Moped Kette spannen – Eine detaillierte Anleitung

Eine Rollenkette zwischen Getriebe und Hinterrad ist bei Weitem die gebräuchlichste Art des Hinterradantriebs. Entscheidend für eine lange Lebensdauer von Kette, Kettenritzel und Kettenrad ist, dass diese drei Bauteile sorgsam gepflegt, also gereinigt und geschmiert werden. Aber auch sehr wichtig ist, dass die Kette immer richtig gespannt läuft, sonst ist der Antrieb schon nach kurzer Zeit kaputt.

Vorbereitung

Das Motorrad muss so aufgebockt sein, dass sich das Hinterrad frei drehen lässt. Also NICHT auf dem Seitenständer abstellen! Motor AUS, Getriebe im Leerlauf.

Reinigung und Schmierung

Vor dem Messen der Kettenspannung sollte die Kette gereinigt und auch geschmiert werden. Man kann sie auch danach schmieren, weil sich der Durchhang einer sauberen Kette auf sauberen Kettenrädern um ein paar Prozentpunkte exakter messen lässt, als wenn frisches Fett auf den Rollen und den Kettenrädern ist und deswegen „aufträgt“.

Prüfung des Kettenschleifschutzes

Prüfen Sie, ob der Kettenschleifschutz (wird auch „Kettenschleif-Führungsteil“ oder „Schwingenschutz“ genannt) vorne auf der Schwinge genügend dick und an keiner Stelle durchgeschliffen ist. Wenn der Kettenschleifschutz beschädigt ist, muss er unbedingt erneuert werden, sonst wird die Schwinge von der Kette angeschliffen - das bringt zusätzlichen Kettenverschleiß und kann sogar die Schwinge sehr empfindlich beschädigen.

Kettenspannung prüfen und einstellen

Eine exakte Kettenflucht ist die erste Voraussetzung, damit Hinter- und Vorderrad in einer Spur laufen.

  • Merke 1: Beim aufgebockten, unbelasteten Motorrad mit voll ausgefedertem Hinterrad ist die Kette am lockersten.
  • Merke 2: Wenn durch das Gewicht des Fahrers, einer Sozia und dann vielleicht noch des Gepäcks das Hinterrad einfedert, bewegt sich die Hinterachse (das ist der Mittelpunkt des Hinterrads und damit auch des Kettenblatts) von der Getriebeabtriebswelle (auf ihr sitzt das Ritzel) weg, und die Kette wird straffer.

Messstelle suchen

Im Laufe ihres Lebens verzieht sich eine Kette unregelmäßig, und auch Kettenritzel und Kettenrad nutzen sich ungleichmäßig ab, auch können diese „eiern“. Daher das Hinterrad mit der einen Hand drehen und mit der anderen Hand die Kette am unteren Teil wippend leicht nach oben drücken: So wird die straffste Stelle gesucht, da ist die Messstelle.

Regel 1: Wenn das Motorrad auf dem Hauptständer abgestellt und das Hinterrad voll ausgefedert ist, ist der Kettendurchhang größer.

Regel 2: Wenn das Motorrad auf dem Seitenständer abgestellt und dadurch das Hinterrad etwas eingefedert ist, ist die Kette „kürzer“.

Wenn kein Hauptständer vorhanden ist und Sie auch keinen Heckmontageständer haben, auf dem sich das Motorrad so aufbocken lässt, dass es einfedert und das Hinterrad frei gedreht werden kann, setzen Sie sich auf die Maschine, bewegen sie langsam zirka zwei Meter nach vorne und hinten und suchen so die straffste Stelle der Kette.

Kettendurchhang messen

Hinterrad so hinstellen/hindrehen, dass die zuvor gefundene straffste Stelle der Kette unten möglichst genau in der Mitte zwischen Kettenritzel und Kettenrad ist. Einen Zollstock unten an der Schwinge zur Kette hin anlegen. Kette mit dem Finger so weit nach unten ziehen, bis es nicht mehr geht, Maß am Zollstock zur Mitte einer Kettenniet nehmen. Kette mit dem Finger so weit nach oben drücken, bis es nicht mehr geht, Maß am Zollstock zur Mitte der Kettenniete nehmen. Die Differenz ist der Kettendurchhang.

