Montagefluid, Tubeless und Spikereifen im Test: Alles, was Sie über Fahrradreifen wissen müssen

In den letzten 12 Monaten waren 2042 Mitglieder in Fahrradforen aktiv, um sich über die beste Ausrüstung und Wartung zu informieren. Ein häufig diskutiertes Thema ist die Verwendung von Montagefluid für Fahrradreifen. Dieser Artikel fasst die wichtigsten Erkenntnisse und Erfahrungen zusammen, um Ihnen bei der Auswahl und Montage Ihrer Reifen zu helfen.

Montagefluid: Notwendigkeit oder Luxus?

Die Frage, ob Montagefluid notwendig ist, spaltet die Gemüter. Viele Radfahrer ziehen Reifen problemlos ohne Hilfsmittel auf, aber es gibt auch Fälle, in denen es unerlässlich ist.

Wann ist Montagefluid sinnvoll?

  • Bei widerspenstigen Reifen-Felgen-Kombinationen.
  • Für Marathon-Fahrer, die Schwierigkeiten beim Aufziehen ihrer Reifen haben.
  • Um den Reifen richtig im Felgenbett zu zentrieren.

Einige Radfahrer schwören auf spezielle Produkte wie das Schwalbe Montage Fluid oder das REMAXX Montage Fluid von Tip Top, während andere auf Hausmittel wie Spüli oder Schmierseife setzen. Die Erfahrungen sind unterschiedlich, aber viele betonen, dass es auf die richtige Dosierung ankommt. Nicht vollsuddeln, sondern bedächtig mit dem Zeugs umgehen.

Alternativen zum Montagefluid

  • Spüli: Ein wenig Spüli kann helfen, den Reifen leichter aufzuziehen.
  • Schmierseife: Für schwierige Fälle ist Schmierseife eine gute Alternative.
  • Abwaschmittel: Unterwegs kann eine kleine Seife im Handgepäck helfen.
  • Speichel: In der Not tut es auch Speichel, aber oft fehlt die Menge.

Es gibt auch den Tipp, neue Reifen auf eine leere Felge zu montieren und sie im Keller zu lagern, bis sie gebraucht werden. Dies kann helfen, die Reifen etwas zu dehnen und die Montage zu erleichtern.

Tubeless-Reifen: Nie wieder einen Platten?

Schlauchlose Reifen für Fahrräder, E-Bikes oder Gravelbikes sollen helfen, dieses Versprechen zu halten. IMTEST stellt die Tubeless-Technologie vor, verrät welche Vorteile Tubeless-Reifen bieten, ob sich die Umstellung auf Tubeless-Reifen lohnt - etwa beim E-Bike oder beim Gravelbike - und wo die Nachteile lauern.

So funktionieren Tubeless Rad-Reifen

Reifen ohne Schlauch sind so konstruiert, dass sie ohne zusätzliche Schläuche luftdicht bleiben. Eine spezielle Dichtmilch wird in das Tubeless-System eingefüllt, die dann als eine Art „flüssiger Schlauch“ fungiert. Der Vorteil: Durch die Milch werden kleinere Löcher während der Fahrt von der Flüssigkeit abgedichtet.

Schlauchlose Fahrradreifen weisen in der Regel die Merkmale von Falt- oder Drahtreifen auf, die - einmal aufgezogen - mit der Felge eine hermetisch abgeschlossene Luftkammer bilden. Zur Abdichtung des Reifens und zur Verhinderung von Luftaustritt durch die Speichenlöcher wird - zumindest bei Tubeless-Ready-Felgen - ein Felgenband am Felgenboden angebracht. Ein spezielles Tubeless-Ventil sorgt dafür, dass keine Luft durch das Ventilloch entweichen kann.

Checkliste: Das braucht man für die Montage eines Tubless Fahrrad-Reifens

  • Tubeless Reifen
  • Luftdichtes Tubeless Laufrad oder ein Tubeless-taugliches Laufrad („Tubeless-Ready“) - mit Tubeless-Felgenband
  • Tubeless-Ventil
  • Dichtflüssigkeit (auch als Dichtmilch, Pannenflüssigkeit bezeichnet)
  • Montagefluid
  • Standpumpe
  • Putztuch

Die Vor- und Nachteile schlauchloser Reifen

Durch den fehlenden Schlauch kommt es zu einem deutlich geringeren Rollwiderstand im Vergleich zu herkömmlichen Falt- oder Schlauchreifen. Im Klartext: Bei Tubeless-Reifen tritt keine unnötige Reibung mehr zwischen Reifen und Schlauch auf. Zudem kann mit schlauchlosen Reifen mit einem niedrigeren Luftdruck gefahren werden, was gerade im Gelände für eine höhere Kontrolle des Rades sorgt.

