Moped Drossel entfernen: Was ist legal und was nicht?

Viele Jugendliche freuen sich auf ein Stückchen Freiheit, die ihnen ein Mofa, Moped und Motorroller bieten können. Doch weicht die Vorfreude schnell der Enttäuschung, denn wirklich hohe Geschwindigkeiten sind mit den gedrosselten Zweirädern in der Regel nicht möglich. Doch das Drosseln der Fahrzeuge hat seinen Zweck: Diese Führerscheinklassen sind nur für Fahrzeuge gültig, die strengen Auflagen genügen müssen. Es gibt eine Leistungsobergrenze, die das neue Gefährt nicht überschreiten darf.

Warum werden Fahrzeuge gedrosselt?

Die mögliche Höchstgeschwindigkeit wird herabgesetzt, obwohl das Fahrzeug technisch gesehen schneller fahren könnte. Das Fahrzeug darf mit einer bestimmten Führerscheinklasse eine gewisse Leistungsobergrenze nicht überschreiten.

Führerscheinklassen und ihre Beschränkungen

Wer mit 15 seinen ersten Rollerführerschein macht, der erwirbt einen Schein der Klasse AM oder mit 16 die Klasse A1. AM stellt dabei die Klasse mit den wenigsten Berechtigungen dar und erlaubt die Führung eines im Volksmund auch „Moped“ genannten Fahrzeugs. Nächsthöher ist die Klasse A1 fürs Roller-Tuning relevant. Allerdings ist ein Erwerb erst Personen mit einem Mindestalter von 18 Jahren gestattet, sodass dadurch auch die Grenzen beim Roller-Tuning definiert werden.

  • Führerscheinklasse AM: Diese Klasse umfasst die Erlaubnis, mit zwei- oder dreirädrigen Kfz zu fahren, die nicht mehr als 45 km/h fahren können und/oder maximal 50 Kubikzentimeter Hubraum besitzen.
  • Führerscheinklasse A1: Mit dieser Fahrerlaubnis dürfen Sie Krafträder bis zu 125 Kubikzentimeter Hubraum führen. Die Motorleistung der Kfz ist dabei auf 11 Kilowatt beschränkt.

Diese beiden Fahrerlaubnisklassen können bereits von 16-jährigen erworben werden, die Klasse AM sogar mit 15. Haben Sie einen Führerschein der Klasse AM oder A1, dürfen Sie keine leistungsstärkeren Fahrzeuge nutzen.

Was passiert, wenn mein Fahrzeug die festgelegte Leistungsobergrenze überschreitet?

Haben Sie einen Führerschein der Klasse AM bzw. A1 und fahren ein Kfz mit höherer als der festgelegten maximalen Leistung, gilt dies üblicherweise als Fahren ohne Fahrerlaubnis. Das kann eine Geld- oder Freiheitsstrafe nach sich ziehen. Fahren Sie mit einem Führerschein einer der A-Klassen ein Kfz, das die Leistungsbegrenzungen überschreitet, kann dies als Fahren ohne Fahrerlaubnis gewertet werden.

Methoden zur Drosselung von Rollern

Die Entdrosselung von Motorrollern zählt in den Bereich des Scootertunings. Es ist gesetzlich vorgeschrieben, die kleinmotorigen Krafträder auf festgelegte Geschwindigkeiten zu drosseln. Hier eine Übersicht über gängige Drosselungsarten:

