Motocross bedeutet springen, um Kurven rutschen und Staub oder Schlamm aufwirbeln. All das auf zwei Reifen. Die Motorrad-Sportart nutzt speziell auf ihre Anforderungen zugeschnittene, geländetaugliche Motorräder mit großem Federweg und grob profilierten Stollenreifen. Motocross-Rennen finden auf einer abgeschlossenen Strecke statt, die im Normalfall zwischen 1,5 und vier Kilometern lang ist. Schlechtes Wetter ist kein Hindernis. Mit einer Ausnahme: Da im Winter die meisten Outdoor-Strecken gesperrt sind und entsprechend keine Motocross-Rennen (auch bekannt als MX-Rennen) stattfinden, übernehmen in der kalten Jahreszeit die Indoor Events.
Die Anfänge des Motocross
Aus heutiger Sicht sind die Anfänge des Motocross kaum vorstellbar. Zunächst gab es weder große Sprunghügel noch Geländereifen. Als 1900 die ersten Motorradrennen stattfanden, traf man sich nicht im Gelände, sondern die Straße diente als Untergrund. Das änderte sich mit den englischen Hillclimb-Rennen, bei denen Fahrer mit ihren Straßenmaschinen steile Hänge, Berge oder Hügel hinauffahren mussten. Die nächste Stufe der Motocross-Geschichte waren Rennen, bei denen Motorradfahrer im Gelände gegen Reiter antraten - im Stil einer Fuchsjagd.
Den ersten großen, für die Sportart prägenden Wettkampf stellte der Scottish Six Days Trial 1909 dar. Nun entdeckten immer mehr Menschen ihre Begeisterung für Motorradrennen im Gelände. Eine Mischung aus Urbanisierung, zunehmendem Straßenverkehr und dem höheren Bedarf an Trainingsflächen stellte den Motocross-Sport zunächst vor eine Herausforderung: Die Fahrer bewegten sich bis dato größtenteils auf offenem Gelände, das war nun immer seltener möglich.
Die Entwicklung der Motorräder
Noch fundamentaler für die Motocross-Geschichte waren die Veränderungen der Motorräder. Zu Beginn glichen sie stark der Straßenvariante. Spezielle Rahmen entstanden, Motoren wurden mehr verdichtet, Schutzbleche höher gesetzt und generell die Bodenfreiheit erhöht. Sowohl die Kugellager als auch die Hinterradschwingen wurden an die Bedingungen des Geländes angepasst.
Anfang des 20. Jahrhunderts gab es nur wenige befestigte Straßen und die ersten Motorräder waren noch nicht allzu leistungsfähig und nicht einfach zu bedienen. Bei reliability trials, wie “The Scottish” führte die Strecke über die allgegenwärtigen Feldwege auch durch Furten, die für Pferdewagen geschaffen waren. Hier mussten sich frühe elektrische Zündanlagen bewähren, wie auch der ein- oder andere Riementrieb an Steigungen.
Diese Zuverlässigkeitsfahrten führten zur Verbesserung der Alltagstauglichkeit der Fahrzeuge. Seit 1912 gab es das „Six Days’ Reliability Trial“, das ab 1913 zur härtesten Prüffahrt und internationalen Meisterschaft(FICM) der „International Six Days of Regularity“ wurde. Innerhalb dieser reliability trials gab es “observed hills“, Bergauffahrten, wo die Leistungsfähigkeit des Motorrades am Berg beobachtet wurde. Die Leistungsfähigkeit der Fahrzeuge stieg rasch an und mehr und mehr rückte das Vermögen der Fahrer in den Vordergrund.
Aus den Zuverlässigkeitsfahrten entwickelte sich der Motorradgeländesport (Enduro). Observed hills mit steigenden Schwierigkeitsgrad blieben als Trial-Tests bei vielen Enduro-Wettbewerben erhalten, führten aber auch zu einer eigenen Disziplin, die “observed trial” genannt wurde. Andere Arten der Geländeprüfung, bei denen es mehr um Geschwindigkeit im Gelände ging, führte zum “scramble” dem heutigen Moto Cross.
Der Belgier Henry Groutars veranstaltete von 1926 bis 1928 reliability trial-Wettkämpfe zwischen Belgiern und Briten. Beim “Trial van het Hageland” 1938 in Flandern lag der Schwerpunkt schon sehr auf den observed hill-Bestandteilen der Fahrt, die ohne Stop gemeistert werden mussten. In Belgien wurde von 1940 an der Maldegham-Cup, ein reliability trial mit observed hills und scramble-Tests durchgeführt. Im Jahr 1948 wurde aus diesem “Maldegham-Pokal” der erste richtige Trial-Wettbewerb auf dem Kontinent, der alsbald in Trial Lamborelle umbenannt wurde. Bei diesem Wettbewerb in Ohain bei Waterloo wurden schon die Regeln mit ein, drei und fünf Punkten bei ein- bzw mehrmaliger Bodenberührung oder gar Stillstand des Vorderrades angewandt.
