Mopeds mit 60 km/h Zulassung: Modelle, Regelungen und aktuelle Entwicklungen

Die Thematik der Mopeds mit 60 km/h Zulassung ist besonders in Deutschland von Interesse, da hier eine spezielle Regelung für Kleinkrafträder aus der ehemaligen DDR existiert. Diese Regelung betrifft hauptsächlich die Mopeds der Marke Simson, die aufgrund des Einigungsvertrags weiterhin mit einer Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h betrieben werden dürfen.

Die Sonderregelung für Simson Mopeds

Die Besitzer einer Simson profitieren von einer Sonderregelung im Einigungsvertrag. Die Simsons seien mit 50 Kubikmetern Hubraum und einer Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h zugelassen, ohne dass sich das auf die Führerscheinklasse auswirke, erklärt Florian Heuzeroth vom ADAC Sachsen. Im Grunde seien alle diese Mopeds oder Kleinkrafträder mit dem AM-Führerschein fahrbar. Diese Sonderregelung gilt nur für Kleinkrafträder, die nach den Regelungen der ehemaligen DDR vor dem 28.02.1992 erstmalig in den Verkehr gekommen sind.

Kein Wunder also, dass viele Jugendliche lieber eine schnellere Simson fahren, als ein neues Moped. Mike Reetz, Inhaber des Geschäfts Mopeds Kitzen, verkauft fast ausschließlich Simsonroller. Die seien hier der absolute Renner. Andere Mopeds seien dagegen eher Ladenhüter, weil sie zu langsam seien, stellt Mike Reetz fest. Außerdem könne man selber nichts daran machen.

Vorteile der Simson Mopeds

  • Geschwindigkeit: Eine Simson fährst du legal viel schneller als andere Kleinkrafträder wie Roller oder Scooter.
  • Verfügbarkeit: Simson Zweiräder wurden millionenfach hergestellt. Ob in Omas Hühnerstall, Opas alter Garage oder Vaters Werkstatt - es gibt da draußen noch unzählige Simsons, die aus ihrem Dornröschenschlaf wachgeküsst und mit neuem Leben eingehaucht werden wollen.
  • Ersatzteile, Händler, Experten: Auch wenn die letzten Zweiräder, die noch unter die Sonderregelung fallen, Anfang der 90er vom Band liefen, können Simson-Besitzer auch heute auf ein riesiges Netz mit Händlern, Onlineshops und Fachwerkstätten zurückgreifen.
  • Robustheit: Fast jede Wartungsaufgabe lässt sich mit wenigen Handgriffen selbst durchführen.
  • Alltagstauglichkeit: Eine Simson ist nicht nur agil, robust und wartungsfreundlich, sondern auch im Alltag ein treuer und nützlicher Begleiter.
  • Niedrige Betriebskosten: Mit einem Verbrauch von 2,5-3 Liter auf 100 km kann man für kurze Strecken auch einmal das Auto stehen lassen.
  • Simson-Szene: Mit einer Simson unterm Hintern gehörst du automatisch zu einer großen und eingeschworenen Community.
  • Wiederverkaufswert: Auch wenn die Kaufpreise für Simsons stetig steigen - der Wertverlust ist gering und ein Wiederverkauf jederzeit möglich.
  • Image und Exklusivität: Eine Simson zu fahren ist nicht nur wirtschaftlich klug, technisch vernünftig und finanziell günstig, sondern es ist auch cool.
  • Tuning-Potential: Wer es legal und gediegen halten möchte, findet zahlreiche Anbauteile, die zu Verkehrssicherheit und optischer Individualität beitragen.

Kontrollen und rechtliche Aspekte

Die Polizei misst die Geschwindigkeit in einer 20er-Zone. Kleinkrafträder kontrolliere man genauso wie Pkws oder Busse im Kraftfahrzeug- oder Fahrzeugbereich. Roller mit bis zu 50 Kubikzentimetern Hubraum dürfen 45 Stundenkilometer fahren. Wer mit überhöhter Geschwindigkeit gestoppt wird und sein Moped auch noch frisiert hat, bekommt Ärger.

