Moped Schwalbe Elektromotor Umbau: Eine Revolution für Kult-Mokicks

Die Transformation von Kult-Mokicks aus der ehemaligen DDR in moderne Elektromobile ist ein wachsender Trend. Insbesondere der Umbau der Moped Schwalbe auf Elektromotor erfreut sich großer Beliebtheit. Ein besonders interessantes Projekt in diesem Bereich ist der Elektro-Umbausatz von Second Ride, der an der Technischen Universität Berlin entwickelt wurde.

Elektro-Umbausatz für Simson von Second Ride

Ab 2020 wurde an der Technischen Universität Berlin ein Elektro-Umbausatz für bereits vorhandene Kleinkrafträder mit Verbrennungsmotor entwickelt, speziell für die Modelle S 50, S 51 und KR 51/2 (Schwalbe) von Simson. Die zwei Simson-Fans Carlo Schmid und Sebastian Marten haben an der TU Berlin studiert, sind dort an der Entwicklung des Elektro-Umbausatzes beteiligt gewesen und haben inzwischen die Second Ride GmbH in Berlin gegründet. Ab 2023 soll der Elektro-Umbausatz von Second Ride für die Kleinkrafträder von Simson in Großserie produziert und verkauft werden. Künftig soll der Umbausatz auch mit der 1er-Schwalbe Typ KR 51/1 kompatibel sein.

Die Idee dazu hatte Carlo vor zwei Jahren selbst, und er konnte das dann als Projektwerkstatt, also als Kurs an der TU Berlin anbieten. Das lief über drei Semester, und darauf folgte Anfang 2022 die Ausgründung. Dafür hat Carlo seinen Maschinenbau-Master abgebrochen. Sebastian hat bereits vier Jahre Berufserfahrung in der Automobilindustrie gesammelt und seinen Job aufgegeben, um Second Ride mit zu gründen.

Das gemeinsame Ziel der Beiden ist die Herstellung und der Vertrieb des Umbausatzes in großen Stückzahlen. Um das hierfür erforderliche Kapital einzusammeln, starteten sie im Sommer 2022 einen Crowdfunding-Aufruf. Schon nach wenigen Stunden war das Finanzierungsziel (80.000 Euro) erreicht. Obendrauf gab’s reichlich konstruktive und wertvolle Rückmeldungen von Simson-Fahrern. Laut Schmid und Marten liegen über 100 Vorbestellungen vor. Das Projekt kann also realisiert werden. Im Herbst 2022 sollen 30 Vorserien-Kits gefertigt und in Testbetrieb genommen werden. Nebenher sollen Rahmenverträge mit Zulieferpartnern ausgehandelt werden. Ab März 2023 sollen die Elektro-Kits dann regulär ausgeliefert werden.

Technische Details und Umbau

Je nach technischen Vorkenntnissen und Schraubertalent sei der Umbau von Zweitakt- auf Elektromotor in minimal 30 Minuten, durchschnittlich zwei, drei Stunden oder zumindest an einem halben Tag durchführbar. Ein TÜV-Gutachten liege mittlerweile vor.

Bestandteile des Umbausatzes SR23:

  • Alle vormontierten Module
  • Gutachten
  • Kette und Kleinteile
  • 12-Volt-Lampenset
  • Akku-Ladegerät
  • Zugang zur Second Ride Community

Komplettpreis: 2.990 Euro. Für 190 Euro Anzahlung werden bereits Reservierungen für 2023 angenommen. Über die gesetzliche Gewährleistung hinaus bietet Second Ride eine zweijährige Garantie an.

Der Antrieb

Das Antriebsmodul besteht aus Elektromotor, Steuergerät, Kabelbaum und weiterer Elektronik. Da Hochleistungsspannung anliegt, müssen die Kabel orangefarben ummantelt sein. Für den bürstenlosen Elektromotor werden 3 kW (4 PS) Nennleistung sowie 4 kW (5,4 PS) Spitzenleistung genannt. Logischerweise sind die Aufhängungspunkte am Rahmen identisch mit denen der originalen Zweitaktmotoren.

Die Akkus

Akku-Pack, Batterie-Management-System und weitere Elektronik befinden sich innerhalb der Sitzbank. Die gebogene Blechkonstruktion ist mit drei Zentimeter Verbundschaumstoff gepolstert. Bei den Akkuzellen handelt es sich um Markenprodukte von LG mit einer Gesamtkapazität von 1,9 kWh. 50 Kilometer Reichweite seien damit drin. Die bisher vorhandene Bordbatterie entfällt, wobei das Bordnetz von 6 Volt auf 12 Volt umgerüstet wird (wo noch nicht geschehen). Nebenbei erhöht das die passive Sicherheit, denn die Beleuchtung wird so deutlich heller.

