen, vor meiner Abreise nicht gereicht hat.

Der Pamir Highway

Bei meinen Recherchen zur Tour gen Osten fiel mir der Pamir Highway ins Auge. Jeden Augenblick prägen die unfassbaren Wunder der zentralasiatischen Bergwelt mein Bewusstsein: Imposante, erhabene Gebirgszüge auf der einen und auf der anderen Seite Wüsten, die ich durchquert habe: ein wildes, unwegsames, undurchdringliches Nichts.

Die schwierigen Pistenverhältnisse auf dem Pamir Highway waren schon etwas brenzlig. Nach einem schmerzhaften Sturz, bei dem mir eine Eisenkante des Motorrads den Fußknöchel beinahe gespalten hat, war es unglaublich schwer, wieder auf das Motorrad zu steigen. Nur mit Hilfe des Mitgefühls und der mentalen Unterstützung meiner Biker-Mentoren konnte ich die Angst vor einem erneuten Sturz überwinden und wieder aufsteigen.

Reisen in politisch schwierigen Regionen

Du bist auch durch Länder wie z.B. Tadschikistan oder den Iran gereist, in denen schwierige politische und soziale Verhältnisse herrschen und Menschenrechte missachtet werden. Die schwierigen sozialen Verhältnisse z.B. in Tadschikistan und insbesondere in der autonomen Region Gorno-Badachschan sind deutlich erkennbar: kein fließendes Wasser, nur stundenweise Strom über Generatoren, keine ärztliche Infrastruktur für Notfälle. Und Arbeitsplätze, Schulen, Krankenhäuser gibt es nur in den größeren Orten. Die politische Unterdrückung im Iran ist überall fühlbar und ständiger Begleiter. Wer sich nicht den schiitischen Regierungsparteien zuordnet, oder beispielsweise vom Islam zum Christentum konvertiert, ist so gut wie tot.

Die Welt auf zwei Rädern erkunden: Nadia und Mitchel

Mitchel und Nadia erkunden die Welt auf zwei Motorrädern. Nadia Pop und Mitchel de Jager verliebten sich im Sommer 2015, an einer Bushaltestelle in den Niederlanden. Damals ahnten die beiden nichts davon, dass sie ihre gemeinsame Reise deutlich weiter als ein paar Kleinstadt-Haltestellen bringen würde. Und sie konnten schon gar nicht wissen, dass sie sieben Jahre später, im Juni 2022, die Reise ihres Lebens antreten würden - und dann noch auf zwei Motorrädern.

In den Monaten davor war ihnen aufgefallen, dass sie nun eigentlich alles erreicht hatten: einen Universitätsabschluss, eine solide berufliche Laufbahn, eine schöne Wohnung, in der als Haustiere sogar zwei Nymphensittiche herumflatterten. Doch eines Abends kam die Frage auf, was der jeweils andere mit einer Million Euro anstellen würde - und beide stellten fest, dass ihre Antwort darauf identisch ist: ein großes Abenteuer erleben, frei sein und die Verbundenheit mit der Natur spüren.

Die Vorbereitung

„Wir wollten nicht auf einer ‚Irgendwann-Insel‘ enden, von der wir zurückblicken und feststellen, dass wir uns viele Träume nicht erfüllt haben“, erklärt Nadia ihre Motivation. Im Laufe des nächsten Jahres trafen sie alle notwendigen Vorbereitungen für die Reise. Mitchel fügt hinzu: „Wir verkauften alles, was wir hatten, und besorgten uns das Nötigste, was wir für das Abenteuer brauchten. Alle Dinge, die wir dann noch besaßen, landeten auf unseren Motorrädern - und wir legten eine kleine Reserve auf unserem Bankkonto an.“

Die Route und die Erfahrung

Seit über einem Jahr leben die beiden nun auf der Straße, oder besser gesagt: auf den Autobahnen und Holperstrecken dieser Welt. Sie starteten in ihrem Heimatland, den Niederlanden, und fuhren dann nach Belgien, Frankreich, Großbritannien, Italien, Slowenien, Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Montenegro, Albanien, Nordmazedonien und Griechenland. Danach führte sie ihre Reise von der Türkei in den Irak, nach Kuwait, Saudi-Arabien, Bahrain, Katar, in die Vereinigten Arabischen Emirate und den Oman.