Die vorgeschriebene Kettenspannung (Kettendurchhang) ist je nach Hersteller und Modell unterschiedlich; sie liegt meistens im Bereich 20 bis 40 mm oder 30 bis 50 mm. Die exakte Angabe finden Sie im Handbuch Ihres Fahrzeugs. Bei einigen Maschinen steht der Kettendurchhang auch auf einem Kleber an einem der Schwingenholme (logischerweise meistens auf der Kettenseite).

Am Ende der Schwinge sind Markierungen zu finden, meistens eine Skala mit mehreren Strichen. Bezugslinien sind z. B. eine Einkerbung auf der Achsaufnahme oder das Ende der Achsaufnahme selbst. Bei einigen Marken (z. B. Honda) sind rote und grüne Verschleißmarkierungen darüber angebracht: Ist die Skala auf der Achsaufnahme im grünen Bereich, ist die Kette in Ordnung. Kommt die Skala jedoch in den roten Bereich, ist die Kette verschlissen und muss erneuert werden.

Kettenspanner / Kettenspannung einstellen

Das Einstellen der Kettenspannung ist bei allen Motorrädern prinzipiell gleich: Wenn die Hinterachse nach hinten verschoben wird, wird die Kette gespannt. Die Achsaufnahme wird durch eine Einstellschraube nach hinten gezogen, der Stehbolzen zieht die Achsaufnahme durch eine Mutter nach hinten, die Achsaufnahme wird durch eine Schraube nach hinten gezogen, oder die Achse sitzt in einem Exzenter (Kawasaki-Spezialität), der um einen bestimmten Winkel verdreht wird.

Schritte zum Einstellen der Kettenspannung:

  1. Hinterachsmutter um mindestens zwei Umdrehungen lösen, damit sich das Hinterrad leicht verschieben lässt. Wenn ein Sicherungssplint in der Achsmutter steckt, diesen vorher ausbauen: Mit einer Zange gerade biegen und herausziehen.
  2. Kontermuttern der Kettenspanner auf beiden Seiten um zwei Umdrehungen lösen. Dazu je einen Gabelschlüssel auf Kontermutter und Einstellschraube setzen und die Einstellschraube mit dem einen Schlüssel festhalten.
  3. Mit den Einstellschrauben/Einstellmuttern die Hinterachse nach hinten verschieben. In Vierteldrehungen rechts - links - rechts - links vorgehen, bis die Kette den korrekten Durchhang erreicht. Dabei kann man sich an den Markierungen orientieren, die rechts und links am Ende der Schwinge angebracht sind. Die Bezugspunkte auf der Achsaufnahme müssen auf beiden Seiten auf den gleichen Markierungen sein, ansonsten steht das Hinterrad schief.
  4. Beachten: Wenn keine Einstellschrauben angebracht sind, mit denen die Hinterachse nach hinten verschoben wird, sondern ein Gewinde hinten aus der Schwinge heraussteht und zwei Muttern aufgedreht sind, dann muss man die Einstellmuttern drehen, um die Kette zu spannen. Eine Schraube wird eingedreht.
  5. Achsmutter mit dem vorgeschriebenen Anziehdrehmoment festziehen. Darauf achten, dass die Achsaufnahmen an den Einstellschrauben/-muttern anliegen.
  6. Kontermuttern festziehen: Vorher die Kettenspannschrauben leicht gegen die Achsaufnahmen „auf Spannung“ drehen, Kopf mit Schlüssel festhalten und Kontermuttern gegen die Schwinge festziehen (leicht handfest).
  7. Beachten: Wenn man die Hinterachsmutter mit dem Drehmomentschlüssel festzieht, spannt sich die Kette wieder etwas. Deshalb vor dem Festziehen die Kette eher für „ein wenig zu locker“ erachten als zu stramm. Wenn die Achsmutter festgezogen ist, die Kettenspannung erneut prüfen.

