Moped fahren nach Madrid: Ein Erfahrungsbericht

Im Vorjahr hatte ich eine Stella Genuine 150 (LML/PX-Lizenz) von Virginia Beach 10.000 km an die Westküste nach San Diego gefahren und sie dort platziert. Im Mai hatte ich noch einen weiteren Roller mit 177ccm in Utrecht bei einer Freundin eingestellt. Dort stand ich nun am 30.06. um 10 Uhr Morgens am Kilometro 0 der spanischen Straßen und startete mit einer Gruppe spanischer Rollerfahrer aus der Stadt, um die Welt ostwärts in 80 Tagen zu umrunden wie damals Phileas Fogg in der fiktiven Geschichte von Jules Verne.

Am 17.09.2018 bin ich schließlich wieder zurück an den Kilometer 0 am Plaza del Sol gefahren - dem belebtesten Platz Spaniens. Der Platz wurde kurz gesperrt und ich rollte mit einer Eskorte mit Polizeimotorrädern und dem Nationalfernsehen dort ein und erfüllte mir einen Lebenstraum.

23 Tage nach unserem Start in Augsburg, sind wir tatsächlich in Madrid angekommen. Bis auf ein paar kleine Zwischenfälle haben wir den Trip alle wohlbehalten überstanden, und an alle Kritiker: Wir haben es geschafft! Nach 2900 tatsächlich gefahrenen Kilometern sind wir gestern in Madrid angelangt, nachdem die letzte Etappe wiederum über ein gutes Stück Autobahn bestritten wurde, da es scheinbar nicht möglich ist Madrid über eine Landstraße zu erreichen. Dies bringt uns zu einem Tagesdurchschnitt von über 134 km!

Nachdem die erste Begegnung mit den spanischen Gesetzeshütern erfolgreich überstanden war, hatten wir uns in einem direkt am See gelegenen Campingplatz in Ibdes eingebucht. Nachdem wir diesen Vorfall hinter uns gelassen hatten, fuhren wir auf direktem Weg unser Etappenziel Ibdes an, das direkt an einem See lag. Dort angekommen wurden wir mit einem atemberaubenden Panorama belohnt.

Nach einer weiteren Durststrecke unter der unbarmherzigen spanischen Sonne, quer durch die mondkraterartige Wüste, haben wir gestern Nachmittag unser Etappenziel Zaragoza überraschend pünktlich erreicht. Gestern früh war es an der Zeit Barcelona zu verlassen. Mit gemischten Gefühlen stiegen wir auf unsere Mopeds und machten uns auf Richtung Zaragossa. Auf der bis Dato heißesten Etappe wurde uns schnell bewusst, dass jenseits von Barcelona die Zivilisation schnell nachlässt und die mondoberflächenähnliche Landschaft keinerlei Schutz vor der Sonne bietet.

Gestern war es dann soweit, und wir gönnten uns den ersten Tag ohne Rollerfahren, auf dem gemütlichen Familiencampingplatz in La Palme. Gestern ging es dann von Adge nach La Palme, hier fanden wir, was wir schon für unmöglich gehalten hatten, einen langen Sandstrand, der nicht von Touristen überlaufen ist. Am Samstag ging es vom Touristenort La Grande Motte in das 100 Km entfernte Agde, was uns unserem großen Zwischenziel Barcelona wieder ein Stückchen näher brachte.

Gestern Mittag verließen wir frohen Mutes Marseilles, und machten uns gen La Grande Motte auf. Nach einem wilden Ritt durch die Nacht, erwachten wir in unserem schönen leicht am Berg gelegenen Nachtlager, kurz vor Marseille. Nachdem wir gestern Tournon in aller Früh um halb eins verlassen hatten, waren wir guter Dinge das Tagesziel Marseilles zu erreichen.

Nach vier Tagen in kleinen Provinzstädtchen, waren wir alle aufgeregt mal wieder Großstadtluft zu schnuppern. Heute Morgen fielen wir einmal mehr der frühen Auscheckzeit der französischen Hostels zum Opfer.

Pontarlier, das kleine Herz des französischen Juras. Der Tag begann mit einem Drama, nachdem meine Wenigkeit (Matthias) mit einem roten tränenden Auge aufwachte und schon Panik vor der Prognose: „Bindehautentzündung“ hatte. Tag 2 neigt sich dem Ende, und wir haben das zweite Etappenziel, Zürich erreicht.

Verkehrsregeln und Geschwindigkeitsbeschränkungen in Spanien

Bevor man mit dem Motorrad nach Spanien fährt, sollte man sich vor allem über Verkehrsregeln, drohende Bußgelder und Besonderheiten informieren. Das sind die Regeln:

  • Kinder dürfen nicht in jedem Fall mitfahren
  • Anhänger an Krafträdern sind verboten
  • Vorsicht bei den Abmessungen der Ladung

Wie schnell darf man fahren?

