Italien hat sich zu einem beliebten Ziel für Radfahrer entwickelt. Die Streckenführung der EuroVelos ist in Italien wirklich gut durchdacht, sodass im Vorfeld kein Änderungsbedarf bestand. Die Straßen sind rücksichtsvoll gegenüber Radfahrern, und die Routen durch die Berge sind atemberaubend.
Die Planung Ihrer Radreise in Italien
Bevor Sie aufbrechen, ist eine gute Planung unerlässlich. Hier sind einige wichtige Punkte, die Sie berücksichtigen sollten:
- Anreise: Wie gelangen Sie und Ihr Fahrrad nach Italien? Optionen sind Zug, FlixBus oder Flugzeug.
- Routenwahl: Wählen Sie Radwege, die zu Ihrem Fitnesslevel passen.
- Fahrradtyp: Ob Mountainbike, Tourenrad oder E-Bike - wählen Sie das richtige Fahrrad für Ihre Tour.
- Reisezeit: Frühling und Herbst sind ideal, um die Hitze des Sommers zu vermeiden.
- Unterkünfte: Campingplätze, Hotels oder Pensionen - buchen Sie im Voraus, besonders in der Hochsaison.
- Gepäck: Packen Sie leicht und berücksichtigen Sie Kleidung für jedes Wetter.
EuroVelo Routen in Italien
Nach den positiven Erfahrungen aus Frankreich, der Slowakei und Kroatien entschieden wir uns erneut die EuroVelos zu nutzen. Die Streckenführung der EuroVelos ist in Italien wirklich gut durchdacht, sodass wir im Vorfeld keinen Änderungsbedarf sahen. Ledigleich in der Gegend bei Orvieto bauten wir eine zusätzliche Bergetappe ein, um die märchenhafte Altstadt von Bagnoregio zu besuchen. Zwischen Bologna und Tarent gibt es eine IC-Verbindung, bei welcher eine Fahrradmitnahme gestattet ist. Ein kleines Fahrrad-Symbol bedeutet, dass die Mitnahme erlaubt ist.
Erfahrungen auf der Strecke
Der urbane Trubel zu Beginn dieses Abschnittes wurde durch breite Radwege der Stadt etwas aufgelockert. Im Folgenden wechselten sich kleine und größere Dörfer, Hügel und Flussabschnitte ab. Ab und an fuhren wir auf großen Talstraße, nutzten aber häufiger Nebenstraßen. Links und rechts türmten sich immer höhere Berge auf, dabei durchquerten wir einen Wald mit alten, hohen Bäumen. So eine Vegetation sollte auf dieser Tour die Ausnahme bleiben, denn grundsätzlich ist Italien ein sehr dicht besiedeltes und landwirtschaftlich stark genutztes Land.
Nach einem Pass folgte eine steile Abfahrt, während der wir bereits die Vororte von Florenz von oben betrachten konnten. Wir konnten das historische Stadtzentrum und die gothische Kathedrale von Florenz im Dauerregen des Novembers genießen. Nach Florenz folgten Abschnitte auf kleineren und größeren Straßen, die aufgrund des hohen Verkehrsaufkommen anstrengend zu fahren waren. Glücklicherweise hatte dies nach dem Örtchen Burchio ein Ende. Nun folgte ein abwechslungsreicher Abschnitt mit steilen Anstiegen und langen flachen Abschnitten entlang des Flusses Arno.
Irgendwann endeten die Hügel und der EuroVelo durchquerte eine schier endlose Tiefebene, welche eingesäumt von zahlreichen Hügelstädten nach Süden führte. Das entspannte Rollen durch das Flachland wurde nach etwa 90 km aprupt unterbrochen. Doch die Strapazen lohnten sich. Wir wurden mit Panoramaausblicken und schließlich mit der Stadt Orvieto belohnt, die majestätisch auf einem Tuffstein-Felsen thront. Von Orvieto aus begaben wir uns auf einen kleinen Umweg und verließen den EuroVelo 7, um die Stadt Bagnoregio tief in den Bergen zu besuchen. Majästetisch und einsam thront die Altstadt hoch oben auf einem schroffen Fels. Der Blick über die Umgebung war gigantisch. Diese Ausblicke mussten wir uns allerdings mit vielen schweißtreibenden Höhenmetern erkaufen. Aber diese Mühe war es definitiv wert.
