Ein gut funktionierendes Fahrwerk ist eine Grundvoraussetzung für maximalen Fahrspaß und Sicherheit im Gelände. Bereits serienmäßig bieten die Federungskomponenten der meisten Motocross-Motorräder ein breites Spektrum an Einstellmöglichkeiten. So kann jedes Fahrwerk individuell auf Fahrstil, Gewicht und Untergrund abgestimmt werden.
Grundvoraussetzungen für die Fahrwerkseinstellung
Vor der eigentlichen Grundeinstellung des Fahrwerks müssen einige wichtige Punkte beachtet werden:
- Dämpfungselemente: Druck- und Zugstufeneinsteller der Dämpfungselemente auf die Standardposition oder Richtung weicher (soft) stellen. Auf (Hard) eingestellte Dämpfung verfälscht die Einstellung der Federelemente!
- Hinterradaufhängung: Die Hinterradaufhängung muss freibeweglich sein. Feste und defekte Lagerstellen an der Umlenkung und Schwinge instand setzen.
- Vorderradgabel: Die Vorderradgabel muss frei von Verspannungen in der Klemmung oder Schmutz in den Lagerstellen beweglich sein. Das bedeutet, bei geringer Last auf die Motorradfront federt die Gabel ein und auch wieder zurück.
- Abstreifringe: Die Abstreifringe sollen Dreck und Schmutz von den Öldichtungen fernhalten. Mit der Zeit kann Staub und Schmutz dahinter gelangen. Zum Reinigen werden die Abstreifringe nach unten geschoben, ggf. kleinen Schraubenzieher zu Hilfe nehmen und mit einem sauberen Tuch / Lappen gereinigt. Auch die Abstreifringe sollten dabei gereinigt werden.
Verspannungen an der Gabelklemmung beseitigen
Um die Parallelität der Gabel zu richten, muss man die zentrale Schraube des Lenklagers, die Klemmen der oberen Gabelbrücke und die Achsklemmen des Rades lösen. Obere Gabelbrücke und Zentralschraube festziehen, nicht gegen den Lenkanschlag anlegen, sondern mit dem Lenker gegenhalten. Bei Upside-Down Gabeln unbedingt Klemmen der Gabelbrücken mit dem richtigen Anzugsmoment festziehen.
Ein zu großes Drehmoment verkleinert die Bohrung des Standrohres. Steckachse und eine Achsklemmung, bremsseitig, festziehen. Achsklemme rechte Seite noch nicht festziehen. Ohne die Vorderradbremse zu betätigen durchfedern, oder per Hand den Gabelfuß auf der Steckachse vermitteln, dann die Achsklemmung rechts festziehen.
Grundeinstellung der Federung
Für ein optimales Fahrwerk ist es wichtig, den richtigen Durchhang am Federbein einzustellen, um die optimale Performance Ihres Fahrwerkes zu erreichen. A-B und C Maß. Hierbei gibt es den statischen Durchhang (Einfederung des Stoßdämpfers rein durch das Motorradgewicht sowie den dynamischen Durchhang. Sollten die Maße nicht stimmen, kann mit der Federspannung die Toleranz erreicht werden. Achten Sie darauf, dass die entsprechende Feder (Gewicht Fahrer inkl. kompletter Ausrüstung) eingebaut ist.
Federweg und Negativer Federweg (SAG)
- Federweg: Differenz zwischen ausgefedert und eingefedert.
- Negativer Federweg (SAG): Einfederweg des Motorrades unter dem eigenen Gewicht.
Referenzwerte für den Negativen Federweg
Die folgenden Tabellen zeigen Referenzwerte für den Negativen Federweg verschiedener Motorradtypen:
| Fahrzeugtyp | Vorderradaufhängung | Hinterradfederung |
|---|---|---|
| Motocross | 25 - 35 mm | 25 - 35 mm (PDS-System: 35-38 mm) |
| Enduro | 25 - 35 mm | 95 - 105 mm (RACE SAG) |
| Straßenmotorräder und Supersportler | 20-25mm | 5-15mm |
Durchhang (RACE SAG)
Der Durchhang (RACE SAG) ist der Einfederweg des Motorrades unter dem Gewicht des Fahrers mit Bekleidung. Der Fahrer muss eine neutrale Haltung auf dem Motorrad einnehmen, d. h. in der Mitte sitzend.
Referenz für Hinterradfederung bei Enduro und Motocross: 95 - 105 mm, ca. 1/3 des Federweges. Referenz für Straßen und Rennmotorräder: 30-35mm.
Einstellungsbereiche und Funktion der Dämpfung
Grundsätzlich gilt, alle Einstellungswerte, Klicks oder Umdrehungen an den Einstellschrauben werden von zugestellter Dämpfung ausgehend gezählt. Es gibt Dämpfungselemente die Klicken 30 mal, sind jedoch bei 20 Klicks schon voll geöffnet. Durch Drehen an den Einstellschrauben wird eine Bypass-Bohrung im Durchmesser verändert.
Diese Bohrung übernimmt im Dämpfer den Low-Speed Bereich von der Zug oder Druckstufe. Low-Speed bedeutet kleine Kolbengeschwindigkeiten im Stoßdämpfer, hervorgerufen durch Bewegungsenergie, die beim Bremsen teilweise, oder überfahren von kleineren Bodenunebenheiten an den Rädern auftritt.