AM, die Führerscheinklasse für 50 Kubik, besage, man dürfe nur 45 km/h fahren, erklärt Steffen Mahnecke. Besäße eine Person nur diese Fahrerlaubnis, würde sich auch die Ermittlung wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis anschließen: "Gleichzeitig würde sich dann logischerweise die Kontrolle des Fahrzeuges bedingen. Und wir schauen, wo hier die Manipulation entstanden sein könnte durch Tuning, durch Veränderungen oder durch Eingriff in die Elektronik", führt Mahnecke aus.

Petition zur Anhebung der Höchstgeschwindigkeit

Eine Petition zur Anhebung der Höchstgeschwindigkeit für Kleinkrafträder von 45km/h auf 60 km/h zeigt. Die SIP Scootershop GmbH startete Anfang 2023 eine Petition, um die zulässige Höchstgeschwindigkeit für Kleinkrafträder auf 60 km/h anzuheben. Die erforderlichen 50.000 Stimmen wurden mit 52.155 Unterschriften noch übertroffen. Die Stimmen wurden gesammelt, um folgenden Antrag im Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages einzureichen: "Der Deutsche Bundestag möge beschließen, die zulässige Höchstgeschwindigkeit für Kleinkrafträder mit bis zu 50 ccm Hubraum bzw. bei E-Scooter bis zu einer maximalen Dauernennleistung von 4 KW (6 PS), die mit dem im Führerschein der Klasse B integrierten Führerschein der Klasse AM geführt werden dürfen, von 45 km/h auf 60 km/h anzuheben."

Der Petitionsausschuss verweist zur Ablehnung des Anliegens im Wesentlichen auf folgendes Argument: Die Fahrerlaubnisklassen sind durch die 3. EU-Führerscheinrichtlinie harmonisiert. Eine nationale Abweichung, also etwa eine Änderung der Höchstgeschwindigkeit in der Klasse AM, sei daher nicht möglich. Deshalb sehe man keinen gesetzgeberischen Handlungsbedarf.

Die SIP Scootershop GmbH schlägt folgende Lösung vor: Einführung einer zusätzlichen nationalen Fahrerlaubnisvariante wie "AM+", analog zu bestehenden Sonderregelungen wie dem Mofa-Führerschein (§6 FeV Absatz 1 Nummer 4). Dadurch wäre sowohl die EU-Konformität als auch die Verkehrsrealität abgebildet - ohne Eingriff in die harmonisierten Führerscheinklassen, so die Meinung der Petitions-Initiatoren.

Argumente für eine Anhebung der Höchstgeschwindigkeit

  • Sicherheit: Mit 45 km/h ist es nicht mehr möglich, im mindestens 50 km/h und mehr fahrenden Stadtverkehr mitzuschwimmen.
  • Verkehrsfluss: Fahrzeuge mit 60 km/h könnten sich besser im Verkehr integrieren, ohne gleich unter die nächste Fahrerlaubnisklasse zu fallen.

Simson Tuning

Simsons ließen sich auch vergleichsweise einfach tunen und könnten mit relativ wenig Aufwand auf 90 km/h hochgeschraubt werden. Das könne aber schwerwiegende Folgen haben, sagt Mike Reetz: "Der Bremsweg verlängert sich. Die Bremse ist dafür nicht ausgelegt. Spätestens bei einem Unfall fällt es auf, wenn ein Moped getunt wurde.

Simson Tuning, das ist eigentlich ein Überbegriff für ganz unterschiedliche Anwendungsfälle. Zum einen muss man in Optik Tuning und in technisches Tuning bzw. Leistungssteigerung unterscheiden. Und dann wäre da noch die Frage zu stellen, ob das Moped nach den Veränderungen noch legal unterwegs sein soll, als sogenanntes "TÜV Moped" ein neues Leben mit behördlicher Segnung antritt oder ob das solide Ostblech abseits der StVO nur auf Rennen und Shows über den Asphalt stürmen soll. Möglich ist heutzutage alles.

Wer mehr möchte, dem eröffnet sich eine schier unbegrenzte Auswahl an Simson Tuningteilen. Wie weit das geht, diese Entscheidung liegt bei dir. Du kannst ein Moped mit Understatement fahren - originale Optik, aber mehr "Bumms" unterm Blech.

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