Mopedfelgen zentrieren: Eine ausführliche Anleitung

Speichenräder sind ein charakteristisches Merkmal klassischer Motorräder und prägen deren Optik und Fahrverhalten entscheidend. Damit Sie mit Ihrem Oldtimer-Motorrad sicher und originalgetreu unterwegs sein können, müssen Speichen und Felgen sorgfältig ausgewählt, fachgerecht eingespeicht und regelmäßig gewartet werden.

Grundlagen des Felgenzentrierens

Das Prinzip des Felgenzentrierens beruht auf dem Ziehen, da Speichen nabenseitig keinen Druck auf die Felge aufbauen können, weil die Speichennippel lediglich von außen in den Felgenkranz gesteckt werden.

Vorbereitung zum Einspeichen

Positionieren Sie Nabe und Felge auf der Werkbank. Achten Sie darauf, dass die Felge richtig ausgerichtet ist, was oft durch ein Ventilloch angezeigt wird. Eine genaue Abnahme der Maße ist dabei wichtig. Wichtig ist dabei das Höhenverhätniss von Felge und Nabe zu beachten, damit dieses nach der Wartung identisch ist. Markieren Sie die Laufrichtung an Nabe und Felge, falls nötig, und fetten Sie alle Gewinde und Bohrungen. Bei neuen Felgen ist es wichtig die Bussung (dies bezeichnet den Austrittswinkel der Speichennippel innerhalb des Felgenrings) richtig zubeachten, da sonst die Speichen nicht im richtigen Winkel stehen und sich evtl.

Das Einspeichen: Schritt für Schritt

Das Einspeichen eines Rades - also das Montieren der Speichen zwischen Nabe und Felge - ist eine anspruchsvolle Aufgabe, die jedoch mit dem richtigen Wissen und Werkzeug auch von geübten Hobbyschraubern gemeistert werden kann. Hier erläutern wir Ihnen die Grundlagen der Einspeichmuster, benötigte Werkzeuge sowie eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Einspeichen und Zentrieren einer Motorradfelge.

  1. Einspeichen beginnen: Starten Sie mit einer Gruppe führender Speichen auf einer Seite und fädeln Sie jede Speiche durch den Nabenflansch ins entsprechende Felgenloch ein.
  2. Nippel aufsetzen: Ziehen Sie direkt einen Nippel auf jede eingefädelte Speiche, um das Herausfallen zu verhindern.
  3. Muster beachten: Folgen Sie dem vorhandenen oder einem typischen Muster und setzen Sie die Speichen gleichmäßig.
  4. Vorspannen der Speichen: Sobald alle Speichen locker eingesetzt sind, beginnen Sie diese gleichmäßig anzuziehen. Starten Sie nahe dem Ventilloch und ziehen Sie jeden Nippel schrittweise fester an, bis alle Speichen leicht gespannt sind.

Einspeichmuster

Motorrad-Speichenräder haben meist ein Kreuzungsmuster: Die Speichen jeder Radseite kreuzen sich untereinander ein- oder mehrfach, um die nötige Stabilität zu erreichen. Üblich sind je nach Naben- und Felgendurchmesser 2-fach gekreuzte oder 3-fach gekreuzte Muster (seltener 4-fach bei sehr vielen Speichen). Ein klassisches Beispiel: Eine EMW R35 von 1952 hat 36 Speichen, die zweimal gekreuzt eingespeicht sind.

Führende und folgende Speichen

Wichtig ist außerdem die Unterscheidung von “führenden” und “folgenden” Speichen innerhalb des Musters. Dabei bezeichnet man als führend die Speichen, deren Kopf (Haken) innen am Nabenflansch anliegt, und als folgend jene, deren Kopf außen am Flansch liegt. Führende Speichen sind in der Regel etwas anders gebogen (ca. 85° Winkel am Haken) als folgende (ca. 95°). In einem typischen Motorrad-Rad wechseln sich diese Speichenarten ab, sodass pro Radseite meist zwei Gruppen entstehen (halbseitig führende, halbseitig folgende Speichen). Dieses System sorgt für ein symmetrisches Speichenbild bzw. Felgenbild und verteilt die Zugkräfte gleichmäßig.