Nicht verzagen, wenn alles noch einmal gemacht werden muss, denn das Einstellen der Kettenspannung hat viel mit Gefühl und Übung zu tun.

Tipps für Wartung und Montage

Die Antriebskette deines Töfflis ist ein typisches Verschleissteil. Deswegen gehören Wartungs- oder Montagearbeiten in diesem Bereich zum Alltag in einer Schrauberwerkstatt.

Warum ist die richtige Spannung relevant?

Abgesehen von Piaggio-Mofas, die einen Keilriemen anstelle der Antriebskette verwenden, setzen Mofahersteller in der Regel auf Kettenantrieb. Die Antriebskette verbindet das Aggregat deines Töfflis mit einem Ritzel am Hinterrad, um so die PS auf die Strasse zu bringen. Für die optimale Kraftumsetzung ist es wichtig, dass die Mofakette richtig sitzt, das heisst sie muss unter Spannung stehen. Versäumst du es, sie richtig zu spannen, kann das im ungünstigsten Fall zu Unfällen führen.

Sitzt die Antriebskette zu locker, kann sie dein Mofa schnell ausbremsen. Das Risiko, dass sie vom Ritzel springt und so dein Töffli lahmlegt, ist in diesem Fall nämlich ziemlich gross. Die Kette wieder auf das Ritzel zu bugsieren ist zwar nicht schwierig, aber ein lockerer Sitz kann auch gravierende Folgen haben. Springt die Kette nämlich während der Fahrt ab, kann sie sich zwischen den Rahmenteilen verfangen und diese beschädigen. Im schlimmsten Fall kann die Mofakette das Hinterrad während der Fahrt blockieren. Das kann zu Unfällen führen, bei denen du dich schwer verletzen kannst.

Umgekehrt ist auch zu viel Spannung auf der Mofakette nicht optimal, denn unter der starken Beanspruchung kann sie reissen und deine Fahrt an Ort und Stelle beenden. Ist deine Antriebskette gerissen, musst du sie häufig komplett auswechseln. Auch Lager, Ritzel und Zahnradkranz leiden unter zu viel Zug auf der Kette. Es gilt also, das richtige Spannungsverhältnis zu finden.

So machst du’s richtig

Verschleiss, Rost oder Defekt - egal, aus welchem Grund du deine Kette spannen oder gar komplett lösen musst, das Vorgehen ist ähnlich und nicht sehr kompliziert. Die Grundvoraussetzung ist natürlich das passende Werkzeug: Du brauchst einen Kettentrenner, eine Kombizange und einen Schraubenschlüssel. Natürlich solltest du, wenn du eine neue Antriebskette montieren willst, darauf achten, dass sie die richtige Länge für dein Mofa hat. Die passende Abmessung kannst du einfach anhand der alten Mofakette herausfinden, so erlebst du keine bösen Überraschungen.

Muss die Spannung deiner Kette einfach nur etwas angepasst werden, ist es nicht nötig, sie komplett abzunehmen. Du kannst anhand der Kettenspanner an deinem Mofa einstellen, wie stramm oder locker sie sitzen soll. Dazu löst du einfach die Radmuttern am Hinterrad mit dem passenden Werkzeug, stellst mit dem Kettenspanner die gewünschte Spannung ein und ziehst alles wieder fest. Als Faustregel für das optimale Spannungsverhältnis gilt, dass du die Kette ungefähr 1,5 Zentimeter nach oben und nach unten ziehen kannst. Dann sitzt sie weder zu stramm noch zu locker.

