Die Frage nach dem richtigen Motorradanhänger für Ihr Motorrad oder Ihre Motorräder ist komplexer als es zunächst scheint. Neben dem Reisekomfort spielen Faktoren wie Anhängertyp (gebremst oder ungebremst), Geschwindigkeitszulassung (100 km/h), Bodenbeschaffenheit (ja/nein), Bauweise (offen oder geschlossen) und die Art der Beladung (mit Rampe oder Absenkvorrichtung) eine Rolle.
Die richtige Größe und Gewichtsklasse
Die pauschale Frage nach einem "2er Motorradanhänger" lässt sich nicht einfach beantworten, da verschiedene Motorradtypen unterschiedliche Anforderungen stellen. Hier sind einige Standardwerte, die Ihnen als Orientierung dienen können:
- Roller: ca. 2 m Länge, 150-200 kg Eigengewicht, Lenkerbreite 60-80 cm
- Normales Motorrad: ca. 2,2 m Länge, 230-280 kg Eigengewicht, Lenkerbreite ca. 80 cm
- BMW GS: ca. 2,4 m Länge, 250-280 kg Eigengewicht, Lenkerbreite ca. 110 cm
- Harley Davidson: ca. 2,5 m Länge, 280-400 kg Eigengewicht, Lenkerbreite 100-150 cm (modellabhängig)
- Goldwing: ca. 2,6 m Länge, 350-420 kg Eigengewicht, Lenkerbreite 100-120 cm
Diese Werte verdeutlichen, dass je nach Motorradtyp unterschiedliche Anhänger benötigt werden. Für Standardmotorräder gilt, dass eine Anhängerlänge von 2,5 m in den meisten Fällen ausreichend ist. Die Breite sollte bei einem Motorrad 1,2 m und bei zwei Motorrädern 1,5 m betragen.
Bei einem 2er Motorradanhänger sind die Standschienen oder Wippen oft versetzt montiert, um Spielraum bei der Lenkerpositionierung zu gewährleisten. Jeder Motorradanhänger sollte zudem über ausreichend Zurrpunkte verfügen.
Wenn Sie unsicher sind, welcher Anhänger der richtige ist, gilt die Faustformel: Besser zu groß als zu klein. Ein zu großer Anhänger bietet im schlimmsten Fall zu viel Platz, während ein zu kleiner Anhänger dazu führen kann, dass ein Motorrad zu Hause bleiben muss.
Planung und Reservierung
Eine vorausschauende Planung und Reservierung eines geeigneten Motorradanhängers ist dringend empfohlen, besonders in der Hauptsaison (April bis Oktober). Sonst kann es sein, dass der Motorradurlaub kurz vor der Abreise ins Wasser fällt. Es ist ratsam, Ihre Maschinen selbst auszumessen, da die Herstellerangaben oft von den tatsächlichen Maßen abweichen können.
Messen Sie Ihre Maschinen in Länge und Breite aus. Berücksichtigen Sie pro Motorrad eine Standlänge von 2,2 m und eine Breite von 80 cm (in der Regel ist der Lenker die breiteste Stelle). Wenn Sie ganz sicher gehen wollen, stellen Sie Ihre Maschinen in der Garage so zusammen, wie Sie sie auf den Anhänger stellen würden.
Besonderheiten beim Verladen mehrerer Motorräder
Wenn Sie 3 Motorräder oder mehr verladen wollen, ist die Größe der Maschinen entscheidend. Bei großen Motorrädern kann ein 3er Motorradanhänger manchmal auch nur für 2 Maschinen geeignet sein. Messen Sie Ihre Maschinen genau aus und berücksichtigen Sie, dass das Vorderrad oft etwas versetzt neben das Hinterrad des Mitfahrers gestellt werden kann, um Platz zu sparen.
