Moped Kette wechseln – Eine detaillierte Anleitung

Regelmäßige Kettenpflege kann den Zeitpunkt des Kettenwechsels hinauszögern, aber irgendwann ist es so weit: Der alte Kettensatz ist verschlissen und ein neuer muss her. Normalerweise verschleißen Kettenräder und Kette gleichzeitig, weshalb man beide zusammen wechselt. Kombinierte Neu- und Altteile nutzen einander schnell ab.

Wann muss die Motorradkette gewechselt werden?

Im Zuge der Kettenpflege - beispielsweise beim Nachspannen - gilt es, regelmäßig zu prüfen, ob der Kettensatz noch voll funktionsfähig ist oder bereits ein Sicherheitsrisiko darstellt. Der Verschleiß macht sich in vielerlei Hinsicht bemerkbar. Das Lebensende der Kette deutet sich an, wenn die Zähne der Kettenräder spitz werden, die Kette am hintersten Punkt des Kettenrads sich um mehr als eine halbe Zahnhöhe abheben lässt oder der Kettenspanner am hinteren Ende der Skala steht.

Die X- bzw. O-Ringe können heraustreten. Eindeutig verschlissen ist die „Hardware“, wenn die Ritzel- und Kettenradzähne spitz werden, in etwa so wie eine Haifischflosse. Zu welchem Zeitpunkt eine oder mehrere der genannten Verschleißerscheinungen auftreten, hängt von mehreren Faktoren ab - allen voran natürlich von der Material- und Verarbeitungsqualität des Kettensatzes. Gleichzeitig nehmen jedoch auch die Belastung im Sinne der übertragenen Leistung sowie die Wartung Einfluss auf die Lebensdauer.

Pauschal lässt sich daher nur der grobe Rahmen festhalten, dass eine Kette 20.000 bis 40.000 Kilometer lang hält. Ist der Zeitpunkt für einen Wechsel gekommen, wird nahegelegt, direkt alle drei Komponenten des Kettensatzes auszutauschen. Das bedeutet also, bei defekter Motorradkette auch das Kettenrad sowie das Ritzel am Getriebe zu erneuern. Dies hat folgenden Grund: Eine neue Kette wird auf einem stark abgenutzten Ritzel bzw. Kettenrad schneller verschleißen.

Welches Werkzeug benötige ich für den Kettenwechsel?

Zum Wechseln von Kette und Kettenrädern ist eine gut sortierte Werkzeugkiste und etwas Spezialgerät nötig. Die Motorradkette ohne Werkzeug zu wechseln, ist eine Sache der Unmöglichkeit. Beim Tausch einer Motorradkette, die sich mit einem Clipschloss oder Schraubschloss öffnen und schließen lässt, ist eine gut ausgestattete Werkzeugkiste allerdings noch absolut ausreichend.

Je nach Motorrad werden gebraucht:

  • eine Nuss für die Hinterachsmutter
  • Gabelschlüssel für die Kettenspannschrauben und die Kontermuttern
  • eine Drehmomentschlüssel bis mindestens 120 Nm
  • Innensechskantschlüssel
  • eine Nuss für die Ritzelmutter mit Verlängerung zum Drehmomentschlüssel
  • eine Nuss für die selbstsichernden Bundmuttern am hinteren Kettenrad
  • ein Kettentrenn- und Vernietwerkzeug
  • ein mittlerer Hammer
  • ein kleiner Meißel
  • Reinigungsmittel (Bremsenreiniger, WD-40)
  • reichlich Lappen
  • Wälzlagerfett für die Keilnuten der Getriebeabtriebswelle

Weiterhin hilfreich ist ein Schlagschrauber, um die Ritzelmutter zu öffnen.

Ketten mit Clipschloss haben aufgrund geringer Belastbarkeit nichts am Motorrad zu suchen, so praktisch sie auch sein mögen. Motorradketten mit Nietschloss halten höheren Belastungen stand und lassen sich somit bedenkenlos für stärker motorisierte Maschinen einsetzen. Bei den einfach zu befestigenden (aber weniger robusten) Clipschlössern gilt als Faustregel, diese nur für kleinere Motorräder bis 125 Kubikzentimeter zu verwenden.

Ebenfalls für hohe Belastungen ausgelegt und gleichzeitig ohne extra Zubehör montierbar sind Motorradketten mit Schraubschlössern.