Der E-"Gasgriff"

Drehgriff und Bowdenzug bleiben original. Dafür ist eigens ein Bowdenzugsensor entwickelt worden, in den die originale Vergaserkappe (aus dem Vergaser herausgeschraubt) mit Kolbenschieber und Vergasernadel passt. Der Hub des Kolbens wird dann in ein elektrisches Signal gewandelt und an den E-Motor gemeldet. Ein Detail, das bei den ersten Tests sehr gut ankommt und das zudem den Umbau stark vereinfacht, weil am Drehgriff nichts geändert werden muss. Und das Schalten durch drei oder vier Gänge entfällt komplett, dem E-Antrieb reicht ein Gang.

Vorteile und Zulassung

Neben dem immer noch riesigen Gebrauchtbestand spricht für die Kleinkrafträder von Simson auch die leichte Zugänglichkeit: Sie dürfen entweder ab 15 mit Führerscheinklasse AM oder ab 18 mit dem Pkw-Führerschein B gefahren werden. Die erste Zulassung des Second Ride-Kits gilt für die Ausführung mit 60 km/h Höchstgeschwindigkeit - wie bei den Originalen, denn hier kann formal die Kombination aus Bestandsschutz und Tauschmotor greifen. Relativ einfach könnte jedoch auch eine Leistungsvariante entsprechend der inzwischen gültigen Rechtslage, also begrenzt auf 45 km/h, nachgeschoben werden, wenn das erforderlich oder gewünscht wäre. Doch das Besondere an diesem Gesamtkonzept ist ja gerade die 60-km/h-Zulassung der Kult-Mokicks aus der ehemaligen DDR. Darüber hinaus loten die Berliner Tüftler sogar stärkere Leistungsvarianten aus, die dann in die nächsthöhere Kategorie Leichtkraftrad aufsteigen würden.

Nachhaltigkeit und Kosten

Nachhaltig ist das Ganze obendrein, denn ein vorhandenes Fahrzeug auf Elektro-Antrieb umzurüsten, verbraucht weniger Ressourcen, als ein neues Fahrzeug herzustellen. In diesem Fall werden, laut Second Ride, rund 50 Prozent Ressourcen gespart. Allerdings sind die Simson-Mokicks wegen ihres Kultstatus ziemlich teure Gebrauchtfahrzeuge. Über 1.000 Euro sind aktuell üblich, für besonders gut erhaltene oder restaurierte Exemplare werden teilweise sogar mehr als 4.000 Euro verlangt - und bezahlt. Andererseits: Die komplett neu konstruierte Elektro-Schwalbe von Govecs kostet über 5.000 Euro - und läuft nur 45 km/h.

Die Renaissance der Simson-Mopeds

Mopeds des Herstellers Simson waren in der DDR allgegenwärtig. Pro Jahr verließen rund 200.000 motorisierte Zweiräder die Fabriken. Die Simson-Mopeds sind die am meisten produzierten Kleinkrafträder in Deutschland und sie gelten als robust, die meisten Ersatzteile lassen sich beschaffen. Derzeit sind deutschlandweit noch ungefähr 500.000 Simson-Mopeds der kompatiblen Generation zugelassen mit steigender Tendenz, denn die Zweiräder erleben eine Renaissance. Fans bauen vergessene Rahmen neu auf, weil sie cool aussehen und weil sie 60 km/h schnell fahren dürfen.

Elektro-Simson: Eine saubere Alternative

Die Umrüstung auf Elektroantrieb ist im Sinne der Simson-Idee. Ökologisch ergibt der Umbau Sinn, denn während für den Umweltschutz Pkw mit Verbrennungsmotoren streng reguliert werden, gibt es für Mopeds und Roller wie Simson und Schwalbe noch keine Einschränkungen. Dabei verbrennen ihre Zweitakt-Motoren konstruktionsbedingt Öl und ihre Abgase enthalten schädliche Kohlenwasserstoffe und Kohlenmonoxid. Laut einer Studie des Paul-Scherrer-Instituts stoßen die Mopeds 771 Mal so viel Feinstaub aus wie ein vergleichbarer Viertakter.

Um den Antrieb umzubauen, veranschlagt Second Ride zwei bis drei Stunden oder „einen Nachmittag“ Arbeitszeit. Schmid schafft es selbst mittlerweile in 30 Minuten. Alle Aufnahmen am Umrüstsatz entsprechen denen der Originalteile. Es müsse nichts gebohrt, abgeschnitten oder geschweißt werden, alles wird geschraubt. Damit sei der Umbau auch für weniger versierte Menschen geeignet.

Technische Daten im Überblick

Merkmal Wert
Nennleistung des Elektromotors 3 kW (4 PS)
Spitzenleistung des Elektromotors 4 kW (5,4 PS)
Akkukapazität 1,9 kWh
Reichweite 50 km
Umbauzeit (durchschnittlich) 2-3 Stunden
Höchstgeschwindigkeit 60 km/h
Preis des Umbausatzes 2.990 Euro

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