  1. CDI-Drosselung (Zündung): Steigt die Drehzahl auf einen zuvor festgesetzten Wert an, wird durch die elektrische Drossel das Auslösen des Zündfunkens unterbunden. Der Motor ist sozusagen in den Leerlauf versetzt, die Geschwindigkeit kann durch das Ausbleiben der Kraftstoffverbrennung nicht weiter gesteigert werden. Die Zündeinheit beim Roller heißt auch kurz CDI. Um die CDI-Drossel zu entfernen, bedarf es dabei zumeist des Austauschs des Bauteils gegen eine ungedrosselte CDI.
  2. Gasschieberanschlag: Diese Drosselart findet sich häufig bei Motorrollern. Der Gasschieberanschlag ist dabei am Vergaser des Zweirads montiert und verhindert, dass der Gasgriff vollständig gedreht werden kann. Um diese Drosselung zu beheben, bedarf es einigen Aufwands.
  3. Distanzringe in der Variomatik: Diese Drosselung findet innerhalb des Getriebes statt. Durch den Einbau von einem Distanzring zwischen Variator und Riemenscheiben kann die Kraftübersetzung beeinflusst sein. Die Distanzringe sollen verhindern, dass der Keilriemen auf die äußerste Riemenscheibe überspringen kann. So wird das baulich mögliche, volle Geschwindigkeitspotential nicht bis zur Gänze ausgereizt. Den Roller zu entdrosseln, ist möglich, indem Sie den Distanzring aus der Variomatik entfernen - also ausbauen.
  4. Axialwegbegrenzer am Variator: Diese Scheibe verhindert, dass die Steigscheibe zu weit aufsteigen kann. So ist die Kraftübersetzung nicht mehr bis zum äußersten Punkt ausreizbar. Durch den Ausbau der Axialwegbegrenzer vom Variator können Sie den Roller ebenfalls entdrosseln. Hierzu schrauben Sie die Drosselscheibe einfach von der Variomatik ab.
  5. Auspuffdrosselung: Bei der Verjüngung des Krümmers wird die Rohrverbindung zwischen Motor und Abgassystem verengt - der Querschnitt des Krümmers vermindert sich somit. So können nicht zu viele Verbrennungsgase in das System abgeleitet werden. Ähnliches ist auch am auf den Krümmer folgenden Abgaseinlass oder am Endschalldämpfer möglich. Diese Roller-Drossel auszubauen ist mit weniger Aufwand verbunden. In der Regel werden nur Abgaskrümmer und/oder Endschalldämpfer gegen neue, ungedrosselte ausgetauscht.
  6. Drosselung über den Ansaugstutzen: Ähnlich wie bei der Auspuffdrosslung kann der Ansaugstutzen verengt werden. Dieses Bauteil liegt zwischen Vergaser und Kurbelgehäuse.
  7. Veränderung der Luftzufuhr ("Schnorchel"): Durch einen sogenannten „Schnorchel“ nehmen die Scooterbauer eine Veränderung der Luftzufuhr in den Verbrennungsraum des Motors vor. Ein derart veränderter Scooter verbrennt so nur eine zuvor festgelegte Kraftstoffmenge.
  8. Vergaser: Zuletzt kann auch über den Einbau kleinerer Vergaser eine Drosselung der Motorenleistung erfolgen. Hierdurch ist zum einen der Kraftstoffverbrauch selbst herabgesetzt.

Diese umfangreichen Möglichkeiten, die den Herstellern zur Verfügung stehen, um die gesetzlichen Vorgaben einzuhalten, finden sich in der Regel stets als Kombination. Das heißt, nicht nur einzelne Veränderungen sind vorhanden, sondern zumeist die Zusammensetzung aus drei und mehr verschiedenen Maßnahmen.

Rechtliche Konsequenzen der Entdrosselung

Aus dem Vorgenannten ergeben sich zahlreiche Angriffspunkte, die es ermöglichen, den eigenen Scooter zu entdrosseln. Doch nur weil es möglich ist, ist es noch lange nicht gleich erlaubt!

Wenn Sie an Ihrem Roller die CDI-Drossel entfernen, ohne die entsprechenden Belege nachweisen zu können, erlischt automatisch die Betriebserlaubnis Ihres Fahrzeuges (B-Verstoß). Hierfür können die Behörden ein Bußgeld in Höhe von 50 Euro erheben. Wenn Sie Ihren Motorroller derart entdrosseln, dabei jedoch lediglich im Besitz der Fahrerlaubnisklasse AM oder A1 sind, kann es sein, dass der modifizierte Roller nicht mehr für Ihre Fahrerlaubnis zulässig ist. Das Fahren ohne Fahrerlaubnis ist eine Verkehrsstraftat.

Was beeinflusst das Tuning beim Roller?

Zum einen sind die Vorschriften der StVZO zu beachten. Zum anderen spielt es eine Rolle, welchen Führerschein der Fahrer besitzt. Müssen Veränderungen eingetragen werden? In der Regel müssen Halter fast alle Veränderungen eintragen lassen. Das erfolgt durch Prüforganisationen wie TÜV oder DEKRA. Haben Teile eine ABE müssen diese nicht erneut geprüft werden. Liegt nur ein Teilegutachten bei oder ist diese nicht vorhanden, steht eine Prüfung an.

Wichtig: Wer ein Fahrzeug führt, für das er nicht den entsprechenden Führerschein besitzt - also beispielsweise mit AM-Führerschein einen Roller, der 55 km/h statt 45 km/h schnell fährt - der macht sich des Fahrens ohne Fahrerlaubnis schuldig.

Bußgelder beim Roller-Tuning

Ja, je nach Verstoß können die Sanktionen zwischen 10 und 90 Euro liegen. Punkte in Flensburg sind ebenfalls möglich.

