Mopeds der 70er Jahre: Eine Reise in die Vergangenheit

Die 1970er-Jahre waren die Blütezeit der schnellen 50er, bevor die 80er aufkamen. Es war eine Zeit, in der gestandene Männer im Kleinkraftrad-Sattel wieder zu 16-Jährigen wurden.

Die goldenen Jahre der Töfflis

Wer sich wundert, warum eingefleischte Töfflimeitli und Töfflibuebe ein versonnenes Lächeln bekommen, wenn die Namen Bergsteiger und Belmondo fallen, sollte weiterlesen. Es ist die Erinnerung an zwei der beliebtesten, schönsten und zuverlässigsten Mofamodelle, die das goldene Töffli-Zeitalter in den 1970er-Jahren massgeblich prägten: das Zündapp-Bergsteiger-Mofa und die legendäre Belmondo-Perle.

Beide Modelle zeichnen sich durch eine unverwüstliche Konstitution aus, sie sind zuverlässig und robust - selbst in dem fortgeschrittenen Alter, in dem sich die 1965 bzw. 1971 erstmals ausgelieferten Hödis mittlerweile befinden. Ausserdem bezirzen sie Töfflimeitli und Töfflibuebe gleichermassen mit ihrer attraktiven Optik und dem unwiderstehlichen Retro-Charme damals wie heute.

Zündapp: Ein Pionier im Zweiradbau

Die sprichwörtliche Zündapp-Zuverlässigkeit zeichnet nicht nur die Bergsteiger- und Belmondo-Töfflis aus. Jedes Töfflimeitli und jeder Töfflibuebe, der oder die auf einem Mofa mit einem Motor vom Typ 247 oder einem anderen Aggregat der Zündappwerke unterwegs ist, weiss die Zuverlässigkeit und Lauffreudigkeit der Nürnberger Mofamotoren zu schätzen. Als in den 1960-er-Jahren die ersten Mofamodelle von den Bändern der Zündappwerke liefen, blickte der Hersteller bereits auf über drei Jahrzehnte Erfahrung in der Zweiradfertigung zurück. Die Nürnberger Ingenieure und Mofaschmiede wussten also genau, wie man ein zuverlässiges Töffli baut.

Die frühen Jahre

Ihren Anfang nimmt die wechselhafte Geschichte des Herstellers mitten im Ersten Weltkrieg. Fritz Ludwig Neumeyer gründet in Nürnberg die Zünder-Apparatebau-Gesellschaft m.b.H. Nach dem Ende des Krieges orientiert sich der Hersteller zum Glück um und spezialisiert sich auf den Zweiradbau. Genauer gesagt konzentriert man sich auf den Bau sogenannter „Gebrauchsmotorräder“.

Ein typischer Vertreter dieser besonders wartungsarmen und vergleichsweise günstigen Motorräder ist der Top-Seller Z 22. Dieses Motorradmodell war auch eines der ersten Motorräder des Herstellers, die mit Kickstartern und Getriebemotoren ausgerüstet wurden. Bei Zündapp stellte man schon in diesen Jahren die Weichen auf 2-Takter. Von den insgesamt 40 unterschiedlichen Motorradmodellen, die bis 1945 gefertigt wurden, waren 30 waschechte 2-Takter.

Die Spezialisierung auf diesen Motortyp sollte sich für die Nürnberger Zweiradkonstrukteure nach Ende des Zweiten Weltkriegs auszahlen.

Leichtkrafträder und die ersten Mofa-Modelle

Als nach Kriegsende in den 1950er-Jahren der Trend zu kleinen, leichtmotorisierten Zweitaktmaschinen geht, ist Zündapp einer der Innovationsführer auf diesem Gebiet. Der damalige Trend zu 2-Takt-Leichtmotorrädern setzt sich in den Folgejahren fort und führt in vielen europäischen Ländern zur Einführung und Entwicklung einer neuen Fahrzeugklasse: Es ist die Geburtsstunde des Töfflis. Die ersten Mofa-Modelle von Zündapp leiden aufgrund der langen Erfahrung mit der 2-Takt-Technik nicht an Kinderkrankheiten und müssen nicht mühsam Laufen respektive Fahren lernen, wie das bei einigen Konkurrenzherstellern Mitte der 1960er-Jahre der Fall war. Innovative Modelle wie das High Riser Mofa 444-04 - ausgestattet mit Hochlenker - und die ersten Versionen des legendären Bergsteiger-Töfflis - je nach Motorisierung auch schlicht M25, M30 und M50 genannt - erblickten das Licht der Welt.