Rampen und Traglast
Eine Motorradauffahrschiene hat in der Regel eine Nutzlast von 400 kg. Bei der Beladung mit Rampe ist zu beachten, dass das Gewicht des Motorrads sich aufteilt, sobald das Vorderrad im Anhänger steht. Leihen Sie sich im Zweifelsfall den gewünschten Motorradanhänger für einen Tag oder ein Wochenende aus, um das Verladen zu Hause zu üben.
Absenkbare Anhänger
Eine innovative Lösung bieten Absenkanhänger, bei denen das Heck des Anhängers abgesenkt werden kann, um das Beladen zu erleichtern. Diese Anhänger sind besonders komfortabel und sicher, da der Kraftakt über wackelige Auffahrrampen entfällt. Über eine Handpumpe werden zwei Hydraulikzylinder an der Absenkachse bedient, in nur wenigen Sekunden liegt das Heck einfahrbereit am Boden auf.
Qualitätsmerkmale
Bei der Wahl eines Absenkanhängers sollten Sie auf die Qualität der Materialien und der Verarbeitung achten. Merkmale wie ein geschlossenes Vierkantrohr als Zugrohr, feuerverzinkte Profile und eine automatische Bremsennachstellung sind Indikatoren für einen hochwertigen Anhänger.
Motorradwippen im Test
Motorradwippen sind nützliche Helfer beim Verladen und Sichern von Motorrädern auf Anhängern. Sie stabilisieren das Motorrad und erleichtern das Verzurren. Es gibt verschiedene Modelle, die sich in Größe, Tragfähigkeit und Verstellbarkeit unterscheiden.
Häufig gestellte Fragen zu Motorradwippen
- Für welche Reifengrößen ist die Wippe geeignet? Achten Sie auf die Kompatibilität mit Ihren Reifengrößen.
- Ist die Wippe stabil? Eine robuste Konstruktion und rutschfeste Füße sorgen für einen sicheren Stand.
- Kann die Wippe im Außenbereich verwendet werden? Eine pulverbeschichtete Oberfläche schützt vor Korrosion.
- Ist die Wippe einfach zu montieren? Viele Modelle erfordern keine feste Montage am Boden und sind flexibel einsetzbar.
Beispiele für Motorradwippen
Hier sind einige Beispiele für Motorradwippen, die in Tests gut abgeschnitten haben:
| Modell | Eigenschaften | Fazit |
|---|---|---|
| Acebikes Motorradständer Steadystand AC 250 | Verstellbar für Reifenbreiten von 90 bis 130 mm und Reifengrößen von 15 bis 19 Zoll, robuste Konstruktion mit Pulverbeschichtung und Gummi-Füßen | Sehr gut |
| Steadystand Motorradständer mit Wippe | Längenverstellbar, gebogene Radaufnahme für zusätzlichen Halt, geeignet für Reifenbreiten von 90 bis 130 mm und Radgrößen von 10 bis 19 Zoll | Sehr gut |
| Wiltec Motorradständer 51377 | Längenverstellbar, kompatibel mit Radbreiten von 35,5 bis 53,3 cm, Stahlkonstruktion mit Pulverbeschichtung | Sehr gut |
| MBM 25000022 | Geeignet für Motorradreifen mit einer Größe von 15 bis 21 Zoll, stabile Standfüße, langlebiges Material | Sehr gut |
| Acebikes Steadystand Fix AC152 | Leicht (5 kg), geeignet für Reifengrößen von 16 bis 19 Zoll, ideal zur fixen Positionierung des Motorrades | Sehr gut |
| Hi-Q Tools Motorrad-Montageständer | Sowohl in der Länge als auch in der Höhe verstellbar, geeignet für Rad- und Reifengrößen von 12 bis 24 Zoll | Sehr gut |
| ProPlus 580337 | Stützbeine für sicheren Halt, ausschließlich für Motorräder geeignet | N/A |
750-kg-Anhänger im Test
Ungebremste Anhänger der 750-Kilogramm-Klasse werden auch gerne für den Motorradtransport hergenommen. Der ADAC hat sechs Einachser mit Preisen bis zu 770 Euro einem Test unterzogen. Zwei davon fielen glatt durch.
