Nach der Absage des Grand Prix von Argentinien musste die Motorrad-WM eine kleine Zwangspause einlegen, ehe es an diesem Wochenende in den USA mit dem 3. Saisonrennen weiterging. Auf dem Circuit of Amerika in der Nähe von Austin/Texas gingen die Piloten weiterhin der Frage auf den Grund, wer denn nun 2024 der eigentliche Titelfavorit in der MotoGP ist.
Gründe für die Absage
Der Große Motorrad-Preis von Argentinien kann in diesem Jahr nicht stattfinden. Das für Anfang April geplante Event wird ersatzlos gestrichen. Der Große Motorrad-Preis von Argentinien kann in diesem Jahr nicht stattfinden. Das für Anfang April (5. bis 7.) geplante Event in Termas de Rio Hondo wird ersatzlos gestrichen, damit finden in der neuen Saison 21 statt 22 Läufe statt. Das gaben der Motorrad-Weltverband FIM, die Teamvereinigung IRTA und der WM-Vermarkter Dorna am Mittwoch bekannt.
Wegen der "aktuellen Umstände in Argentinien" habe der Veranstalter mitgeteilt, dass die Durchführung des Grand Prix "nach MotoGP-Standards" nicht garantiert werden könne, hieß es in der Mitteilung. Die MotoGP hoffe, "im Jahr 2025 wieder Rennen in Termas de Rio Hondo zu bestreiten". Grund für die Absage dürften Sparmaßnahmen der argentinischen Regierung sein. Laut Medienberichten wurden staatliche Subventionen für den Grand Prix gestrichen. Die neue Saison beginnt in Katar (8. bis 10. März).
Logistische Herausforderungen und Frachtprobleme
Die Trainings zur MotoGP in Argentinien mussten für den heutigen Freitag abgesagt werden. Grund: Es gab Logistikprobleme bei zwei Flügen. Bereits am Mittwoch gab es ein technisches Problem bei einem Flugzeug, danach dann auch bei einer zweiten Maschine. Dadurch kommen Teile der MotoGP-Ausrüstung erst am heutigen Freitag in Argentinien an. Die Trainings für heute wurden gestrichen (alle Klassen), der Zeitplan für Samstag und Sonntag angepasst.
Die Verzögerung eines erheblichen Teils der MotoGP-Fracht von Indonesien nach Argentinien stellt den gesamten Zirkus der Motorrad-WM an diesem Wochenende in Termas de Rio Hondo vor ungeahnte Herausforderungen. Weil bis Donnerstag noch nicht das komplette Material für alle MotoGP-Teams in Südamerika eingetroffen ist, hat man den kompletten für Freitag vorgesehen gewesenen Fahrbetrieb gestrichen. Laut des neuen Zeitplans für das Argentinien-Wochenende soll es mit den ersten Freien Trainings aller drei WM-Klassen am Samstag losgehen.
Betroffen von den Frachtverzögerungen, die auf zwei defekte Transportflugzeuge zurückzuführen sind, sind in erster Linie die Ducati-Kundenteams Gresini und VR46. Sie sind aber nicht die einzigen, die Stand Donnerstagnachmittag Ortszeit in Argentinien noch auf Material warten.
Wie Dorna-Chef Carmelo Ezpeleta in seiner außerordentlichen Pressekonferenz am Donnerstag anmerkte, sind offenbar defekte Ventile am Flugzeugmotor der Grund für die Verzögerung. "Vorigen Mittwoch haben wir mehrere Flugzeuge von Lombok (Indonesien) nach Argentinien geschickt", sagte Ezpeleta und weiter: "An einem der Flugzeuge gab es in Mombasa in Afrika ein Problem. Daraufhin haben wir entschieden, ein anderes Flugzeug, das schon in Argentinien gelandet war, nach Lombok zurückzuschicken."
"Leider gab es auch an diesem wieder ein technisches Problem in Mombasa. Offenbar gab es an einem der vier Motoren Schwierigkeiten im Bereich der Ventile. Daraufhin sind zwei Flüge gestartet, einer in London und einer in Paris, glaube ich, um Ventile nach Mombasa zu bringen", so Ezpeleta.
Reaktionen der Teams und Fahrer
Gresini-Pilot Bastianini meint: "Wir werden sehen, ob morgen alles hier ankommt." Ganz ähnlich klingt Luca Marini aus dem VR46-Team. "Wir haben momentan noch gar nichts. Wir müssen warten bis morgen am späten Nachmittag", sagt er und denkt schon mal an die Crew: "Alles an nur einem Tag aufzubauen und vorzubereiten, das wird sicherlich nicht einfach."
Aufmunternde Worte kommen von Jack Miller. "Uns fehlt eigentlich gar nicht so viel", sagt der Ducati-Werkspilot. "Genau genommen fehlen uns nur die Wände für die Box. Aber unsere beiden Bikes sind hier und auch genügend Werkzeug, sodass die Bikes vorbereitet werden können. Hoffen wir mal, dass die anderen Teams, und damit meine ich vor allem VR46 und Gresini, ihr Material am Freitag erhalten werden."