Wer seine Ketten fachgerecht ent- und vernieten will, sollte seine Ausrüstung um ein Kettentrenn- und Vernietwerkzeug (ab ca. 100 Euro) erweitern.

Sonderfall: Geschlossene Motorradketten wechseln

Eine weitere Option stellen sogenannte Endlosketten dar - diese sind von vornherein verschlossen, wodurch das Ver- und Entnieten wegfällt. Da für die Montage von Endlosketten allerdings zunächst die Schwinge ausgebaut werden muss, sind weitere Arbeitsschritte und je nach Motorrad zusätzliches Werkzeug notwendig.

Beispielsweise werden zusätzliche Hilfsmittel für die Aufhängung des Fahrwerks benötigt, wenn die Maschine keinen Hauptständer besitzt. Darüber hinaus gilt es zu beachten, dass mittlerweile immer mehr Bikes eine Schwinge besitzen, deren besondere Bauart eine Montage geschlossener Ketten gar nicht erst zulässt.

Zudem weisen die werkseitig geschlossenen Ketten und fachgerecht vernietete Exemplare keine Unterschiede in puncto Sicherheit auf.

Schritt für Schritt: So funktioniert der eigenständige Wechsel der Motorradkette

Mit Schraub- oder Clipschloss versehene Motorradketten zu wechseln, umfasst die gleichen Arbeitsschritte wie bei einem Nietschloss. Einzig das Ent- und Vernieten fällt weg, weshalb sich der Wechsel in der Regel problemloser gestaltet.

Demontage des alten Kettensatzes

  1. Äußere Ritzelabdeckung abschrauben, Regler/Gleichrichter, kurzen Schalthebel und Geschwindigkeits-Sensor abnehmen.
  2. Es empfiehlt sich, auch den Kupplungsnehmerzylinder abzuschrauben, damit sich die innere Ritzelabdeckung ohne Probleme vollständig abnehmen lässt. Bei abgeschraubtem Kupplungsnehmerzylinder den Kolben mit einer Klammer sichern.
  3. Innere Ritzelabdeckung abnehmen, Kupplungsdruckstange ausziehen, Schrauben der Abdeckung ausdrehen, Deckel abnehmen.
  4. Mit Sechskantnuss und Verlängerung die Ritzelmutter öffnen. Nicht versuchen, die Ritzelschraube mit einem Gabelschlüssel zu öffnen. Dabei rutscht man mit Sicherheit ab.
  5. Hinterrad mit der Bremse blockieren. Keinen Gang einlegen! Falls die Bremskraft zum Gegenhalten nicht ausreicht, Hammerstiel oder Holzstück durch das Rad stecken und eine Speiche gegen die Schwinge blockieren. Hammerstiel nicht auf die Bremsleitung drücken! Noch einfacher ist die Mutter mit einem Schlagschrauber zu öffnen.
  6. Kettenrad-Befestigungsmuttern am Hinterrad lösen und zwei Umdrehungen öffnen.
  7. Nietglied suchen, Kettentrenner ansetzen, Gewindebuchse festziehen, Durchschlag einschieben, Kettentrenner festhalten, mit dem Hammer auf den Durchschlag klopfen: Bolzen wird entnietet.
  8. Kette abheben.
  9. Kettenritzel vorne abziehen, Getriebewelle säubern.
  10. Hinterrad ausbauen, Kettenradmuttern abdrehen, altes Kettenrad abnehmen.
  11. Anlageflächen am Kettenblattträger und Gewinde der Stehbolzen reinigen und ölen.

Montage von Ritzel und Kettenrad

  1. Anlageflächen des Kettenrads fetten oder ölen, Kettenrad mit Aufschrift nach außen aufstecken, Muttern handfest anziehen.
  2. Keilnuten mit Fett schmieren.
  3. Neues Ritzel mit der Aufschrift nach außen aufschieben.
  4. Scheibe aufstecken; gereinigte, leicht geölte Mutter handfest aufdrehen.

Neue Motorradkette aufziehen und vernieten

Nun ist es soweit: Die neue Kette darf aufgezogen werden - zunächst auf das Kettenrad und dann, vorsichtig an der Schwinge vorbei, über das Ritzel. Letztlich sollten die beiden Kettenenden am unteren Durchhang positioniert sein, damit sie sich gut zugänglich verbinden lassen.