Für fast zwei Tage war unsere Variante und der EuroVelo nun ein steter Wechsel aus Berg mit Bergstädtchen und tief eingeschnittenen Tälern. Eine der vielen Abfahrten durch kleine Ortschaften und Weinberge war schließlich ungewöhnlich lang. Wir erreichten ein besonders tief gelegenes und weites Tal. Auch wenn die Planer des EuroVelos bemüht waren wenig befahrenen Straßen und Feldwegen zu folgen, so war der zweispurige Tiber-Radweg doch eine willkommene Abwechslung. Wir wollten schon lange den Petersdom und das Kolosseum mit eigenen Augen sehen. Und nun standen wir mit den Reiserädern, verschwitzt und schmutzig davor. Ein deutlicher Kontrast zu den Touristenmassen, die sich hier auch im November tummelten. Wir gönnten uns einen freien Nachmittag im Getümmel der Altstadtgassen und besichtigen die Highlights der italienischen Hauptstadt.
Um 7 Uhr, es war noch dunkel, starteten wir die Abfahrt aus Rom. Ziel war es dem Hauptverkehr auszuweichen und das Kolosseum noch einmal nur für uns zu haben. Rom verfügt über einige Radwege, die Stadt ist allerdings sehr weitläufig und je weiter man sich vom historischen Kern entfernt, desto autofreundlicher wird die Stadt. Nachdem wir den urbanen Raum verlassen haben, konnten wird endlich durchatmen - und wie! Von nun an wurde das Land mit jedem Kilometer weniger dicht besiedelt und auch die Berge ragten immer höher und höher auf. In Italien muss man hinter jeder Kurve mit allem rechnen. Vierspurige Straße, Altstadt mit engen Gassen, Trampelpfad, Schlammpiste oder wie in diesem Fall: ein hervorragend ausgebauter Radweg auf einer Bahntrasse! Über aussichtsreiche Kilometer erklommen wir mit moderater Steigung die Hänge der Apenninen. Diese Fahrt in den Sonnenuntergang führte uns in die (Berg-)Stadt Fiuggi, welche in ganz Italien führ ihr heilsames Wasser bekannt ist.
Ob mit diesem Wasser tatsächlich Nierensteine zu therapieren sind, wie bereits bei einem früheren Papst, konnten wir nicht prüfen. Da Fiuggi hoch am Berg gelegen ist, ging es auf den danach folgenden Kilometern steil bergab bis nach Ferentino. Im Anschluss gestaltete sich die Strecke aus einem steten auf und ab. So begnügten wir uns auch das weltberühmte Kloster Monte Cassino, welches hoch oben auf einem Berggipfel thront, von unten zu betrachten und unsere Reise fortzusetzen. Diese Entscheidung sollte sich später als goldrichtig herausstellen. Am Abend genossen wir einen herrlichen Sonnenuntergang im Dorf San Vittore del Lazio. Hier übernachteten wir im B&B Sud e Magia. Der Besitzer ist nicht nur ein herzlicher Gastgeber, sondern auch noch gelernter Koch. Es folgt eine alte Passstraße, die dank eines Tunnels heute nahezu autofrei ist. Der EuroVelo schwenkte nun von der Westseite der Apenninen in eine große Ebene. Es folgte ein fahrtechnisch einfacher Abschnitt.
Am Ende wurden wir mit der belebten Stadt Benevento belohnt. Neben einem Amphitheater sowie Triumphbogen laden auch zahlreiche Restaurants in der autofreien Altstadt zum verweilen ein. Die Bergwelt war hier ein stetes Auf und Ab durch eine zunehmend kahle Landschaft. Sieht man hier Bäume, so sind diese meist Teil einer Plantage. Endlose Felder ziehen sich bis zum Horizont, nur unterbrochen von einigen Windrädern. Die hügelige Einöde wird jedoch immer wieder von den Bergstädten unterbrochen, die sich hier noch einmal in ihrer ganzen Vielfalt präsentieren. Im kleinen Accadia gibt es einen Ortsteil, der nach einem Erdbeben verlasssen wurde und seit Jahrzehnten - wie eine Zeitkapsel - unverändert geblieben ist. Die Stadt Sant Agata di Puglie thront so hoch auf einem spitzen Berg, dass man meinen könnte, Tolkien hätte sich hier inspirieren lassen. Und in Venosa wird in einem modernen Museum, tief unter der perfekt erhaltenen Festung, die Geschichte von den vorrömischen Samniten bis zum heutigen Tag lebendig.