Neben den Vorteilen bei Geschwindigkeit, Komfort und Untergrund-Haftung spricht auch die Pannensicherheit für Tubeless Fahrrad-Reifen. Das Risiko von „Plattfüßen“ durch kleinere Löcher wird nahezu ausgeschlossen, da die Pannenschutzflüssigkeit im Reifen etwaige kleinere Einstiche, Löcher oder gar Risse innerhalb von Sekunden abdichtet. Das Platzen von Tubeless-Reifen oder Ventilen lässt sich sogar nahezu ausschließen.

Vorteile von Tubeless-Reifen:

  • Geringerer Rollwiderstand
  • Fahren mit geringerem Luftdruck möglich
  • Mehr Grip durch geringeren Luftdruck
  • Besseres Fahrgefühl (= Komfortgewinn)
  • Selbstreparatur bei kleinen Schäden durch Dichtmilch
  • Kein Risiko durch platzende Schläuche oder Ventilabrisse

Nachteile von Tubeless Fahrradreifen:

  • Anschaffung spezieller Felgen und anderer Teile erforderlich
  • Regelmäßiges Nachfüllen von Dichtmilch notwendig
  • Aufwändigere Montage als bei normalen Fahrradreifen
  • Benötigung einer Standpumpe, speziellen Handpumpe mit Druckreservoir oder gar eines Kompressors zum Aufpumpen

Spikereifen im Winter: Sicher unterwegs auf Eis und Schnee

Spikereifen sind prinzipiell für alle gedacht, die im Winter sicher unterwegs sein wollen und mit Schnee, Eisflächen oder Blitzeis rechnen. Dabei ist es egal, ob Sie auf einem Trekking-, Mountain-, Fat- oder Gravelbike pedalieren, ob Sie mit oder ohne Motorunterstützung fahren. Und selbst für kleine 20- und 24-Zoll-Reifen an Lasten-, Kompakt- oder Kinderrädern gibt es Alternativen (Schwalbe).

Klassische Räder ohne Motor und Pedelecs dürfen mit Spikes im Straßenverkehr teilnehmen.

Worauf sollte man beim Kauf von Spikereifen achten?

Zuerst die Breite, denn Spikes bauen durch das wintertaugliche Profil und die überstehenden Spikes etwas breiter und höher als klassische Reifen. Dem entgegnen die Hersteller, indem sie trotz der offiziell gleichen Größe meist etwas kleiner fertigen. So passen die Spikes dann mit Blick auf das Platzangebot in Rahmen und Gabel, ohne dass eine Nachjustage der Schutzbleche nötig ist. Ein Check mit eingebauten Reifen ist trotzdem sinnvoll, damit die Stahlkrallen nicht doch an der Lackierung streifen.

Schlauchlos fahren mit Spikes?

Alle Hersteller bieten bei Mountainbikereifen (und 45Nrth beim Gravelreifen) die Möglichkeit, auf den Schlauch zu verzichten. Das bringt in der Praxis einen geringeren Rollwiderstand, weniger Gewicht und einen Selbstheilungseffekt durch die dann zwingend zu verwendende Dichtmilch. Allerdings sollte diese für kalte Temperaturen freigegeben sein, damit sie ihrer Arbeit perfekt nachgehen kann.

Wie lange halten Spikereifen?

Die meist verbauten, gehärteten Stahlspikes aus Wolfram-Carbid-Stahl sind härter als Asphalt, halten mehrere tausend Kilometer und damit mehrere Jahre.