Motocross in der DDR
Das erste Trial in der DDR war das 1. Berliner Trial auf dem Betriebsbahnhof Rummelsburg am 25.8.1957. Wie die Zeitschrift Illustrierter Motorsport im September 1957 schrieb, kamen seriennahe Maschinen zum Einsatz, wie MZ RT 125 und BK 350, Jawa, EMW R 35, Zündapp und Triumph. Von den 85 angetretenen Fahrern kamen etliche aus West-Berlin. Die Disziplin wurde vom IMS ins Leben gerufen.
Die Zeitschrift hatte in der Ausgabe 16 die Ausschreibung für die neue Disziplin und für diesen ersten Wettbewerb veröffentlicht. In den Sechziger Jahren gab es für die seriennahen Maschinen zwei Klassen; bis und über 200 Kubikzentimeter. In den Siebziger Jahren gab es für Serienmaschinen drei Klassen; C bis 200ccm, D über 200ccm und E bis 100ccm. Die Geländemaschinen wurden in Klasse A bis 200ccm und B über 200ccm eingeteilt.
Das ganz besondere am Trial in der DDR ist der Fakt, dass es keine Trialmotorräder im Handel zu kaufen gab und auch im Prinzip keine importiert wurden. Die Sportler mussten sich ihre Wettbewerbsmaschinen selbst herstellen. Günter Ruttloff, die Gebrüder Gyra und Frank Böttcher stellten leistungsfähige Spezialmaschinen auf die Räder.
Die Internationale Bühne
Beliebt war der Motocross zunächst vor allem in Belgien und Großbritannien. Im Jahr 1947 fanden sich mehrere Nationen mit jeweils mindestens drei bis maximal zwölf Fahrern zusammen, um am ersten Motocross of Nations teilzunehmen. Lange hatten sich die USA zurückgehalten. Die Geschichte des Motocross fand in den Vereinigten Staaten eher in einer Nische statt. Auch die Weltmeisterschaft zeigte weiterhin ein hohes Niveau. Der japanische Hersteller Suzuki stieg bereits 1970 in die WM ein.
Allerdings gestaltete sich die weltweite Teilnahme an dieser Veranstaltung in den ersten Jahren eher bescheiden. Die Plätze auf dem Podium dominierten stets Fahrer aus Belgien, Großbritannien und Schweden, die Konkurrenzsituation ließ wenig Abwechslung zu. 1968 dann der Wandel: Der Gastgeber aus der UdSSR holte sich zum ersten Mal den Sieg. Platz zwei sicherte sich das deutsche Team aus der damaligen DDR, angeführt vom damaligen Motocross-Superstar Paul Friedrichs und seinen Mannschaftskollegen Helmut Schadenberg, Reiner Fischer und Heinz Hoppe.
Ab 1973 stagnierte jedoch in der DDR die weitere Entwicklung im Motocross. Aus Staatsgründen wurde aus Ostdeutschland kein Team mehr zum MXoN geschickt. Das änderte sich erst 1990, als sich nach dem Fall der Mauer auch die besten Motocrosser aus Ostdeutschland wie Torsten Wolff, Hardy Schadenberg und Klaus-Jürgen Kuritz erneut beim Nationencup präsentierten. Wenige Tage vor der deutschen Wiedervereinigung standen im schwedischen Vimmerby damit gleich zwei deutsche Teams am Start.
Denn die Westdeutschen hatten sich seit den Siebzigern stets recht erfolgreich beim Motocross der Nationen geschlagen und waren seither immer mit einer Mannschaft beim MXoN vertreten. Namen wie Herbert Schmitz, Hans Maisch, Fritz Köbele, Willy Bauer fuhren in dieser Zeit unter deutscher Flagge. Zudem wurden sie von MX-Legende Adolf Weil komplettiert, der aufgrund seiner vielen Grand Prix-Siege sowie Podiumsplätze und seiner 14 nationalen Meisterschafts-Titel und - was bisher keinem weiteren deutschen Fahrer gelang - seinem amerikanischen AMA-Titel von 1973 zu einem der erfolgreichsten deutschen Motocrosser wurde.
