MXGP - The Official Motocross Videogame: Eine Motocross-Simulation im Test

Die italienischen Spieleentwickler Milestone, bekannt für Titel wie WRC, haben mit MotoGP13 bereits den Sprung von vier auf zwei Räder gewagt. Nun gehen sie mit MXGP - The Official Motocross Videogame noch einen Schritt weiter. Hier wird zu den zwei Rädern noch eine gehörige Portion Dreck, Matsch, Staub, Lärm und buckelige Pisten hinzugefügt. Das Ergebnis ist eine Motocross-Simulation, die auf Realitätsgrad und echtes Fahrfeeling ausgelegt ist, ähnlich wie WRC und MotoGP.

Wer nach einem vernünftig entwickelten Motocross-Spiel für aktuelle Plattformen sucht, wird feststellen, dass die Auswahl dünn ist. Urban Trials Freestyle bietet zwar Motocross-Maschinen, ist aber mit MXGP in keiner Weise vergleichbar.

Während Urban Trials Freestyle die Spieler mit unglaublichen Stunts, sekundenlangen Flügen und urbanem Vorstadtflair aufwartet, setzt Milestone mit MXGP auf Realismus und echtes Motocross-Feeling, gepaart mit möglichst detailgetreuen Originalstrecken. Der erste Spielstart wird von einem coolen und actionreichen Trailer untermalt, der Rennszenen aus echten Motocross-Rennen möglichst imposant darstellt.

Kurz nach dem Trailer kann man sich Tutorial-Videos ansehen, die die grundlegende Steuerung und einige Tricks zeigen. Dies ist auch dringend zu empfehlen, denn die Steuerung ist am Anfang gewöhnungsbedürftig und benötigt etwas Übung und Geduld.

Strecken und Spielmodi

MXGP wartet mit insgesamt 14 Original-Strecken auf, die sich aus einem Mischmasch der letzten und diesjährigen reellen Saison zusammensetzen. Warum hier trotz der offiziellen Lizenz nicht alle aktuellen Strecken verwendet wurden, ist unverständlich, gerade weil Milestone so sehr auf Realismus setzt. Die Tour führt dabei einmal quer um den Erdball mit Stationen in Asien, Europa und Südamerika.

Die Spielmodi umfassen Einzelrennen, in denen Fahrer und Strecken per Zufall ausgewählt werden. Wer mehr Entscheidungsmöglichkeiten sucht, dem empfiehlt sich der Grand Prix Modus oder Meisterschaftsmodus. Hier kann man frei entscheiden, wie intensiv man die Rennen spielen möchte. Von Bike-Einstellungen über die Auswahl des Umfang eines Renn-Wochenendes, alles das bleibt dem Spieler überlassen. So kann man entscheiden, ob man nur das Rennen selbst spielt, oder aber das komplette Wochenende mitnimmt inklusive Training, Qualifying und zwei Rennen.

Leider sucht man einen Trick-Modus vergeblich. Das Herzstück der Motocross-Simulation ist sicherlich der Karriere-Modus, in welchem sich der Spieler vom Wild-Card-Neuling bis zum MX1-Klassenchampion hochkämpfen muss. Dafür sind zig Rennen zu bestreiten und einige Sponsoren zu überzeugen.

Dies macht man überwiegend durch Siege in Rennen, wodurch nach ein paar Renn-Wochenenden neue Teams auf einen zukommen, um mit Angeboten zu locken. Hierbei sind nur Teams mit ihren Bikes die Motivation, so scheint es zumindest, denn Gehalt scheint es für eine steile Karriere nicht zu geben. Der Spieler lebt den Traum offensichtlich MX1-Champion zu werden, dort ist anscheinend keine Zeit mehr, Geld oder solche Dinge auszugeben. Einziges Indiz für die eigenen Entscheidung zu wechseln ist also rein die Leistung des Bikes, welches das potenziell neue Team zur Verfügung stellt. Das Büro, aus dem der Spieler agiert, erinnert massiv an das Büro, welches das Spieletest-Team zuletzt in WRC 4 gesehen hat.

Der Teamchef stellt euch meist vor den Rennen und einer ganzen Saison Ziele, welche erreicht werden müssen, um in der Karriere weiterzukommen. Dies bedeutet meist eine bestimmte Platzierung zu erreichen und vor einem festgelegten Kontrahenten zu sein.