Bei der Zugstufe deckt der Low-Speed-Bereich, im geöffneten Zustand, ca. 30% der Dämpfungskraft im Ausfederweg ab. Dieser Wert ist abhängig von der Federrate, Federvorspannung und der High-Speed Ventil Abstimmung. Das heißt, je kleiner die Federkraft desto größer wird der Low-Speed Bereich. Beim verstellen der Zugstufe am Stoßdämpfer wird bei manchen Dämpfern die Druckstufe zu 20% mit verstellt.
Das High-Speed Ventil gibt, abhängig von der Kolbengeschwindigkeit und den dadurch entstehenden Öldruck, unterschiedliche Durchflussquerschnitte frei. Diese dynamische Arbeitsweise wird durch Scheibenfedern welche Bohrungen mittels Federkraft verschließen erreicht. Dieser Bereich wirkt beim Landevorgang von Sprüngen, Beschleunigen und Bremsen in größeren Bodenunebenheiten im Druckbereich, und bei hohen Federkräften, weit bis voll eingefederte Aufhängung, in der Zugstufe.
Einstellen der Gabel
Beim Einstellen der Druck- und Zugstufe gilt, einen guten Kompromiss zwischen Fahrkomfort und Kontakt zur Fahrbahn zu finden. Alle Veränderungen beginnen von der Grundeinstellung aus dem Hersteller Handbuch. Liegt dieses nicht vor, empfiehlt sich die mittlere Position einzustellen. Nachfolgende Tipps geben Denkanstöße, um den richtigen Weg einzuschlagen.
Symptome und Anpassungen
Hier sind einige häufige Symptome und die entsprechenden Anpassungen, die vorgenommen werden können:
- Druckstufe zu hart:
- Wenig Gefühl für die Rutschgrenze bei Kurvenfahrt
- Vorderrad verliert schnell den Fahrbahnkontakt bei Kurvenfahrt
- Kleinere Bodenunebenheiten gelangen bis zum Fahrer
- Lenkerschlagen beim Beschleunigen
- Motorrad wirkt unhandlich
- Druckstufe zu weich:
- Front taucht beim Bremsen sofort nach unten
- Lenkerbewegungen beim Bremsen
- Große vertikale Bewegungen der Fahrzeugfront
- Vorderrad rattert beim Bremsen auch bei ebener Fahrbahn
- Kein Gripp und keine Spurtreue
- Zugstufe zu hart:
- Unkomfortables Gefühl beim Bremsen
- Plötzliches Abtauchen der Motorradfront in größeren Bremslöschern
- Dämpfungsprobleme bei stark ausgefahrener Strecke
- Lenkerschlagen bei schneller Fahrt
- Zugstufe zu weich:
- Unkontrolliertes Ausfedern nach der Landung
- Unkontrolliertes Ausfedern beim Absprung
- Wenig Gripp, schnelles Ausbrechen beim Bremsen
- Vorderrad wandert zum Kurvenäußeren
- "Dicke Unterarme"
Probleme mit durchschlagender Gabel sollten mit Erhöhung des Ölstandes behoben werden. Fragen Sie nach dem optimalen Ölstand für Ihre Gabel, oder benutzen Sie die vom Hersteller angegebenen Werte. Das Verändern der High-Speed Ventile, oder sonstige Wartungsarbeiten an der Gabel erfordert viel Erfahrung.
Einstellen des Stoßdämpfers
Nach Überprüfung der Federdurchhänge die Grundeinstellung des Herstellers einstellen. Alle Veränderungen beginnen von der Grundeinstellung aus dem Hersteller Handbuch. Liegt dieses nicht vor empfiehlt sich die mittlere Position einzustellen. Nachfolgende Tips geben Gedankensprünge um den richtigen Weg einzuschlagen.
Symptome und Anpassungen
Hier sind einige häufige Symptome und die entsprechenden Anpassungen, die vorgenommen werden können:
- Druckstufe zu hart:
- Unkomfortables Verhalten beim Beschleunigen
- Motorrad Hinterteil schlägt hoch und quer beim Beschleunigen
- Motorrad Hinterteil schlägt hoch beim Bremsen
- Druckstufe zu weich:
- Wenig Haftung beim Absprung
- Schwammiges Gefühl ähnlich wie beim Plattfuß
- Schlechte Führung des Hinterrads besonders bei Kompression
- Keine Vorderradführung beim Beschleunigen am Kurvenausgang
- Kein Gripp beim Beschleunigen
- Zugstufe zu hart:
- Keine Traktion beim Beschleunigen in Löchern
- Motorrad wirkt unhandlich
- Hartes Gefühl beim Beschleunigen
- Motorradfront neigt beim Sprung zum Steigen
- Zugstufe zu weich:
- Motorrad Hinterteil federt hoch beim Bremsvorgang
- Unkontrolliertes Verhalten beim Absprung
- Unkontrolliertes Verhalten beim Landen
- Kein Bodenkontakt beim Überfahren von Wellen / Sandboden
- Motorradfront kippt ab beim Sprung
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