In den Achtziger Jahren gehörten vorrangig Dietmar „Didi“ Lacher und Roland Diephold zum Kader des Team Germany. Gemeinsam mit Michael Heutz fuhren sie 1985 vor heimischem Publikum in Gaildorf auf den dritten Platz. Weitere Podiumplatzierungen blieben in den kommenden Jahren aus. Dafür dominierten die USA die Mannschafts-Weltmeisterschaft. In den Neunzigern wurde das deutsche Team zusätzlich zu Dietmar Lacher von Pit Beirer und Bernd Eckenbach geprägt - zwei Top-Fahrer, die ebenfalls MX-Geschichte geschrieben haben.
Die große Wende kam schließlich 2009, als Superstar Ken Roczen zum neuen Mitglied der deutschen Nationalmannschaft ernannt wurde. Gemeinsam mit Max Nagl und Marcus Schiffer, die bereits seit 2003 und 2004 einen Part des Team Germany bildeten, sowie Daniel Siegl, der zum Teil als Ersatzfahrer für Nagl oder Schiffer einsprang, setzten die Deutschen von diesem Jahr an neue Akzente. Roczen, Nagl und Siegl (für Schiffer) machten im italienischen Franciacorta mit einem lange nicht erreichten Platz vier auf sich aufmerksam.
2010 erkämpften sich Roczen, Nagl und Schiffer im amerikanischen Lakewood mit Rang drei einen Platz auf dem Podium. Zwar konnten die deutschen Piloten in den beiden darauffolgenden Jahren mit einem siebten Platz in Teutschenthal und einem fünften Rang im lettischen Kegums nicht mehr an die Leistung von 2012 anknüpfen, allerdings blieben sie stets unter den zehn besten Teams des weltweiten Highlight-Events.
Motocross in Teutschenthal
Es war im Oktober 1966, als etwa 25 Kilometer westlich von Halle (Saale) erstmals die Motoren von Motocross-Maschinen aufheulten. Der DDR-Meister in der 500ccm-Klasse wurde im Schatten der großen Kalihalde gesucht, begleitet von einem offenen Rennen in der 125ccm-Klasse. Papierfähnchen dienten damals als Streckenbegrenzung. Das Fahrerlager war mit Schneezäunen abgegrenzt und zur Maschinenabnahme ein Armeezelt aufgebaut. So provisorisch das klingt, schon bei diesen ersten Rennen waren professionelle Organisatoren am Werk.
„Wir haben damals überlegt, was man motorsportlich in der Region sonst noch machen könnte“, erinnert sich MSC-Vorsitzender Joachim Jahnke und Gründungsmitglied des im Herbst 1966 gegründetes Motorsportclubs Teutschenthal. Da durch den Erfurter Ausnahme-Fahrer Paul Friedrichs der Motocross-Sport in der DDR gerade hoch im Kurs stand, wurde nach einer geeigneten MX-Strecke gesucht und ein entsprechendes Gelände direkt vor den Toren von Halle, am Rande von Teutschenthal, gefunden - ein Areal, das bis in die Nachkriegszeit hinein noch für Kohlebergbau und als Kiesgrube genutzt wurde.
Schon das zweite Rennen, im Mai 1967 ausgetragen, organisierte der neu gegründete MSC in eigener Regie. Auch der Name „Talkessel“ war schnell gefunden. Wer die Strecke so benannt hat? Jahnke, damals Go-Kart-Fahrer mit nationaler und internationaler Erfahrung, hebt die Schultern. Der internationale Durchbruch im Motocross-Rennsport gelang dem Klub 1971. Am ersten Juliwochenende war Teutschenthal erstmals Schauplatz eines Weltmeisterschaftslaufes.
In der 250ccm-Klasse wurde um die internationale Trophäe gefahren. Der Belgier Joel Robert, später Weltmeister, stand damals auf dem Teutschenthaler Siegertreppchen ganz oben. Allerdings kam bereits ein Jahr später für den Motocross-Sport das staatlich verordnete Aus für internationale Meisterschaftsprädikate. Es brach die Zeit der Wettfahrten innerhalb der sozialistischen Ostblock-Staaten an. Der „Pokal für Frieden und Freundschaft“ wurde ins Leben gerufen, für den Teutschenthal im Wechsel mit dem MC Kali Merkers Gastgeber war.
„Und wenn wir den Pokal nicht hatten, dann wurde um den Pokal der Kalikumpel gefahren“, so Jahnke. Dabei wurde im „Talkessel“ auch ohne Fahrer aus dem westlichen Ausland weiterhin Motocross vom Feinsten geboten. Dennoch hat der MSC nie den Traum aufgegeben, wieder die komplette internationale Motocross-Elite in den „Talkessel“ zu holen. Im Juni 1989 war es soweit: Nach 18 Jahren Zwangspause durften endlich auch wieder westeuropäische Fahrer in Teutschenthal starten. 33.000 Zuschauer jubelten in der 125ccm- und der 250ccm-Klasse Motocrossern aus 13 Nationen zu.