"Wenn dem so ist", so Miller, "dann können unsere Mechaniker sicherlich mal rübergehen und den Leuten dort unter die Arme greifen. Letzten Endes ist Ducati eine große Familie. Dass diese Leute [von VR46 und Gresini] noch auf ihr Material warten, ist einfach Pech." Andere Teams, wie etwa das Yamaha-Werksteam um Titelverteidiger Fabio Quartararo haben bereits ihr komplettes Material in Termas de Rio Hondo vor Ort.
"Ich habe alles. Von mir aus könnten wir direkt loslegen", scherzt Quartararo, um dann aber doch ernst zu werden: "Das Ganze ist natürlich ein Jammer. Wir können allen nur die Daumen drücken, dass morgen alles noch Fehlende ankommt." Nicht von den Frachtverzögerungen betroffen ist Pramac-Ducati. Dennoch fühlt auch Johann Zarco mit: "Wir bei Pramac haben das Glück, dass wir alles schon vor Ort haben. Aber für die Teams, die noch auf alles warten, ist es natürlich am schwierigsten. Denn für all die Arbeit, für die man normalerweise 48 Stunden Zeit hat, bleibt dann nur noch eine Nacht."
Miguel Oliveira, der das zurückliegende Rennen in Indonesien gewonnen hat, schätzt sich trotzdem glücklich: "Auf meiner Seite der Box fehlt nur ein Bike. Wenn sich höre, dass andere Teams noch überhaupt nichts hier haben, dann müssen wir froh sein." Oliveiras Teamkollege Brad Binder meint: "Dank des neuen Zeitplans werden wir immer noch ausreichend Streckenzeit zur Verfügung haben. Das ist wichtig." Damit spricht der Südafrikaner darauf an, dass es für ihn das Debüt auf einer MotoGP-Maschine in Termas de Rio Hondo wird. Als der Argentinien-Grand-Prix im Jahr 2019 zum bislang letzten Mal stattfand, fuhr Binder noch in der Moto2-Klasse.
Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie
Die Coronavirus-Pandemie und die damit verbundene Lungenkrankheit COVID-19 haben die Welt fest im Griff. Viele Länder haben Maßnahmen ergriffen, um eine Ausbreitung zu verhindern. Auch der Motorsport ist davon betroffen: Wie schon 2020, so werden auch 2021 Rennveranstaltungen abgesagt oder verschoben.
Die MotoGP-Events in Austin (USA) und Termas de Rio Hondo (Argentinien) werden auf Grund der anhaltenden Coronavirus-Pandemie auf unbestimmte Zeit verschoben. Die entstandene Lücke wird durch ein zweites Rennen in Losail (Katar) und ein Rennen in Portimao (Portugal) geschlossen.
Weitere Absagen und Verschiebungen im Motorsport
Die Coronavirus-Pandemie hat zu zahlreichen Absagen und Verschiebungen im Motorsport geführt. Hier eine Übersicht einiger betroffener Veranstaltungen:
- Formel E: Verschiebung des Saisonauftakts in Santiago de Chile
- 24h Le Mans für Motorräder: Austragung als "Geisterrennen"
- DRM: Rallye Erzgebirge verschoben
- IndyCar: Saisonauftakt eine Woche später
- Roadracing: North West 200 abgesagt
- DTM: Sankt Petersburg abgesagt - Neuer Saisonauftakt in Monza
- WRC: Arktis-Rallye als Ersatz für Schweden
- BTCC: Saisonstart um fünf Wochen verschoben
Blick in die Vergangenheit
Es entwickelt sich womöglich eine Tendenz, womit die MotoGP infolge der Corona-Pandemie sich in die Anfangsjahre der Motorrad-Weltmeisterschaft zurückentwickelt. Nachdem in Losail der WM-Auftakt nur mit Moto2 und Moto3 begonnen hatte, ist ein Szenario denkbar, was es so in den Anfangsjahren der Motorrad-Weltmeisterschaft schon einmal gab.
Als 1949 nämlich zum ersten Mal eine WM für Motorrad-Rennen ausgetragen wurde, war dies gleich ein doppelter Etikettenschwindel. Wer in unserer History in letzter Zeit ein wenig herumblätterte, hat bestimmt bereits darüber gelesen. In den ersten drei Jahren waren Fahrer aus Deutschland noch nicht zugelassen, eine Nachwirkung der Nachkriegs-Repressionen, unter welchen sogar der Motorsport noch bis 1951 litt. Ab 1962 waren nach dem Bau der Berliner Mauer dann die Fahrer und Betreuer aus der DDR aus dem GP-Zirkus für einige Jahre so gut wie ausgeschlossen. Sie erhielten damals keine Visa zur Einreise in die Nato-Staaten.
Die WM fand jedoch mit wenigen Ausnahmen in dieser Zeit nur in solchen Ländern statt. Bis zur Saison 1960 fanden sämtliche Rennen nur in Europa statt. Erst mit dem GP von Argentinien in Buenos Aires kam, ging es im Jahr 1961 zum ersten Mal nach Übersee. Nachdem die japanischen Werke in die WM eingestiegen waren, kam zwei Jahre nach Argentinien auch der GP von Japan in den Kalender.
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