Wer zum ersten Mal einspeicht, sollte das ursprüngliche Speichenmuster des Rades dokumentieren - etwa durch Fotos oder Skizzen. So kann man sich beim Neuaufbau daran orientieren. Muss nur die Felge gewechselt und die alten Speichen wiederverwendet werden (sofern sie einwandfrei sind), hilft ein Trick: Alle Speichenkreuzungen mit Klebeband fixieren, dann die Nippel lösen und Nabe samt ganzem Speichenkranz aus der alten Felge nehmen. Die neue Felge in gleicher Lage (Ventilloch-Position beachten!) einsetzen und die Nippel wieder anziehen - so bleibt das Muster erhalten.

Felge ausrichten und zentrieren

Nach dem Einspeichen läuft ein Rad nur selten richtig rund, weil die Spannung meist noch nicht ausreicht. Daher ist es wichtig, die Felge grob auszurichten und zu zentrieren. Hier sind die wichtigsten Schritte:

  • Seitenschlag korrigieren: Korrigieren Sie zuerst den Seitenschlag, indem Sie das Rad drehen und die Felge auf Abweichungen prüfen.
  • Höhenschlag korrigieren: Beobachten Sie beim Drehen des Rades die Felgenkante, um Höhenschläge zu identifizieren.
  • Zentrierung prüfen: Stellen Sie sicher, dass die Felge zentriert über der Nabe sitzt.
  • Feinjustierung der Spannung: Bringen Sie alle Speichen auf ihre endgültige Spannung.

Toleranzen beim Zentrieren

Beim Zentrieren sind gewisse Toleranzen zu beachten. Im Allgemeinen gelten folgende Richtwerte:

  • Seitenschlag: unter 1mm
  • Höhenschlag: unter 1,5mm

Die Werksangaben von Simson liegen hier bei 1,5mm bzw.

Vorgehensweise bei Seitenschlägen

Schlägt die Felge beispielsweise nach rechts aus, werden im Bereich des Seitenschlags alle Speichen gelöst, die zum rechten Nabenflansch gehen. Anschließend zieht man jene Speichen leicht an, die zum linken Nabenflansch gehen. Das Spannen und Lösen muss dabei möglichst gleichmäßig erfolgen. Wenn man hier eine Viertel Umdrehung öffnet, muss man dort also auch eine Viertel Umdrehung anziehen.

Befindet sich das Maximum des Seitenschlags zwischen zwei Speichen, löst man die jeweils benachbarten Speichen eine Viertel Umdrehung. Entsprechend zieht man die genau dem Schlag-Maximum gegenüberliegenden Speichen um eine Viertel Umdrehung an. Liegt hingegen das Schlag-Maximum genau auf Höhe einer Speiche, wird diese Speiche um eine Viertel Umdrehung gelöst. Jedoch dürfen dann die jeweils benachbarten Speichen nur um eine Achtel Umdrehung gelöst werden. Entsprechend müssen dann auf der Gegenseite die Speichen angezogen werden. Reicht dies noch nicht aus, um den Seitenschlag zu eliminieren, wiederholt man diese Vorgehensweise so lange, bis ein zufriedenstellendes Ergebnis vorliegt.

Bei mehreren Seitenschlägen macht es keinen Sinn, den ersten perfekt herauszuarbeiten, um sich dann um den zweiten zu kümmern. Besser klappt das, wenn man abwechselnd an beiden Seitenschlägen arbeitet und so versucht, diese Schritt für Schritt herauszuarbeiten.

Vorgehensweise bei Höhenschlägen

Hat das geklappt, korrigiert man anschließend den Höhenschlag einer Felge. Wie bei der Fahndung nach dem Seitenschlag sucht man auch hier wiederum die höchste Stelle des Ausschlags.

Befindet er sich mittig zwischen zwei Speichen, werden diese beiden Speichen jeweils um eine halbe Umdrehung angezogen. Anschließend das Rad um 180 Grad drehen und die genau gegenüberliegenden Speichen ebenfalls um eine halbe Umdrehung öffnen.