  1. Kettenspann-Einstellschrauben ganz weit in die Schwinge eindrehen, Rad einbauen, Achse so weit es geht nach vorne schieben.
  2. Neue Kette auf Kettenräder auflegen; Nietglied gut mit Kettenfett einfetten, neue O- oder X-Ringe auf Bolzen schieben.
  3. Enden der Kette mit Nietglied verbinden: Kette muss sicher auf Kettenrädern sitzen.
  4. Neue O- oder X-Ringe auf die herausstehenden Bolzen des Nietglieds aufsetzen, Kettenlasche gleichmäßig ansetzen, aufschieben und mit Kettenwerkzeug etwas aufpressen.
  5. Abstandslehren auf beiden Seite der Kette einstecken; Kettenlasche aufpressen.

Mit einem solchen speziellen Werkzeug (erhältlich ab ca. 100 Euro) lässt sich die Kette fachgerecht vernieten. Das Kombiwerkzeug zum Trennen und Vernieten ist die bessere Wahl.

  1. Verniet-Gewindebolzen in Kettenwerkzeug montieren.
  2. Kettenwerkzeug ansetzen und mit der Gewindebuchse die Kettenlasche gleichmäßig auf beide Bolzen aufpressen, bis sie auf den Abstandslehren ansteht.
  3. Überstände vernieten.
  4. Lehren herausziehen; Vernietung kontrollieren.
  5. Ritzelmutter festziehen: Hinterrad mit Bremse blockieren. Wenn die Bremskraft nicht ausreicht, Hammerstiel gegen eine Radspeiche unter Schwinge durchstecken.
  6. Bundmuttern der hinteren Kettenblatt-Befestigung festziehen.
  7. Kettendurchhang justieren.
  8. Hinterachsmutter festziehen nicht vergessen.
  9. Abgebaute Teile wieder anschrauben.
  10. Fett außen von der Kette abwischen.

Kettenspann-Einstellschrauben ganz weit in die Schwinge eindrehen, Rad einbauen, Achse so weit es geht nach vorne schieben. Neue Kette auf Kettenräder auflegen; Nietglied gut mit Kettenfett einfetten, neue O- oder X-Ringe auf Bolzen schieben. Enden der Kette mit Nietglied verbinden: Kette muss sicher auf Kettenrädern sitzen. Neue O- oder X-Ringe auf die herausstehenden Bolzen des Nietglieds aufsetzen, Kettenlasche gleichmäßig ansetzen, aufschieben und mit Kettenwerkzeug etwas aufpressen Abstandslehren auf beiden Seite der Kette einstecken; Kettenlasche aufpressen.

Kosten für den Wechsel der Motorradkette

Die Preise für Motorradketten variieren insbesondere hinsichtlich der maximalen Belastung bzw. Zugkraft, der sie standhalten können. Interessanter als die Kosten der Kette an sich sind jedoch ohnehin die Preise für ganze Kettenkits, da in der Regel alle drei Komponenten benötigt werden.

Kettensätze sind für sehr leicht motorisierte Maschinen bereits ab 30 Euro erhältlich. Die meisten Kits bewegen sich allerdings knapp ober- bzw. unterhalb der 100-Euro-Marke. Die vielen Arbeitsschritte lassen bereits vermuten, dass die Montage eines neuen Kettensatzes in der Werkstatt recht kostspielig werden kann.

In erster Linie sind die Gesamtkosten des Wechsels der Motorradkette zwar abhängig vom Einkaufspreis des Kettensatzes. Als weiteren Kostenfaktor für die Montage gilt es zudem, die Art der Motorradkette zu beachten. Wer sich den Kettensatz selbst bestellt, sollte vorher mit der Werkstatt des Vertrauens abklären, ob für eine Endloskette ein höherer Preis verlangt wird.

Zusammenfassung

Das Wechseln einer Motorradkette erfordert grundlegende Kenntnisse hinsichtlich des Aufbaus und der Technik eines Motorrads. Zudem braucht es einen gut ausgestatteten Werkzeugkasten und je nach Kettentyp sogar kostspieliges Spezialgerät zum Vernieten.

Mit etwas Geschick ist es definitiv möglich, den Wechsel in Eigenleistung und ohne Zuhilfenahme einer Werkstatt durchzuführen - solltest du dir jedoch unsicher sein, ist es immer besser, einen Fachmann zu beauftragen.

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