Weitere wichtige Aspekte bei Spikereifen

  • Stabilität und Gummimischung: Damit sich die Spikes nicht vorschnell verabschieden und sicher sitzen, muss die Karkasse stabiler und die Gummimischung härter ausfallen. Der Gummi darf bei kalten Temperaturen trotzdem nicht verspröden und muss gute Traktion generieren.
  • Profil: Für eine gute Funktion bei Matsch und Schnee sollte das Profil deutlich offener gestaltet sein und eine gute Selbstreinigung aufweisen.
  • Gewicht: Wer Gewicht sparen will, setzt beim Reifenfuß statt auf den klassischen Stahlring auf einen leichten Aramidkern.

Luftdruck bei Spikereifen

Je nach Luftdruck, Positionierung und Anzahl liegen die seitlichen Spikes mehr oder weniger stark auf. Im Alltag und Trekkingbereich kann der Reifen so schnell und einfach an die Verhältnisse angepasst werden. Mit mehr Druck sinkt die Auflagefläche, der Grip und der Reifen rollt zügiger. Weniger Druck bewirkt genau das Gegenteil.

Spikereifen im Test: Pannenschutz und Rollwiderstand

Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, war es dank der Firma Bohle das erste Mal möglich, Spikereifen einem echten Prüfstandtest zu unterziehen. Das Problem sind die Spikes: Die gehärteten Spitzen zerstören die glatte Oberfläche der Prüfmaschine. Daher wurde extra ein spezieller Schutzgürtel angefertigt.

Ergebnisse im Überblick:

  • Pannenschutz: Schwalbe liegt beim Durchschlagschutz vorn, Continental beim Durchstichtest.
  • Rollwiderstand: Die höchsten Werte finden sich im MTB- und Fatbikebereich bei 45Nrth, Kenda und ReTyre um die 40 Watt (ca. 75 Prozent mehr).
  • Gewicht: Einige der schwersten Modelle zählen überraschend zu den besten beim Rollwiderstand!

Vergleicht man die Ergebnisse mit einem ähnlichen Reifenaufbau von Standardreifen, so laufen Spikereifen im Schnitt circa 10 Watt schwerer, wodurch in Summe ein Mehraufwand von 20 Watt entsteht.

Empfehlungen für Spikereifen

Empfehlungen heimsen beim Mountainbike Suomi und im Trekkingbereich Continental und Specialized ein.

Die Testsiege in den Kategorien gehen an Vee Tire Co. (Fatbike) sowie Schwalbe (MTB und Trekking).

Allgemeiner Reifentest: Worauf kommt es an?

Fahrradreifen haben kein leichtes Leben: Steine, Dornen und Glasscherben trachten täglich nach ihrer Luft. Schotter sowie Flur- oder Waldwegen gute Leistung bringen. Die schwarzen Rundlinge müssen also viel leisten, wodurch das Lastenheft dementsprechend lang ausfällt.

Die wichtigsten Kriterien im Überblick:

  • Pannenschutz: Ein guter Pannenschutz ist unerlässlich, um Pannen zu vermeiden.
  • Rollwiderstand: Ein geringer Rollwiderstand sorgt für ein zügiges Vorankommen und spart Energie.
  • Gewicht: Ein geringes Gewicht ist besonders beim Beschleunigen wichtig.
  • Fahrkomfort: Eine geschmeidige Reifenkonstruktion sorgt für Komfort.
  • Traktion: Die Traktion ergibt sich aus der Griffigkeit der Gummimischung, dem Profil und der Geschmeidigkeit der Karkasse.

Pannenschutz im Detail

Beim Schutz gegen Durchstiche werden drei Tests durchgeführt.

  • Dornen, Nägel oder Draht: Hier überzeugen vor allem Condura, CST, Michelin und die beiden Schwalbe Marathons.
  • Scharfkantige Glasscherben oder Steine: Michelin CityStreet, Scalato Mondano und vor allem Schwalbe Marathon E-Plus sowie G-One setzen sich teils deutlich ab.
  • Widerstandsfähigkeit der Flanken: Maxxis, Michelin City Street und Schwalbes Marathon E-Plus sowie G-One bieten hier sehr hohen Schutz.

Beim Durchschlag, auch Snake Bite genannt, simuliert eine stumpfe Guillotine Kanten, wie sie in der Praxis durch Bordsteine, Gullydeckel oder Wurzeln vorkommen. Die Bestwerte setzen Maxxis, Michelin und Schwalbe Marathon E-Plus.