Liegt der maximale Höhenschlag dagegen exakt über einem Speichenende, zieht man die betroffene Speiche um eine ganze Umdrehung und die beiden benachbarten Speichen um eine halbe Umdrehung an. Danach die genau gegenüberliegenden Speichen um die entsprechenden Werte lockern.

Die richtige Spannung der Speichen

Stimmt die Ausrichtung der Felge, wird anschließend die Spannung aller Speichen überprüft. Fürs Spannen der Speichen gibt es kein allgemein gültiges Drehmoment. Hobbyschrauber haben nur zwei Möglichkeiten, die korrekte Spannung festzustellen: Zum einen die Klangprobe, zum anderen ihr Feingefühl beim Anziehen der Speichennippel.

Bei der Klangprobe zupft man die Speiche oder schlägt mit einem Schraubendreher daran. Der Klang aller Speichen sollte annähernd gleich sein. Wer zum Vergleich ein komplett eingespeichtes Rad gleicher Bauart besitzt, kann den Klang prima vergleichen. Keinesfalls dürfen die Speichen dumpf oder scheppernd klingen, ideal ist ein mittelhoher Ton.

Man testet mit dem Speichenschlüssel, wie leicht oder schwer sich die Nippel noch drehen lassen. Die hierbei aufgewendete Kraft sollte bei allen Speichen annähernd gleich sein.

Pflege und Wartung von Speichenrädern

Ein speichenbespanntes Rad erfordert regelmäßige Pflege, um sein gutes Aussehen und seine Funktion zu erhalten, insbesondere bei Oldtimer-Motorrädern mit ihren oft chromblitzenden Rädern. Diese sorgfältige Wartung schützt vor Korrosion, bewahrt die Originalität und verlängert die Lebensdauer der Räder erheblich.

Reinigung

Zur Reinigung sollten die Räder je nach Nutzung und Witterung in sinnvollen Abständen gereinigt werden, wobei warmes Wasser, ein milder Felgenreiniger, eine weiche Bürste und ein Mikrofasertuch zum Einsatz kommen sollten. Nach der Reinigung ist es wichtig, die Räder gründlich abzuspülen und zu trocknen, um Rostbildung zu vermeiden. Bei Bedarf können leichte Korrosionsspuren mit speziellen Poliermitteln oder sogar Alufolie, die in Wasser getaucht wird, entfernt werden.

Schutz vor Korrosion

Um die Speichen und Felgen vor Rost zu schützen, besonders in feuchten Wintermonaten oder regenreichen Umgebungen, sollte nach jeder Wäsche ein Schutzfilm aus Öl oder Wachs aufgetragen werden. Vor der Einlagerung über den Winter sollte ein Korrosionsschutzmittel großzügig aufgetragen werden, um die Räder zu schützen.

Restaurierung von Oldtimer-Felgen

Bei der Restaurierung von Oldtimer-Motorrädern stellt die Wahl der richtigen Speichen und Felgen eine besondere Herausforderung dar, besonders bei seltenen Modellen mit ungewöhnlichen Größen und Standards. Es ist wichtig, historische Ersatzteilkataloge oder Restaurierungshandbücher zu konsultieren, um die richtigen Spezifikationen zu ermitteln. Solche Dokumente bieten oft detaillierte Angaben zu den benötigten Speichen und Felgen, was die Suche erheblich erleichtert.

Auswahl der richtigen Komponenten

Felgen für Oldtimer-Motorräder werden meistens nach ihrem Durchmesser in Zoll und ihrer Breite klassifiziert. Frühere Modelle hatten oft Hochschulter-Felgen, während später Tiefbettfelgen üblich wurden. Bei der Auswahl ist es wichtig, den Felgentyp zu berücksichtigen, der zum Baujahr des Motorrads passt, um die Originalität zu wahren. Speichendurchmesser und -gewinde variieren ebenfalls je nach Motorradtyp und Epoche, wobei unterschiedliche Speichendicken und Gewindearten verwendet wurden.

Die Länge und Biegung der Speichen sind entscheidend für eine korrekte Passform. Es ist oft ratsam, Speichen spezifisch für das jeweilige Modell von einem renommierten Hersteller zu beziehen, der die genauen Winkel und Maße anbieten kann. Manche Oldtimer benötigen konifizierte Speichen (Dickendspeichen), die am Nabenende dicker sind, um höheren Belastungen standzuhalten. Auch die Qualität des Gewindes, meist rollgewalzt, spielt eine wichtige Rolle für die Haltbarkeit und Funktionsfähigkeit des Rades.

