Im Falle eines Sturzes kann ein Knieschoner Gold wert sein. Moderne Knieschoner und Protektoren fühlen sich leicht und luftig am Bein an und schützen im Sturzfall zuverlässig. Welche Modelle überzeugen in der Praxis? Wir haben 11 verschiedene Modelle der Mittelklasse ausgiebig im Praxistest ausprobiert.
Das Testfeld im Überblick
Hier ist eine Übersicht der getesteten Modelle, zusammen mit ihren wichtigsten Eigenschaften:
- POC Joint VDP System K: Preis: 160 Euro, Gewicht: 342 g. Der luftige Poc-Schoner deckt besonders die Kniescheibe ab, das Schienbein ist weitgehend ungeschützt.
- 7iDP 7 Project Lite: Preis: 100 Euro, Gewicht: 274 g. Mehr Beinling als Protektor, punktet der 7iDP in erster Linie durch sein sehr geringes Gewicht sowie beim Pedalieren.
- IXS Carve Evo+ K. Guard: Preis: 100 Euro, Gewicht: 437 g. Schon der erste Eindruck des wertig verarbeiteten IXS-Schoners überzeugt.
- O’Neal Redeema K. Guard B: Preis: 90 Euro, Gewicht: 483 g. Ein- und Ausstieg in den Redeema sind dank Reißverschluss schnell bewerkstelligt.
- Endura MT 500 Lite: Preis: 85 Euro, Gewicht: 400 g. Die Passform beim neuen MT500-Schoner ist klasse, auch klappt das An- und Ausziehen schnell und leicht.
- G-Form Pro Elite Knee Guards: Preis: 100 Euro, Gewicht: 374 g. Der flexible und weiche G-Form schmiegt sich gut an die Form des Knies an.
- Amplif Salvo Polymer Knee: Preis: 80 Euro, Gewicht: 440 g. Der recht schwere, eher warme, sehr gut schützende Amplif ist dank Reiß- und Klettverschluss schnell an- und ausgezogen.
- 100 Percent Teratec Knee Guard: Preis: 70 Euro, Gewicht: 252 g. Der sehr leichte Schoner ist recht lang geschnitten und schützt Kniescheibe und Knie speziell bei frontalen Einwirkungen.
- Scott Grenade EVO: Preis: 100 Euro, Gewicht: 521 g. Die schweren Scott-Protektoren decken Knie und Schnienbein großzügig ab und bieten seitlich zahlreiche Softpads.
- ION K Pac: Preis: 90 Euro, Gewicht: 489 g. Der wuchtige K Pact von Ion schützt dank großer Abdeckfläche des Protektors im Falle eines Sturzes sehr zuverlässig.
- Leatt K. Guard 3df 5.0: Preis: 85 Euro, Gewicht: 409g. Der Leatt-Schoner bietet viel Schutzfläche.
Detaillierte Testergebnisse
POC Joint VDP System K
Der luftige Poc-Schoner deckt besonders die Kniescheibe ab, das Schienbein ist weitgehend ungeschützt. Er eignet sich durch seinen hohen Tragekomfort auch als "Ganztagesschoner", sitzt beim Pedalieren quasi unscheinbar am Bein. Dank Mesh-Rückseite bleibt das Klima im PocSchoner sehr angenehm. Einzige Kritik: Beim teuersten Schoner im Test lässt sich das Protektorpad zum Waschen nicht entnehmen.
7iDP 7 Project Lite
Mehr Beinling als Protektor, punktet der 7iDP in erster Linie durch sein sehr geringes Gewicht sowie beim Pedalieren. In Sachen Schutzwirkung kann der eingenähte Protektor nur bei frontalen Einschlägen wirklich helfen, insgesamt ist die Schutzfläche sehr gering. Die „Protektorsocke“ ist in der Kniekehle per Aussparung und Mesh belüftet. Gut: Dank Gummi-Einsätzen verrutscht der prima verarbeitete 7 Project Lite nicht.
IXS Carve Evo+ K. Guard
Schon der erste Eindruck des wertig verarbeiteten IXS-Schoners überzeugt. Durch den sehr engen Schnitt ist das Anziehen zwar etwas mühsam, das Schutzgefühl aber sehr hoch. Seitlich schützen dünnere Polster. Dank Netzeinsatz wird das Klima nicht zu schwitzig. Die Knierückseite ist gut belüftet, an der Kniescheibe geht es wärmer zu. Einige Tester beklagten ein Zwicken in der Kniekehle.
O’Neal Redeema K. Guard B
Ein- und Ausstieg in den Redeema sind dank Reißverschluss schnell bewerkstelligt. Mittels Klett lässt sich am Oberschenkel die Weite zusätzlich verstellen. Das Schutzpolster lässt sich am O’Neal einfach entnehmen. Vorne am Knie gibt es viel Schutz, an den Seiten weniger. Das Schutzpolster ist für den Waschgang entnehmbar, die Verarbeitung ist aber nur durchschnittlich. Und: recht hohes Gewicht.
Endura MT 500 Lite
Die Passform beim neuen MT500-Schoner ist klasse, auch klappt das An- und Ausziehen schnell und leicht. Die „o&0;ene“ Konstruktion sorgt für sehr gutes Klima. Seitlich bietet der Protektor nur wenig Schutz. Überzeugt zeigten sich die Tester vom Tragekomfort und dem erstklassigen Klimamanagement: Das fest eingenähte Schutzpolster ist angenehm weich und bietet Belüftungsschlitze. Top verarbeitet.
