Heute erleben die kultigen »Ostmopeds« ein echtes Comeback. Warum sie damals so beliebt waren und heute wieder aufblühen, zeigen wir in diesem Blogbeitrag. So kann die DDR zurecht als Zweiradland bezeichnet werden, denn die kurzfristige Verfügbarkeit ohne lange Wartezeit und die im Vergleich zum Auto moderaten Preise trugen zur hohen Verbreitung der motorisierten Zweiräder in der DDR bei.
Die Motorradfahrer*innen waren in der DDR zahlreich. Vielleicht auch, weil das Fahren eine besondere Art von Freiheit bedeutete und Jugendlichen ein Stück Unabhängigkeit gab. Sobald man seine "Fleppen" (Fahrerlaubnis) hatte, war man stolz wie Bolle.
Bis heute gibt es viele Fans der alten Maschinen von MZ und Simson. Die Faszination hat sich auch auf die Gen Z übertragen und man sieht noch alte Simson-Motorräder und Schwalben herumfahren.
Die Rolle der Zweiräder in der DDR
In Ermangelung einer ausreichenden PKW-Produktion sorgten Mopeds, Roller und Motorräder für individuelle Mobilität in der DDR, während die motorisierten Zweiräder in der Bundesrepublik ab den 1970er-Jahren mehr und mehr zu Sport- und Freizeitgefährten avancierten.
Gerade bei Jugendlichen hatten die Mokicks von Simson mit ihren 50 ccm und 60 km/h Höchstgeschwindigkeit durchschlagenden Erfolg, denn sie durften bereits von 15-Jährigen gefahren werden. Dies gilt bis heute, da diese Regelung Teil des Einigungsvertrages von 1990 war.
Bekannte Marken und Modelle
Die bekanntesten Motorradmarken aus DDR-Herstellung waren Simson, MZ und IWL.
Simson
Simson war für die vielen verschiedenen Mokick- und Moped-Baureihen wie etwa die berühmte Vogelserie mit den klangvollen Namen Schwalbe, Spatz, Star, Sperber und Habicht bekannt oder auch für die weitverbreiteten Modelle S50 und S51, die oft einfach als »Simmen« bezeichnet wurden. Die Firma Simson aus Suhl (Thüringen) stellte ab 1964 nur noch Kleinkrafträder, also Mopeds und Mofas, her. Von Simson stammt das bekannteste Modell, der Kleinroller Schwalbe. Weitere Simson-Krafträder trugen ebenfalls Vogelnamen: Star, Spatz, Sperber oder Habicht. 1975 kam die ebenfalls sehr populäre S50 auf den Markt. Mit über 1,6 Millionen gebauten Fahrzeugen sind die verschiedenen Simson S50/S51-Baureihen bis heute die meistgebauten Kleinkrafträder Deutschlands.
MZ (Motorradbau Zschopau)
Ab 1962 durften Motorräder nur noch von der Firma MZ hergestellt werden, dem Motorradbau Zschopau. Vor dem Zweiten Weltkrieg wurden in Zschopau bei DKW so viele Motorräder gebaut wie sonst nirgends auf der Welt. Nachdem die gesamte Produktionsstätte als Reparationsleistung in die Sowjetunion abtransportiert worden war, stand der Motorradbau zunächst still. 1950 wurde die Produktion mit dem Vorkriegsmodell von 1939, RT 125, wieder aufgenommen und bis 1962 fortgeführt. Ab 1956 erhielten alle neuen Modelle den Namen "MZ", so auch die Baureihen ETS und TS. Weite Verbreitung fand dann ab 1985 die MZ ETZ. Mit MZ-Maschinen gelangen den DDR-Rennsportlern in den 1960er Jahren mehrere Siege in den Sechstagefahrten, einem internationalen Motorradrennen.
IWL (Industriewerk Ludwigsfelde)
Das Industriewerk Ludwigsfelde (IWL) in Brandenburg entstand auf einem Grundstück der Daimler Benz Werke, die hier vor und während des Zweiten Weltkrieges Flugzeugmotoren gebaut hatten. 1952 wurden die IWL aufgebaut, 1955 lief der erste Motorroller vom Band. Bis 1962 wurden hier dann die Motorroller Pitty, Wiesel, Berlin und Troll gebaut. Danach wurde die Produktion auf Nutzfahrzeuge umgestellt.
Der Niedergang und das Comeback
Zwar war die DDR-Zweiradproduktion nach dem Übergang in das vereinigte Deutschland etwas sanfter gefallen als die der Hersteller der vierrädrigen ostdeutschen Fahrzeuge, der überwältigenden Konkurrenz aus Japan oder Italien hatten sie aber langfristig kaum etwas entgegenzusetzen. In der Planwirtschaft noch heißbegehrt, waren sie über Nacht im Niedrigpreissektor der bundesdeutschen Marktwirtschaft gelandet. Schnell war in den Nachwendejahren die große Zeit der motorisierten Zweiräder für den Alltagsgebrauch in den neuen Bundesländern vorbei.
Mit der Schließung des MZ-Werks 2008 und dem endgültigen Produktionsende 2012 endete die industrielle Serienproduktion ostdeutscher motorisierter Zweiräder nach einer gut 70 Jahre dauernden Geschichte. Dies bedeutet aber nicht, dass auch die Geschichte der produzierten Fahrzeuge aus der DDR vorbei ist, ganz im Gegenteil. Heute genießen die Simsons und MZ aus dem untergegangenen Staat Kultstatus und es hat sich eine lebendige Schrauber-, Bastler und Liebhabercommunity entwickelt.
Mit den letzten Entwicklungsstufen der Motoren M451 und M 471, die noch zu DDR-Zeiten in Suhl entwickelt wurde, wird auch heute wieder ein Teil der ostdeutschen Zweiradindustrie in Thüringen hergestellt.
DDR Museum
Der hauseigene Sammlungsbestand des DDR Museum umfasst 140 motorisierte Krafträder, die im Pyramidenring 10 in einer alten Bestandshalle des ehemaligen Autobahnbau Kombinat Betrieb Nord untergebracht sind. Die Fahrzeuge aus Suhl, Ludwigsfelde und Zschopau decken den gesamten Zeitraum der DDR ab. Viele Maschinen wurden restauriert, haben ihre Erstzulassung jedoch meist im jeweiligen Produktionszeitraum. Wer sich die Fahrzeuge und unsere restliche Sammlung von Alltagsobjekten der DDR gerne einmal selbst anschauen möchte, hat jeden Donnerstag von 12 bis 17 Uhr und jeden 1. und 2. Sonntag eines Monats von 11 bis 16 Uhr die Möglichkeit.
Nicht selten, vor allem in den 1960er-Jahren, nahmen die Zweiräder aus Zschopau vordere Plätze im internationalen Motor- und Endurosport ein und galten als gute und zuverlässige Konstruktionen, die sich auch im westlichen Ausland verkauften. So sind die Fahrzeuge etwa in Großbritannien bis heute ausgesprochen beliebt. In Zschopau wurden auch Sonderfahrzeuge für die Volkspolizei und die NVA produziert.
In der Geschichte der DDR sind aber nicht nur Suhl und Zschopau als Standorte des ostdeutschen motorisierten Zweiradbaus zu nennen, sondern auch Ludwigsfelde in Brandenburg. Denn in den Jahren 1955 bis 1964 wurden dort, im VEB Industriewerke Ludwigsfelde (später: Automobilwerke Ludwigsfelde), vier verschiedene Rollermodelle gebaut, ehe das Werk sich ganz dem Lastkraftwagenbau widmen musste.
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