Was ich sehen kann: Fahrzeug trotz erloschener Betriebserlaubnis in Betrieb genommen und dadurch die Verkehrssicherheit wesentlich beeinträchtigt [...] - 90 Euro. Verdoppelung wegen Vorsatz, also 180 Euro.

Legale Entdrosselung

Legal entdrosseln kannst du nur einen Mofaroller. Sollte der Motor noch eine Drossel besitzen, die es erlaubt schneller als 45 zu fahren, darf diese natürlich nicht entfernt werden.

Empfehlungen

  • Abnahme: Lassen Sie sich vorab beraten, welche Belege und Vorschriften für derartige Umbaumaßnahmen vonnöten sind.
  • Erkundigen sich vor jedem Tuning bei einer seriösen Fachwerkstatt oder bei einer der staatlichen Prüforganisation. Auch die Änderung am Gasschieber muss geprüft und eingetragen werden.
  • Bevor Sie Ihren Roller entdrosseln: TÜV, DEKRA und Co. stehen Ihnen stets beratend zur Seite.
  • Sind Sie selbst kein geübter Schrauber, lassen Sie die Finger von eigenmächtigen Umbauten. Dies könnte am Ende mehr schaden als nutzen.
  • Besonders für Inhaber des Führerscheins AM oder A1 gilt besondere Vorsicht.
  • Nachdem Sie den Roller entdrosseln lassen haben, bedarf es der Abänderung der Fahrzeugpapiere. Hierzu muss ein Prüfgutachten erstellt werden. Sind die Umbauten zulässig, erhalten Sie ein Prüfzeugnis.

Wichtig: Nicht alles, was möglich ist, ist auch zulässig! Riskieren Sie nicht leichtfertig Ihre Betriebserlaubnis, nur um schneller fahren zu können.

Nachdem das Roller-Tuning abgeschlossen ist, muss der Fahrer das Teilegutachten ebenso wie den Roller beim TÜV bzw. der DEKRA prüfen lassen. Bestehen Unsicherheiten, ob Ihr Roller-Tuning in der angestrebten Form überhaupt rechtens ist bzw. ob es einer Einzelabnahme bedarf, lassen Sie sich durch einen sachkundigen Gutachter der einschlägigen Prüfstellen im Vorfeld beraten.

Grundsätzlich sollten Sie das Roller-Tuning einer seriösen Werkstatt überlassen. Insbesondere das Chiptuning darf nur von Profis durchgeführt werden, denn die Software ist sehr empfindlich!

Sicherheitshinweise

Nicht nur die Legalität spielt für die Frage nach einer Entdrosselung eine Rolle, auch die Sicherheit sollte vor den Umbauten bedacht werden. Ebenso sind die Bremssysteme nicht darauf ausgelegt, hohe Geschwindigkeiten abzufangen. So kann es für den Tuner und andere Verkehrsteilnehmer schnell gefährlich werden, wenn zum Beispiel beim China-Roller das Tuning zu viel Leistung bringt.

Optisches Tuning

Statt das Zweirad schneller zu machen, steht für einige die Roller-Optik beim Tuning im Vordergrund. Denn in der Zulassungsbescheinigung sind die Fahrzeugmaße angegeben - die nicht überschritten werden dürfen. Ebenso sind räumliche Grenzen gesetzt, wenn es darum geht, den Roller tiefer- oder höherzulegen. Der geringe Spielraum zwischen Scooter und Fahrbahn bietet für derartige Umbauten nur sehr wenig Platz. Zudem gilt auch beim optischen Roller-Tuning: Nur zugelassene und in den Fahrzeugschein sowie den Fahrzeugbrief eingetragene Teile dürfen am Zweirad verbaut sein.

Weitere rechtliche Aspekte

Neben dem Fahren ohne Betriebserlaubnis und der Umweltverschmutzung kann jedoch auch noch ein Verfahren wegen Steuerhinterziehung anstehen. Außerdem ist der Versicherungsschutz nicht gewährleistet, wenn die Betriebserlaubnis erloschen ist. Kommt es zu einem Unfall, müsste der Fahrer alle Kosten selbst tragen - auch die der Gegnerseite, wenn er der Verursacher ist.

Zusammenfassung der rechtlichen Folgen

Hier eine tabellarische Übersicht über die möglichen Konsequenzen einer illegalen Entdrosselung:

Vergehen Mögliche Konsequenzen
Fahren ohne Betriebserlaubnis Bußgeld, Punkte in Flensburg, Stilllegung des Fahrzeugs
Fahren ohne Fahrerlaubnis Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr
Verstoß gegen die StVZO Bußgelder
Steuerhinterziehung Strafverfahren
Verlust des Versicherungsschutzes Haftung für alle Unfallkosten

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0