Das Schalten ohne Kupplung ist eine Fahrtechnik, die im Motocross und im Rennsport häufig angewendet wird. Dabei wird der Gang gewechselt, ohne die Kupplung zu betätigen. Doch wie funktioniert das und welche Auswirkungen hat es auf das Getriebe?
1.1 Schalten unter Last
Beim Schalten unter Last wird die Schaltklaue durch die Schaltgabel in Richtung des nächsten Zahnrads geschoben. Dabei wird die Fläche, über die die Kraft übertragen wird, immer kleiner. Im Extremfall, bei eckigen Schaltklauen, kann es zu einem Abreißen kommen, wenn die Restfläche nicht mehr ausreicht, um die Kraft zu übertragen.
Bei abgerundeten Klauen entsteht eine Mischsituation: Die Klaue hält der Kraft nicht mehr stand und wird durch die Verrundung seitwärts weggedrückt und zusätzlich abgenutzt.
1.2 Schalten im Schiebebetrieb
Nachdem Zahnrad Nr. 2 ohnehin langsamer war als Nr. 1, könnte dessen Drehzahl jetzt mit derjenigen der Ausgangswelle übereinstimmen. Wenn dann auch noch zufällig die Schaltklauen ineinanderpassen, ist das ideal. Jedoch ist die Realität meist anders. Im schlechtesten Fall wird Rad Nr. 2 zunehmend beschleunigt und legt dabei mehr als 20 % seines Umfangs zurück.
Bei genügend Druck der Schaltgabel rasten die Klauen ein und knallen dabei aufeinander. Reicht der Druck aus, haben die Gabeln die Tendenz, sich zu verformen und letztlich zu brechen. Reicht der Druck nicht, so müssen die Klauen unter Last gegeneinander verschoben werden, bis sie in Endstellung sind.
Die Technik des Kupplungslosen Schaltens
Will man einen sauberen Schaltvorgang durchführen, muss das Getriebe lastfrei sein. Das kann nicht nur per Kupplung geschehen, sondern auch mit dem richtigen Einsatz des Gasgriffs. Zwischen Beschleunigung und Schubbetrieb gibt es einen kurzen Moment, in dem das Getriebe nicht auf Zug ist und genau den will man erwischen. Für einen sanften Gangwechsel spannt man während der Beschleunigung den Ganghebel sanft vor und sobald der Gashahn geschlossen wird und wir in den lastfreien Moment fallen, erhöhen wir den Druck am Ganghebel und der nächste Gang springt ins Getriebe.
Auch wenn dabei keinerlei Gewalt angewendet werden sollte, darf der Zug am Ganghebel durchaus bestimmt sein. Denn das Letzte was man will, ist zwischen Gängen zu landen, oder einen Gang der nicht korrekt eingelegt wurde und nach kurzer Zeit wieder herausspringt.
Runterschalten ohne Kupplung
Im Prinzip geht man hier demselben Ziel nach: Getriebe entlasten, nur dieses Mal wählt man den nächstniedrigeren Gang. Gleichzeitig muss die Motordrehzahl angehoben werden, um an die kürzere Abstufung des niedrigen Gangs angepasst zu werden. Befindet man sich im Schubbetrieb wird also der Ganghebel wieder leicht vorgespannt und ein kurzer Gasstoß gegeben. Der Gang flutscht ins Getriebe und die Drehzahl wird gleichzeitig angehoben.
Hierfür braucht es mehr Übung, da man genau die richtige Menge an Gas geben muss, damit der Schaltvorgang geschmeidig passiert.
Schadet das Kupplungslose Schalten dem Getriebe?
Experten betonen, dass kupplungsloses Schalten dem Getriebe nicht schadet, solange es richtig gemacht wird. Wichtig ist, saubere Schaltvorgänge vorzunehmen und die Bewegungsabläufe zwischen Gashand und Schaltfuß einzuprägen. Dann muss man auch keinen Schaden am Getriebe befürchten, denn wie wir bereits geklärt haben, fällt nur die Verwendung der Kupplung aus, die lediglich die Last von den Zahnrädern nimmt.
Quickshifter: Die elektronische Unterstützung
Ein Quickshifter nutzt dasselbe Prinzip wie das kupplungslose Schalten, nur übernimmt die Elektronik die ganze Arbeit. Erkennt der Sensor Druck am Schalthebel, wird über verschiedene Art und Weisen (Zündung, Einspritzung) die Leistung des Motors gekappt und der gewünschte Gang wird eingelegt. Der große Vorteil des Quickshifters ist, dass die Unterbrechung perfekt abgestimmt ist, was geschmeidige Gangwechsel bedeutet.
Methoden zum Kupplungslosen Schalten
- Gas lupfen: Kurzes Gas wegnehmen, um die Last aus dem Getriebe zu nehmen.
- Kupplung antippen: Die Kupplung für einen Sekundenbruchteil leicht antippen, um die Last vom Getriebe zu nehmen.
- Killschalter: Kurz den Killschalter betätigen, um die Zündung zu unterbrechen und die Last zu reduzieren.
Vor- und Nachteile des Kupplungslosen Schaltens
- Vorteile:
- Schnellere Gangwechsel
- Weniger Belastung für die Kupplungshand
- Potenziell schonender für das Getriebe bei korrekter Ausführung
- Nachteile:
- Erhöhtes Risiko für Schaltfehler
- Potenziell höherer Verschleiß bei unsachgemäßer Ausführung
- Erfordert Übung und Gefühl
Individuelle Meinungen und Erfahrungen
Die Meinungen über das kupplungslose Schalten gehen auseinander. Einige Fahrer praktizieren es regelmäßig, während andere lieber auf die Kupplung vertrauen. Einige Stimmen aus Foren:
- "Hochschalten ohne Kupplung geht ohne Probleme."
- "Beim Runterschalten braucht man die Kupplung höchstens zum Dosieren, damit das Hinterrad die richtige Drehgeschwindigkeit hat."
- "Ich schalte meist rauf und runter ohne Kupplung, weils immer pressiert, einfach geht und die Mopeds das bis jetzt ohne Ausfälle ausgehalten haben."
- "Die Schläge ohne Kupplung sind wie erwartet viel stärker."
Schaltvorgang im Detail
Der Kraftfluss erfolgt von der Eingangswelle über die Primäruntersetzung (gelb) auf die Zwischenwelle. Die grünen Zahnräder auf der Ausgangswelle sind frei dreh- aber nicht verschiebbar, das orange Zahnrad ist auf einer Verzahnung der Welle verschiebbar, dreht sich aber nicht frei sondern nur gemeinsam mit der Welle (Das Zahnrad selbst ist nur Relikt aus einer anderen Darstellung. Beide grüne Zahnräder werden angetrieben aber nur Nr1 überträgt mit den Schaltklauen Kraft an das orange Zahnrad und dieses auf die Ausgangswelle.
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