Wir konnten diesen Abschnitt daher trotz des Wetters genießen, bis wir bei Palazzo San Gervasio im Schlamm steckenblieben. Als der EuroVelo über eine geschlossene Schlammpiste führte, war das komplette Fahrrad nach kurzer Zeit mit einer Kruste überzogen. Die Kulisse des aktuellen James Bond („No time to die“) erhebt sich auch hier inmitten einer kahlen, landwirtschaftlich geprägten Landschaft und steht im krassen Kontrast zu dieser. Spätestens hier endeten die Berge und wir durchquerten eine flache bis leicht hügelige Landschaft. Eine dieser Schluchten verläuft vor der alten Stadt Matera. Während viele Alstädte, Bergstäde und Zentren wie Rom doch stark von der Moderne überprägt wurden, wartet Matera mit einer nahezu unberührten mittelalterlichen Altstadt auf.
Die weitläufigen und verschlungenen Gassen laden dazu ein, dass man sich in diesen alten Gemäuern verliert. Dank des Tourismus wurde dieser schwer zugängliche Stadtteil wiederbelebt und beherbergt nun neben Restaurants und Pensionen auch wieder zahlreiche einheimische Bewohner. Von Matera sind es keine 100 km mehr bis Tarent, auf denen es erneut einige Schluchten und kleinere Städte zu sehen gibt. Eigentlich soll man laut EuroVelo ab Massafra den Zug nach Tarent nehmen, wir entschieden uns aber dazu, das Ziel mit dem Rad zu erreichen.
Der Straßenverkehr in Italien
Für viele gilt der Straßenverkehr in Italien als chaotisch und damit gefährlich. Vergiss einfach, was du in der Fahrschule gelernt hast und vor allem sei dreist. Wenn du an einer Kreuzung wartest, bis niemand mehr kommt, dann könnte es sein, dass du dort deinen ganzen Urlaub verbringst. Auf Landstraßen habe ich immer nur gute Erfahrungen gemacht. Anders als bei uns sind die 1,5 Meter Abstand für die Italiener kein Fremdwort. Es wird wirklich immer ausreichend Platz gelassen und es ist auch niemand gleich genervt, wenn er mal abbremsen muss.
Ein Problem stellen die zahlreichen Kreisverkehre dar. Solltest du nicht gleich die nächste Ausfahrt nehmen, dann trau dich und fahre in die Mitte der Spur. Ansonsten kann es passieren, das abbiegende Autos verdammt nah kommen. Ach ja und noch etwas zur Gelassenheit der italienischen Autofahrer. Ich bin mittlerweile drei Mal versehentlich auf einer Autobahn gelandet und selbst dort wurde die Spur gewechselt. Das Hupkonzert bei einem Radfahrer auf einer deutschen Autobahn möchte ich mir lieber nicht vorstellen. Besondere Verkehrsvorschriften gibt es eigentlich nicht, allerdings ist bei einsetzen der Dunkelheit eine Warnweste Pflicht. Wir sind jedoch noch nie angehalten worden, weil wir keine hatten.
Radwege in Italien
Fahrradfahren ist in Italien durchaus ein beliebter Sport. Aber eben Sport und so triffst du zwar immer und überall auf Rennradfahrer, doch eher selten auf italienische Radreisende. Dennoch ist das Fernradwegenetz gerade im Norden relativ gut ausgebaut. Zu den beliebtesten Strecken gehört die Route München - Venedig über die du mehr in meiner Artikelserie: “Vom Brenner nach Venedig“ erfährst und der Alp Adria Radweg. Den ich hoffentlich auch bald verbloggen werde.
Unvergesslich fand ich auch den Dolomitenradweg, auch wenn er nur ein Teilstück unserer Strecke war. Generell sind diese Radwege sehr gut ausgebaut und weisen lediglich moderate Steigungen auf. Zumal auf den Straßen sehr viel Rücksicht auf Fahrradfahrer genommen wird. So haben wir unsere Radreise durch die Toskana sehr genossen (leider noch nicht verbloggt). Der absolute Renner unserer bisherigen Fahrradreisen in Italien war jedoch unsere letzte Tour, mehr dazu findest du in den Artikeln zu den Abruzzen, dem Gargano und der Amalfiküste.
Beste Reisezeit für eine Radtour in Italien
Die Frage der besten Reisezeit ist wirklich schwer zu beantworten. Zum einen kommt es immer darauf an, ob dich deine Radreise nun durch die Italienischen Alpen oder die Abruzzen führt oder ob du lieber den Süden bevorzugst. Zum anderen sind Wettervorhersagen in der derzeitigen Situation fast unmöglich. Wir haben in den Dolomiten schon geschwitzt, wie die blöden und in Ostia gefroren. Auf Grund von Schulpflicht waren wir immer in den Sommermonaten unterwegs.