Als der reisereporter die beiden Abenteurer erreicht, ist das Paar gerade in Kenia angekommen, dem ersten afrikanischen Land auf ihrem Abenteuer-Trip. Mit dem Motorrad wollen sie von Ostafrika nach Süden fahren. „Wir werden etwa zwölf Monate brauchen, um von Kenia nach Kapstadt zu gelangen“, plant Mitchel.

Vorteile des langsamen Reisens

„Bei unseren Reisen über Land ist uns aufgefallen, dass die Veränderungen der Landschaft und der Kultur viel gemächlicher vonstattengehen als bei der Ankunft mit dem Flugzeug. Das macht es einfacher, sich an die unbekannte Gesellschaft anzupassen“, sagte Nadia. Die beiden reisen bewusst in einem langsamen Tempo, um sich der lokalen Kultur anzunähern und auch etwas von der Sprache zu lernen.

Albanien und Montenegro: Geheimtipps

Von den europäischen Ländern, welche die beiden bereits mit dem Motorrad durchquert haben, haben es ihnen vor allem Albanien und Montenegro angetan. Doch wer nach einem europäischen Reiseziel suche, das relativ abseits der ausgetretenen Pfade liegt und in dem es viel zu entdecken gibt, könne sich nach Meinung des Motorrad-Duos kein besseres Ziel aussuchen. Da der Tourismus dort noch in den Kinderschuhen steckt, sind die Erfahrungen wirklich authentisch. Und ein weiteres großes Plus: Beide Länder sind sehr preisgünstig!

Der Irak: Ein besonderes Abenteuer

Eine Tour, die die beiden besonders geprägt hat, waren die fünf Wochen im Irak - ein Land, in das kaum ein Tourist oder eine Touristin jemals einen Fuß setzt. Die Natur und die Landschaften waren atemberaubend, von den Bergen und Seen im Norden Iraks und Kurdistans bis zu den endlosen Wüsten im Süden“, schwärmt Mitchel. Zudem seien die Menschen äußerst respektvoll und gastfreundlich gewesen.

Auch in Bagdad verbrachten die beiden mehrere Tage, die Stadt ist als kulinarische Hauptstadt des Nahen Ostens bekannt. Ein Highlight war auch der Besuch der Ruinen von Babylon. Im Irak fanden wir endlich das Abenteuergefühl, nach dem wir uns gesehnt hatten“, sagt Nadia und Mitchel ergänzt: „Jeder Tag war mit Unbekanntem, Ungewissheit und Herausforderungen gefüllt. Wir können mit Fug und Recht behaupten, dass wir in den fünf Wochen, die wir im Irak verbracht haben, mehr gelernt haben als in den Monaten davor.“

Herausforderungen des Abenteuer-Lifestyles

Hier spielt auch eine Rolle, dass das Paar aufgrund von Visaproblemen deutlich länger als gedacht im Irak festsaß. An diese Phase erinnern sich die beiden als große psychische Herausforderung. Dennoch sei es nach Einschätzung der Weltenbummler nicht unberechtigt, dass Teile des Irak Reiseverbotszonen sind. Wer dorthin fährt, sollte sich vorher gründlich informieren, um eine fundierte Entscheidung über die Route treffen zu können.

Sicherheitsaspekte

Die Frage nach dem Sicherheitsaspekt ihres neuen Lifestyles bekommen die beiden oft zu hören. Ihrer Meinung nach ist Einschätzung von Gefahren subjektiv. „Unser größtes Risiko ist es, Opfer eines Verkehrsunfalls zu werden - die wichtigsten Fraktionen sind hierbei das gefährdende Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer und schlechte Straßen“, sagt Mitchel.