Auf der Suche nach dem Kettenschloss

Etwas aufwendiger wird es, wenn die Mofakette abgenommen werden soll. In diesem Fall musst du zunächst das Kettenschloss suchen. Dabei handelt es sich um ein Kettenglied, das sich auseinandernehmen und öffnen lässt. Das Kettenschloss ist nicht schwierig zu finden, da es sich optisch von den anderen Gliedern unterscheidet, sodass du es mit blossem Auge erkennen kannst. Es hat für gewöhnlich einen zusätzlichen Verschlussbügel auf einer Seite. Diesen kannst du mit der Kombizange entfernen, das Kettenschloss auseinandernehmen und die Kette öffnen.

Sollte es sich um eine ältere Mofakette handeln, ist es ratsam, diese vorher zu reinigen, um das Kettenschloss leichter ausfindig zu machen. Oft versteckt es sich unter einer Patina aus alter Schmiere und Dreck. Ein Reinigungsspray hilft dir dabei, auch Reste von Öl und Schmiere leicht abzulösen.

Beim Anbringen deiner neuen Antriebskette nimmst du ebenfalls zunächst Mass. Oft musst du die Mofakette noch etwas einkürzen. Um die richtige Länge zu ermitteln, kannst du dich an deiner alten Kette orientieren. Du kannst deine neue Antriebskette aber auch einfach an Zahnkranz und Ritzel anlegen, um festzustellen wie viele Kettenglieder überschüssig sind. Markiere dir die Stelle, an der du kürzen willst. Mit einem Kettentrenner kannst du die Glieder genau und sauber durchtrennen. An dieser Stelle setzt du im Anschluss ein Kettenschloss ein.

Allgemeine Tipps für die Pflege und Wartung der Mofakette

Wenn du dich regelmässig um deine Töfflikette kümmerst und ein paar Wartungs-Tipps beherzigst, lässt sich der Verschleiss erheblich minimieren. Einige effektive Pflegehinweise haben wir dir in einer kleinen Übersicht zusammengestellt.

Grosszügig fetten und schmieren

Wenn der Kettentrenner seinen Dienst nach dem Kettenwechsel getan hat, das Kettenschloss wieder geschlossen ist und der Kettenspanner in Position ist, ist es geschafft - wichtig ist aber natürlich auch die richtige Schmierung. Achte darauf, die Antriebskette immer regelmässig zu ölen. Läuft sie trocken, verschleisst sie deutlich schneller und kann sogar reissen. Vergiss also nicht, entsprechend Öl, Kettenspray oder Kettenfett aufzutragen, damit die Antriebskette geschmeidig laufen kann.

Zahnkranz und Ritzel regelmässig checken

Wenn die Mofakette Probleme macht, muss es übrigens nicht immer ausschliesslich an ihr liegen. Auch ein verschlissenes Ritzel oder ein abgenutzter Zahnradkranz kann dafür sorgen, dass nicht alles so läuft, wie es soll. Prüfe deshalb regelmässig, ob diese Teile noch gut in Schuss sind, ansonsten kannst du die Gelegenheit eines Kettenwechsels nutzen, um auch Kettenrad und Ritzel zu erneuern.

Im Zweifel straffer spannen

Bei einer komplett neuen Mofakette ist es sinnvoll, wenn du sie etwas stärker spannst, als oben beschrieben. Denn in der Regel weitet sich eine neue Töfflikette während der ersten Fahrten noch etwas. Behalte sie also nach dem Kettenwechsel im Blick und justiere, wenn nötig, mit dem Kettenspanner nach.

Kettenspray Test

Mittlerweile sind unzählige Kettensprays am Markt, von denen jeder Hersteller behauptet, seines sei das Beste. Ich selbst verwende ein auch im Maschinenbau eingesetztes Spray von Klüber. Grundsatz: Kettenspray soll sich gut verteilen, hochgradig haftbar sein, hohen Drücken standhalten und rostschützende Wirkung haben. Selbstverständlich dürfen Dichtringe (O-Ring/XW-Ring - Kette) nicht angegriffen werden. Begrüßenswert ist es, wenn ein Röhrchen in den Spraykopf eingesetzt werden kann. Damit lässt sich gezielter arbeiten.

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