Das legendäre Bergsteiger-Töffli

Dass ein Hödi, das mit dem Versprechen beworben wurde, auch Steigungen mit bis zu 30 % Gefälle spielend zu bewältigen, bei Schweizer Töfflimeitli und Töfflibuebe Interesse wecken würde, ist aufgrund der Schweizer Topografie nicht überraschend. Dass sich zwischen dem Zündapp-Hobel und Schweizer Töfflimeitli und Töfflibuebe aber eine so innige und langjährige Liebe entwickeln würde, war damals, im Jahr 1965, noch nicht abzusehen. Das Bergsteiger-Töffli war das erste Modell, das Zündapp speziell für die neue Fahrzeugklasse Mofa entwickelt hatte.

Um die besonderen gesetzlichen Regelungen der Schweiz zu erfüllen, brachten die Nürnberger Mofakonstrukteure die M30-Version auf den Markt. Wie die Varianten M25 und M50 war diese Perle mit dem gebläsegekühlten 1-Zylinder-Zweitakt-Motor Typ 247 ausgestattet. Beatmet wurde das Aggregat von einem Bing 1/9/54 Vergaser. In Bergsteigfähigkeit stand es den anderen Varianten in nichts nach, erreichte aber nur eine Höchstgeschwindigkeit von etwa 30 Kilometern pro Stunde.

Aus heutiger Sicht mutet der damalige Werbeslogan: „Dieses Mofa lässt sich nicht umbringen“, wahrhaft prophetisch an. Dank des Einsatzes und der Leidenschaft unermüdlicher Töfflimeitli und Töfflibuebe, die an ihren Bergsteiger-Töfflis schrauben, nach seltenen NOS-Teilen suchen und die Perlen mit Hingabe pflegen, sieht man tatsächlich noch heute einige dieser unverwüstlichen Hödis auf Schweizer Strassen.

Das Belmondo-Mofa: Eine Legende

Einige Jahre nach dem M30-Bergsteiger - im Jahr 1971 - erblickte ein absolutes Kultmofa das Licht der Welt: das legendäre Belmondo-Töffli. Heissbegehrt, innig geliebt und mitunter abgöttisch verehrt - so lässt sich die Beziehung zahlreicher Töfflimeitli und Töfflibuebe zu diesem besonderen, exklusiv für die Schweiz gefertigten Hödi beschreiben. Optisch begeisterte das Modell mit eleganter Linienführung und dem markanten Lenker. Technisch überzeugte das Belmondo-Töffli damals mit dem Zündapp-Motor Typ 247, der sich erneut als äusserst zuverlässig und robust erwies. Insgesamt wurden etwa 23 000 dieser Kulttöfflis in zwei unterschiedlichen Serien hergestellt, bis im Jahr 1977 die Produktion eingestellt wurde.

Trotz dieser vergleichsweisen hohen Stückzahlen ist es für Töfflimeitli und Töfflibuebe nicht immer einfach, geeignete Ersatzteile für diese Perle aufzutreiben. Originale NOS-Teile sind nach der Insolvenz der Zündapp-Werke leider kaum noch aufzutreiben. Ein Lichtblick für alle Belmondo-Besitzer ist hier unser Shop-Sortiment, in dem wir nicht nur hochwertige Nachbauteile anbieten, sondern auch einige echte NOS-Schätze speziell für dieses echte Kulttöffli.

Weitere Hersteller und Modelle der 70er

Neben Zündapp gab es noch viele andere Hersteller, die in den 70er Jahren mit ihren Mopeds den Markt prägten. Dazu gehören unter anderem:

  • Hercules
  • Kreidler
  • KTM
  • Puch
  • Yamaha

Ein Vergleich von 50ern aus den 70ern

MOTORRAD Classic drehte die Uhr zurück und erlebte am eigenen Leib, wie gestandene Männer im Kleinkraftrad-Sattel wieder zu 16-Jährigen werden. Die wichtigsten Vertreter aus Deutschland, Österreich und aus Japan wurden zusammengetrommelt. Ja, auch Yamaha hatte schon eine ernst zu nehmende Konkurrentin auf den Kleinkraftradmarkt geschickt, die mit schmuckem Äußeren und unschlagbarem Kampfpreis punktete.

Hier eine Übersicht der verglichenen Modelle:

Modell Besonderheiten
KTM 50 RSW Teuer, laut und schnell, unrestaurierter Originalzustand
Yamaha RD 50 DX Getrenntschmierung, schreiender Zweitakter mit hohen Drehzahlen
Kreidler Florett RS-GS Luftgekühlter Zweitakter, Pressstahlrahmen, gute Fahrwerksstabilität
Zündapp KS 50 WC TT Wassergekühlter Motor, nobler Ausstattung, komfortable Sitzposition
Puch Cobra 6 GTL Porsche Design, Sechsganggetriebe, Exotin

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