Generell gilt jedoch, dass du die Bergregionen bis April meiden solltest. In der Toskana und an der Küste hast du in den Frühlingsmonaten natürlich das Glück, dass alles blüht. Gleiches gilt, je weiter du gen Süden vorrückst. Sollte der Klimawandel nicht noch weitere Kapriolen schlagen gehören natürlich die Monate Juli/August zu den wärmsten. Gemütlich radeln bei 20 Grad plus lässt es sich dann wieder ab Oktober.
Unterkünfte in Italien
Wir sind ja bekennende Camper und wenn es nur irgendwie geht, übernachten wir immer auf einem Campingplatz. Obwohl gerade an der Küste die Campingplätze sehr gut besucht sind, haben wir immer ohne Vorbuchung ein kleines Plätzchen bekommen. In Gegenden, wo es keine Campingplätze gab, haben wir uns in kleinen Hotels und Pensionen eingebucht. Hier allerdings mit Voranmeldung. Zu Buchung haben wir booking. com genutzt und hier immer die unterste Kategorie gewählt.
Radfahren in Italien: Touren und Regionen
Es gibt natürlich eine interessante Auswahl an verschiedenen Regionen beim Radfahren in Italien, die ihr auf einer selbst geführten Radtour erkunden könnt. Von den Gipfeln der Dolomiten, den Inseln Sardiniens, der faszinierenden Geschichte des venezianischen Reiches, der Andersartigkeit im windigen Apulien und dem grünen Herzen Italiens in Umbrien und der Toskana.
Beispiele für Radtouren in Italien
- Apulien: Entdecken Sie Süditalien zwischen Adria und Ionischem Meer, vorbei an Steilküsten und Traumstränden.
- Piemont: Eine mittelschwere Sternradtour durch die ursprüngliche Region Canavese mit sanften Hügeln, historischen Schlössern und italienischer Lebensfreude.
- Dolomiten-Adria: Von den Dolomiten im Hochpustertal bis zur Adria.
- Venedig nach Florenz: Erleben Sie die wunderschöne Region Emilia-Romagna mit Weinbergen, Sonnenblumenfeldern und charmanten Dörfern.
- Via Francigena: Befahren Sie den bekannten Pilgerweg von Aosta nach Rom oder wählen Sie die 9-tägige Radtour von Siena ins Herz Roms.
- Florenz nach Siena: Tauchen Sie in nur vier Tagen in die toskanische Landschaft ein und genießen Sie die regionalen Weine im Chianti Gebiet.
Wichtige Überlegungen für Ihre Radreise
- Reiseplanung: Planen Sie Ihre Radreise selbst oder buchen Sie geführte Radreisen inklusive Unterkunft und Verpflegung.
- Gepäcktransport: Nutzen Sie den Gepäcktransport durch den Veranstalter, um leicht zu reisen.
- Unterkünfte: Buchen Sie Unterkünfte im Voraus oder entscheiden Sie sich spontan für Übernachtungsgelegenheiten entlang der Strecke.
Sehenswürdigkeiten entlang der Route
Erstellen Sie eine Liste mit den Sehenswürdigkeiten, die Sie auf Ihrer Radreise sehen und erkunden möchten. Teilen Sie die Liste in drei Kategorien ein: Absolutes Must-see, persönliches Highlight und »wäre interessant« falls noch Zeit übrig ist.
Einige der großen Sehenswürdigkeiten sind zwar kostenlos zu besuchen, doch ist die Schlange, um ein Ticket vor Ort zu erwerben recht lang. Daher könnt ihr euch entspannt überlegen, euch vorab und rechtzeitig einen Platz zu sichern.
Achtsamkeit - rund um die Sehenswürdigkeiten in Italien, aber auch in anderen Ländern hat sich in den vergangenen Jahren eine Betrugsmasche entwickelt. Eigentlich kostenlose Attraktionen werden von Betrügern plötzlich mit teuren Tickets verbunden. Bevor ihr nun für ein Ticket Geld bezahlt, solltet ihr genau prüfen, ob der Eintritt überhaupt gerechtfertigt ist - vor allem in der verlangten Höhe.
Zusätzliche Tipps für eine gelungene Radreise
- Flexibilität: Seien Sie bereit, Ihre Pläne anzupassen, falls sich unvorhergesehene Ereignisse ergeben.
- Offenheit: Gehen Sie auf die Einheimischen zu und lassen Sie sich von ihrer Gastfreundschaft überraschen.
- Genuss: Nehmen Sie sich Zeit, die Landschaft, die Kultur und die kulinarischen Köstlichkeiten Italiens zu genießen.
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