Kleine Anhänger mit einem zulässigen Gesamtgewicht von bis 750 Kilogramm werden vor allem von Privatnutzern gerne genommen. Sie eignen sich für kleinere Transportaufgaben und lassen sich hinter fast jedes Auto hängen. Ist die Ladefläche entsprechend groß, werden die Einachser auch oft zum Motorradtransport herangezogen, denn je nach Hängereigengewicht reicht die Nutzlast noch für bis zu zwei Motorräder. Der ADAC-Test zeigte allerdings, dass bei fast keinem Anhänger das genaue Leergewicht angegeben wird. Der Nutzer weiß so nicht, wie viel er zuladen darf, um das zulässige Gesamtgewicht nicht zu überschreiten. Hier hilft nur die Fahrt auf eine öffentliche Waage.
Testergebnisse im Überblick
- Testsieger: Stema Variolux 750 (ADAC Urteil „gut“)
- Zweitplatzierter: Brenderup 1205SUB750 (Note 2,5)
- „Befriedigend“ (Note 2,7): Humbaur Steely
Einige Anhänger zeigten deutliche Schwächen, insbesondere in Bezug auf Reifenfreigängigkeit und Haltbarkeit. Es ist wichtig, auf eine ausreichende Ausstattung mit Sicherungsseil und 13-poligem Stecker zu achten.
Alternativen zum klassischen Anhänger
Neben Anhängern gibt es auch alternative Lösungen für den Motorradtransport, wie z.B.:
- Motorradträger für Pkw und Wohnmobile: Diese Träger werden an der Anhängerkupplung oder am Heck des Fahrzeugs montiert. Sie eignen sich besonders für Roller und leichte Motorräder.
- Transport im Transporter/Kastenwagen: Diese Option bietet sich an, wenn eine Ladefläche vorhanden ist.
Unabhängig von der gewählten Transportlösung ist geeignetes Zubehör entscheidend für einen sicheren und stabilen Transport. Dazu gehören Spann- und Zurrgurte, Vorderradwippen, Auffahrrampen, Radstopper, Antirutschmatten, Schlösser und Schutzabdeckungen.
Vorschriften und Fahrerlaubnis
Wer mit einem Anhänger unterwegs ist, muss gesetzliche Vorgaben beachten. Dazu gehören unter anderem die zulässige Gesamtmasse des Anhängers, die Anhängelast des Zugfahrzeugs sowie ggf. eine Tempo-100-Zulassung. In den meisten Fällen genügt der Führerschein der Klasse B. Entscheidend sind das zulässige Gesamtgewicht des Anhängers sowie die erlaubte Anhängelast des Zugfahrzeugs. Bei schwereren Gespannen ist eine B96-Erweiterung oder sogar die Klasse BE erforderlich.
Wohnwagen für den Motorradtransport
Für Camper, die nicht auf ihr Motorrad verzichten möchten, gibt es spezielle Wohnwagen mit integrierter Transportmöglichkeit. Diese Modelle verfügen über eine große Heckklappe zum Beladen und eine Transportschiene im Innenraum. Zu den bekanntesten Modellen gehören der Knaus Deseo 400 TR, der Knaus Sport & Fun 480 QL, der Kip Shelter, der Mini Freestyle 270 und die Sportcaravan Cube-Modelle.
Humbaur HA Multi: Ein Allrounder für den Motorradtransport
Der Humbaur HA Multi ist ein vielseitiger Anhänger, der sich sowohl für den Motorradtransport als auch für andere Transportaufgaben eignet. Mit einer Ladefläche von 2,51 x 1,31 Meter ist er lang genug, um auch große Motorräder zu verladen. Die hintere Bordwand kann weggeklappt werden, und integrierte Zurrbügel sorgen für eine sichere Ladungssicherung. Der Anhänger ist in zwei Varianten erhältlich: als ungebremster Anhänger mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 750 Kilogramm oder gebremst mit 1300 Kilogramm.
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