Vor der Anschaffung eines Motorrollers ist es wichtig, sich bezüglich der unterschiedlichen Leistungsstufen der Motoren einen Überblick zu verschaffen. Roller unterscheiden sich hier bei der Anzahl der Zylinder und dem Hubraum. Außerdem unterscheiden sie sich zwischen Zwei- und Viertaktmotor. Um zu entscheiden, welcher Motor der geeignete für Sie ist, geben wir Ihnen hier eine kleine Erklärung zur Art der Motoren.
Der Zweitaktmotor
Der Zweitaktmotor ist zunächst viel einfacher gebaut als ein Viertaktmotor. Er besteht aus weniger Teilen und besitzt keine Nockenwelle oder Ventile. Die Schmierung erfolgt mit dem Treibstoff, bei dem früher das Schmieröl direkt zugemischt wurde. Heute befindet sich dieser in einem Extratank und verfügt über eine automatische Mischeinrichtung. Die Wartung dieser Fahrzeuge erfolgt im Vergleich zu einem Viertaktmotor weniger häufig und eine Reparatur ist unkomplizierter. Grade für Bastler und Tuner gelten solche Fahrzeuge als geeignet.
Der Vorteil des Zweitaktmotors liegt in der hohen Leistung, die der Roller trotz niedriger Drehzahl erreichen kann. Der Roller wird schneller beschleunigt, ist dadurch allerdings auch lauter. Zudem hat er ein generell breiter nutzbares Drehzahlband, ein geringeres Gewicht sowie eine geringere Vibration.
Die Mitverbrennung des Schmieröls bzw. seine schlechte Verbrennung bewirkt eine hohe Partikelemission. Sie liegt sogar über dem Ausstoß eines Pkws mit Dieselmotor. Um diese Schadstoffe zu vermindern, kommen sowohl ungeregelte als auch geregelte Oxidationskatalysatoren zum Einsatz. Auch der dadurch entstehende Abgasgeruch ist erheblich höher als bei einem Viertaktmotor.
Funktionsweise eines Zweitaktmotors
Durch die Aufwärtsbewegung des Kolbens wird das im Zylinder befindliche Luft-Benzingemisch im Brennraum verdichtet. Durch die Verdichtung erhöhen sich Temperatur und Druck des Gemischs. Der nach oben laufende Kolben vergrößert das Volumen im Kurbelwellengehäuse, wodurch ein Unterdruck entsteht, bis die Membran sich öffnet und neues Gemisch ins Kurbelwellengehäuse strömt. Das heiße Gas expandiert und drückt auf den Kolben, wodurch dieser wieder zurück läuft. Das Gas kühlt dabei ab und die Wärme wird in mechanische Energie umgewandelt. Der nach unten laufende Kolben verdichtet dabei das angesaugte Frischgas, sobald der Ansaugkanal verschlossen ist. Sobald der Kolben in Richtung unterer Totpunkt kommt, öffnen sich zuerst die Auslassöffnung und dann die Überström- oder Einlasskanäle. Das Abgas entweicht, zunächst bis der Druck unter den Druck in den Überströmkanälen gefallen ist, der Rest wird durch das einströmende Frischgas ausgespült.
Der Viertaktmotor
Ab 125ccm Hubraum werden heute fast ausschließlich Viertaktmotoren verwendet. Diese unterscheiden sich kaum von einem Automotor. Sie sind entsprechend kompliziert gebaut. Mittlerweile werden immer mehr Viertaktmotoren in 50ccm Roller eingebaut. Besonders leistungsstarke Modelle haben sogar zwei Zylinder mit einer Höchstgeschwindigkeit von bis zu 175 km/h und einer Beschleunigung auf 100km/h in 6,5 bis 8 Sekunden. Geschmiert wird mit einer Ölwanne, deshalb ist ein regelmäßiger Ölwechsel, ähnlich wie bei einem Auto, nötig. Auch beim Fahren ähnelt der Viertakter stark einem Auto. Das Fahrzeug fährt ruhiger und wegen der längeren Beschleunigung etwas schwerfälliger, dafür aber deutlich leiser. Ein weiterer Vorteil des Viertakters ist der geringe Schadstoffausstoß. Dennoch sind Reparaturen und Wartungen, aufgrund der Komplexität des Viertakters aufwendiger und deshalb für Bastler und Tuner weniger geeignet.
Funktionsweise eines Viertaktmotors
Der Kolben ist am oberen Totpunkt, wodurch das Auslassventil geschlossen und das Einlassventil geöffnet wird. Sobald der Kolben sich in der Abwärtsbewegung befindet, wird ein Benzin- / Luftgemisch (bei Vergasermotoren) oder nur Luft (bei Einspritzanlagen) durch das Einlassventil in den Zylinder gesaugt. Durch die Rotationsenergie der Schwungmasse bewegt sich der Kolben wieder in Richtung oberer Totpunkt. Das Gemisch oder die Luft im Zylinder wird nun extrem verdichtet. Durch die Kompression wird das Gemisch auf ca. Nach dem der obere Totpunkt überwunden wurde, brennt das Gemisch selbständig weiter. Die Temperaturen des brennenden Gemischs erreichen 2200-2500C° und bis zu 120Bar. Auf dem Weg Richtung unterer Totpunkt kühlt sich das Gas ab und erreicht nur noch knapp 4Bar Restdruck am unteren Totpunkt. Durch die Aufwärtsbewegung des Kolbens wird das Abgas aus dem Zylinder gedrückt. Dabei ist das Auslassventil dauerhaft geöffnet und es kommt kurz vor dem oberen Totpunkt zu einer Ventilüberschneidung, da dort das Einlassventil beginnt sich wieder zu öffnen.
2-Takter oder 4-Takter: Eine Frage der Präferenz
Viele stellen sich beim Rollerkauf die Frage, ob Sie einen 2-Takter oder 4-Takter kaufen sollen. Bei den Händlern gibt es zum großen Teil durch die immer strenger werdenden Auflagen nur noch 4-Takt Fahrzeuge neu zu kaufen, jedoch sieht es auf dem Gebrauchtmarkt noch anders aus. Hier werden die 2-Takt Modelle immer gefragter, was auch an den stetig steigenden Preisen für gebrauchte Modelle zu erkennen ist.
Vor- und Nachteile im Überblick
Um eine bessere Übersicht zu gewährleisten, hier eine Tabelle mit den wichtigsten Vor- und Nachteilen beider Motortypen:
| Merkmal | Zweitaktmotor | Viertaktmotor |
|---|---|---|
| Bauweise | Einfacher | Komplizierter |
| Leistung | Höher bei niedriger Drehzahl | Gleichmäßiger |
| Wartung | Weniger aufwendig | Aufwendiger |
| Emissionen | Höher | Geringer |
| Geräuschentwicklung | Lauter | Leiser |
| Drehmoment | Breiter nutzbares Drehzahlband | - |
| Gewicht | Geringer | Höher |
| Vibration | Geringer | - |
| Komplexität | Unkomplizierter | Komplizierter |
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