Material und Finish

In Bezug auf Material und Finish gibt es Speichen in mehreren Ausführungen: vernickelt, verchromt, schwarz verchromt und blank, je nach Originalspezifikationen der Oldtimer. Vernickelte Speichen bieten einen warmen Glanz, sind aber weniger korrosionsbeständig als Chromspeichen, die einen dauerhaften Rostschutz bieten.

Spezielle Hinweise und Tipps

  • Alle Felgenringe sind an den Schweißnähten meist schmaler und haben einen leichten Höhenschlag. Fällt aber meiner Erfahrung nach locker in die Toleranz und ist später auch nicht spürbar, da der Reifen auch noch einiges ausgleicht.
  • Wenn nur im Felgenhorn ne leichte Unebenheit ist, dann die Felge mit dem Felgenhorn (gute Seite) auf eine Holzleiste auflegen, und mit beherzten Hammerschlägen die Beule zurücktreiben. Entweder mit dem großen Gummiehammer oder wieder Holz zwischenlegen. Das kann man auch schon vor dem Einspeichen erledigen.
  • Beim Einspeichen gleichmäßig anziehen, zentrieren und dann nach Gefühl (also im Handgelnk integrierter Drehmomentschlüssel) und nach Gehöhr nachspannen. Wenn du mit den Speichenschlüssel (oder einem 10er Maulschlüssel) die Speichen abklopfst, dann sollten die alle etwa den gleichen Ton von sich geben. Es muss ein hoher Ton sein und er klingt reativ lange nach.
  • Bei meinen Felgen musste ich nach 2-4 Wochen immer noch mal nachspannen, da sich die Speichen noch etwas setzen.

Kosten für das Zentrieren

Die Kosten für das Zentrieren können variieren. Einige Werkstätten berechnen einen Preis pro Stunde, während andere einen Festpreis anbieten. Es lohnt sich, verschiedene Angebote einzuholen.

Werkzeuge und Hilfsmittel

Für das Zentrieren einer Felge benötigen Sie einige Werkzeuge und Hilfsmittel:

  • Speichenschlüssel
  • Zentrierständer (oder eine improvisierte Lösung mit einer alten Schwinge)
  • Messuhr oder Dorn zur Überprüfung des Seitenschlags
  • Fettstift zum Markieren von Höhenschlägen

SB-Nabe Zentrierung

Bei der Zentrierung von SB-Naben (Scheibenbremsnaben) sind folgende Punkte zu beachten:

  • SB-Nabe original / SR2: Zentrierung erfolgt für original bzw. SWH Telegabel.
  • SB-Nabe fremd auf Maß / TB 2,5/3,0 Felge außermittig: alle mögliche Nachbau- und Fremdradnaben, welche kein original Maß haben. Diese Räder werden speziell auf Maß zentriert damit diese mittig laufen!

Zentrieren mit Hausmitteln

Es gibt auch Möglichkeiten, einen provisorischen Zentrierständer selbst zu bauen. Eine einfache Methode ist die Verwendung einer alten Schwinge, die senkrecht im Schraubstock befestigt wird. An beiden Seiten der Schwinge wird ein langer Nagel befestigt, um den gleichmäßigen Abstand zwischen Felge und Schwinge zu messen.

Abschließende Kontrolle

Nach dem Zentrieren ist eine abschließende Kontrolle wichtig:

  • Endkontrolle und Montage des Felgenbandes: Überprüfen Sie das Rad auf verbleibende Unregelmäßigkeiten in der Ausrichtung.
  • Abschließend prüft unser Experte die Felgeninnenseite auf überstehende Speichen. Stehen diese zu weit heraus, können sie den Schlauch verletzen. Überstehende Enden lassen sich jedoch ganz einfach mit einem Minischleifer bis auf Höhe der Speichennippel herunterschleifen. Dann erst wird ein neues Felgenband angebracht - nun ist das Rad fertig.

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