G-Form Pro Elite Knee Guards
Der flexible und weiche G-Form schmiegt sich gut an die Form des Knies an. Er sitzt rutschfest und bietet auch seitlich viel Abdeckung - die Polsterung ist jedoch dünn. Dank generell sehr dünner und atmungsaktiver Materialien speziell an der Beinrückseite sehr gutes Klima. Die Verarbeitung ist stellenweise unsauber.
Amplif Salvo Polymer Knee
Der recht schwere, eher warme, sehr gut schützende Amplif ist dank Reiß- und Klettverschluss schnell an- und ausgezogen. Innen wirkt die Pad-Verarbeitung weniger aufwendig. Die Passform ist am Oberschenkel etwas weit. Einige Tester notierten beim Treten einen spürbaren Spalt zwischen Haut und Schoner. An manchen Stellen sind die Nähte nicht gut verarbeitet, dafür ist der Schoner preiswert.
100 Percent Teratec Knee Guard
Der sehr leichte Schoner ist recht lang geschnitten und schützt Kniescheibe und Knie speziell bei frontalen Einwirkungen. Gegen seitliche Impacts bietet der 100% eher wenig Schutz. Einund Ausstieg sind beim eher engen 100%-Schoner etwas mühselig, dafür trägt sich der Teratec angenehm und leicht. Positiv fällt auch das gute Klimamanagement des günstigen Protektors auf.
Scott Grenade EVO
Die schweren Scott-Protektoren decken Knie und Schnienbein großzügig ab und bieten seitlich zahlreiche Softpads. Den Rundumschutz für das Knie leistet Scott vorbildlich. Die Tester bewerteten das Klima als eher schwitzig. Lob gab es für das stressfreie An- und Ausziehen dank Klettverschlüssen oben und unten. Verarbeitung und verwendete Materialien können ebenfalls überzeugen.
ION K Pac
Der wuchtige K Pact von Ion schützt dank großer Abdeckfläche des Protektors im Falle eines Sturzes sehr zuverlässig. Durch zwei Klettverschlüsse ist der Ion gut anpassbar. Die gute Abdeckung macht sich aber auch beim Gewicht bemerkbar. Außerdem ist das Klima eher schwitzig, dafür macht der ION beim Pedalieren eine gute Figur. Der Schoner fällt im Vergleich sehr klein aus.
Leatt K. Guard 3df 5.0
Der Leatt-Schoner bietet viel Schutzfläche. An der Kniescheibe liegt der Protektor nicht optimal an, was beim Pedalieren als unangenehm empfunden werden kann.
Worauf Sollten Sie Bei Der Auswahl Achten?
Bei der Auswahl von Knieschützern für Motocross oder Mountainbike sollten Sie folgende Aspekte berücksichtigen:
- Schutzwirkung: Wie gut schützt der Schoner bei Stürzen und Aufprällen?
- Komfort: Ist der Schoner bequem zu tragen, auch über längere Zeit?
- Klima: Wie gut ist die Belüftung, um Schwitzen zu vermeiden?
- Passform: Sitzt der Schoner sicher und verrutscht er nicht?
- Verarbeitung: Ist der Schoner hochwertig verarbeitet und langlebig?
Laborwerte der Knieschoner im Überblick
Die Unterschiede bei den Laborwerten sind erstaunlich groß. Es macht einen deutlichen Unterschied, ob das Knie bei einem Einschlag etwa 9 kN einstecken muss oder zum Teil annähernd das Doppelte. Einige der Trailschoner aus unserem letzten Test in BIKE 3/24 können sogar mit den schlechteren Bikeparkprotektoren mithalten.
| Knieschoner | Restkräfte in kN |
|---|---|
| Alpinestars Paragon Plus | 14 |
| Leatt AirFlex Pro | 22 |
Interview mit Knie-Experte Dr. med. Alfred Hochrein
Wie gut und wovor können Knieschoner überhaupt schützen? Darüber haben wir mit Dr. med. Alfred Hochrein gesprochen. Der Orthopäde ist Knie-Spezialist und selbst enthusiastischer Mountainbiker. Er weiß um die Gefahren, die in technischen Abfahrten und heftigen Downhills lauern.
BIKE: Wovor kann ein Schoner überhaupt schützen? Gerade hat sich Jackson Goldstone alle Bänder zerfetzt. Da bringt ja auch ein Schoner nichts.
DR. ALFRED HOCHREIN: So ist es. Meines Wissens hat er sich das Innenband und das vordere Kreuzband am linken Knie gerissen und ist mittlerweile operiert worden. Solche Bandverletzungen entstehen in der Regel durch Verdrehungen, da hilft leider auch ein Knieschoner wenig.
BIKE: Gegen was schützt ein Knieschoner dann, und wogegen nicht?
DR. ALFRED HOCHREIN: Prellungen, Platz-/Risswunden, Schürfwunden und durch direkten Anprall entstehende Frakturen können durch einen Protektor verhindert oder zumindest in ihrem Ausmaß minimiert werden. Vor Band- und Meniskusverletzungen sowie vor Frakturen durch Verdrehungen oder Biegemomente kann auch ein Schoner nicht schützen.
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