Schon zwei Jahre später gab es einen Lauf zur Europameisterschaft und 1993 dann, nach 22 Jahren, die zweite Weltmeisterschaft in Teutschenthal. Seit 1996 drehen die weltbesten Fahrer nun jährlich im „Talkessel“ ihre Runden. In diesem Jahr, in dem der MSC seinen 50. Geburtstag feiert, war es bereits der 23. In den fünf Jahrzehnten „Talkessel“ gab es viele spannende Rennen. Gestern wie Heute stehen die Stars der MX-Szene am Startgatter.
Dreifach-Weltmeister Paul Friedrichs war dabei und auch die ostdeutschen Motocross-Helden wie Heinz Hoppe, Helmut Schadenberg oder Torsten Wolff gehörten dazu. Mehrfach-Weltmeister Stefan Everts aus Belgien ging im „Talkessel“ regelmäßig auf Punktejagd. Mehrfach-Weltmeister Antonio Cairoli macht es noch immer. Zu erleben waren und sind großartige deutsche Fahrer wie Pit Beirer und - aktuell wieder mit ganz vorn in der WM - Max Nagl.
Stolz ist der MSC, dass so großartige Motorsportler wie der Solo-Weltmeister und heutiger US-Superstar Ken Roczen, Mannschaftsweltmeister Marcus Schiffer und Marko Happich, Vize-Weltmeister bei den Seitenwagencrossern, dem Club angehörten. Heute gehören dem MSC 260 Mitglieder an, die im Jahresverlauf dank vieler Stunden ehrenamtlicher Tätigkeit jährlich zwei Rennwochenende organisieren, neben dem „Grand Prix of Germany“ im Mai war es im August wieder ein Lauf zur sachsen-anhaltischen Landesmeisterschaft.
„Die Organisation dieser Rennen betrachten wir auch als einen Beitrag zur Nachwuchsförderung, die uns immer wichtig war“, so Clubchef Joachim Jahnke. Aus diesem Grund beteiligt sich der MSC Teutschenthal seit 2013 auch als Stützpunkt des Nachwuchsprojektes ADAC MX Academy. Das ist bei ihm so und bei allen anderen Mitgliedern im MSC, bei den Fahrern und den Organisatoren, bei den fleißigen Küchen-Helferinnen und den Profis in der Technischen Abnahme, im Büro der Rennorganisation und beim Strecken-Aufbau, bei den freundlichen Damen im WelcomeCenter und bei den Pistenarbeitern, den Elektrikern und Schweißern, den Bagger-Fahrern, Fahrerlager-Organisatoren, Parkplatz-Einweisern und Streckenposten-Betreuern, bei den Fahnen-Aufhängern, Eintrittskarten-Verkäufern, Plakat-Anbringern, VIP-Begleitern, bei Ergebnislisten-Austrägern, Reinigungskräften und Startmaschine-Verantwortlichen, beim Kopierer-Team, den Security-Einweisern … und auch beim Rennleiter.
Motocross-Clubs und neue Rennstrecken
Mit Beginn der 1990er Jahre schrieben weitere europäische Länder, darunter Deutschland, mit an der Geschichte des Motocross. Gerade in den östlichen Bundesländern entstanden immer mehr Motocross-Clubs und neue Rennstrecken wurden gebaut. Das europaweit wachsende Interesse am Motocross ließ auch die Preisgelder und Budgets steigen.
Bekannte Motocrosser
Als es Anfang März zu einem Stelldichein alter Sportfreunde im Prenzlauer Ortsteil Wollenthin kam, fügte es sich, dass die 15 Teilnehmer mehr als zwei Dutzend nationale Titelgewinne aufweisen konnten. Mehr noch: Es waren alles Athleten, die Sportgeschichte schreiben konnten und dem Motocross in mehrfacher Hinsicht Denkmäler setzten.
Initiator des Treffens war Hartmut Kunkel, Jahrgang 1951. Spätestens jetzt werden Fans und Kenner dieses Sports neidisch sein, etwas verpasst zu haben. Denn der, der dazu einlud, ist auch als exzellenter, versierter und wortgewaltiger Moderator großer Rennveranstaltungen bekannt. „Ich kommentiere seit 1999 solche Rennen“, erzählte er. Was zunächst regional beschränkt auf Parmen, Seelübbe, Templin und Schwedt war, wurde alsbald überregional sowie national. Und dann auch international, wie bei Rennen zur Moto-Cross-WM in Teutschenthal (Sachsen-Anhalt).