Beziehungs- und Arbeitspartner unter extremen Bedingungen

Das Paar empfindet es als Glück, seine Eindrücke immer miteinander teilen zu können. Schon bevor sich die zwei kennengelernt hatten, waren beide unabhängig voneinander viel unterwegs. Während der Beziehung vertiefte sich dann die Faszination für das Entdecken neue Länder und Kulturen. „Das Reisen mit dem Partner ist intensiv - und wir arbeiten auch noch zusammen, 24/7. Das kann sehr überwältigend sein. Aber es ist auch unsere größte Stärke. In dieser Zeit haben sie vor allem drei wichtige Erkenntnisse gewonnen:

  • Gesteigertes Glück
  • Sich nicht zu verzetteln
  • Erhöhter Fokus

Die Wahl des richtigen Motorrads

Ein Motorrad für eine Weltreise muss auf jedem Terrain zurechtkommen und niemals kaputt gehen. Das ist natürlich eine Utopie. Aber es gibt einen Markt dafür und die Hersteller bemühen sich, daran möglichst nah heranzukommen. Motorräder, die abseits der Straße fahren können, nennt man Enduros und diejenigen, die beides beherrschen sollen, heißen Reiseenduros.

Auf dem Motorrad-Weltreise-Blog “Howfarcanwego.de” fand ich ein Anforderungsprofil für Reise-Motorräder. An diesem hangelte ich mich entlang. Ich lernte, dass Pferdestärken keine große Rolle spielen, Gewicht aber schon. Trotzdem gibt es offensichtlich den Trend, dass Reiseenduros immer schwerer und stärker werden, was wohl auch daran liegt, dass die meisten Menschen fast nie offroad fahren, geschweige denn mit dem Motorrad auf Weltreise gehen. Der SUV-Trend der vierbeinigen Verwandtschaft lässt grüßen.

Irgendwann schoss ich mich auf zwei Modelle ein: Suzuki DR 650 und Yamaha XT 660 R. Beide wiegen unter 200 Kilogramm, sind sowohl Straßen- als auch Gelände-tauglich, verfügen über etwa 45 PS, extrem zuverlässig als auch leicht zu reparieren. Diese Motorräder haben schon vielen Globetrottern treue Dienste erwiesen.

Nun kam also eine neue Version auf den Markt: die Yamaha Ténéré 700. Wie ich las, war “back to the roots” das Motto der neuen: 204 Kilogramm bei 73 PS. Yamaha schuf eine für die heutige Zeit leichte Reiseenduro mit vergleichsweise geringer, aber deutlich höherer Leistung als die der Vorgänger. Außerdem zeichnet die neue Ténéré aus, dass sie kaum Elektronik-Schnickschnack hat. Außer ABS ist nichts drin.

Mit knapp 10.000 Euro war die Téneré 700 zwar vergleichsweise günstig, allerdings hatte ich eher an etwa die Hälfte der Summe gedacht. Zudem hat eine neue Maschine zwar den Vorteil, dass sie erstmal nicht kaputt gehen sollte, aber es tut auch deutlich mehr weh, wenn sie mal umfällt oder Kratzer bekommt.

Weitere Überlegungen und Tipps

Hier sind einige zusätzliche Überlegungen und Tipps von erfahrenen Motorradreisenden:

  • Versicherungen: ADAC plus gilt übrigens nur in Europa. Auf Fernreisen lernt man schnell Versicherungsprinzip in fast allen Lebensbereichen zu vergessen. Lösungen finden sich auf anderem Wege.
  • Motorradwahl: Das Motorrad auf dem Du Dich wohl fühlst ist es - egal ob es eine Enduro ist und ob sie nach sachlichen Kriterien perfekt ist.
  • Kommunikation: Satelitentelefon ist Mumpitz. Das braucht man höchstens wenn man in eine wirklich menschenleere Wüste fährt.
  • Sicherheit: Als Frau um die 50 mit dem Motorrad zu Reisen ist in der heutigen Zeit nicht einfach. Nicht nur das Frau seine eigenen Ecken und Kanten hat kommt auch noch die Sicherheit des einzelnen Landes dazu.
  • Gepäck: Ich hatte von allem zu viel dabei, zu viele Kleider, zu viel Ausrüstung, zu viel Kosmetik, auch emotionale Dinge, wie einen Kaschmirschal, den meine Mutter mir gegeben hatte. Nach zwei Wochen habe ich die Hälfte meines Gepäcks nach Hause geschickt. Mir fällt nichts ein, was ich nicht auch unterwegs hätte kaufen können.

Tristan Duchscherer: Daten und Fakten seiner Weltreise

Kriterium Wert
Dauer 17 Monate
Gefahrene Kilometer 63.000 km
Anzahl der bereisten Länder 29
Motorrad KTM 390
Start der Reise September 2023

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