Kleinkrafträder dürfen die höchstzulässige Geschwindigkeit von 45 km/h nicht überschreiten. Für Motorräder gelten folgende Geschwindigkeitsbeschränkungen:

  • Innerorts: 50 km/h
  • Außerorts auf einspurigen Landstraßen ohne baulich getrennte Fahrspuren: 90 km/h
  • Schnellstraßen: 100 km/h
  • Autobahnen: 120 km/h

Geblitzt - welche Strafe droht?

Wer die zulässige Höchstgeschwindigkeit nicht einhält und geblitzt wird, muss mit einem Bußgeld rechnen.

Bußgeldtatbestand Bußgelder
Innerorts (zulässige Höchstgeschwindigkeit 30 km/h)
bis 20 km/h zu schnell 100 €
21 - 40 km/h zu schnell ab 300 €
41 - 50 km/h zu schnell 500 €
ab 51 km/h zu schnell 600 €
Innerorts (zulässige Höchstgeschwindigkeit 50 km/h)
bis 20 km/h 100 €
21 - 40 km/h ab 300 €
41 - 50 km/h zu schnell 500 €
ab 51 km/h zu schnell 600 €
Landstraße (zulässige Höchstgeschwindigkeit 90 km/h)
bis 30 km/h zu schnell 100 €
31 - 60 km/h zu schnell ab 300 €
61 - 70 km/h zu schnell 500 €
ab 71 km/h zu schnell 600 €
Autobahn (zulässige Höchstgeschwindigkeit 120 km/h)
bis 30 km/h zu schnell 100 €
31 - 60 km/h zu schnell ab 300 €
61 - 70 km/h zu schnell 500 €
ab 71 km/h 600 €

Was gilt auf der Autobahn? Die Autobahnbenutzung ist für Kleinkrafträder verboten. Motorräder dürfen die Autobahn benutzen, sofern die Mindestgeschwindigkeit von 60 km/h erreicht werden kann.

Darf ein Sozius mitfahren? Einsitzige Kleinkrafträder sind nicht für den Soziusbetrieb zugelassen. Das Fahren mit Sozius auf Motorrädern ist insoweit erlaubt, als es laut Eintragung in der Zulassungsbescheinigung (Fahrzeugschein) für das betreffende Motorrad gestattet, eine entsprechende Sitzgelegenheit vorhanden und der Fahrer mindestens 16 Jahre alt ist.

Dürfen Kinder mitgenommen werden? Grundsätzlich dürfen keine Kinder unter zwölf Jahren auf Motorrädern (mit und ohne Beiwagen) und Kleinkrafträdern mitgenommen werden. Ausnahmsweise ist die Mitnahme von Kindern zwischen sieben und zwölf Jahren erlaubt, wenn das Kraftrad von den Eltern, einem Vormund oder einem von diesen bevollmächtigten Dritten gefahren wird.

Routenvorschläge und Tipps für die Fahrt

Ich würde mir trotzdem überlegen Bodensee - Zürich - Bern - Genf - Lyon (oder Annecy) - Avignon und dann entlang des Mittelmeers Richtung Spanien. Und auf der Strecke Bern nach Genf hat es u.a.

An Deiner Stelle würde ich die Route durch die CH nehmen, Genève, direkt rüber nach Lyon (eher nicht über Annecy/Tour de Pin/Valence) und dann das Rhonetal runter Avignon/Nimes/Monpellier/Barca, NICHT quer rüber Clermont-FerrantBordeaux/Donostia, das Rhonetal ist sicher milder als in F durchs Zentralmassiv. Da bist Du dann relativ schnell im Süden und danach möglichst dem Meer entlang, Meer ist ja immer gut für mildere Temp.

Du musst bedenken, dass du nicht den Stauraum hasst wie im Auto, also sparsam mit dem Gepäck. Wenn du Rucksack aufsetzen willst, da nur leichte Sachen rein, denn wenn du den ganzen Tag fährst wird das unangenehm, Desweiteren würde ich einen Tankrucksack empfehlen.

  • Für den normalen Rucksack empfehle ich dir einen mit zusätzlichem Gurt um den Bauch.
  • Du wirst sehr durstig werden.
  • Vermeide Autobahnen.

Fahrt über eine der Feldwege auf dem Weg nach Madrid.

Vielleicht hast Du auch sehr, sehr viel Glück und nichts davon passiert. Aber hey, es ist alles Teil eines Abenteuers, alles Teil der Geschichte und man wird eine Menge davon haben 😉 .

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