Grafik und Technik

Die Hintergrund-Grafiken sind derart plastisch, dass man sich teilweise an 2D-Super Mario erinnert fühlt. Die Grafik der Bikes und der Fahrer ist hingegen gut, darauf wurde von Milestone auch sehr viel Wert gelegt. Bei Sprüngen sieht man schön das Trikot des Fahrers im Wind flackern und auch die Bikes haben eine Modellierung bekommen, sodass nach einem Qualifying oder Rennen die Verschmutzung am Bike deutlich zu erkennen ist.

Dieser freudige Moment wird nach dem Rennen allerdings wieder zerstört, da dann der eigene Team-Mechaniker ankommt, um mit einem den gerade errungenen Sieg zu feiern. Dafür bekam der Mechaniker eine Einheitsmiene aufgesetzt, wie man sie auf der PS2 nicht besser hätte programmieren können. Clipping-Fehler, nachladende Texturen und quälend lange Wartezeiten sind bei einer angekündigten verbesserten Grafik-Engine einfach nicht akzeptabel.

Fragwürdig ist ebenfalls die teilweise fehlende Kollisionabfrage, da bei direkten Treffern mit Kontrahenten zeitweise nichts passiert, dann aber wieder schon. Besonders ärgerlich, wenn einen ein kleiner Fahrfehler in einer Kurve direkt vom Bike hebt.

Sound und Steuerung

Positiv hervorzuheben sind der Sound und nach einer gewissen Eingewöhnungszeit die Steuerung. Der Sound kommt satt und wirkt sehr realistisch. Hier klingt nichts hölzern, sondern man hört schon die Power der Bikes, das trägt gut zu der gesamten Rennatmosphäre bei. Die Steuerung ist technisch das Prunkstück von Milestone, hier hat man sich wirklich damit auseinandergesetzt, um etwas Vernünftiges auf die Beine zu stellen.

Milestone hat bestätigt, dass eine Dual Stick-Steuerung implementiert wurde die es ermöglicht mit dem linken Analogstick das Motorrad zu kontrollieren, während man gleichzeitig mit dem rechten Stick die Gewichtsverlagerung des Fahrers durch Bewegungen nach vorne, hinten oder zur Seite bestimmen kann.

Hat man den Dreh einmal heraus, kann man mit der separaten Steuerung von Fahrer und Bike einige Kniffe versuchen. Hierzu werden die beiden Analogsticks benutzt, wobei der linke das Bike und der rechte den Fahrer steuert. Dies bietet Einfluss auf die Länge der Sprünge, oder aber auch auf das Kurvenhandling.

Online-Modus

Weitere Spielmodi sind Einzelrennen, Online-Meisterschaften und diverse Ranglisten. Vergeblich sucht man hier aber einen Offline-Splitscreen-Modus, um sich mit Freunden auf der heimischen Couch den virtuellen Dreck ins Gesicht zu schleudern. Ansonsten hat der Multiplayer außer Verbindungsproblemen nicht viel zu bieten, Dauermotivation ist leider nicht gegeben.

Meist bezieht sich das Trophyset nur auf das Abschließen der einzelnen Strecken, ein paar Replays und das Absolvieren des Online-Modus.

Fazit

Wie auch schon bei den anderen Spielen von Milestone fragt man sich am Ende, was aus diesem Spiel geworden wäre, wenn man es konsequent und zielstrebiger umgesetzt hätte. Die Schwächen in der Technik sind einfach zu gravierend, um darüber hinwegsehen zu können.

Insgesamt ist der Test sehr negativ behaftet, deswegen soll nochmal herausgehoben werden, dass MXGP durchaus Spaß macht. Gerade die Steuerung reißt dort vieles raus, was aber durch die anderen Fehler wieder ins schlechte Licht gerückt wird.

Zum Schluss bleibt ein Spiel, welches man sich am besten irgendwann als Budget-Version oder gebraucht kaufen sollte, wenn man Spaß an diesem Genre hat.

Strecken in MXGP
Region Strecken
Asien (Namen der Strecken fehlen)
Europa (Namen der Strecken fehlen)
Südamerika (Namen der Strecken fehlen)

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0