Der Sport habe ihn nicht nur geprägt, er habe sein Leben mitbestimmt, sagt Hartmut Kunkel. Er gewann dadurch viele Freunde. "Rennen von nationalem und internationalem Rang prägen natürlich das Bild dieses Sports in der Öffentlichkeit. Aber den Kern dieser Sache verfolgen wir mit unserer Arbeit in den Clubs, regional in der Heimat. Da stecken so viel Liebe zur Sache und immense Mühen dahinter, da bleiben auch Anekdoten und Geschichten, die nicht vergessen werden sollten, haften", so der Motorsportler.
Der Usedomer Heinz Hoppe - seine Laufbahn begann in Apolda, er fuhr für insgesamt sieben Clubs - war nun schon zum wiederholten Mal dabei. Auch Edmund Schulz (Schwedt) lässt sich solche Treffen nicht entgehen. Sogar der Speedwayfahrer Herbert Mussehl (Burg Stargard) berichtete über seine Laufbahn. Weiter dabei waren unter anderem Olaf Degner (Prenzlau), Peter Wolf (Schwedt), Klaus Hünecke (Merkers), Gunter Frohn (Lübben) und Harald Zimmermann (Cremzow).
Hartmut Kunkel kam während seiner Lehre zum Maschinenbauer in Wriezen in Kontakt mit dem Motocross. Viele Lehrlinge waren als Betreuer von Athleten bei Crossveranstaltungen vor Ort eingesetzt. Nach seinen Aussagen war es der dreifache Crossweltmeister Paul Friedrichs (Erfurt), der in ihm die Begeisterung für diesen Sport auslöste. Einen weiteren Funken in ihm zündete auch seine Renate. Sie stammt aus Wriezen, 1973 heirateten sie dort. Am Tag nach der Hochzeit, wie konnte es anders sein, pilgerte das junge Paar samt den Familien der Eltern und Schwiegereltern an die Strecke zum schon damals traditionsreichen Rennen. Das passte doch. Diese sehr persönliche Geschichte war nur eine der Anekdoten, die fast 51 Jahre später beim Treffen in Wollenthin zum Besten gegeben wurden.
Die rund sieben Stunden, die die früheren Meister beisammensaßen, vergingen wie im Fluge. "Kein Wunder, denn jeder der Anwesenden gab unumwunden Erlebnisse preis, die gut genug wären, Sportgeschichtsbücher zu füllen. Bei so manchen Crossern hatte der Erwerb neuer Technik Vorrang. Der Kauf einer neuen Anbauwand musste warten." Nicht jede Ehepartnerin hätte das mitgemacht. Bei Kunkels aber ja.
Zum Nachdenken über die Geschichte zählte auch, dass einst der MC Fürstenwerder den Grundstein für den Motorsport legte, dessen Entwicklung der MSC Parmen als Nachfolger, ohne Luft ranzulassen, nahtlos fortsetzte. Während andernorts Vereine dahin dümpelten oder gar ganz von der Bildfläche verschwanden, fuhren unter Parmener Flagge bekannte Motocrosser wie Heiko Koch, Helmut Milenz und Karsten Fiebing Erfolg um Erfolg ein. Die Krönung dieser Entwicklung lieferten 1990 aber uckermärkische Eigengewächse. Dem Schwedter Peter Wolf gelang für den MSC Parmen das äußerst begehrte Double. Er gewann die nationale Meisterschaft in der 500er- und der 250er-Klasse. Andreas Kunkel erkämpfte Bronze bei den 500ern. Und Harald Zimmermann komplettierte das Ganze mit Bronze im 250er-Feld.
Und Hartmut Kunkel? Er fuhr zwischen 1974 und 1989 Rennen und wurde achtmal Meister des Bezirkes Neubrandenburg. Als späterer sportlicher Leiter des MSC Parmen hatte er Anteil an vielen nationalen Titelgewinnen. „Ich kenne nur wenige, die wie er die absolute Vielschichtigkeit als Kenner der Materie Motocross nahezu in Perfektion verkörpern“, urteilte Edmund Schulz 2016 über ihn. „Viele Ehrenamtler versuchen das. Hartmut trifft dabei aber den Nagel absolut auf den Kopf.“
Damals stand die Veröffentlichung des Text-Bildbandes "Gesichter des Sports der Uckermark" mit Porträts von über 25 Ehrenamtlern kurz vor der Veröffentlichung. Ein Kapitel darin widmete der Autor des Buches und dieses Beitrages auch Hartmut Kunkel.
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