Tubeless Kits

Tubeless Kits sind gut aufeinander abgestimmte Teile, damit die Migration zum schlauchlosen Reifen besser klappt. Doch nicht alle Radfahrer brauchen diese Kits, ich zeige warum. In diesem Beitrag Info: In diesem Beitrag wurden die Produkte selbst erworben, eine Kooperation mit Herstellern erfolgt nicht. Erfahrt mehr über Werbung auf Velonerd.cc.

Um den Umbau zum Tubeless-System bzw. die Wartung von Tubelessreifen einfacher zu gestalten, gibt es Tubeless-Kits von etlichen Herstellern. Im Regelfall sind diese Sets vor allem dafür gedacht, den Umbau von Tubeless (offiziell und inoffiziell) geeigneten Reifen mit Schlauch zu Tubelessreifen umzubauen. Doch ein Kit bringt auch Komponenten mit, die Du vielleicht nicht brauchst. Welche das sind und ob ein Kit überhaupt das richtige für dich ist, das finden wir in diesem Beitrag heraus.

Der Inhalt eines Tubeless-Kits:

  • Dichtmilch: Nur dank der Dichtmilch (auch: Dichtflüssigkeit oder Dichtmittel) bleibt die Luft im Reifen ohne langsam zu entweichen.
  • Tubeless-Ventile: Auch die Tubeless-Ventile sind für dem Umbau essentiell.
  • Einfüllhilfe: Eine Spritze und oder Schlauchstück zum Befüllen ist sehr hilfreich, aber leider nicht jeder Hersteller denkt daran.
  • Tubeless-Felgenband: Dies benötigt man nur für das Abdichten von undichten Fahrradfelgen - also Fahrradfelgen, die Löcher haben.
  • (Optional) Ventilschlüssel: Der Ventilschlüssel dient dazu, den herausschraubbaren Ventilkern zu entfernen.
  • (Optional) Montage-Fluid: Montage-Fluid soll dabei helfen, den Reifen für den Tubeless-Umbau in die richtige Position zu bekommen.
  • (Optional) Reifenheber: Reifenheber sind immer extrem hilfreich, wenn es um die Montage oder Demontage eines neuen Reifen geht, und man sich nicht die Finger brechen möchte.

Kurz und knapp - nur drei Dinge sind essenziell: Dichtmittel, Ventile und Felgenband; und die letzten beiden auch nicht immer. Bedeutet also, dass ihr mit hoher Wahrscheinlichkeit gar kein Tubeless Kit braucht. Sondern im besten Fall einfach nur die Dichtmilch kauft und loslegen könnt.

Tubelessmilch sorgt bei der Montage dafür, dass Reifen und Felge eine luftdichte Einheit bilden.

Werkzeug und Zubehör für Fahrradreifen

In der Regel bekommen Reifen - sind sie erstmal montiert - nur noch wenig Aufmerksamkeit.

  • Felgenband: Hochwertige Felgenbänder reduzieren schon ab Werk das Pannenrisiko.
  • Flickzeug: Für Butylschläuche hat sich Flickzeug von TipTop stehts bewährt.
  • Luftdruckprüfer: Beste Performance gibt’s nur mit dem richtigen Luftdruck.
  • Montagefluid: Wenn störrisch aufzuziehende Reifen nicht in ihre Endposition springen wollen, hilft Schwalbe EasyFit.
  • Reifenheber: Intelligente Reifenheber wie der Maxalami NoodLever können mehr: Er hebelt nicht nur, sondern hat auch eine clevere De- und Montagefunktion.
  • Schlauch: Ist der Schaden an Tubelessreifen oder Schlauch zu groß, hilft oft nur ein Ersatzschlauch.
  • Silicon-Politur: Gepflegte Reifenflanken sehen besser aus und lassen Dreck nur schwer anhaften.
  • Standpumpe für die Werkstatt: Die große Standpumpe ist ideal für Werkstatt, Garage und Auto und macht das Aufpumpen zum Kinderspiel.
  • Talkum-Puder: Wer mit Schlauch fährt, sollte die Reifen-Innenwand wie auch den Schlauch mit Talkum benetzen.
  • Tubeless-Dichtmilch: Sie steht bei Tubeless-Systemen für den bekannten Selbstheilungseffekt während der Fahrt.
  • Tubeless-Werkzeug: Für Tubeless-Systeme benötigt man spezielles Reparaturwerkzeug.

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